Freitag, 27. November 2009

Per Olov Enquist: Ein anderes Leben (Autobiografie)

„Ein anderes Leben“ ist die Autobiografie des schwedischen Schriftstellers und Dramatikers Per Olov Enquist. Von Enquist kannte ich bisher nur „Der fünfte Winter des Magnetiseurs“ und „Das Buch von Blanche und Marie“, und ich vermute, zufällig gerade auf die Romane gestoßen zu sein, die wohl nicht zu seinen besten gehören. Enquists Autobiografie veranlasst mich zu einer weiteren Beschäftigung mit dem Autor, denn in „Ein anderes Leben“ habe ich literarische Glanzstücke gefunden. Die Kapitel über seinen Alkoholismus, der ganze Teil über seine Kindheit ist große Literatur, gerade hier wird, als ob es ein Roman wäre, mit literarischen Mitteln gearbeitet. Es ist bemerkenswert, dass man am Buch äußerlich nicht ausmachen kann, dass es sich um eine Autobiografie handelt. Vielleicht hat der Autor darauf keinen besonderen Wert gelegt.

„Ein anderes Leben“ - das ist das Leben nach dem Alkoholismus, als er wieder Romane schrieb, begonnen mit „Kapitän Nemos Bibliothek“. Er stand am Rande totaler Selbstvernichtung, und glaubte nicht mehr, schreiben zu können, erzählt von Jean Sibelius, er habe seine achte Symphonie komponieren wollen, setzte sich an den Komponistentisch, wo ihm dann die Sehnsucht nach einer Branntweinflasche überkam.

Die Entscheidung des Autors, seine Autobiografie aus der Perspektive der dritten Person zu erzählen, hat sich bewährt, denn dieser Blickwinkel gewährt dem Autor einen Blick von außen auf sich selbst, und der Leser gerät niemals in den Verdacht, hier möchte sich jemand auf den Präsentierteller hieven. Die Gefahr banaler Schreiber besteht ja darin, sich autobiografisch in ihrem Leid zu suhlen, hier ein „weh“ und dort ein „ach“. Per Olov Enquist, der sich hier als vorzüglicher Schriftsteller erweist, ist über solche Banalitäten erhaben. Seine Offenheit und Ehrlichkeit, die er in seinem Werk ausbreitet ist bewundernswert, das betrifft natürlich auch die Kapitel über seine Sucht. Trotzdem, nie hatte ich das Gefühl, dem Herrn Enquist zu intim auf die Füße getreten zu sein. Das ist das Wunder der „Er“- Perspektive und die Größe des Autors.

"Riecht es nicht nach Formalin in der Anlage? Man bewahrt die Leichen der Selbstmörder bestimmt im Kühlraum auf. Seine Aufnahmepromille werden ihm mitgeteilt, aber gegen seine Gewohnheit vergisst er sie und will nicht noch einmal fragen."

Obwohl Per Olov Enquist natürlich weiß, dass die Ursache seiner Sucht irgendwo in der Vergangenheit liegen muss, begibt er sich nicht auf Ursachenforschung. Er weiß nicht, woher seine Sucht kommt, lässt aber die Vokabel „Alkohol“ durch das Buch gleiten. Natürlich stutzte ich, als ich Per Olov Enquists Reaktion auf die überschwengliche Rezension zu "Der Sekundant" von Olaf Lagercrantz las, der geschrieben hat, Enquist sei in seinem siebenundreißigsten Lebensjahr zur Meisterschaft gelangt. Enquists Reaktion:

"Das genau ist es. Siebenundreißig Jahre und auf dem Höhepunkt seiner Karriere, und was soll jetzt kommen? Leere?"

Anfang der 60er Jahre infolge von Magnecylmissbrauch Operation wegen eines Magengeschwürs und zur Enthaltsamkeit gezwungen. Mehrere Jahre kein Tropfen. Damals fiel ihm das leicht. Per Olov Enquist, 1934 im Dorf Hjoggböhle, „zwanzig Kilometer von der Küste und tausend Kilometer nördlich von Stockholm, tief im Wald gelegen“, geboren, aufgezogen von einer christlich sektiererischen Mutter, Bigotterie - es muss gesündigt werden, um regelmäßig beichten zu können - , sein Vater starb, da war er ein halbes Jahr alt. Seine Großmutter sprach im Sterbebett zu Per Olov:

"Herzlieb Per-Ola, jetzt sterb ich und du darfst keine Dummheiten machen oder in' Alk'hol g'raten wie e Papa."

1990 beginnt sein anderes Leben. Ein Jahr zuvor ist er in Prag und legt in dieser Autobiografie sein persönliches Zeugnis vom neunten November ab. Am 04. Mai 2001 wurde „Der Besuch des Leibarztes“ im "Literarischen Quartett" besprochen. Damals trat Per Olov Enquist in mein Bewusstsein ein.

Mittwoch, 25. November 2009

Leo Perutz: Wohin rollst du Äpfelchen...

1918. Ende des ersten Weltkrieges. Georg Vittorin und vier Kriegskameraden sind nach zweijähriger Kriegsgefangenschaft aus dem russischen Lager von Tschernawjensk entlassen und sitzen im Zug Richtung Wien. Sie schwören Rache. Der Lagerkommandant Seljukow hat sie schlecht behandelt, Vittorin in harscher Weise gedemütigt. In Wien aber gliedern sich die vier Kameraden ohne Probleme wieder ins zivile Leben ein und denken gar nicht daran, um der Rache willen nach Russland zurückzukehren. Offenbar haben sie ihre Schmach schnell vergessen. Nur Vittorin nicht. Er ist fixiert, von Rache besessen. Er will den Kommandanten zur Strecke bringen und reist zurück nach Russland. Dort gerät der in die Unruhen des Bürgerkrieges zwischen den Rotarmisten und der Weißen Armee. Das tut Vittorins Rachegelüsten keinen Abbruch, und wenn wegen seiner Besessenheit einige Menschen sterben müssen, strebt Vittorin energisch weiter seinem Wunsch entgegen, vor Seljukow zu stehen, ihm eine Kugel durch den Leib zu jagen. Doch seine Jagd auf den Stabskapitän Michael Michajlowitsch Seljukow entpuppt sich als eine Jagd auf ein nicht fassbares Fantom. Vittorin jagd Seljukow quer durch Europa. Für Vittorin wird er zum „bösen Geist einer entarteten Zeit.“ Eine herrliche Idee von Perutz, Seljukow zu einer Metapher mutieren zu lassen.

"In ihm haßt Vittorin alles Schändliche...Konstantinopel ist voll von diesen düsteren Gestalten, voll von Menschen, deren Fingerandrücke in den Polizeiämtern registirert sind, überall sieht man ihre gierigen und gemeinen, verschwommenen und verfetteten Gesichter. Sie verdienen am Krieg, an der Politik, an der Spionage...Mit Verbrechern aller Erdteile hab' ich mich herumgeschlagen..."

Den böse Geist der entarteten Zeit finden wir auch in Wien. Doktor Emperger, einer von Vittorins ehemaligen Lagerkameraden, sagt:

"Sie sind wieder zu Hause, alles ist vorüber. Jetzt heißt es arbeiten, wieder von vorn beginnen, den Krieg vergessen."

Bloß, wie soll man den Krieg so schnell vergessen, wenn man gerade erst aus dem Krieg zurückgekommen ist? Vergessen kann man einen Krieg überhaupt nicht, wenn man einen erlebt hat, höchstens verdrängen. Das rächt sich aber. Doktor Emperger ist auf seine Weise genauso verrückt wie Vittorin auf seine Weise. Die (wohl reicheren) Wiener feiern Parties, und auf der Straße hört man Lieder singen wie „...Der Tschechoslowak/ steckt alles in Sack,/ Die Wiener werden krepieren.“

Das Zeitkolorit hat Leo Perutz sehr schön eingefangen. Hierin liegen die Stärken des Romans. Vittorin ist in Russland. Schaurig und wahr heißt es:

"Ein blutiger Nebel lag über der russischen Erde."

Leo Perutz hätte den Charakter Vittorins, und seine psychische Verfassung besser ausgestalten müssen. Da reicht es eben nicht, wenn er in Visionen vor Seljukow steht und anschließend wieder zur Tagesordnung übergeht. Es hätte gestalterisch viel tiefer in die Psyche eingedrungen werden müssen, um den Leser fassbar vor Augen zu führen, warum Vittorin den Boden unter den Füßen verloren hat. Wie Perutz seinen Vittorin dargestellt hat, ist er auch nur ein Schemen, der ein Fantom jagd. Nun kenne ich Leo Perutz in einigen anderen Romanen als höchst raffinierten Romangestalter und es ist nicht auszuschließen, dass diese Schemenhaftigkeit Vittorins beabsichtigt ist, weil „Georg Vittorin der Welt, in der er lebte, entfremdet war.“ Trotzdem ist es mir lieber, wenn sich ein Protagonist griffiger hervorhebt.

„Warum rollst du Äpfelchen“ (1928) ist ein Kriegsheimkehrerroman. Ein anderer bekannter Heimkehrerroman aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist „Die Flucht ohne Ende“ (1927) von Joseph Roth, darin Franz Tunda aus russischer Gefangenschaft flieht und in den Bürgerkrieg hineingezogen wird. Das besondere am Perutzroman ist, das der Heimkehrer wieder zurückkehrt, und der Roman sich zu einem abenteuerlichen Spannungsroman entwickelt.

Freitag, 13. November 2009

Herta Müller: Reisende auf einem Bein

„Reisende auf einem Bein“ ist Herta Müllers erster Roman, den sie nach ihrer Ausreise in Deutschland veröffentlicht hat. Irene, die Protagonistin, reist aus „dem anderen Land“ (Rumänien) aus und kommt in Deutschland aber nie so richtig an. Physisch schon, aber sonst? „Reisende kommen zu spät“ lesen wir, „Reisende auf einem Bein und auf dem anderen Verlorene“. Was das zu bedeuten hat, muss der/die Leser/in selber zusammeninterpretieren, macht er/sie es nicht, hat er/sie ein Bein verloren und das Buch auch. Herta Müller überlässt vieles dem Leser. Also versuche ich es:

Irene, die Reisende, hat ihre Kindheit und Jugend in Rumänien verbracht. Sie hat Sehnsucht aus dem Land herauszukommen. Im ersten Kapitel spiegelt sich diese Sehnsucht in ihren nächtlichen Spaziergängen, auf denen sie einen Mann wiederholt begegnet, der bei ihrem Anblick onaniert. In diesem Land, unter dieser Diktatur, kann sie mit niemandem mehr etwas anfangen, auch nicht mit Franz, den sie zwar in Rumänien noch kennenlernt, der sich aber schon im Absprung in Richtung Deutschland befindet. Irene reist ihm nach. Sie telefonieren und Franz sagt: „Wir haben bewiesen, daß wir, wenn es uns gäbe, nicht wären.“ Was für ein verrückter Satz, aber, und jetzt kommt es. „Der Satz ist ein Zitat“, heißt es, und zwar aus „Die unsichtbaren Städte.“ Es ist klar, dass das Poem von Italo Calvino gemeint ist. „Die unsichtbaren Städte“ sind Imaginationen, können im übertragenden Sinne unerreichbare Winkel menschlicher Identität sein. Müller zitiert Calvino:


"Irene ist der Name für eine Stadt aus der Ferne, und nähert man sich ihr, so wird sie eine andere."

Das ist auf Irene übertragbar, die nur auf einem Bein steht, ihre Identität nicht zum Greifen nahe ist. Sie verliert sich in ihrer Einsamkeit, treibt sich, als ob sie vor sich selber fliehen wolle, in Bahnhofslandschaften herum. Sie wird sich selber Fremd. Ihr Selbst ist gebrochen. Es ist kein Zufall, dass sich dieser Roman auch noch auf Cesare Paveses Roman „Der Teufel auf den Hügeln" bezieht, der Romantitel wird bei Müller zitiert. Paveses Themen sind ebenso Langeweile, Einsamkeit biss hin zum Selbstmord, wie wir es in den einsamen Frauen lesen können. Um den Identitätsverlust bildhaft vorzuführen, wählt Herta Müller in ihrem Roman ähnlich wie in Paveses Roman „Die einsamen Frauen“ das Beispiel mit dem Spiegel:

"Ich seh nur in den Spiegel und rechne nicht mit meinem Gesicht".

Diese literarischen Bezüge sind interessant, reichen aber nicht aus, um den Roman gut zu finden. Warum es mit Franz und Thomas nicht geklappt hat, weiß ich nicht, so bleibt die Handlung in der Schwebe. Thomas, der homosexuell ist, mit Irene aber geschlafen hat, sagt zu ihr:

"Manchmal mach ich Ausnahmen, Irene, ich mußte dich doch rasch noch lieben, bevor du welkst."

Das kann sich evtl. auf das Motto des Romans beziehen, ein Zitat von Pavese:
„Aber ich war nicht mehr jung.“ Schon tragisch. Sie hat ihr Leben verpasst. In „dem anderen Land“ konnte sie wegen der Diktatur ihr Leben nicht ausleben. In Deutschland ist ihr Leben brüchig geworden. Es sei zu spät, sie welkt bald schon. Ich weiß natürlich nicht, ob Herta Müller das auch so sieht wie ich. An sich ist das auch nicht wichtig, denn Interpretationen bleiben dem Leser überlassen. Und warum Franz und Irene nicht zusammenpassen, lässt sich warscheinlich auch erdeuteln.

Um hier irgendwie weiter zu kommen, muss ich mich zum Schluss zu einem subjektiven Urteil verleiten lassen. Die ersten Kapitel finde ich sehr schön. Sie haben Atmosphäre, besonders der Abschnitt im Kapitel 4, der in der Umgebung einer Kaserne, eines Bahndamms und der Berliner Mauer spielt.

"Auf dem Bahnsteig oben, der Wind. Darunter die Mauer. Das Licht war grell. Und der Sog war kalt."

Wie schade, dass solche atmosphärischen Teile im Roman dann nicht mehr vorkommen. Die Tragik des Romans liegt natürlich in Irenes Schicksal, aber noch tragischer in der Umsetzung. Es fesselt nichts und irgendwann denkt man, was lese ich überhaupt, d.h. der Inhalt grumpft irgendwo dahin, und der Faden geht flöten. Cesare Pavese, der die gleiche Grundthematik hat, spricht mich da viel mehr an. Interesssanter als das Buch zu lesen, war für mich das Verfassen dieser Rezension, in der mir doch noch einiger Sinn aufgegangen ist. Besonders dankbar bin ich für den Hinweis auf Calvino.

Montag, 9. November 2009

Imre Kertész: Roman eines Schicksallosen

Im "Galeerentagebuch" verrät uns Kertész über den „Roman eines Schicksallosen“:


„Das Autobiographischste in meiner Biographie ist, daß es in "Schicksalslosigkeit" nichts Autobiographisches gibt. Autobiographisch ist, wie ich darin um der großen Wahrhaftigkeit willen alles Autobiographische weggelassen habe“ (Galeerentagebuch Seite 185, Rowohlt Berlin 1993), demzufolge ich den Roman als Roman zu lesen habe, auch wenn ich weiß, dass Imre Kertész in den Konzentrationslagern war.


Da sein Vater zum Arbeitsdienst einberufen werden soll, hat der fünfzehnjährige Gyurka Schulfrei bekommen. Der Roman wird aus der Sicht von Gyurka erzählt, der noch keinen Einblick in die Erwachsenenwelt hat, sich nicht darüber im klaren ist, dass er womöglich den letzten Tag mit seinem Vater verbringt. Von den Gefahren, denen Juden in dieser schrecklichen Zeit ausgesetzt sind, ist der Junge ahnungslos, vielleicht auch noch zu naiv, um zu begereifen , obwohl er den Judenhass eines Bäckers zu spüren bekommen hatte. Allerdings ist der Junge ziemlich aufgeweckt, weil er die Absurdität des Rassenhasses darlegen kann. Wenn wir den Roman allerdings weiterverfolgen, erscheint mir diese Aufgewecktheit allerdings unglaubwürdig. Denn obwohl Gyurkas Vater und Onkel Lajos die Gefahren des Nationalsozialismus erahnen oder wissen, bleibt der Junge ahnungslos und hinterfragt nicht. Natürlich habe ich mich gefragt, ob diese Ahnungslosigkeit nur aus heutiger Sicht naiv ist. Das Horthy-Regime war zwar antisemitisch und erließ diskriminierende Judengesetze, man ließ die Juden aber noch am Leben (siehe hier ). Erst als die Nazis 1944 Ungarn besetzten, in der Zeit, in der unser Roman spielt, wurden Hunderttausende in Konzentrationslager gebracht. Spätestens dann muss sich das in Ungarn herumgesprochen haben. Trotzdem, in seiner Unwissenheit ist Gyurka nicht allein. Gyurka, der „nicht einfach nur so dahinlebe, sondern in der Industrie kriegsgewichtige Arbeit leiste“, wird eines Tages auf dem Weg zur Arbeit aus dem Autobus geholt. Ein Polizist sammelt an diesem Morgen Juden aus den Autobussen heraus und bringt sie vorerst in ein Zollhaus. Für die Jungen, die sich von der Fabrik her kannten, war dieses Zusammentreffen belustigend, für die Erwachsenen, die auch im Zollhaus festgehalten wurden, war es eine Verunsicherung.


„...alles Männer. Aber wie ich sah, haben sie den Polizisten schon mehr Mühe gemacht: sie verstanden die Sache nicht, schüttelten den Kopf, erklärten fortwährend etwas, holten immer wieder ihre Papiere hervor, belästigten ihn mit Fragen.“


Gyurkas Naivität erweist sich als treffendes Mittel, dem Leser die Grausamkeit der Lager näher zu bringen. Hierin verwirklicht sich offenbar Kertész Aussage


„Das Konzentrationslager ist ausschließlich als Literatur vorstellbar, als Realität nicht.“ (Galeerentagebuch, Seite 253).


So assoziiert der Junge die Schornsteine von Auschwitz mit dem Schornstein einer Lederfabrik, den er mal gesehen hat, der auch Gestank verbreitet hatte. Auch die Bemerkung


„...und der Ort, wo sie vergast wurden, sei sehr hübsch gelegen, zwischen Rasenplätzen, Wäldchen und Blumenbeeten: deshalb hatte ich schließlich den Eindruck, es sei eine Art Schabernack....“


schockiert, macht das Grauen erahnbar. Ich gebe gerne zu, mich selten so gegraut zu haben wie bei Kertész. Dagegen ist H.P. Lovecraft ein Klinkerlitzchen, der mich, weil sich andauernd Motive wiederholen, irgendwann dann auch gelangweilt hat. Nicht so bei Kertész. Naive Feststellungen, im KZ erfahren zu haben, dass Zigeuner Verbrecher seien, brennen sich in Gehirnwindungen. Durch Weglassungen bestimmte Wirkungen auf den Leser zu projezieren, ist eine große Kunst, und diese Kunst beherrscht Kertész. Der Leser ist der Wissende, Gyurka, was übrigens eine Verniedlichung von György ist, ist der Unwisende. Auch wenn Gyurka beim Anblick rauchender Schornsteine wie ein Wunder hinterfragt, "ob die Epidemie wohl solche Ausmaße habe, daß es so viele Tote gab.", bleibt Gyurka, der kleine Gyurika, der die Läuse beobachtet, die in seinem Fleisch saßen und sich von seiner Wunde nährten. Erschaudernd, wie er vom Ekel faulendendem Fleisches, von Krätze, erzählt, von scheußlichen Entdeckungen am eigenen Körper, sodass sich Gyurka nicht mehr waschen möchte. Und dann...


...Und dann musste ich grübeln, was György mit dem „Glück der Konzentrationslager“ meint. Glück an diesem Ort des Grauens? Wie absurd erscheint das, dabei ist das Überleben auch schon Glück, oder wenn man sich nach schinderischer Arbeit schlafen legen kann oder seine letzten Lebenskräfte aufspürt. Trotzdem erscheint es unglaublich, was der kleine Gyuri als Glück empfindet. Fesselnd und eindringlich sind die Erlebnisse in den Konzentrationslagern beschrieben.


>„Mit einer solchen Last kann man kein neues Leben beginnen“, und da hatte er bis zu einem gewissen Grad recht, das mußte ich zugeben. Nur verstand ich nicht ganz, wie sie etwas verlangen konnten, was unmöglich ist,....<

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Herta Müller: Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt

Es gibt ja Leute, die finden Thomas Mann wegen langer Sätze schwer lesbar. Bei Herta Müller ist das umgekehrt, sie schreibt kurze Sätze und macht es den Lesern nicht leicht. Herta Müller schreibt in einem poetischen Bilderreigen. Ich habe den Eindruck, in „Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt“ ist die Posie noch intensiver, quasi eine Steigerung ihres Erstlings „Niederungen“ . Natürlich sagt dieses, ob etwas leichter oder schwerer zu lesen ist, nichts besonderes aus, aber Herta Müller gehört, wie ich sie bisher kenne, zu den Autoren, die eine Herausforderung darstellen, d.h.durchaus zur sog. schweren Literatur zu zählen ist.

In „Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt“ geht es mir wie in manchem Gottfried Benn Gedicht. Irgendwie verstehe ich da etwas nicht, aber sprachlich sehr schön konzentriert ausgedrückt. Dass ich mich beim Fasan an Gedichte erinnere, und nicht an andere Prosa, vergleichendes es vielleicht kaum gibt, ist kein Zufall. In den „Niederungen“ und im Fasan schreibt Müller, als ob sie eine Lyrikerin ist. Diese durchaus wunderbaren poetischen Bilder, die auch im Fasan manchmal surrealistisch sind, wollen Interpretationen herausfordern.

Natürlich gibt es einen Inhalt. Herr Windisch wartet auf seine Ausreisegenehmigung. Der Inhalt muss aber zusammengepuzzelt werden und droht in den poetischen Bildern zu verwässern. „Das Ende ist da“ und „Die Zeit ist zu Ende“ heißt es. Immer mehr Deutsche wollen aus dem Dorf auswandern, sogar die Rosen, die am Kriegsdenkmal stehen „sind ein Gestrüpp. So verwachsen, daß sie das Gras erstricken“, und über Windisch sagt seine Frau: „Du könntest schon Großvater sein. Unsere Zeit ist vorbei.“ Vorbei ist ihre Zeit in Rumänien, in dem Land, wo sich die deutsche Bevölkerung dezimiert, sodass sogar sinniert wird, anfangs hätten sich die Rumänen gewundert, daß es nach Hitler überhaupt noch Deutsche gebe. Vielleicht frisst der Apfelbaum seine Äpfel deshalb selber, wie es in einem Text heißt, weil es keine Deutschen mehr gibt, die diese Äpfel essen können. Da ich aber nicht unterschlagen will, dass der Baum vor dem Krieg hinter der Kirche gestanden hat, führt entgegen des ersten Interpretationsversuch der Zweite dahin, dass hier die Nazis gemeint sein können, die das Land bildlich gesehen auffressen wollen. Zerstörung im Krieg.

"Der Pfarrer hatte die Kirchenuhr abgestellt. Ihre verzahnten Räder sollten nicht die Zeit der Sünde messen."

Ein Versuch, die Sünde, den Krieg, auslöschen zu wollen.

In dieser Erzählung wird das korrupte System in Rumänien deutlich angesprochen. Diese Mentalität der Korruption war (oder ist noch) in Rumänien gang und gebe. Ich kann mich noch erinnern, dass irgendein rumänischer Ministerpräsident vor X-Jahren gegen die Korruption angehen wollte. Ob er damit Erfolg gehabt hat, weiß ich aber nicht, ist aber anzuzweifeln. So schlafen in unserer Erzählung Frauen mit dem Milizmann, man macht Geschenke, um an Ausreisepapiere heranzukommen. Die Geheimpolizei macht was sie will. Enteignet Privatbesitz. Was soll der deutschen Minderheit sonst noch übrig bleiben, als dem Land zu entkommen? Darum bleibt für die Banater die Zeit stehen. Vielleicht ticken die Uhren in Deutschland weiter.

Übrigens finde ich in der Erzählung viele schöne Stellen, die man zitieren müsste. Z.B. diese Szene, in der Rudi die siebenjährige Amalie verführt. Erschreckend genug, was auf dem Dorf alles passiert, aber bewundernswert wie vollkommen komprimiert diese Szenerie gedichtet (ja,ja, gedichtet!) wird. Hut ab und Kniefall - Bemerkenswert die Dorfdummheitsmentalität, von der Windisch befallen ist, wenn er behauptet, Amalie träge die Schuld der Sünde.

Um Zugang zu dem Text finden zu können, habe ich die ersten 60 Seiten zweimal lesen müssen. Die Erzählung zwingt dem Leser zur Langsamkeit. Für Gedichte benötigt man ja auch viel Zeit. Der Vergleich ist absolut passend. Ich glaube, nur durch Langsamkeit lässt sich der Text inhaltlich und in seiner poetischen Herrlichkeit erfassen. Trotzdem bleiben Fragen offen...keine leichte Lektüre.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Herta Müller: Niederungen

Claudio Magris erwähnt in seinem 1986 erschienenden Buch „Donau“ Herta Müllers ersten Prosaband „Niederungen“ der 1982 in zensierter Fassung in Bukarest erschien, 1984 in vollständiger Fassung im Rotbuch-Verlag, Berlin. Aufgrund des enormen politischen Druckes auf die deutsche Minderheit in Rumänien, „ist auch Herta Müller gegenwärtig zum Schweigen verurteilt“, schreibt Magris. Im Jahre 1987 verließ Müller Rumänien und ließ sich in Berlin nieder. Sie verließ den Banat, weil ihre Literatur zensiert wurde, und sie mit dem rumänischen Geheimdienst Securitate nicht zusammenarbeiten wollte. Karl-Peter Schwarz schrieb am 08.10. 2009 in der FAZ einen hochinteresssanten Artikel über Herta Müller, in dem er darstellte, wie die Autorin noch in Deutschland vom rumänischen Geheimdienst verfolgt und verleumdet wurde. Herta Müller und der lange Arm der Securitate heißt der Artikel, auf den ich hiermit ausdrücklich verweise. Karl-Peter Schwarz bezieht sich auf Herta Müllers Essay Die Securitate ist noch im Dienst, erschienen in der Wochenzeitung „Die Zeit“ am 23.07.2009.

Der Prosaband „Niederungen“ enthält mehrere Prosatexte, die meisten sind sehr kurz, der Text, der dem Buch seinen Namen gibt, ist der längste Text. Aus der Sicht eines heranwachsenden Mädchens schreibt Herta Müller von ihrem Dorf im Banat, wo sie geboren ist. Dieses Dorf steht auch für die anderen Banater Dörfer, denn die Welt der Donauschaben ist eng verflochten. Das Leben in dem einen Dorf ist so, wie in den Nachbardörfern. Da nämlich viele aus dem Dorf auswandern, das Dorf kleiner wird entfaltet sich eine Kuriosität. Es fehlt an Menschen, darum „beteiligen sich an allen Kerweihfesten dieselben Paare, dieselben Zuschauer und dieselbe Musikkapelle.“, man feiert also an einem Sonntag in diesem Dorf, am nächsten Sonntag in einem anderen usw. Daraus folgt, dass die Jugend sich im Banat untereinander gut kennt, deshalb es oft zu zwischendörflichen Ehen kommt. Und hier stoßen wir auf dörfliche Eigenheiten. Denn am liebsten wäre es den Eltern, ihr Junge heiratet eine von ihrem Dorf, und wenn sie es gestatten, dass er eine Dorfschönheit aus dem Nachbardorfe heiratet, sagen sie, wenigstens ist es eine Deutsche. Man will also unter sich bleiben; dieses unter sich bleiben wollen führt letzlich zu inzestiösen Verbindungen, so wie sich die ganze Familie in demselben Badewasser badet.

In diesem inzestiösem Dumpf findet die Autorin noch Humor, wenn sie zwei vorpubertäre Kinder dialogisieren lässt:

"Ich könnte dich gern haben, wenn du nicht so komisch pissen würdest, aus dieser Verlängerung. Die ist so häßlich.
Laß sein, morgen schneiden wir sie ab.
Ich habe Angst, daß ich ein Kind kriege von dir. Ich glaube, das darf man nicht, wir haben in denselben Topf gepißt.
Laß sein, dann heiraten wie eben.
Aber du bis doch mein Cousin."

Doch Humor lässt sich in den Prosastücken eher selten finden. Das heranwachsende Mädchen wächst in einer drückenden Athmosphäre von Angst auf. Schon in der ersten Geschichte „Die Grabrede“, die das Mädchen träumt, wacht sie am Sarg ihres Vaters. Die Sargträger sind „kleine wankelnde Männchen“, die über den Vater Dinge sagen, die sie wachen Leben vielleicht nur unterschwellig erahnen konnte. Im Traum wird ihr vor die Nase gehalten, ihr Vater habe eine Auszeichnung erhalten, weil er im Krieg fünfundzwanzig Menschen umgebracht hat, im Rübenfeld habe er eine Frau vergewaltigt. Der Vater fuhr auch Rinder zum Schlachthaus.

Tot und Verderben in ihrem Umfeld. Das Schlachten von Enten wird beschrieben.

"Sie sind fett und haben verkümmerte Flügel, und ihre spärlich durchbluteten Gehirne haben längst vergessen, daß sie Vögel sind."

oder

"Die Brennesseln...kriechen mit ihrem Feuer in die Hände und lassen rote geschwollene Bisse zurück, deren Zungen am Blut lecken und in den Adersträngen der Hände schmerzen."

oder man hört das Knirschen im Gebiss eines Katers, wenn er gelangweilt den Mausekopf zerquetscht. Grausam auch, das Mädchen darf dem Vater die Haare schneiden, machte sie aber einen harmlosen Fehler, faßt ihrem Vater ins Gesicht, er stößt sie weg, sodass sie hinfällt. Weinen darf das Mädchen nicht ohne wirklichen Grund, so fließen Tränen heimlich auf dem Klo, aber wenn die Mutter sie schlägt, hat sie endlich einen wirklichen Grund zu weinen. Auf diese Weise wird psychische Gewalt auf das Kind ausgeübt, und Vater und Mutter merken vielleicht gar nicht, dass sie sich in ihrer Macht über das Kind laben, und ihnen wird nicht bewusst sein, dass sie dem Mädchen Schuldgefühle aufgebürden.

"Seitdem es mich gibt, sind Mutters Brüste schlaff, seitdem es mich gibt, hat Mutter kranke Beine..."

Das besondere an dieser Prosa ist, sie gleitet von realistischen Erzählweisen in traumhaft surrealistische Bilder über, so stöhnt der Schnitt mit dem Messer an der Kehle durch das Zimmer, oder es gleiten nackt und glänzend Fensterscheiben von einem Haus ins andere. Die Seelenängste eines Kindes werden abgeschritten. Die Autorin schreibt in lyrischer Prosa sehr eindringlich und hat jeglichen Anflug von Dorfromantik im Würgegriff.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Amos Oz: Allein das Meer

„Allein das Meer“ ist ein Roman, der die literarische Form des Romans sprengt oder erweitert, ein Roman in freirhytmisierenden Gedichten und kurzen Prosatexten. Einige Gedichte reimen:

"Er knipst die Nachtischlampe an und winkt
dem Sohn, der Frau auf der Kommode zu. Versinkt
dann in Gedanken. Und tappt in die Küche, trinkt."

Der da in die Küche tappt ist Herr Albert Damon in der Amirin Straße, der allein ist, weil seine Frau Nadia an Eierstockkrebs verstarb und sein einziger Sohn Rico nichts besseres zu tun hat, als in Tibet Berge zu erklimmen. Doch Vorwurf kam vom Vater. Rico ließe ihn allein, obwohl seine Mutter im Sterben liegt. Doch, jeder seine eigene Art zu trauen. In Tibet schreit er nach seiner Mutter. Amos Oz versteht es, seine Verse den Stimmungen anzupassen. Wenn man die Verse „Rico schreit“ vorliest, braucht man sich nicht wundern, wenn die eigene Stimme immer lauter wird, wie es mir passiert ist:

"..es kriecht die zu zerstückeln Leber Pankreas und Niere
sickert in die Milz zerreißt dich kriecht vom Eierstock
zum Bauch es saugt und kaut an deinem Zwerchfell
schlägt Giftzähne dir in die Lungen..."

In den drei Strophen wird bewusst kein Satzzeichen gesetzt, Rico schreit seinen Schmerz in einem Atemzug hinaus. In den Bergen will er zu sich selbst finden. Für Albert Damon ist es sehr schlimm des Nachts allein. Er würde seine Frau gerne zudecken, ihr die Haare streicheln, ist aber allein, versucht seine Einsamkeit mit Bettina Carmel zu verschmerzen, die ihm in einem Fall von doppelter Besteuerung Rat gibt. Sie ist Wirtschaftsprüferin, er Steuerberater, aber in den Intimitäten der Liebe kommen sie sich nicht näher. Sie bremsen sich ab, jeder hat mit sich selbst zu tun, eigene Probleme zu bewältigen. So knüpfen sich im Roman mehrere Leben zusammen. Dita Inbar, Ricos Freundin, schläft mit dem widerlichen Giggy Ben-Gal, der sie hinterher fragt, „wie gut es für sie gewesen sei, auf einer Skala zwischen Null und Hundert.“ Dann ist da noch Dubi Dombrov, ein unangenehmer Typ von einer Filmgesellschaft, der Ditas Drehbuch verfilmen möchte, dabei aber nur Dita selbst im Kopf hat. Im Drehbuch liest er über Nirit und projeziert er seine feuchten Träume auf Dita. Er entpuppt sich als Betrüger, deshalb sucht Dita Unterschlupf bei Albert.

Aufgrund seiner Konzeption aus Lyrik und kurzen Prosastücken ist dieser Roman schon einzigartig. Ich habe den Eindruck, Amos Oz will alte traditionelle Formen in unsere Zeit transportieren, alte Formen von Epen, rhapsodischen Gesängen. Es ist kein Zufall, dass einige Kapitel sich auf König David (AT) beziehen und der Beginn vom Psalm 42 zitiert wird, desweiteren dreimal Texte aus lateinischer Liturgie als Kapitelüberschriften gewählt werden: Stabat mater, De profundis, Dies irae. Im liturgischen Text „Stabat mater“ beklagt die Schmerzensmutter den Gekreuzigten, im gleichnamigen Kapitel bei Oz ist Mutter Nadia um ihren Sohn Rico besorgt. Die liturgischen Überschriften verknüpfen also nur an Traditionellem und Amos Oz schafft den Text neu, sodass er sich in den Roman verwebt. „Allein das Meer“ besingt das jahrtausende alte Lied von Sehnsucht, Trauer, Einsamkeit und Tod noch einmal neu für unsere Zeit. Auch wenn Dita mit Giggy schläft, sehnt sie sich nach Rico, auch wenn Rico fernab in Tibet bei einer Hure ist, so ist er doch seiner Familie nah, seiner Mutter, die Amos Oz aus dem Totenreich sprechen lässt, und seinem Vater, der Dita in seinem Hause wohnen lässt.

Ich habe Rezensionen gelesen, die beklagen, dass sich kein Übersetzer gefunden hat, der den Roman aus dem Hebräischen gefunden hat. Die deutsche Übersetzung entstand nach der englischen Vorlage, deshalb die deutsche Übertragung von Frank Heibert nicht immer geglückt sei. Ich habe keine problematischen Stellen entdecken können, mir wäre der übersetzerische Umweg nie aufgefallen. Im Gegenteil. Ich hatte meine Freude an dieser herrlichen Lyrik, die immer in passender Stimmung zum Romaninhalt herüberflog und hätte mir niemals träumen lassen, dass ich mich so der alten epischen Form hingeben könnte. Ich erinnere mich an meine Lektüre der Ilias, die mich sehr anstrengte, auch wenn die Übersetzung von Schadewaldt war. Amos Oz schreibt eben in zeitgemäßer Sprache, die sich leichter inhaliert, trotzdem jedes Wort gut überlegt treffend zum Kontext. Offen gestanden, hier war mir der Inhalt eher sekundär, ich hatte meine Freude an dem lyrischen Gesang. Ich empfehle ein Experiment: Man schlage irgendeine Seite auf und beginne zu lesen. Überraschung, man wird auf schöne Stellen stoßen. Also, jetzt versuche ich es. Und:

Seite 86:

"Ist es so wie einschlafen? Oder verbrannt werden? Es tut mir manchmal leid, daß wir
im letzten Sommer nicht nochmal nach Kreta fahren konnten, wo es so allmählich
dunkel wurde, wo sich der Geruch des Salzes mit dem herben Duft der Kiefern mischte,
wo wir Wein zu Schafsmilch tranken, während sich über der Ebene
der Bergschatten ausbreitete, die Berge selber aber,
weit weg, immer noch erleuchtet waren, und das Licht versprach
den zukünftigen Frieden, und das Flusswasser war eisig,
sogar im August....

Albert Damon lebt in der Kleinstadt Bat Jam nicht weit von Tel Aviv. Nicht weit ist auch das Meer. Man hört das Meeresrauschen. Ein „Duett“: Lautstark rauscht ein Fluß, der Fluß des Lebens. Im Hintergrund noch ein anderer Fluß, man hört nur das leise Murmeln dieses zweiten Flusses. Ruhe und das pralle Leben, zwei Pole."

"Wie der Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so lechzt auch meine Seele.....
...............................................................................................................................
.................................. ....................Nun kehr zurück zu deiner Ruhe,
meine Seele......"