<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721</id><updated>2012-02-18T13:57:27.804Z</updated><category term='Biografie'/><category term='Auf Reisen'/><category term='Historie'/><title type='text'>Literatur mit mArtinus</title><subtitle type='html'>mArtinus PLAUDERT ÜBER BÜCHER. REZENZIONEN.

&lt;a href="http://www.disclaimer.de/disclaimer.htm?farbe=FFFFFF/000000/000000/000000"&gt;&lt;img src="http://www.disclaimer.de/images/d_gold.gif" width="84" height="20" border="0" alt="disclaimer"&gt;&lt;/a&gt;</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><link rel='next' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default?start-index=101&amp;max-results=100'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>192</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8416574270136613373</id><published>2012-02-16T10:30:00.001Z</published><updated>2012-02-16T10:39:22.071Z</updated><title type='text'>John Steinbeck: Früchte des Zorns</title><content type='html'>&lt;div style="color: #783f04;"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-qOMV-O54ZGE/Tzzcpx5eFKI/AAAAAAAAAUs/OK1AKO2Xdfg/s1600/Fr%C3%BCchte+des+Zorns.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="320" src="http://4.bp.blogspot.com/-qOMV-O54ZGE/Tzzcpx5eFKI/AAAAAAAAAUs/OK1AKO2Xdfg/s320/Fr%C3%BCchte+des+Zorns.jpg" width="184" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;b&gt;Steinbeck hat  einen natürlichen, lockeren Stil. Man hat den Eindruck, ihm fliegen die Sätze einfach so aus dem Mund. Er beschreibt die Landschaft, und zeichnet die Dialoge, absolut realistisch. Allerdings wirkte dieser Stil trotzdem sehr trocken auf mich, so trocken wie die Dürre zu Beginn  des Romans. Die Landschaftsbeschreibungen in dem Roman allerdings großartig sind. Vielleicht liegt es  an den tristen Geschehnissen, dass mir die Lektüre sehr mühsam wurde. Es wird eben knallhart realistisch erzählt, wie eine Familie aus Oklahoma ihr Hab und Gut verlassen muss, die Hoffnung auf ein neues schönes Leben sie nach Kalifornien führt. Eine Art von Exodus, der allerdings nicht in das Gelobte Land führt, sondern in noch bitterer Armut, in rigide Formen unbarmherziger Ausbeutung. Der Roman spielt in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Roman beginnt mit der großen Dürre, die über Oklahoma liegt. Der Protagonist der ersten Seiten ist der Staub. Vom Staub aus gleitet Steinbeck ganz sacht über in die Welt der Menschen, die ja in diesem Lande in der Dürre leben. Der Staub hängt in der Luft, die Menschen müssen  ihre Fenster schließen. Das ist der Übergang zur Zivilisation. Solche sanften Übergänge mag ich. Tom Joad kommt nach vier Jahren aus dem Gefängnis. Auch hier ist der Staub und das getrocknete&amp;nbsp; Gras das Thema. Und dann widmet sich Steinbeck einer Schildkröte auf, die Tom auf der Straße findet. Beim Gehen wirbelt Tom  Staub auf.  Toms Begegnung mit dem Prediger, der inzwischen kein Prediger mehr ist, sondern ein einfacher natürlicher Mensch, der seine eigenen Gedanken zum Heiligen Geist entwickelt hat, ist eine sympathische Figur. Er macht seine eigenen Gedanken über Gott und die Welt. Bezeichnend ist doch auch, dass Tom Joads Beschreibung seiner Mordtat beim Prediger ziemlich gelassen ankommt. In diesem Land scheint man sich mehr über die Dürre sorgen zu machen, als über einen Mord, der eben auch mal leider passiert. Diese Art der Mentalität hat schon was. Das Abfallen des Predigers vom regulären christlichen Glauben, ist ein  deutliches Merkmal dafür, dass an den Fundamenten der USA gerüttelt wird, und auf dem Weg ins Gelobte Kalifornien die Familie Joad immer mehr auseinanderbricht. Die älteste Generation, Großvater und Großmutter, Kalifornien erst gar nicht erreichen, sondern dahinsterben. Mit dem neuen Leben können sie nichts mehr anfangen, ihre Heimat, mit der sich sich indentifiziert hatten, ist verloren, darum auch sie verloren sind und sterben. Ein anonymes Grab am Straßenrand, ein Armengrab.  Das zeigt noch mal deutlich, dass alte Totengebräuche auch nicht mehr aufrechterhalten werden können, dass alles zu Bruch geht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist nicht nur die Dürre allein, warum hunderttausende damals nach Kalifornien auswandern. &lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;blockquote style="color: #783f04;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span style="font-size: xx-small;"&gt;Zitat von Steinbeck&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;b&gt;Die Bank - das Ungeheuer muß die ganze Zeit Profite haben. Sie kann nicht warten. Sonst stirbt sie.  &lt;br /&gt;........&lt;br /&gt;Die Bank ist mehr, als Menschen sind, das sage ich dir. Sie ist ein Ungeheuer. Menschen haben sie zwar gemacht, aber sie können sie nun nicht mehr kontrollieren. (Kap. 5)&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;div style="color: #783f04;"&gt;&lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Produktivität soll durch Traktoren gesteigert werden. &lt;br /&gt;&lt;i&gt;&lt;br /&gt;„Ein Mann auf einem Traktor kann zwölf oder vierzehn Familien ersetzen.“&lt;/i&gt; Da die Pächter verschuldet sind, gehört das Land der Bank und die Pächter müssen mit ihren Familien von dannen ziehen.  Es ist ganz klar, dass John Steinbeck gegen den Raubtierkapitalismus schreibt, der leider heute immer noch wütet. Die Banken müssen gerettet werden, die Bevölkerung hat nichts davon (siehe Griechenland). Warum die Landbesitzer den Pächtern Kalifornien schmackhaft machen, ist unklar. Denn so paradiesisch wird es dort ja nicht werden, wie sie behaupten:&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;blockquote style="color: #783f04;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span style="font-size: xx-small;"&gt;Zitat von Steinbeck&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;b&gt;&lt;br /&gt;Ihr braucht bloß die Hand auszustrecken und könnt überall eine Orange pflücken&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;div style="color: #783f04;"&gt;&lt;b&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für die Großgrundbesitzer und Ausbeuter mag das stimmen, aber nicht für die Arbeiter, die sich für einen Elendslohn kaputtschuften – heute heißt das Lohndumping. Bevor die Joads überhaupt  in Kalifornien ankommen, werden im Roman dreimal Zweifel eingestreut, dass in Kalifornien das Leben besser sei als in Oklahoma.  Kommen wir noch mal zu den Orangenplantagen zurück. Kurz bevor die Joads Kaliforinien erreichen, werden sie von einem alten Mann aufgeklärt, wie furchtbar es in Kalifornien ist. Nur die Großgrundbesitzter haben das sagen. Nur ihnen gehören die Orangen. Sie hassen die Einwanderer, weil sie wissen, sie haben Hunger und könnten sich an einer Orange vergreifen. Wenn man eine anrührt, muss man damit rechnen, erschossen zu werden.  Die Einwanderer nennen sie Oki. Das ist jemand, der aus Oklahoma kommt und ein Schwein ist.&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;blockquote style="color: #783f04;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span style="font-size: xx-small;"&gt;Zitat von Steinbeck&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;b&gt;Es sollen jetzt dreihunderttausend Leute da unten sein – und sie leben wie die Schweine, weil alles in Kalifornien jemanden gehört. Ist nichts mehr übrig. Und die Leute, denen's gehört, klammern sich daran – und wenn sie dabei die ganze Menschheit umbringen müssten...Ihr müsst jeden Tag eure paar Kröten fürs Essen zusammenkratzen. (Kap. 18).&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;div style="color: #783f04;"&gt;&lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie in&lt;i&gt; „Tortilla Flat“&lt;/i&gt; vetritt John Steinbeck die wunderbare Lebenseinstellung, und das hat er mit Henry Miller gemeinsam, dass materieller Reichtum eben nicht glücklich macht, dabei Steinbeck auf die Großgrundbesitzer schielt. Über den Herrn, der einen Millionen Hektar großen Wald besitzt, der jeden erschießt, der eine Orange klaut, legt Steinbeck dem Prediger Casy folgende Worte in den Mund:&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;blockquote style="color: #783f04;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span style="font-size: xx-small;"&gt;Zitat von Steinbeck&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;b&gt;Wenn er 'ne Million Hektar braucht, um sich reich zu fühlen, so scheint's mir, er braucht sie, weil er in seinem Innern schrecklich arm ist.... (Kap. 18)&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;b style="color: #783f04;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;John Steinbecks Roman ist knallhart, sodass er in diesem Roman sogar jeden Humor verloren hat, den er in &lt;i&gt;„Tortilla Flat“&lt;/i&gt; noch hatte. Das ist auch ein  Grund, dass ich den Roman so zögerlich, manchmal auch mit Widerwillen gelesen habe. Aber Steinbecks Bitternis gegen den unsäglichen Kapitalismus, der Menschen brutal versklavt und erniedrigt, ist gerechtfertigt. Humor hat hier nichts verloren. Steinbecks Klage ist sehr zornig und erbarmungslos und darum humorlos. In dem er den Romanleser am Schluss in tiefer Hoffnungslosigkeit zurücklässt, verdeutlicht er nur, wie brutal und erbarmungslos der Raubtierkapitalismus ist. Steinbecks Roman ist gerade heute wieder besonders aktuell.&lt;/b&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8416574270136613373?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8416574270136613373/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8416574270136613373&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8416574270136613373'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8416574270136613373'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2012/02/john-steinbeck-fruchte-des-zorns.html' title='John Steinbeck: Früchte des Zorns'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/-qOMV-O54ZGE/Tzzcpx5eFKI/AAAAAAAAAUs/OK1AKO2Xdfg/s72-c/Fr%C3%BCchte+des+Zorns.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-1692233430489086072</id><published>2012-01-21T14:51:00.003Z</published><updated>2012-01-21T18:17:40.447Z</updated><title type='text'>Blaise Cendrars: Gold - Der Lebensroman General Suters</title><content type='html'>&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-aQP7HS5xsyE/TxrQyKhpWGI/AAAAAAAAAUc/UUQJUgdY_jw/s1600/CendrarsGold.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="320" src="http://3.bp.blogspot.com/-aQP7HS5xsyE/TxrQyKhpWGI/AAAAAAAAAUc/UUQJUgdY_jw/s320/CendrarsGold.jpg" width="189" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;b style="color: #783f04;"&gt;&lt;i&gt;Gold – und Geldgier zerstört Leben.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es scheint, die Menschheit ist seit Jahrtausenden nicht klüger geworden. Ägyptische Grabräuber raubten die Gräber ihrer Pharaonen aus und begingen damit religiösen Frevel, gefährdeten das Leben ihrer Pharaonen im Jenseits. König Midas ist beinahe verhungert, weil alles zu Gold wurde, was er angefasst hat.  Spanier waren hinter dem Gold der Inkas her und hinterließen gewaltige Blutspuren. Mark Twain  berichtet, wie Arbeiter in Goldminen für einen erbärmlichen Lohn ausgebeutet wurden und trotzdem kein Gold gefunden haben. Heute geht die Ausbeutung in Deutschland weiter, weil viele Menschen für einen schäbigen Hungerlohn  arbeiten müssen, dafür andere sich gierig  ihre Taschen voll stopfen.  Als Bänker nicht so sehr ans Gold dachten, sondern eher an das Geld, wurde 2008 die Weltwirtschaftskrise verursacht. Der Turbokapitalismus bringt regelrecht Menschen um. Spekulanten treiben Nahrungsmittel in die Höhe, sodass arme Menschen ihre Nahrungsmittel nicht mehr kaufen können. Das Menschen für Goldklumpen, in die man nicht hinein beißen kann, in der Lage sind, fruchtbares Land zu zerstören, davon erzählt die Lebensgeschichte des Generals Johann August Suter,  der im Jahre 1834 in die USA kam, in Kalifornien fruchtbaren Boden schuf.  Nachdem in einer seiner Sägereien Gold gefunden worden war, wurde sein Besitz, die fruchtbaren Böden, sein "Klein-Helvetien"  gänzlich zerstört, weil ein jeder aus aller Welt daherkam, und nach Gold buddelte. Auf diese Weise wurde General Suter, der der reichste Mann in Amerika gewesen war, zum Ärmsten seiner Landsleute. Der französische Autor Blaise Cendrars hat die Lebensgeschichte dieses Schweizer Generals im Jahre 1925 aufgeschrieben, diese Lebensgeschichte mit &lt;i&gt;„Gold“&lt;/i&gt; betitelt. Für Stefan Zweig war die Tragik des General Suter sogar eine&lt;i&gt; Sternstunde der Menschheit&lt;/i&gt; wert. Eigentlich war es doch eine der düstersten Stunden, die nackte elende Wahrheit, das Gold und Geld vielen Menschen den Verstand kostet.&lt;/b&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-1692233430489086072?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/1692233430489086072/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=1692233430489086072&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1692233430489086072'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1692233430489086072'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2012/01/blaise-cendrars-gold-der-lebensroman.html' title='Blaise Cendrars: Gold - Der Lebensroman General Suters'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-aQP7HS5xsyE/TxrQyKhpWGI/AAAAAAAAAUc/UUQJUgdY_jw/s72-c/CendrarsGold.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-6988949269901854847</id><published>2011-11-22T19:01:00.001Z</published><updated>2011-12-02T11:34:07.857Z</updated><title type='text'>Umberto Eco: Der Friedhof in Prag</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-gUHRZonL7zw/Tti3b1PAjbI/AAAAAAAAATw/dSKyjWPxuXs/s1600/Eco%252C+Friedhof.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="320" src="http://4.bp.blogspot.com/-gUHRZonL7zw/Tti3b1PAjbI/AAAAAAAAATw/dSKyjWPxuXs/s320/Eco%252C+Friedhof.jpg" width="197" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="color: #783f04;"&gt;&lt;b&gt;Umberto Eco ist Autor von Sachbüchern, Essays und Romanen. Sein neuster Roman „Der Friedhof im Park“ handelt von fiktionalen Quellen, die eine Weltverschwörung der Juden belegen sollen. Dieses Pamphlet, eine Fälschung, entstand wenige Jahre nach 1897, dem zeitlichen Ende des Romans, in diesem Jahr  der Protagonist des Romans, der Antisemit, Vielfraß und Frauenhasser  Simone Simonini, in Paris sein Tagebuch schreibt, in dem er die Vorgeschichte dieser Fälschung darlegt, &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Protokolle_der_Weisen_von_Zion" target="_blank"&gt;Die Protokolle der Weisen von Zion&lt;/a&gt;. Dieses Lügenwerk war den Nazis willkommen, einige Unverbesserliche halten diese Protokolle für wahr, wie der Holocaustleugner und Bischof der Piusbruderschaft Richard Williamson, der diesen Unsinn als „gottgesandt“ einstuft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der in Paris lebende Simone Simonini ist die einzige Figur des Romans, die Umberto Eco der Fantasie entsprungen ist, alle anderen Personen sind historisch belegt. Trotzdem ist Simonini auch nur eine Collage von mehreren Personen, die es im neunzehnten Jahrhundert gegeben hat. Ich gehe davon aus, und vieles spricht dafür, dass der Roman größtenteils aus Textcollagen besteht. Das ist eine Kunst, deren Thomas Mann sich auch gerne bedient hat. Schwierigkeiten, die bei der Lektüre vorkommen können, kann zu einem Teil einer historischen Unkenntnnis des Lesers ursächlich sein. Das schreibe ich mal so provokant hin, als ob man dem Leser  Vorwürfe machen könnte. Das ist natürlich Unsinn. Es liegt immer noch in der Verantwortung eines Schriftstellers, wie er einen Roman konzipiert. Um es kurz zu machen: In den Kapiteln um Garibaldi und Napoleon III. begann es schon, dass ich inhaltlich den Faden verlor, vieles verständnislos wurde,  weil meine Bildung (oder Unbildung) versagte. Nach der Lektüre ist man gescheit: Ach, hätte ich vor dem Schinken die Geschichte Italiens und Frankreichs studiert, dann hätte ich mehr vom Roman gehabt. Eine große Hilfestellung während der Lektüre war der wikipedia-Artikel „Protokolle der Weisen von Zion.“ Momentmal. Erstmals ist es mir passiert, dass ich einen Roman in etwa nur folgen konnte, weil ich einen bestimmten wikipedia- artikel zur Verfügung hatte. Das kann ich gar nicht gutheißen. Sicher, Eco hat recherchiert bis in die letzten Winkel. Sogar  die Theosophin Madame Blavatzky findet Erwähnung, wir erfahren auch nebenbei, Simonini sei mit Alphonse Daudet befreundet, dieses aber  hätte gar nicht erwähnt werden müssen, denn Daudet taucht im Roman niemals auf, Victor Hugo wird zweimal erwähnt, George Sand und Chopin dürfen natürlich auch nicht fehlen, natürlich auch nicht Charcot, Freud, Hysterieforschung, Mesmerismus. Was ich sagen will, Umberto Eco packt alles in dem Roman hinein, als ob er das ganze Paris in den Roman packen wolle, obwohl niemandem aufgefallen  wäre, wenn Simonini mit Daudet nicht befreundet gewesen wäre. Das mag eine Liebelei von Umberto Eco sein, der aus Freude an seiner überaus großen Bildung alles in den Roman hineinfließen lassen wollte.. Unbedingt nötig ist das nicht,  eher eine Überfrachtung, allerdings das herrliche wunderbare Kapitel um Freud, Charcot und Hysterie für den Roman unverzichtbar ist. Ja, naturlich. wunderbare literarisch gut ausgeformte Passagen gibt es natürlich wie auch der einführende Monolog  Simoninis,  auch wenn dieser Monolog an Gehässigkeit wohl kaum zu überbieten ist. Dass sogar Dostojewskij (seltsamerweise?) für eine Weltverschwörung herhalten muss,  hätte wohl niemand erwartet. Dostojewskij sei ein guter Rhetoriker heißt es. Erst zeige er Verständnis für die Juden und drücke seine Hochachtung aus,&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;blockquote style="color: #783f04;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span style="font-size: xx-small;"&gt;Zitat von Eco&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;b&gt; dass alles, was Humanität und Gerechtigkeit erfordere, alles was Menschlichkeit und das christliche Gesetz erfordere, für die Juden getan werden muss...&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;div style="color: #783f04;"&gt;&lt;b&gt;&lt;br /&gt;und dann wird gesagt, Dostojewskij hätte ausführlich beschrieben,&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;blockquote style="color: #783f04;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span style="font-size: xx-small;"&gt;Zitat von Eco&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;b&gt;&lt;br /&gt;wie diese unglückliche Rasse darauf abziehlt, die christliche Welt zu zerstören.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;b style="color: #783f04;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich hätte ich gerne gewusst, wo diese Ausführungen Dostojewskijs im Werk dieses Schriftstelles zu finden ist, Eco allerdings in einem Roman nicht zu Quellenverweisen verpflichtet ist. Allerdings, wenn ich mir die zweite Hälfte des Romans anschaue, hätte ich mir gewünscht, Umberto Eco hätte sich für die Form eines Sachbuches entschieden. In der zweiten Hälfte des Romans verarbeitet Eco fast nur abstruse fiktive Ideen aus der Literatur, z,B. Hermann Goedsche,   der in seinem Roman „Biarritz“ höchst seltsames über Juden verfasste und LéoTaxil, der abstruses über satanische Riten und Freimaurerei veröffentlicht hat, was nun ein gefundenes Fressen für den bösartigen Simonini ist. Allerdings ebbt dies bischen Romanhandlung im Roman  ziemlich ab, dass ich mich wirklich fragen muss, warum  dieses Buch nicht ein erstklassiges Sachbuch geworden ist, jetzt aber einen unausgegorener Roman vor uns liegt, dabei aber nicht vergessen werden darf, Umberto Eco  den wunderbaren großartigen Roman „Der Name der Rose“ geschrieben hat. Ein Roman mit Historie, Theologie, Philosophie; dieses Werk aber ein großartiger Roman geworden ist, den  ich ohne Sekundärliteratur inhaliert habe. Ein großes Vergnügen. Trotzdem hatte der Verlag eine „Nachschrift“ veröffentlicht.. Für „Der Friedhof im Park“ halte ich einen Kommentar mit Quellen für notwendig. Ein paar  wikipedia-artikel als Sekundarmaßnahme ist mir einfach zu bleich.&lt;/b&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-6988949269901854847?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/6988949269901854847/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=6988949269901854847&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6988949269901854847'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6988949269901854847'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/11/umberto-eco-der-friedhof-in-prag.html' title='Umberto Eco: Der Friedhof in Prag'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/-gUHRZonL7zw/Tti3b1PAjbI/AAAAAAAAATw/dSKyjWPxuXs/s72-c/Eco%252C+Friedhof.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-4904336614722496185</id><published>2011-10-24T17:19:00.000+01:00</published><updated>2011-12-02T11:36:13.714Z</updated><title type='text'>David Benioff: Stadt der Diebe</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-freptCSiZTQ/Tti39nfbD5I/AAAAAAAAAT4/dVWXKrO49sg/s1600/Stadt+der+Diebe.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="320" src="http://3.bp.blogspot.com/-freptCSiZTQ/Tti39nfbD5I/AAAAAAAAAT4/dVWXKrO49sg/s320/Stadt+der+Diebe.jpg" width="191" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;b style="color: #783f04;"&gt;Dieser Roman ist eine große Überraschung. Es wird nicht einfach nur ein tragisches Schicksal im Zweiten Weltkrieg erzählt, sondern David Benioff verbindet in einzigartiger Weise Kriegsgeschehen, Geschichte einer Jugendfreundschaft und Abenteuerroman. Einzigartig, weil mir in der deutschsprachigen Literatur in dieser Art noch nichts vor die Augen gekommen ist, in Deutschland solch ein Roman auch sicher nicht hätte geschrieben werden können. Humor, Witz, Ernsthaftigkeit, die absolute Bitternis und Unmenschlichkeit des Krieges, Brutalität, Sex und Überlebenskampf – alles das ist in diesem Roman in gekonnter Ausgewogenheit enthalten,  der Autor außerdem einen Roman vorgelegt hat, der auf keiner einzigen Seite Langeweile aufkommen lässt. Spannung bis zum Schluss, ein rasanter Drive mit überraschenden Wendungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brian Moore konnte auch spannungsgeladen schreiben, aber ich denke, dieser Benioff  hat noch einen Tick mehr, zumal außerdem das Kolorit Leningrad im Jahre 1942 zur Zeit der Belagerung der Nazis für den deutschen Leser schon etwas besonderes ist ,und der Aufhänger des  Romans ist einfach genial bemerkenswert, wie wir gleich sehen werden. Verdanken haben wir diese Lokalität Benioffs Großvater, der in Leningrad geboren ward und mit siebzehn Jahren ins berüchtigte Kresty- Gefängnis gesteckt wird, weil er einem deutschen Fallschirmspringer, der tot vom Himmel fiel, ein Messer klaute. Von diesem Großvater, der Lew heißt, handelt dieser Roman. Allerdings ist das schon Fiktion. Im &lt;a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/1016853/" target="_blank"&gt;Deutschlandfunk&lt;/a&gt; hat Benioff offenbart, sein Großvater sei nie in Leningrad gewesen. Trotzdem, im Roman sitzt Lew im Dunkel seiner Gefängniszelle:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="color: #783f04;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span style="font-size: xx-small;"&gt;Zitat von Benioff&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;b&gt;Die Nacht würde niemals enden. Die Deutschen hatten die verdammte Sonne abgeschossen, die konnten das, klar doch, ihre Wissenschaftler waren die besten der Welt, die konnten das austüfteln. Die hatten herausgefunden, wie man die Zeit anhält. Ich war blind und taub. Nur die Kälte und mein Durst sagten mir, dass ich noch lebte. Mit der Zeit wirst du so einsam, dass du dich nach den Wärtern sehnst, nur um ihre Schritte zu hören, ihre Wodkafahne zu riechen. &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;b style="color: #783f04;"&gt;&lt;br /&gt;Im Gefängnis begegnet er den etwas älteren und lebenserfahrenen Kolja, Angehöriger der Roten Armee, der einsitzt, weil er desertiert ist. Sie glauben, am nächsten Tag umgebracht zu werden, werden aber einem Oberst des Geheimdienstes vorgeführt, der ihnen Gnade verspricht, wenn sie für die  Hochzeitstorte seiner Tochter in Leningrad zwölf Eier besorgen können. Ein Ding der Unmöglichkeit, denn in Leningrad werden die letzten Hühner zu Suppen verkocht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Benioff hat für seinen Roman recherchiert. So las er, wie er am Ende des Romans in den "Danksagungen" schildert "900 Tage. Die Belagerung von Leningrad" von Harrison E. Salisbury und das Buch "Kaputt" von Curzio Malapartes, in dem die Taktik der Deutschen mit den Partisanen geschildert wird. Einmal hören die Freunde Klaviermusik aus irgendeinem Fenster, und es wird bemerkt, Schostakowitsch wohne hier in der Nähe. Allerdings ist es die dichterische Freiheit des Autors, diese Szene in das Jahr 1942 zu verlegen. Historisch korrekt ist, Schostakowitsch befand sich im Jahre 1941 noch in Leningrad und spielte damals bei einer Gelegenheit aus der Leningrader Symphony vor. 1941 verließ er aber auch die Stadt und wohnte dann in Moskau. Roman ist eben Fiktion. Mir haben auch die Dialoge der Jungens gefallen. Natürlich geht es darin hauptsächlich um Frauen, Kolja in diesen Dingen überlegen ist. Diese Dialoge tragen Witz, Charme und sind so unverkrampft, dass es einfach herrlich zu lesen ist. David Benioff, der, wenn er nicht gerade an einem Roman sitzt, Drehbücher schreibt, ist ein begabter Dialogeschreiber. Aus den Dialogen und ihrem Verhalten bilden sich die Charaktere der Protagonisten. Dostojewskij hat auf diese Weise ebenso Charaktere geformt.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;b style="color: #783f04;"&gt;Und weil es so schön war, lese ich gleich noch den Romanerstling &lt;/b&gt;&lt;b style="color: #783f04;"&gt;"25 Stunden" hinterher.&lt;img src="http://www.cosgan.de/images/smilie/froehlich/e035.gif" /&gt;&lt;/b&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-4904336614722496185?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/4904336614722496185/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=4904336614722496185&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/4904336614722496185'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/4904336614722496185'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/10/david-benioff-stadt-der-diebe.html' title='David Benioff: Stadt der Diebe'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-freptCSiZTQ/Tti39nfbD5I/AAAAAAAAAT4/dVWXKrO49sg/s72-c/Stadt+der+Diebe.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8827355223054168530</id><published>2011-10-14T12:17:00.005+01:00</published><updated>2011-12-02T11:38:12.053Z</updated><title type='text'>Tomas Tranströmer: Der Mond und die Eiszeit</title><content type='html'>&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-0NgoY_EitDs/Tti4W0GDnwI/AAAAAAAAAUA/alfGZf2TTz0/s1600/ttranstr.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="320" src="http://2.bp.blogspot.com/-0NgoY_EitDs/Tti4W0GDnwI/AAAAAAAAAUA/alfGZf2TTz0/s320/ttranstr.jpg" width="189" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="color: #993300; font-weight: bold;"&gt;Tomas Tranströmer stand schon lange auf der Liste der Favoriten für den  Literaturnobelpreis. Warum ich aber erst jetzt seine Gedichte lese,  nachdem es durch die Welt ging, er bekomme diese Auszeichnung, weiß ich  nicht. Immerhin habe ich den inz&lt;/span&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-KBtJEl67tPw/TqAZf1zK-jI/AAAAAAAAAR4/I_ElbkBqXSk/s1600/ttranstr.jpg"&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="color: #993300; font-weight: bold;"&gt;wischen vergriffenen Gedichtband „Der  Mond und die Eiszeit“ aus der Reihe „Serie Piper“ zwei Tage vor der  Bekanntgabe des Nobelpreises antiquarisch geordert. Also, gelesen hätte  ich diese Gedichte sowieso, und jetzt lese ich sie und bin fro&lt;/span&gt;&lt;span style="color: #993300; font-weight: bold;"&gt;h, obwohl,  bange hätte ich werden können, denn da gibt es ein Gedicht über  Schreibhemmung. Überdrüssig aller Wörter, denn sie können nicht eins zu  eins die reale Welt darstellen, von der der Schreibende in dem Gedicht  doch erzählen will, und weil er keine Worte findet, zeichnet Tranströmer  in Bildern, erzählt, wie das literarische Ich auf eine schneebedeckte  Insel fährt. „Das Wilde hat keine Wörter.“, heißt es, ja, diese Insel   ist von natürlicher Wildnis, aber  sie vom Schnee umhüllt ist, bleibt  verborgen.  Der Schreiber findet keine Worte. Nur die Sprache ist da,  Rehhufen im Schnee – eines ist hier entlanggelaufen erzählt die Sprache  der Natur.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color: #993300; font-weight: bold;"&gt;Mein erster Eindruck der Gedichte des Frischgekürten:  Er erzählt in eindrucksvollen Bildern, die gedeutet werden müssen. Lyrik  muss man sich selbst erarbeiten, ich kann hier nur meine subjektiven  nicht allgemeingültigen Eindrücke schildern. Ein Gedicht habe ich auf  Anhieb lieb gewonnen: „Skizze im Oktober“. Ein klappriger rostiger  Schleppdampfer, schrottreif, ist wie „eine schwere erloschene Lampe in  der Kälte.“ Er nähert sich der Erde, dem Land, indem er vom Meer in  einen Fluss einfährt. Die wilden Farben der Blätter künden den Tod an.  In der zweiten Strophe kommt der Mensch ins Spiel. Tintenpilze, die  durch Grasnarben schießen, sind wie hilfesuchende Finger von jemanden,  der nun unter der Erde liegt. Wir werden eins mit der Erde, will das  Gedicht uns sagen. Mich haben diese Bilder, wie Tranströmer sie  lakonisch, aber trotzdem wuchtig malt, sehr beeindruckt. Dieses Gedicht  zählt von Anbeginn schon zu meinen liebsten. In einem anderen Gedicht  heißt es über den Tod: „ Doch im stillen wird der Anzug genäht.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color: #993300; font-weight: bold;"&gt;  Ein jeder kennt das Gedicht „Ein Gleiches“: „Über allen Gipfeln / Ist  Ruh.“ In diesem Gedicht geht der Spannungsbogen vom Himmel bis unter die  Erde: „Warte nur, balde / Ruhest du auch“.  In dem Gedicht  „Atempause  Juli“ von Tomas Tranströmer liegt jemand unter hohen Bäumen und schaut  in die hohen Zweige. Er fühlt, er sitze „ in einem Schleudersitz, der in  Zeitlupentempo wegfliegt.“ In der zweiten Strophe ist das Gedicht  inhaltlich zur Erde geschwenkt, auf einem Bootssteg, der schneller  altert als der Mensch. Und dann, man merkt vielleicht, dass Tranströmer  Schwede ist, immer wieder Wasser, das Meer, die Kälte, in der dritten  Strophe also die Vorstellung, wenn jemand mit einem Boot „über die  glitzernden Buchten fährt“, dann wird derjenige „in einer blauen Lampe  einschlummern“, und, im letzten Vers so eine typische bildhafte Fantasie  Tranströmers: “..während die Inseln über das Glas kriechen wie große  Nachtfalter.“ Geniales Bild. Wie sollen wir das aber entschlüsseln? Es  geht hier wohl auch um den Tod. Die blaue Lampe könnte der kalte Tod  sein, das Meer der Sarg unter den Schwingen des Nachtfalters. Alles muss  man nicht verstehen, dass Entscheidende ist,  Tranströmers Bilder  bringen unsere Fantasie in Bewegung. Wir begegnen auch den Blick von  ganz unten bis in die weiten des Kosmos: „Wir blicken nach oben: der  Sternenhimmel durch das Abflussgitter.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color: #993300; font-weight: bold;"&gt;In diesem Band sind auch  einige kurze Prosastücke enthalten, die wie seine Lyrik ebenso von  knapper Verdichtung und  assoziativwirkenden Bildern geprägt sind. Es  sind wunderbare Bilder. Oder wundersame? In einem Gedicht schauen  „Satelitenaugen“ auf den rauhen Boden der Erde, der kein Spiegelbild  zulässt. „Nur die gröbsten Geister“, so heißt es, „spiegeln  sich drauf:  der Mond und die Eiszeit.“&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8827355223054168530?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8827355223054168530/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8827355223054168530&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8827355223054168530'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8827355223054168530'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/10/tomas-transtromer-der-mond-und-die.html' title='Tomas Tranströmer: Der Mond und die Eiszeit'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-0NgoY_EitDs/Tti4W0GDnwI/AAAAAAAAAUA/alfGZf2TTz0/s72-c/ttranstr.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-2773996932658107293</id><published>2011-09-30T13:06:00.010+01:00</published><updated>2011-10-03T06:33:57.914+01:00</updated><title type='text'>Angelika Klüssendorf: Das Mädchen</title><content type='html'>&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;In unserer Familie  bin ich manchmal schief angesehen worden, wenn ich es wagte, das Wort  „Scheiße“ in den Mund zu nehmen. Entschuldigt  diesen einleitenden Satz,  aber ich komme gleich zum Roman. Für mich hat es nie einen Grund  gegeben, dieses Wort nicht zu benutzen, wenn es einen Grund dafür  gegeben hatte. Wenn der Roman von Angelika Klüssendorf mit dem  Euphemismus  Scheibenkleister“ begonnen hätte, wäre es ein derber  Fehlstart gewesen, denn nur das Wort „Scheiße“, mit dem der Roman  beginnt, kann aussagen was gemeint ist. Die Kindheit des Mädchens, das  unter Verwahrlosung und Gewalt aufwächst ist  „Scheiße“, und im  übertragenden Sinn ist auch der Unrechtsstaat DDR gemeint ist, auch wenn es Verwahrlosung in  Westdeutschland und in anderen Ländern genauso gegeben hat und heute noch gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu Beginn des Romans fliegen wirklich Exkremente &lt;i&gt;„durch die Luft“&lt;/i&gt; und all das &lt;i&gt;„landet auf dem  Strohhut einer jungen Frau, klatscht auf den Bürgersteig.“ &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit   Tagen sind das 12 jährige Mädchen und der sechsjährigen Bruder Alex in  der Wohnung eingeschlossen. Da die Toiletten in diesen DDR-Mietshäusern  immer ein halbes Stockwerk tiefer sind, müssen sie ihre Ausscheidungen  in einem Eimer sammeln.  Die Wohnung verdreckt, ein halbe Müllhalde, in  der offenbar noch ein Fernseher funktioniert, denn aus dem Fernseher  weiß das Mädchen, wie sich Frauen vor den Männern zeigen, wie sie sich  halbnackig zeigen, um ihnen zu gefallen. Mit Büstenhalter, rotem  Spitzenhöschen und knallrotem Lippenstiftmund bewegt sie sich vor dem  Fenster und weiß, dass die Arbeiter aus der Werkzeugfabrik, die gleich  Pause haben, zu ihr hinaufschauen werden.  Dieses erste Kapitel schon  zeigt in bitterer Realität die Verwahrlosung unmittelbarer Umgebung des  geschlossenen Raumes und die geistige Verwahrlosung, fehlgeleitete  Vorstellung ihrer Identität als künftige Frau durch die sexualisierte  Präsentation des weiblichen Geschlechts unkontrolliert aus der  Flimmerkiste eingetrichtert (dass sie dauernd vor dem Fernseher hängt,  ist nur ganz herrlich fein angedeutet). Der Vater, betrunken, meist gar  nicht zu Hause schlägt seine Frau, die Mutter prügelt mit einem  Ledergürtel auf das Mädchen ein, die Schwester gibt Watschen an ihren  Bruder weiter. Hier ist wirklich gar nichts mehr übrig, was wir als  sozial bezeichnen würden. Man mag so etwas wie soziales Chaos  bezeichnen. Alles, wirklich alles, gerät aus den Fugen. Der  blondgelockte Bruder ist ein Liebling der Mutter und wird in den Augen  der Mutter zum bösen Bastard, wenn sie ihre brutale Gewalt an ihm  auslässt. Der Verwahrlosung dieser Menschen wird der ramponierte Zustand  des Hauses gegenübergestellt, meines Erachtens ein deutlicher Hinweis  dafür, dass hier Verwahrlosung als Metapher  für die ganze desolate  DDR-Diktatur steht.  Insuffizient, brüchig, kurz und gut so, wie das  erste Wort des Romans.  Der Text um das brüchige Haus ist ein sehr  schönes Beispiel für die Lakonie des Romantextes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Klüsendorf&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Das  Haus unterscheidet sich nicht von den anderen Häusern in der Straße,  Rußflecke, Einschusslöcher aus dem Krieg, abblätternder Putz.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lest  nach dem ersten Kapitel weiter, wenn ihr noch Nerven dazu habt, denn  der Roman ist in seiner lakonischen Art wirklich gut geschrieben. Direkt  bezieht sich auf die realistische, ehrliche Darstellung der Misere und  vergessen wir jeden Anflug von &lt;a href="http://idw-online.de/pages/de/news241559"&gt;illusionärer DDR-Romantik&lt;/a&gt;. Diese Diktatur war ein  Graus damals, nichts anderes.  Als das Mädchen ins Heim kommt, erzählen  ihr die anderen Mädchen von ihren grausamen Erlebnissen zu Hause. Wenn  sie das hört, &lt;i&gt;„erscheint ihr das eigene Schicksal weniger schlimm, die erlebten Demütigungen fast bedeutungslos.“&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Es  ist schon ein Wunder, dass das Mädchen in dieser Düsternis Strategien  entwickelt, um der Hölle zu entkommen. Sie wird von der Mutter  geschlagen, und aus Brehms Tierleben kennt sie den Goliathkäfer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Klüssendorf&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;„Sie stellt sich vor, sie hätte seine Flügel und könnte weit weg fliegen.“&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-2773996932658107293?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/2773996932658107293/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=2773996932658107293&amp;isPopup=true' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2773996932658107293'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2773996932658107293'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/09/angelika-klussendorf-das-madchen.html' title='Angelika Klüssendorf: Das Mädchen'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-2640854841778463764</id><published>2011-09-01T14:02:00.002+01:00</published><updated>2011-09-01T14:07:47.406+01:00</updated><title type='text'>Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Arno Geiger hat ein literarisch formloses Buch über seinen Vater  geschrieben. Es ist kein Roman, keine Fiktion. Der Vater leidet an  Alzheimer Demenz, die Krankheit hier aber nur sekundär auftritt, in  erster Linie es aber um das Verhältnis zwischen Vater und Sohn geht.  Eine subtile Annäherung an den Vater, dessen Herkunft auch beleuchtet  wird. Als die Krankheit einsetzt, der Vater seine ersten Aussetzer  hatte, wird falsch reagiert. Der Vater wird für ein Fehlverhalten  kritisiert, was durch seine Erkrankung verschuldet ist. So wird es in  vielen Familien sich zugetragen haben, bis irgendwann die Erkenntnis  einsetzt, der Vater ist krank. August Geiger geht immer mehr in sein  Exil, in seine Krankheit, sodass er wie ein heimatloser sich nach Hause  sehnt, obwohl er ja physisch zu Hause ist. Aber der Geist zerfällt, die  ganze Persönlichkeit, und das ist die Fremde, die dieser Vater fühlt.  Arno Geiger hat diesen Vorgang an sich sehr schön erzählt, warum er aber  die Alzheimer Erkrankung zur Metapher erklärt, ist seltsam. Alzheimer  als &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Arno Geiger&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;..ein  Sinnbild für den Zustand unserer Gesellschaft. Der Überblick ist  verlorengegangen, das verfügbare Wissen nicht mehr überschaubar,  pausenlose Neuerungen erzeugen o&lt;br /&gt;Orientierungsprobleme  und Zukunftsängste.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt; (Seite 58).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich  habe den Eindruck, mit diesem Gesellschaftsbezug soll der Text  literarisch erhöht werden, denke ich bei diesem Zitat doch an Kafka. In  meiner Rezension zu&lt;a href="http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/07/franz-kafka-der-verschollene.html"&gt;&lt;i&gt; „Der Verschollene"&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; schrieb ich:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von mArtinus&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;„...dass  Kafka zu Beginn des 20 Jahrhunderts erschreckend in eine  hochtechnisierte Welt sah, die den einzelnen Menschen, das Individium,  unbedeutend erscheinen ließ.“&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;br /&gt;Ich gehe davon  aus, Arno Geiger habe sich bewusst auf Kafka bezogen, ihn nur variiert,  an einer anderen Stelle Kafka sogar wörtlich erwähnt  wie auch andere  Größen. An sich besteht aber kein Grund seine Bildung vorzuzeigen, wenn  es um den eigenen Vater geht, der übrigens schon immer&lt;i&gt; „einen Hang zum Eigenbrötlerischen hatte“&lt;/i&gt;,  aus dem Dorf kaum herausgekommen sei. Einerseits Verständnis für die  Situation des Vaters gezeigt wird,  andererseits auf  Grenzen gestoßen  wird, wenn der Autor sich  ärgert, wie überlegt doch manche Antworten  seines Vaters erscheinen, außerdem am Rande schwelende Aggression  brodelt, auf Seite 23 folgendes zugegeben wird:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Arno Geiger&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Hätte  ich damals nicht mehrere Monate im Jahr zu Hause verbringen müssen,  damit ich als Ton-und Videotechniker auf der Bregenzer Seebühne das Geld  verdiente, das das Schreiben nicht abwarf, hätte ich einen weiten Bogen  um das Elternhaus gemacht.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;br /&gt;All das, obwohl auf Seite 11 noch zuversichtlich verkündet wird:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat &lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Da mein Vater nicht mehr über die Brücke in meine Welt gelangen kann, muss ich hinüber zu ihm.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;br /&gt;Ein  redlicher Vorsatz, der sich nur teilweise erfüllt. Das Buch hat gute  Ansätze, die dem Leser die Situation nahebringen kann, wie es sein kann,  wenn ein Familienmitglied einer dementiellen Entwicklung ausgesetzt ist  und irgendwann doch der Punkt erreicht wird, dass die Inanspruchnahme  eines Pflegeheimes irgendwann nicht mehr abzuwenden ist. Aber, wie oben  ausgeführt, auch ein Buch, was Fragen aufwirft, warum nur Arno Geiger  dieses Buch geschrieben habe. Um seinetwillen oder zum Andenken an  seinen Vater?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Arno Geiger&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Meine ganze Kindheit lang war ich stolz gewesen, sein Sohn zu sein. Jetzt hielt ich ihn zunehmend für einen&lt;i&gt; Schwachkopf.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Es wird wohl stimmen, was Jacques Derrida gesagt hat: dass man stets um Vergebung bittet, wenn man schreibt.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;(Seite 23)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-2640854841778463764?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/2640854841778463764/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=2640854841778463764&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2640854841778463764'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2640854841778463764'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/09/arno-geiger-der-alte-konig-in-seinem.html' title='Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-5082332675619168749</id><published>2011-08-18T16:15:00.006+01:00</published><updated>2011-09-15T15:10:06.018+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Biografie'/><title type='text'>Johannes Willms: Stendhal (Biografie) Teil II</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Nach &lt;a href="http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/08/johannes-willms-stendhal-biografie-teil.html"&gt;Teil I&lt;/a&gt; folgt Teil II&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Nach der Ära Napoleons I. geht es darum, wie Stendhal nach Bonaparte  finanziell überleben kann, es folgen einige unerfüllte  Liebesbeziehungen, die Stendhal in seine schlimmste Krise stürzten:  Selbstmordgedanken, vier Jahre Keuschheit. Es erfolgt auch der Aufstieg  zum angesehenen Schriftsteller, mit dem Schreiben er so manches  Liebesleid überwinden konnte. Weiterhin die unerfüllte Liebe zur  Mailänderin Métilde Dembowski. Die Folgen waren besonders tragisch.  Dieses war wirklich Liebe, die völlig unerwartet in Stendhals Leben  fiel, keine Liebelei, keine Abenteuerei wie in seinen jungen Jahren,  Métildes Abweisung  Stendhal in eine bisher nie dagewesene Sinnkrise  führte. Vielleicht sah Stendhal in Métilde seine letzte Chance, die  große Liebe zu begegnen.  Métilde, damals 28 Jahr alt, hatte zwei Kinder  und war geschieden. Einmal reiste er ihr durch mehrere italienische  Städte hinterher, nur um sie zu sehen. Doch das hatte furchtbare Folgen.  Stendhal wurde, Johannes Willms vermutet, von Métildes ehemaligem  Gatten, dem General Dembowski, denunziert. Er wurde verdächtigt, ein  Spion der französischen Regierung zu sein, ein gefährlicher Liberaler.  Sogar Fürst Metternich soll seine Hand im Spiel gehabt haben, sodass er  Mailand für immer verlassen musste, dem Metternich Jahre später noch  seinen Tod wünschte. Noch zehn Jahre später, klagte er über den Verlust,  Mailand den Rücken gekehrt haben zu müssen. Als Stendhal aus Mailand  floh, er ging schon auf die vierzig zu, hatte er, so darf ich wohl  sagen, sein  Leben fast verloren.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Mehr und mehr versank er in einer  Depression die ihn, bezeichnend für sein Empfinden des Versagens, davon  abhielt, frühere Kontakte in Paris neu zu knüpfen“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, so Johannes Willms auf Seite 191.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Trotzdem  fällt doch auf, Stendhal ist schon um die vierzig. Was ist denn nun mit  dem Schriftsteller Stendhal? Er hat sehr spät angefangen. Ursprünglich  wollte er Dramen schreiben. Im Nachhall der Liebe zu Métilde  veröffentlichte er 1822 sein Buch &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Über die Liebe“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, darin es mehr oder weniger um seine Liebesleiden geht, zum Romandebut &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Armance“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  dauerte es noch fünf Jahre. Wie für Balzac war auch für Stendhal der  Journalismus eine Fingerübung, die schließlich zu den Romanen führte.  Ein wenig unrühmlich begann Stendhals Weg als Schriftsteller mit  Plagiaten. An seinem ersten erfolgreichen Roman&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Rot und Schwarz“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; wurde u.a. der völlig neuartige Stil gelobt. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Zum  Ende hin, schwenken wir den Blick auf die Biografie an sich.  Merkwürdig, Willms klammert Stendhals Interesse für die Archäologie  gänzlich aus und der aufmerksame Leser darf sich fragen, was aus seinem  Interesse an der Mathematik geworden ist, die ihm ja von Jugend her  begeistert hat. Ich sonst von dieser Biografie sehr angetan bin, die in  den  Anmerkungen auf 793 Quellen, meist Primärquellen, verweist, beim  Lesen dieser Biografie ich aber nie den Eindruck hatte, der  Autor  zitiere zu viel und schreibe zu wenig. Nein. In dieser Hinsicht ist das  Buch sehr ausgewogen, und Johannes Willms zeichnet das Leben eines  Liebenden und eines Schriftstellers sehr detailliert nach, der als  Beamter große Karriere machen wollte, aber nur Konsul in einem kleinen  langweiligen italienischen Städtchen wurde. Selbstverständlich fällt es  auf, Johannes Willms schreibe nursehr wenig über die Romane, dabei aber  zu bedenken ist, es handelt sich um eine Biografie und nicht um eine  Werkanalyse. Klar geworden allerdings ist, Stendhal verewigte einige  Frauen seines Lebens in den Romanen. Über &lt;a href="http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/08/stendhal-die-kartause-von-parma.html"&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die&lt;/span&gt; &lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;a href="http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/08/stendhal-die-kartause-von-parma.html"&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Kartause von Parma“&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; heißt es, der Roman sei&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „...die Summe all seiner Leidens – und Glückserfahrung in der Liebe...“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;. Die &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Chartreuse&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; sei &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„insofern recht eigentlich das &amp;gt;Buch Stendhal&amp;lt;.&lt;/span&gt;“ (Willms, Seite 281).&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-5082332675619168749?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/5082332675619168749/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=5082332675619168749&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5082332675619168749'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5082332675619168749'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/08/johannes-willms-stendhal-biografie-teil_18.html' title='Johannes Willms: Stendhal (Biografie) Teil II'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-4340767168453359592</id><published>2011-08-16T16:35:00.005+01:00</published><updated>2011-09-15T15:08:25.133+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Biografie'/><title type='text'>Johannes Willms: Stendhal (Biografie) Teil I</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Knapp über die Hälfte der Biografie hinausgekommen mausert sich diese  Biografie zu einem Zeugnis eines Menschen, der von einer Frau zur  nächsten geht, ähnlich wie Fabrizio in der &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Kartause&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;. In der  ersten Hälfte der Biografie sich noch nicht abzeichnet, dass Stendhal  ein großer Schriftsteller werden wird, er nur ein Frauenjäger, ein  Mensch, dem sein übermäßiger  Geschlechtstrieb eigentlich schon zur Last  geworden sein muss, der seinen Trieb sofort befriedigen muss, sich  gleich verlieben muss, wenn ihm eine schöne Frau  unter die Augen kommt,  ich mich schon ernsthaft fragen muss, ob  das nicht einfach nur  Sexsucht ist. Es ist wahrlich nicht übertrieben, wenn ich sage, auf  (fast) jeder Buchseite gehe es um Frauen in Stendhals Leben. Korrektur:  Nach der Lektüre wird es dem Leser so erscheinen, als ob....&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Unter anderem in den &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Œuvres intimes,&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; seinen Tagebüchern, schrieb Stendhal über seine Frauengeschichten. Was Stendhal dort  loslässt geht teilweise an jugendfrei vorbei. Was mir tatsächlich in den  Kopf schoss war, Stendhal hätte ein gehobener pornographischer  Schriftsteller werden können. Was soll ein Biograf wie Johannes Willms  schon machen, wenn so ein Tagebuch (offensichtlich) voll von Liebeleien  ist. Er schreibt darüber, natürlich, und was Willms gut hinbekommen hat,  ist, Stendhals Psyche in Bezug auf den Eros zu durchleuchten. Das ist  eine wesentliche Leistung dieser Biografie.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ein wenig pausiert  das Frauenthema, wenn Stendhal mit Napoleon gen Russland zieht  (logisch). Stendhal ist ein Beispiel dafür, wie ein Mann vom  Geschlechtstrieb geknebelt werden kann, seine große Liebe aber niemals  finden wird. Stendhal war niemals verheiratet. Eine Frau war erobert,  und schon verlor er wieder Interesse. Fabrizio erging es auch so. Nur  eine Frau liebte er über Jahre hinweg: Victorine Mounier (na,ja, in  Mailand gab es auch eine langjährige unerfüllte Liebe, davon später).  Sie zeigte ihm nur die kalte Schulter, er bekam sie nie. Sie war  Stendhals Dulcinea, die ewige Liebe, der er nachträumte, die  unerreichbar blieb.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Stendhal&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Ich  habe sie sehr geliebt, auch wenn ich ihr nur siebenmal in meinem Leben  begegnet bin. Alle anderen Leidenschaften waren nur ein Wiederschein von  dieser. &lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; (Correspondance générale I,60; in Willms Seite 60/61)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Es ist“, so formuliert Johannes Willms treffend&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Johannes Willms&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;völlig  gleichgültig, dass Victorine vermutlich nicht entfernt jenem Idealbild   entsprach, das er sich machte. Sie diente ihm wie andere Frauen  lediglich  als Projektionsfläche, als beliebiges Gefäß seiner Träume von  vollkommener Liebe, von wunschlosem Glück. Stendhals enttäuschte, nicht  erhörte Passion für Victorine Mounier liefert das Grundmuster für das  Leiden an der Liebe, das seinem Leben den eigentümlichen Sinn geben  sollte. &lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;(Willms, Seite 68)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stendhal war ein  Träumer, zumindest in seinen jungen Jahren. Er verschlang viele Bücher,  auch solche, die der Jugend nicht zugänglich sein sollten und erlag dem  Wahn, die Literatur mit der Realität zu verwechseln. Als er erstmals in  Paris war, glaubte er allen Ernstes, er könne die Pariser Szene&lt;i&gt; „als ein Valmont aus den &amp;gt;Liaisions dangereuses&amp;lt;...betreten."&lt;/i&gt; (Willms, Seite 40)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Stendhal&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Ich kenne die Menschen nur aus den Büchern und es gibt Leidenschaften, von denen ich nirgendwo sonst Kenntnis erhalten habe.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; (Pensées, Filosofia nova, in Willms, Seite 59; )&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den&lt;i&gt; Œuvres intimes&lt;/i&gt;  I 180, bekennt Stendhal, er habe, bevor er Victorine nach drei Jahren  erstmals wiedersah, genau vorgestellt wie seine Erwartungen von Glück  sein werden, die er sich während der drei Jahre ausgemalt hatte, und als  er sie sah, realisierten sich seine Erwartungen. Johannes Willms  schreibt (Seite 65/67), er sei noch von dem ihn verehrten Rosseau  beeinflusst gewesen, der in &lt;i&gt;Les Confessiones &lt;/i&gt;seine Begegnung mit Madame d' Houdetot ähnlich geschildert hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als  ich las, Stendhal habe in Romanen das reale Leben erblicken wollen,  musste ich daran denken, wie der Franzose aus Renaissance-Geschichten  seinen letzten großen Roman gestaltete. Er schrieb &lt;i&gt;Die Kartause von Parma&lt;/i&gt;  mit einem Fuß in der Renaissance weilend, obwohl die Handlung des  Romans zu Anfang des 19. Jahrhunderts zu setzen ist. Hier mag sich  Stendhals Träumerei in wunderbarer Weise in einem Roman gespiegelt  haben, oder die Romantik. Als im Jahre 1800 Napoleon den St. Bernhard  Pass in Richtung Oberitalien überschritt, war Stendhal als Hilfsarbeiter  im Truppenverwaltungsdienst dabei und &lt;i&gt;„träumte sich wieder in die Rolle eines strahlenden Helden von Ariost“&lt;/i&gt;(Willms, Seite 45), genauso wie es Fabrizio in der&lt;i&gt; Kartause&lt;/i&gt; bei Waterloo getan hatte. In Italien lernte Stendhal die Musik Cimarosas kennen und lieben. Julien Sorel bricht im Roman &lt;i&gt;„Rot und Schwarz“&lt;/i&gt;  in Tränen aus, als er eine Arie  Cimarosas vernimmt, und in der  Kartause verliebt sich Fabrizio bei Cimarosas Klängen in Clelia (vgl.  Willms, Seite 48) Es macht mir Spaß zu entdecken, was die Romane über  Stendhal selbst erzählen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stendhal war sehr ehrgeizig und wollte  unter Napoleon zum Kriegskommissar aufsteigen, war aber auf seiner Reise  nach Deutschland im Jahre 1806 dem Kriegskommissar nur als  Stellvertreter zugeteilt. Die Bürokratie langweilte ihm schließlich dann  doch, er wollte in die Schlacht. Stendhal schien aber nicht wirklich  der Typ eines heldenhaften Soldaten zu sein, waren doch diese Ziele  dadurch vergällt worden, weil er den Auftrag bekam, Pferde-und andere  Tierkadaver von den Straßen zu befreien. Auf einer Reise durch  Süddeutschland sah er grausame Restbestände des Krieges: Tierkadaver,  Uniformstücke und Helme bei Landshut. Der Anblick übel zugerichteter  Soldatenleichen gaben ihm den Rest. In Wien ging es ihm besser, er  begegnete wieder schönen Frauen (vgl. Wilms Seite 102/103). Den  Russlandfeldzug 1812 hatte er allerdings noch vor sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stendhals  große Liebe war selbstverständlich Italien, vielleicht letzendlich doch  besser so. Was sollte er als Kriegsminister? Ich frage mich, ob die  Liebe zu Italien ihm diesen Ehrgeiz doch genommen hat, als Beamter des  Krieges Schlachten zu verwalten (was immer so einer mit so einem Job  auch tun muss). Die  &lt;i&gt;Œuvres intimes&lt;/i&gt; legen auch Zeugnis von seiner  großen Liebe zu Italien ab. Italien bedeutete ihm alles, es habe seinen  Charakter geprägt, er verbrachte dort seine süßen Jugendjahre,usw  schrieb er (vgl. Willms, Seite 134) und wird dort etwa ein Drittel  seines Lebens verbringen. Was für ein Gegensatz zum Krieg, dem er sich  mal mit Leib und Seele verschreiben wollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus dem Russlandfeldzug schrieb er:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Stendhal&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Kannst  du dir vorstellen (….), dass ich kurz davor bin, loszuheulen? In diesem  Ozean der Barberei ist kein Ton zu vernehmen, der mir zum Herzen  klingt. Alles hier erscheint der Physis wie der Moral als grobschlächtig  und stinkend.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; (Correspondance générale II, 352, Willms, Seite 149)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Bleibe er lieber in Italien, wo sein Herz erklingt.&lt;/span&gt;&lt;img style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" src="http://img.homepagemodules.de/heart.gif" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;(der Zweite Teil der Buchvorstellung folgt).&lt;/span&gt;&lt;img style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" src="http://www.artcafe.de/images/Ourwbb-Red/smilies/grins.gif" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/b&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-4340767168453359592?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/4340767168453359592/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=4340767168453359592&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/4340767168453359592'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/4340767168453359592'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/08/johannes-willms-stendhal-biografie-teil.html' title='Johannes Willms: Stendhal (Biografie) Teil I'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-6668833633936849869</id><published>2011-08-13T11:40:00.000+01:00</published><updated>2011-08-13T11:42:25.371+01:00</updated><title type='text'>Stendhal: Die Kartause von Parma</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die &lt;/span&gt;&lt;em style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Kartause&lt;/em&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; ist ein spannender Actionroman. Die ersten Kapitel  handeln von Napoleonischen Kriegen, vom Einmarsch der Franzosen in  Mailand (1796), zu dieser Zeit der Protagonist unseres Romans, Fabricio  del Dongo, noch ein sehr kleines Kind ist und von Napoleons letzter  Schlacht bei Waterloo, an deren Fabricio freiwillig teilnimmt. Dieses  Waterloo hat Stendhal literarisch gut gestaltet. Besonders im ersten  Kapitel hatte ich doch den Eindruck, historische Begebenheiten werden  dem Leser einfach so vor die Nase gesetzt, weiterhin verwirrten mich die  vielen Namen. Erst mit dem aktiven Auftreten Fabrizios gewinnt der  Roman an Fahrt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Erste Teil des Romans ist von einem rapiden  Szenenwechsel gezeichnet, er wirkt gehetzt wie Fabrizio selbst, der  innerhalb von etwa zwei Stendhalsätzen die Entfernung von Italien nach  Paris zurücklegt, nur um Napoleon vor die Augen zu treten, was ihm  allerdings nicht gelingt. Übrigens verpasst Fabrizio Napoleon dreimal,  zuletzt in der Schlacht bei Waterloo, da er, als der Kaiser  vorüberzieht, total betrunken ist. Vielleicht ist dieses Verpassen  ein  Stendahl'scher Fußtriitt gen Napoleon, Stendhal schon zu Beginn des  Romans auf den Größenwahn Napoleons hinweist, Stendhal allerdings selbst  mit Napoleon nach Moskau gezogen ist. Natürlich ich mich frage, warum  ein Siebzehnjähriger kriegsbegeistert ist, auch noch, als  so ziemlich  neben ihm zwei Husaren zu Tode stürzen, ein Pferd sich in einer  Blutlache quält. Fabrizio kommt erst zur Besinnung, als er soviel Blut  verliert, dass ihm die französische Sprache hops geht Merkwürdig, gibt  es so etwas oder hat Stendhal ein wenig fantasiert? Vielleicht war es  einfach ein Volumenmangelschock.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Nach der Schlacht beginnt die Hetzjagd. Von seinem Bruder wird er denunziert,&lt;/span&gt;&lt;em style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  „weil er Napoleon Vorschläge einer weitverzweigten, im ehemaligen  Königreich Italien organisierten Verschwörung hinterbracht habe.“&lt;/em&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  Natürlich stimmt das nicht. Der zweite Grund, warum Fabrizio im Ersten  Teil des Romans gejagt wird, liegt darin, er hat einen Nebenbuhler  ermordert. Dass es Notwehr war, interessiert seine Gegner am Hofe  Ernestos IV. zu Parma nicht. Der Hof des Fürsten ist ein Nest von  Intriganten. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wie Fabrizio überhaupt an den Hof zu Parma gelangt  ist, dazu muss ich weiter ausholen, meine Buchvorstellung aber, keine  Bange, nicht zur  zur Inhaltsangabe ausartet, aber durchaus interessant  zu wissen, die Gräfin Signora Pietranera, Fabrizios Tante, für ihren  Neffen geschwärmt, fast verliebt, aber wohl mehr platonisch, ach, er  doch noch so jung, und, da Fabrizio nun in die Schlacht zog, die Grafin  arg gelangweilt war, deswegen sie sich in den Graf Mosca verliebte, der  in Parma Minister war. Meine Überlegung natürlich dahin geht, ob sich  feine Damen heute auch noch aus Langeweile verlieben. Da die Liebe in  Stendhals Werk wie auch in seinem Leben eine große Rolle spielt, muss  Herr Stendhal das doch wissen. Ich drohe  vom Strang abzudriften, aber ,  da wir bei der Liebe sind, bleiben wir vorerst bei der Liebe, denn  Fabrizio gehetzt, wirkt auch gehetzt in der Liebe, er geht von Frau zu  Frau, dass mir im wahrsten Sinne des Wortes schwindelig wird, ein  Libertin, der nach einer Eroberung Ausschau nach der nächsten Eroberung  hält, eine bedauernswerte Gestalt, von Einsamkeit geprägt, ähnlich wie  Stendhal selbst kein Kostverächter war. Der abrupte Szenenwechsel im  Ersten Buchteil sicher nicht der Unruhe Fabrizios geschuldet, sondern  wohl eher darin, weil Stendhal den Roman innerhalb von 52 Tagen  diktierte. Trotz berechtigter Kritik, Stendhal habe hier und dort  geschluhrt, ist der Roman so spannend, dass ich gerne leichtfüßig über  solche Fehler hinweggehe. Da studiert Fabrizio in Neapel Theologie, er  soll Erzbischof in Parma werden, damit er nicht mehr wegen  Spionageverdacht verfolgt werde, vom Studium  der Leser aber gar nichts  mitbekommt, wir bekommen auch gar nicht mit, ob er irgendwann ein  Keuschheitsgelübde oder ähnliches ablegen muss, wir bekommen nur mit,  Fabrizio beschäftige sich mit Frauen. Liebe Leser, ob sich Stendhal  selbst in diesen Frauengeschichten spiegelt, das wird noch geklärt. Ich  lese gerade die Biografie von Johannes Willms. Allerdings, und das  verriet mir das Nachwort, Stendhal war archäologisch sehr interessiert  und kaufte im Jahre 1832 in Misenum eine Büste des Tiberius, im Roman  entdeckt Fabrizio, der sich der Archäologie widmet, eine Tiberius-Büste.  &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Interessant ist die Entstehungsgeschichte des Romans, auf der  im  Nachwort eingegangen wird (unbedingt die Übersetzung von Elisabeth Edl  mit dem ausführlichen Anhang lesen). Im Frühjahr 1835 entdeckte Stendhal  alte Handschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert, Geschichten von  Liebe, Tod, Ehebruch, Inzest, Rache, Leidenschaft. Stendhal ließ sie  kopieren. Aus diesem Fundus plante er diverse Erzählungen zu gestalten.  Eine Geschichte ist darunter, die von der Jugend des Papstes Paul III.  (Alessandro Farnese) handelt. Eine Geschichte handelt vom „Ursprung der  Größe der Familie Farnese“, die diverse moralische Verfehlungen  auflistet: krumme Wege auf dem Weg zum Reichtum und zur Macht usw. In  dieser Geschichte finden sich viele  Elemente, die der Leser in der  Karthause von Parma, allerdings stark verfremdet, wiederfindet.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Im Roman wird immer wieder auf die Historie verwiesen, die offenbar  in ehrwürdiger Erinnerung gepflegt wird:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Dieser  Turm, von den Farnese, den Enkeln Pauls III., nach dem Vorbild des  Hadrian-Grabmals in Rom zu Beginn des 16. Jahrhunderts errichtet...,“&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;(der Turm gehört zum Gefängnis zu Parma)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die  Idee, Fabrizio soll Erzbischof zu Parma werden, gründet sich darauf,  Fabrizio habe Vorfahren gehabt, die dieses Amt schon bekleidet hatten.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Für viele Herrscher, auch für Ernesto IV. zu Parma, galt Ludwig XIV., der Sonnenkönig, zum Vorbild.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die  Herzogin fand, daß beim Fürsten die Nachahmung Ludwigs XIV. In manchen  Augenblicken etwas zu auffällig war; zum Beispiel, wenn er gütig  lächelte und dabei den Kopf zurückwarf...“&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;An dieser Stelle  Stendhal natürlich herrlich ironisiert. Köstlich insgesamt, wie Stendhal  die Sitten am Hofe Ernestos umschreibt, und wir erfahren nebenbei,  warum sich die Untergebenen  gepudert haben:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„...er hätte  noch gut ausgesehen, wäre er nicht durch eine Schrulle seines Fürsten  gezwungen gewesen, sich die Haare zu pudern, als Beweis aufrechter  politischer Gesinnung.“ &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wenn Fabrizio im Zweiten Teil im  Gefängnis harrt, die Liebesgeschichte zwischen ihm und Clelia sich   entfaltet, meiner Meinung, der Höhepunkt des Romans (man lese selbst) so  assoziiere ich das gerne mit alten Ritterromanen, Clelia auch so etwas  wie eine Märchenprinzessin, die viele Männer abweist, der Vater, der sie  verheiraten will, deswegen sehr aufgebracht ist, allerdings Stendhal  Clelias  Weg in die Liebe ganz anders als im Märchen zu Ende bringen  lässt , das Romanende mich in vieler Hinsicht enttäuscht hat, Stendhal,  seinen doch lesenswerten Roman zum Ende hin einfach nur abwürgt.  Offenbar hatte Stendhal keine Lust mehr, wie Tolstoi am Ende von &lt;/span&gt;&lt;em style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Auferstehung“&lt;/em&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;. Trotz einiger Schwächen, mir der Roman im Gedächtnis bleiben wird.  Stendhal fasziniert irgendwie doch.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-6668833633936849869?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/6668833633936849869/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=6668833633936849869&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6668833633936849869'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6668833633936849869'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/08/stendhal-die-kartause-von-parma.html' title='Stendhal: Die Kartause von Parma'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-3355529562250397435</id><published>2011-07-25T17:29:00.001+01:00</published><updated>2011-07-25T17:31:01.428+01:00</updated><title type='text'>Martin Heidegger: Der Feldweg</title><content type='html'>&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Er läuft aus dem Hofgartentor zum Ehnried.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;So beginnt Martin Heideggers philosophische Erzählung &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Feldweg“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;.  Ein Text, der Ruhe ausstrahlt, die Natur in ihrer Einfachheit und  innerer Stärke. Die Eiche wächst in fast zeitloser Langsamkeit.  Nur die  Turmuhr und der Glockenschlag, geschaffen von Menschen, versuchen die  Zeit einzufangen. Das bedächtige Wachsen der Eiche steht außerhalb  dieser Versuche, die Zeit an einem Konstrukt zu ketten. Nur der Wechsel  der Jahreszeiten scheint der Natur ihr Zeitmesser zu sein, die Eiche  selbst in zeitloser Bedächtigkeit diesen Zyklus an sich vorüberziehen  lässt. In der Langsamkeit des Wachsens gründet sich das &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„was dauert und fruchtet“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Hier kommt nun der Mensch ins Spiel. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;„Was um den Weg sein Wesen hat, sammelt er ein, und trägt jedem, der auf ihm geht, das Seine zu.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Spätestens  jetzt wird man erkennen, das der Feldweg eine Metapher ist. Der Mensch  wurzelt in der Erde und kann sich in die Weite des Himmels, der Ideen,  öffnen. Heidegger erzählt von  der Bank, die unter der Eiche steht,  darauf eine junge Unbeholfenheit die Schrift eines großen Denkers zu  entziffern versuchte, um die Rätsel des Daseins zu erfassenn.  Wenn der  suchende Mensch, der nach Lebensfragen giert, in eine Sackgasse gerät,  dann hilft der Feldweg. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Denn er geleitet den Fuß auf wendigem Pfad still durch die Weite des kargen Landes.“&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Feldweg verkündet den Vorbeiziehenden&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Das Einfache“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;,&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „spricht nur so lange, als Menschen da sind, die in seiner Luft geboren,...“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Der Feldweg braucht Höhrer, nicht aber Hörige,  die schwerhörig im &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Lärm der Apparate, die sie fast für die Stimme Gottes halten"&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, untergehen, dieser Lärm der modernen Gesellschaft den Menschen &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„zerstreut und weglos“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  macht.  Heidegger plädiert für eine Welt, in der der Mensch nicht zum  Opfer von Maschinen wird.  –  auf unsere gegenwärtige Zeit bezogen sind  das Autos, Computer, Handys und allerlei anderes, was wir gerne  gebrauchen, oder auch Lärm am Arbeitsplatz. Heidegger spricht aber auch  von wenigen Menschen, die in der modernen Welt noch ein Ohr zum Inneren  bewahrt haben.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Zuspruch des Feldweges erweckt einen Sinn,  der das Freie liebt und auch die Trübsal noch an der günstigen Stelle  überspringt in eine letzte Heiterkeit.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Heidegger lässt offen, woher  dieser Zuspruch kommt: Seele, Welt, Gott? &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Zuspruch macht heimisch“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, heißt es. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ein  wunderbarer bedächtiger Text, der Ruhe auf den Leser ausstrahlt,  sich  erst mir auf eine vielleicht ganz persönliche Art erschlossen hat,  nachdem ich mehrmals über diese sieben Buchseiten gewandelt bin. Für  diesen Text unterwerfe sich der Leser die Langsamkeit einer wachsenden  Eiche. Nur mit Langsamkeit können wir, so glaube ich, Früchte dieses  herrlichen Textes erhaschen. Ein Text für die Stille der Nacht.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die Stille wird mit seinem letzten Schlag noch stiller.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-3355529562250397435?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/3355529562250397435/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=3355529562250397435&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/3355529562250397435'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/3355529562250397435'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/07/martin-heidegger-der-feldweg.html' title='Martin Heidegger: Der Feldweg'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-6053108892101101534</id><published>2011-07-18T20:21:00.006+01:00</published><updated>2011-07-18T21:10:25.726+01:00</updated><title type='text'>Franz Kafka: Der Verschollene</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der fünfzehnjährige Karl Roßmann wird von seinen Eltern nach Amerika geschickt, weil er von einem Dienstmädchen vergewaltigt worden ist, die nun geschwängert war. Nicht nur geschickt, nein, er soll verbannt werden, von seinen Eltern auf immer und ewig getrennt, nicht weil Karl die Schuld der Vergewaltigung trägt, sondern um die Schande an sich von der Familie fernzuhalten. Der Verlust des Reisekoffers mit Erinnerungen an Vater und Mutter, Speise für unterwegs und Kleidung unterstreicht symbolisch die Trennung von seiner Familie. Auch wenn der Koffer später wieder auftaucht, das Foto seiner Eltern bleibt verloren.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Jetzt ist er verschollen in Amerika. Verschollen in dieser Hinsicht, dass er es nicht mehr zustande bringt, sich Personen zugehörig zu fühlen. Er ist allein, ein Getriebener, er irrt umher. Dieses Umherirren wird sehr bildhaft erzählt, als er sich in den Gängen des Schiffes verläuft, später im Hause des Herrn Pollunder herumirrt:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"...Es war ein langsames Vorwärtskommen und der Weg schien dadurch doppelt lang. Karl war schon an großen Strecken der Wände vorübergekommen, die gänzlich ohne Türen waren, man konnte sich nicht vorstellen, was dahinter war...Plötzlich hörte die Wand an der einen Gangseite auf und ein eiskaltes mamornes Geländer trat an ihre Stelle. Karl stellte die Kerze neben sich und beugte sich vorsichtig hinüber. Dunkle Leere wehte ihm entgegen...."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Alptraumhaft, was für ein Schauder. Ich gerate leicht in Versuchung, diese Traumbilder freudianisch zu deuten. Sigmund Freud sagt:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Türe und Tor werden wiederum zu Symbolen der Genitalöffnung."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;(Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, X. Die Symbolik im Traum).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Klara erklärt Karl, wo ihre Tür zu finden ist.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Ich werde nicht gerade auf Dich warten, aber wenn du kommen willst so komm."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Diese Aussage hat ohne Zweifel etwas erotisches, auch wenn im Text (nur) gesagt wird, Karl habe ihr versprochen, auf dem Klavier vorzuspielen. Nur Klavier spielen, und das nachts?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die Türe, sind im Kafkazitat alle verschlossen. Karl sagt sogar:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Ich werde nicht mehr in mein Zimmer zurückgehn."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der sexuelle Wunsch wird unterdrückt. Interessant ist aber, dass Herr Green Karl darum bittet, zu Klara zu gehen, und (bitter)ironisch bemerkt: &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Das dürfte Ihnen sicher Vergnügen machen."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ist es ein Eingeständnis von Impotenz, wenn Karl Roßmann Klara eröffnet: &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Ich bin, wenn ich ehrlich sein soll, froh, daß für das Spiel schon zu spät ist, denn ich kann noch gar nichts..."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Zu guter Letzt entwirft Kafka ein fantastisches Traumbild, Karl öffnet eine Tür und erblickt Klaras Verlobten in einem Himmelbett. Wenn wir das im Zusammenhang meiner Interpretation sehen, vollzieht sich hier eine Demütigung gegenüber Roßmann. Zu Beginn, bevor Roßmann in den Gängen des Hauses herumirrt, lässt er seine Zimmertür offen, d.h. er hat sexuelle Wünsche, die aber, wie wir gesehen haben nicht erfüllt werden. Zwischen Klara und dem Dienstmädchen aus Prag, die Roßmann vergewaltigt hatte, gibt es eine Verbindung: Beide tun ihm Gewalt an.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die Bedeutung dieses Romans liegt u.a. darin, dass Kafka zu Beginn des 20 Jahrhunderts erschreckend in eine hochtechnisierte Welt sah, die den einzelnen Menschen, das Individium, unbedeutend erscheinen ließ. Der einzelne Mensch wird entmenschlicht. Es wird aber erwartet, der Mensch müsse in der hochtechnisierten Welt funktionieren, eben nur funktionieren. Das verrät uns ein Blick in den Betrieb von Roßmanns Onkel:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51); font-style: italic;"&gt;"Der Onkel öffnete die nächste dieser Türen und man sah dort im sprühenden elektrischen Licht einen Angestellten gleichgültig gegen jedes Geräusch der Türe, den Kopf eingespannt in ein Stahlband, das ihm die Hörmuscheln an die Ohren drückte. Der rechte Arm lag auf einem Tischchen, als wäre er besonders schwer und nur die Finger, welche den Bleistift hielten, zuckten unmenschlich gleichmäßig und rasch...Mitten durch den Saal war ein beständiger Verkehr von hin und her gejagten Leuten. Keiner Grüßte, das Grüßen war abgeschafft, jeder schloß sich den Schritten des ihm vorübergehenden an, und sah auf den Boden auf dem er möglichst rasch vorwärtskommen wollte oder fing mit den Blicken wohl nur einzelne Worte oder Zahlen von Papieren ab, die er in der Hand hielt und die bei seinem Laufschritt flatterten.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wie ein wohlfunktionierter Ameisenhaufen in dem gähnend gefühllos innere Leere haust.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die Arbeit als Liftjunge im „Hotel occidental“ ist nichts anderes als Ausbeutung:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Da ist unser kleiner Junge z.B., er ist auch erst vor einem halben Jahr mit seinen Eltern hier angekommen, er ist ein Italiener. Jetzt sieht es aus, als könne er die Arbeit unmöglich aushalten, hat schon kein Fleisch im Gesicht, schläft im Dienst ein...."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Überhaupt war es ein einförmiger Dienst und wegen der zwölfstundigen Arbeitszeit, abwechselnd bei Tag und Nacht, so anstrengend, daß er nach Giacomos Angaben überhaupt nicht auszuhalten war, wenn man nicht minutenweise im Stehen schlafen konnte. Karl sagte hierzu nichts, aber er begriff wohl, daß gerade diese Kunst Giacomo die Stelle gekostet hatte.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Das das Individium nichts zählt, zeigt auch das Verhalten von Karls Vorgesetzten, dem Oberkellner als Karl sich bei ihm erstmals vorstellen wollte:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Er hatte keine Zeit sich auch nur auf das geringste Gespräch einzulassen und läutete bloß einen Liftjungen herbei, zufällig gerade jenen, den Karl gestern gesehen hatte."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Auch die Anschuldigungen, die zu Karls Rausschmiss führen, erweisen sich doch als ungerechtfertigt. Roßmann man wird zum Spielball autoritärer Gewalten. Die ungerechte Schikane, die ein fleißiger Arbeitnehmer ertragen muss, gipfelt meiner Ansicht nach in folgender Schilderung:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51); font-style: italic;"&gt;"Karl sah ein, daß er eigentlich seinen Posten schon verloren hatte, denn der Oberkellner hatte es bereits ausgesprochen, der Oberportier als fertige Tatsache wiederholt und wegen eines Liftjungen dürfte wohl die Bestätigung der Entlassung seitens der Hoteldirektion nicht nötig sein. Es war allerdings schneller gegangen, als er gedacht hatte, denn schließlich hatte er doch zwei Monate gedient so gut er konnte und gewiß besser als mancher andere Junge. Aber auf solche Dinge wird eben im entscheidenden Augenblick offenbar in keinem Weltteil, weder in Europa, noch in Amerika Rüchsicht genommen, sondern es wird so entschieden, wie einem in der ersten Wut das Urteil aus dem Munde fährt.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Karl Roßmann muss wieder eine Demütigung erfahren. Sein niederer Berufsstand wird gedemütigt, weil die Hoteldirektion wegen der Kündigung nicht hinzugezogen werden muss, zweitens wird Karls Fleiß nicht berücksichtigt. Schließlich wird er gezwungen, der fetten Brunelda ein Diener zu sein. Als er fliehen will, wird er brutal zusammengeschlagen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Verschollene“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; weist in unsere Zeit. Wenn jemand im Getriebe des Arbeitslebens nicht funktioniert, verliert er seine Anstellung. Die Motivwiederholungen im Roman deute ich als ein großes Zahnradgetriebe, welches sich im Kreise dreht. Das Individium, Karl Roßmann“ ist ein kleines Zahnrädchen im großen Getriebe. Wenn das kleine Zahnrädchen verschleißt, wird es hinausgeworfen und ersetzt. Im letzten Kapitel, Fragment II, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Im Theater von Oklahoma (Kafka schrieb: „Teater von Oklahama“) findet jeder Arbeit. Das mutet geradezu paradiesisch an, wird man doch von Engeln mit Flügeln empfangen, die auf Postamenten stehen, den Arbeitssuchenden mit Trompetenschall empfangen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wenn ich aus Mündern  von Politikern Vollbeschäftigung höre, so wirft mir gerades dieses einen bitter ironischen Blick auf Kafkas letztes Romankapitel.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;style type="text/css"&gt;p { margin-bottom: 0.21cm; }&lt;/style&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-6053108892101101534?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/6053108892101101534/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=6053108892101101534&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6053108892101101534'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6053108892101101534'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/07/franz-kafka-der-verschollene.html' title='Franz Kafka: Der Verschollene'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-1035344500616402740</id><published>2011-06-23T12:54:00.003+01:00</published><updated>2011-06-23T16:21:47.235+01:00</updated><title type='text'>Boualem Sansal: Das Dorf des Deutschen</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Dass nach dem Zweiten Weltkrieg  Südamerika zum Ziel von  Naziverbrechern wurde, ist hinreichend bekannt. Dass auch Algerien als  Zufluchtsort galt, hat mir der Roman von Boualem Sansal eröffnet. Der  Deutsche, um den es hier geht, heißt Hans Schiller. In Algerien steigt  er zu einer hochangesehenen Persönlichkeit im Befreiungskrieg auf, er  wird ein Scheich, fällt gemeinsam mit seiner Frau am 24. April 1994  einem Gemetzel zum Opfer, welches Islamisten in seinem Dorf Ain Deb  anrichten. Algerische Behörden verschleierten die deutsche Herkunft des  Ehepaares, in dem sie ihnen arabische Namen gaben. Die Söhne der  Schillers wachsen in Frankreich auf. Rachel, der Ältere, macht eine  berufliche Karriere, Malrich, der wesentlich  jüngere Bruder, wächst in  der Pariser Vorstadt unter dem Einfluss eines islamistischen Imams auf,  der außerdem ein Holoaustleugner ist. Nachdem seine Eltern umgekommen  waren, macht sich Rachel nach Algerien auf, das Grab seiner Eltern zu  besuchen und macht eine schaurige Entdeckung. Er findet einen Koffer mit  Fotos und Dokumenten die beweisen, der Vater war bei der Waffen SS und  tief verstrickt in die Verbrechen der Nazis. Er war in Dachau,  Buchenwald, Majdanek, Auschwitz. Um der Justiz zu entkommen floh er über  Istanbul, Syrien und Kairo nach Algerien, ins Dorf Ain Deb, das  irgendwo im Niemansland von vier kahlen Hügeln umklammert ist, wohin   garantiert keine deutsche Justiz ihre Arme ausstreckt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Wenn  ein einziges Verbrechen auf der Erde ungesühnt bleibt, und wenn das  Schweigen es über den Zorn hinwegführt, dann verdienen die Menschen  nicht zu leben“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, schreibt Rachel ins Tagebuch.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Rachel  verfolgt die Spur seines Vaters durch Europa, verstrickt sich sehr tief  in das ungesühnte Verbrechen seines Erzeugers und geht daran zugrunde.  Wie verstrickt Rachel wirklich  ist, ist leicht zu erkennen, wenn wir in  seinem Tagebuch seitenlang über Zyklon B und Vergasung lesen.  Exemplarisch für Rachels Charakter ist seine Begegnung mit einer alten  Frau in Auschwitz. Er entschuldigt sich bei ihr, dass sie ein so  schweres Leben gehabt habe, schließlich trage sein Vater eine Mitschuld.  Da die Mitschuld des Vaters nicht gesühnt ist, muss der Sohn, also  Rachel sühnen. Das ist Rachels Überzeugung, die ihn vernichtet.  &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Und  was ist mit Malrich? Er wacht aus seiner jugendlichen Ünbekümmertheit  auf und legt sich mit dem fundamentalistischen Imam an. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Boualem  stellt die These auf, Islamisten sind genauso fürchterlich wie die  Nazis.  Geschichte wiederholt sich.  Eine These mit der wir uns  auseinanderzusetzen haben. Man stelle sich mal vor – reine  Hirngespinstelei-  Islamisten erobern Amerika, die würden alle  Amerikaner umbringen, weil sie Amerika hassen und weil Allah gesagt hat,  die Ungläubigen müssen getötet werden (Allah möge, wenn er irgendwo  walten sollte, solch ein Vorhaben verhindern). Zu solchen Gespinsteleien  kann der Leser des Romans leicht kommen und ich glaube, Boualem meint  es bitter ernst. Religiöser Fanatismus gehört zu den fürchterlichsten  Verblendungen, denen ein Mensch unterlegen sein kann.&lt;/span&gt;&lt;img style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" src="http://www.cosgan.de/images/smilie/traurig/a015.gif" /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; In Malchrichs Tagebuch heißt es:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;„...wenn  ich sehe, was die Islamisten bei uns und anderswo veranstalten, sage  ich mir, dass sie die Nazis übertreffen werden, wenn sie eines Tages an  der Macht sind...“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Roman erschien im Jahre 2008 in  Frankreich. Der Roman besteht aus den Tagebüchern der Brüder Schiller.  Der Autor hat sich bemüht, jedem Bruder seinen eigenen Sprachgestus zu  geben.  Vor allem beeindruckt aber die Verarbeitung des  Holocaust-Themas, gespiegelt auf die Nachfolgegeneration. Verschiedene  Sichtweisen werden vorgestellt, wie es sein konnte, dass der Vater zum  Verbrecher wurde, dann die Verzweiflung, doch nicht nahe genug an den  Vater heranzukommen, der längst, ganz weit weg, am Ende der Welt unter  der Wüstensonne beerdigt liegt, dabei Boualem Sansal den Blick auf die  Gegenwart nicht verliert.  Was Sansal drei Jahre vor dem  Befreiungsumbruch in der arabischen Welt über Ägypten geschrieben hat,  gilt sicher in ähnlicher Weise auch für Algerien:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Boualem Sansal&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Man  braucht nicht lange, um es zu konstatieren, wenn man die Augen ein  wenig öffnet, das alte Ägypten, das glückliche Ägypten, das  kosmopolitische, krakeelende und romantische Ägypten von Nagib Machfus  existiert nicht mehr. Das moderne Ägypten...wird von zwei ebenso  imposanten Riesen wie den großen Pyramiden zermalmt: der Polizei und der  Religion. Dem freien Menschen bleibt nicht ein Quadratzentimeter, um  den Fuß darauf zu setzen.&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Dieser Roman ist  ein Glücksfall. Vergleichbares kenne ich nicht. Das Buch gehört auf die  Bestsellerlisten. Was soll ich noch predigen? Lest es einfach. &lt;/span&gt;&lt;img style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" src="http://img.homepagemodules.de/grin.gif" /&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-1035344500616402740?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/1035344500616402740/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=1035344500616402740&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1035344500616402740'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1035344500616402740'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/06/boualem-sansal-das-dorf-des-deutchen.html' title='Boualem Sansal: Das Dorf des Deutschen'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8792585706444366295</id><published>2011-06-17T16:06:00.003+01:00</published><updated>2011-06-18T03:05:22.702+01:00</updated><title type='text'>Hans Fallada: Der Trinker</title><content type='html'>&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Hans Fallada&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;„Schnaps ist etwas sehr Gutes – wie schade, daß ich so viele Jahre versäumt habe, in denen ich hätte Schnaps trinken können.“&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;Alles  andere als beruhigend ist Hans Falladas Biografie, der Zeit seines  Lebens drogensüchtig war und auch ein Alkoholiker. Sein posthum  erschienener Roman &lt;i&gt;„Der Trinker“&lt;/i&gt;, den Fallada 1944 in einer  Entziehungsanstalt verfasste, ergreift die Tragik seines Lebens: Die  Sucht nach der Flasche. Im Roman wird Erwin Sommer beschuldigt, seine  Frau angedroht zu haben, sie zu erwürgen. Vor der Niederschrift des  Romans wurde Fallada wegen versuchten Totschlags an seiner geschiedenen  Ehefrau angeklagt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erwin Sommer ist Kaufmann, steht kurz vor der  Pleite, er leidet auch unter seiner Frau Magda, die eine starke  Persönlichkeit ist, er sich ihr gegenüber untergraben fühlt, Magda nun  bemüht ist, die Firma Erwin Sommers wirtschaftlich wieder hochzupäppeln,  währenddessen Herr Sommer aber immer öfter zur Flasche greift, zu  Schnaps und Korn, Fallada den rasant schnellen Absturz des angesehenen  Kaufmanns erzählt, der hoffnungslos seiner Sucht verfällt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hans  Fallada hat die Suchtkrankheit selbst durchschaut, sonst hätte er den  Roman, so wie er uns vorliegt, nie schreiben können. Er kennt die  Tricks, wie man Alkoholika versteckt und erzählt, wie man als Trinker  den Blick für die Realität verliert bis hin zu wahnhaften Zügen. Im Film  versteckt Harald Juhnke Flaschen im Spühlsystem der Toilette. Was für  ein Einfall, wer sieht dort schon nach? Heimlich zu trinken in  unmittelbarer Nähe anderer, vor allem in unmittelbarer Nähe seiner Frau,  stellt für Herrn Sommer einen besonderen Reiz dar und führt zu  grotesken Szenerien:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Hans Fallada&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Einmal  als mir gar nichts anderes einfiel, ging ich sogar soweit, daß ich  heimlich in ihrer Gegenwart – der Schreibtisch deckte mich gegen Sicht –  die Flasche entkorkt auf den Boden stellte, dann den Radiergummi zu  Boden fallen ließ und ihn mir umständlich suchte., zuletzt auf allen  vieren, wobei ich unter der Wölbung des Schreibtisches, sehr vergnügt  über meine List, beträchtlichen Kognak in mich hineingluckern ließ.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Erwin  Sommers Aufenthalt im Gefängnis und in der psychiatrischen Heilanstalt  fand ich nicht mehr so interessant. Der Roman wird immer aktuell  bleiben, weil Hans Fallada sehr realistisch die Auswirkungen der  Alkoholsucht darstellt, und am Beispiel des Herrn Sommers aufzeigt, wie  Trinker agieren, wie tief sie fallen können. Was man in Fachbüchern  trocken nachlesen kann, wird hier lebendig. Wenn ich an die Heilanstalt  zurückdenke, macht mich nur eines stutzig und erinnert mich daran, dass  der Roman im Jahre 1944 entstand. Die Insassen der Anstalt sind  unterernährt, unsauber. Es grassiert Furunkulose, Tuberkulose. &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Irgendwelche Gefühle wurden an einem Erkrankten oder Sterbenden nicht verschwendet.“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;,  heißt es. Dem Oberpfleger schienen Kranke unnütz. Fallada lässt Erwin  Sommer betätigen, der Oberpfleger habe damit nicht einmal unrecht. Was  für eine vergiftete Zeit.&lt;/span&gt;&lt;img style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" src="http://www.cosgan.de/images/smilie/traurig/a015.gif" /&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8792585706444366295?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8792585706444366295/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8792585706444366295&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8792585706444366295'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8792585706444366295'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/06/hans-fallada-der-trinker.html' title='Hans Fallada: Der Trinker'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-2650024254689315717</id><published>2011-06-06T15:24:00.003+01:00</published><updated>2011-06-06T15:28:39.165+01:00</updated><title type='text'>Luise Rinser: Mitte des Lebens</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Dieses Buch verfrachte ich nicht in die Welt der schönen Bücher. Der  Roman erschien 1950 und soll ein Welterfolg gewesen sein. Natürlich kann  man mir vorwerfen, ich habe den Roman ja nur bis zum Satz&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; "- Ich habe Nina für immer verloren -"&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;,  (also noch nicht mal ganz die Hälfte)  gelesen, darauf ich entgegne,  diese Rezension soll auch nur eine Rezension von dem sein, was ich  gelesen habe, im Übrigen glaube ich, mag es durchaus auch mal  interessant sein, warum ein Buch abgebrochen wird.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Inhalt sei  nur grob angerissen: Im Jahre 1929 verliebt sich Herr Dr. Stein in die  neunzehnjährige Nina Buschmann. Sie ist seine Patientin, 20 Jahre  jünger. Nina will aber keine feste Bindung eingehen, naja, sie ist noch  nicht mal zwanzig. 18 Jahre später schickt Dr. Stein, immer noch allein  gelassen, der Nina sein Tagebuch, daraus auch der Leser erfährt, wie der  Mediziner unter dieser unerfüllten Beziehung sein Leben lang gelitten  hat und setzt seinem Leben ein Ende. Der Roman hat autobiografische  Züge, so war Nina Buschmann wie die Autorin während des Krieges eine  Zeit lang im Gefängnis und Nina wird nach dem Krieg eine erfolgreiche  Autorin.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Dr. Stein kommt von seinen illusionshaften Träumereien  nicht los, mit Nina vielleicht doch noch eine Liebesbeziehung aufbauen  zu können. Obwohl er die Sinnlosigkeit seiner Träumereien erkennt, kommt  er von der Frau nicht los und leidet.&lt;/span&gt; &lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Das Gefühl arbeitet gegen den Verstand. Aus dieser Falle kommt er nicht heraus.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Tagebucheintrag des Dr. Stein, 18. 01.1933&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;-  Meine verzweifelte Torheit ist so weit fortgeschritten, daß ich diesen  Unsinn wirklich glaube. Ich hoffe allen Ernstes darauf, Nina heiraten zu  können.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;Abgesehen  davon, dass ich über solch verschrobenen Liebesneurotiker nichts mehr  lesen mag, enttäuscht mich das sprachliche Potential der Autorin, die  einfach so banal hinschreibt, wie banal tragisch und seelenkrank das  Schicksal des armen Dr. Stein ist. Kein Satz der bewegt, kein Anreiz für  Überlegungen. Selbst das geflügelte Wort&lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Luise Rinser&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Leidenschaft vergeht, und Liebe ist dauerhaft&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;ist keine neue Erkenntnis. In einem ganz anderen Zusammenhang schnappte ich folgendes auf: &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Leidenschaft schafft Leiden&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  -  das ist so weil in der Leidenschaft die Gier des Besitzenwollens  drin steckt. Wenn ich am Wegesrand eine schöne Blume sehe, muss ich  diese auch nicht gleich herausrupfen, sondern ich berachte sie, nehme  ihren wunderbaren Geruch war und gehe weiter meines Weges. Dr. Stein  klemmt in der Leidenschaft fest, darum leidet er.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Dem Leser wird  gewährt, eine Kostprobe von Nina Buschmanns literarischem Können zu  kosten, eine Erzählung aus dem Krieg. Es wäre ja interessant gewesen,  wenn Luise Rinser für NIna einen anderen Stil erfunden hätte, der sich  vom Luise Rinser-Stil abhebt. Doch wir lesen hier keinen Stilbruch, der  hätte gewollt sein können. Nina schreibt wie Luise Rinser. Vergleichen  wir Ninas literarische Ergüsse mit dem frühen Heinrich Böll, dann  bleiben wir lieber bei Böll. Allerdings muss gesagt werden, dass Luise  Rinser sich in späteren Werken sprachlich gesteigert hat. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ich  frage mich, warum dieses Buch mal so erfolgreich  war, doch bei manchen  Büchern, die heute so erscheinen, frage ich mich das auch.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-2650024254689315717?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/2650024254689315717/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=2650024254689315717&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2650024254689315717'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2650024254689315717'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/06/luise-rinser-mitte-des-lebens.html' title='Luise Rinser: Mitte des Lebens'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-5289564181975329654</id><published>2011-05-16T15:29:00.002+01:00</published><updated>2011-05-16T15:35:38.177+01:00</updated><title type='text'>Max Frisch: Bin oder Die Reise nach Peking</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Ich-Erzähler, dessen Name sich erst am Schluss der Erzählung  lüftet, wohnt mit seiner Frau Rapunzel in einem Haus mit Garten. Sie  erwarten ein Baby. Eigentlich könnte er ja zufrieden sein, aber er wird  von einer unbändigen inneren Sehnsucht getrieben. Er sinniert in seiner  Fantasie eine Stadt, die er Peking nennt, aber es sich hier nicht um die  Hauptstadt Pekings handeln kann, da diese Stadt am Meer liegen soll.  Dorthin treibt treibt es ihn. Peking steht hier wohl auch für ein  friedvolles Land, da in dem Land, in dem der Erzähler wohnt, sich im  Krieg befindet. Diese Erzählung entstand 1944. Er bricht also auf,  wandert durch Landschaft und erreicht die Chinesische Mauer. Dort wartet  schon Bin auf ihn, an der Mauer gelehnt, eine Zigarre rauchend. Bin ist  ein Geist, es scheint ein Doppelgänger des Protagonisten zu sein, mit  dem dieser kommuniziert, ihn auf seiner Reise begleitet.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Es  handelt sich hier um eine Fantasiereise, die sich nur im Kopf des  Erzählers abspielt, sie dauert Monate, Jahre, dabei fällt es auf, die  Erzählung teilt sich in drei Jahreszeiten auf: Frühling , Sommer und  Herbst. Ob diese Fantasiereise wirklich Jahre dauert ist zweifelhaft. Es  heißt:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Max Frisch&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Die Zeit ist ein sonderbar Ding, es gibt sie und gibt sie auch wieder nicht.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf  seiner Traumreise begegnet er Menschen, denen er in der Vergangenheit  schon einmal begegnet war. Eine wichtige Begegnung ist Maja, die ihn in  seiner Jugend, im Frühling seines Lebens, verlassen hatte. Im Traum  tanzt er noch mal mit ihr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Max Frisch&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Maja, hieß sie, ein liebes Mädchen. Lange ist's her! Aber es hört nicht auf, daß ich sie verloren habe.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er  kann sich von seiner Vergangenheit nicht lösen, er schleppt die Lasten  seines Lebens bis in den Herbst seines Lebens hinein. Er kann sich nicht  befreien, auch nicht von seiner Rolle, die er auf seiner Reise nach  Peking mitschleppt, auf dieser Rolle offenbar sein bisheriges Leben  verzeichnet ist. Erinnerungen sind Gegenwart, heißt es, es verwirre,  denn die Zeit wird ausgehebelt, und der Erzähler wissen dann auch nicht,  wo er sich gerade in seinem Leben befinde. Hier sind wohl auch die  Wurzeln der Sehnsucht zu suchen, von der der Erzähler getrieben wird. So  halte ich folgenden Satz für den Höhepunkt der Geschichte:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Max Frisch&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Unsere  Seele gleicht einem Schneeschaufler, sie schiebt einen immer  wachsenden, immer größeren und mühsameren Haufen von ungestilltem Leben  vor sich her, macht sich müde und alt, das Ergebnis besteht darin, daß  man dagewesen ist, und dennoch setzen wir alles daran, daß wir möglichst  lange nicht sterben.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich die Lektüre zu  lesen begann, erschien mir der Text befremdend. Eine Traum- und  Fantasiereise habe ich auch nicht erwartet. Übrigens habe ich die  Geschichte zweimal gelesen. Beim zweiten Mal machte ich noch schöne  Entdeckungen. Der Text verlangt sorgfältiges Lesen, auf diese Weise hat  er sich mir eröffnet. Ganz spontan gefiel mir die Prosa, die mit  besonders schönen Naturbeschreibungen aufwartet. &lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Max Frisch&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Wie liebe ich den Herbst! Eines Morgens hängt er wie Rauch vor den Bäumen,...&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-5289564181975329654?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/5289564181975329654/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=5289564181975329654&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5289564181975329654'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5289564181975329654'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/05/max-frisch-bin-oder-die-reise-nach.html' title='Max Frisch: Bin oder Die Reise nach Peking'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-2771950926503503473</id><published>2011-05-10T15:58:00.002+01:00</published><updated>2011-05-10T17:33:32.352+01:00</updated><title type='text'>Cees Nooteboom: Die folgende Geschichte</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Hermann Mussert hat vor vielen Jahren als Altphilologe in einer  Schule gelehrt. Ein etwas seltsamer Mann, der zu Hause zwischen Büchern  sitzt und die „Charaktere“ des Theophrast liest. Wenn er so was in  seiner Kneipe in Amsterdam erzählt, lassen sie ihn in Ruhe, denn mit  diesen antiken Autoren können die da nichts anfangen. So wirkt er &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„wie ein englischer Stubengelehrter aus dem vorigen Jahrhundert.“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  Dieser Altphilologe, der auch noch eine physiognomische Ähnlichkeit mit  Sokrates hat und besonders gerne sich den Metamorphosen des Ovid  hingibt, seine eigene Übersetzung des römischen Dichters er selbt,für  gescheitert hält, weil in der Übersetzung das Versmaß nicht stimmt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Nooteboom&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Nie  wird es wieder eine Sprache wie Latein geben, nie mehr werden Präzision  und Schönheit und Ausdruck eine solche Einheit bilden.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er arbeitet längst nicht mehr als Lehrer und ist Autor der Buchreihe &lt;i&gt;„Dr. Strabo's Reiseführer“&lt;/i&gt;.  Cees Nooteboom, selber ein Weltreisender, er schrieb ein Buch über  Spanien und  über andere Gegenden dieser Erde. In Romanen hat er das  Reisen oft thematisiert, doch was hier in seiner Amsterdamer Wohnung  passiert ist fantastisch. Mussert legt sich schlafen und wacht in einem  Zimmer in Lissabon wieder auf. Als Leser wird man unweigerlich zum  Nachdenken aufgefordert, wieso Nooteboom solch Fantastereien  mit seinem  Protagonisten durchspielt. So stoße ich in dieser Novelle auf  Zeittheorien, und versuche darin eine Lösung zu finden. Zeit ist, so  lesen wir,&lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Nooteboom&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;ein  Rätsel, ein zügelloses maßloses Phänomen, das sich dem Verständnis  entzieht und dem wir, mangels besserer Möglichkeiten, den Schein einer  Ordnung gegeben haben.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch wir lesen weiter  und stellen fest, die Zeit ist nicht das Hauptthema des Buches, vielmehr  ist das zentrale Thema dieser Novelle der Tod. Als Hermann Mussert in  Lissabon aufwacht, lag er totenstill da, er hatte tödliche Angst, denn  er wusste nicht, ob er er selbst war oder ein anderer. Er kannte das  Zimmer, in dem er aufgewacht war. In diesem Zimmer hatte er vor zwanzig  Jahren mit der Biologielehrerin Maria Zeinstra geschlafen. Erinnert er  sich, oder erlebt er es noch einmal, sie sahen damals einen Film über  einen Käfer, den sog. Totengräber, an, dessen Lebensweise den  Zusammenhang zwischen Töten, Paaren, Fressen, Sichverwandeln aufgezeigt,  damit auch ein Bogen zu den Metamorphosen des Ovid geschlagen wird,  gleichzeitig ein Übergang  von Naturwissenschaft zur  Geisteswissenschaft, aus dem Werk Ovids Mussert den Schülern den Mythos  um Phaeton näher bringen will.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Nooteboom&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Was  hatte mein Vater der Sonnengott gesagt? Nicht zu hoch, sonst verbrennst  du den Himmel, nicht zu tief, sonst zerstörst du die Erde.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Phaeton in Phoibos' Wagen in der Schwebe zwischen Leben und Tod, doch er scheitert, und &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„die Erde steht in Flammen“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  - es findet eine Metamorphose statt. Was das alles mit Hermann Mussert  selbst zu tun hat, darauf bin ich erst nach Beendigung der Lektüre  gekommen. Es ist großartig, wie lange Nooteboom mich im Dunklen tappen  ließ.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Es wäre schade drum, noch mehr zu verraten, und ich mag  noch soviel schreiben, erklären kann ich  nicht, warum ich Nootebooms  Sprache so toll finde. Hier sitzt einfach jedes Wort am richtigen Platz.  Ein herausfordernder unterhaltsamer Text über Mythen, Philosophie,  Liebe und Tod. Übrigens ein sehr bunter Text. Auf knapp 150 Seiten wird  viel erzählt aber nichts geschwafelt. Ein sprachliches Meisterstück  eben.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-2771950926503503473?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/2771950926503503473/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=2771950926503503473&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2771950926503503473'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2771950926503503473'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/05/cees-nooteboom-die-folgende-geschichte.html' title='Cees Nooteboom: Die folgende Geschichte'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8349024869118069385</id><published>2011-05-07T15:01:00.004+01:00</published><updated>2011-05-07T15:06:38.119+01:00</updated><title type='text'>Christa Wolf: Leibhaftig</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Offenbar bin ich den Unsinn des Klappentextes erlegen gewesen, in dem  es heißt, ihr Körper sei ein Seismograph des allgemeinen Zusammenbruchs  der DDR. Darauf könnte man evtl. kommen, da man weiß, dass Christa Wolf  zu DDR-Zeiten ihre bekanntesten Romane geschrieben hat, aber im Roman  ist davon kaum etwas zu spüren. Die Protagonistin, die mit Tachykardie  ins Krankenhaus eingeliefert wird, die mehrmals in die Röhre eines  Computertomographen geschoben wird, mehrmals an einem Abszess operiert  wird, der sich in der Bauhöhle befindet, diese Protagonistin,  sterbenskrank an Überlebensschläuche einer Intensivstation gefesselt,  erinnert sich gelegentlich an ihren Freund Urban, der eine Karriere in  der DDR gemacht hat, aber freiwillig in den Tod ging.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Christa Wolf&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Urban  war der geworden, der alles mitmachte und auch in Zukunft alles  mitmachen würde. Bis es, überraschend für alle, eben doch eine Zumutung  gegeben hatte, die er nicht mehr mitmachen konnte.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;br /&gt;Um   eigentliche Tatsachen wird herumgeredet, so erscheint Urban als blasse  Figur im Roman. Auch die Erinnerungen der kranken Frau an die Nazi-Zeit  und an anderen Erinnerungen aus der DDR bleiben blass. Einiges wird  erzählt was anrühren könnte, z.B: die Zerstörung eines Nachbarhauses  durch Bomben, doch es wird einfach zu steril und saftlos beschrieben,  sodass nichts hängenbleibt. Es gibt Autoren, die erreichen gerade durch  trockene Darstellung innere Bewegung des Lesers, aber Christa Wolf  scheint nicht zu dieser Garde von Autoren zu gehören. Weiterhin hätte  ich in den Fieberträumen mehr surrealistisches erwartet. Ich lese diese  Träume und merke auf Anhieb nicht, dass es Träume sind, weil sie mir so  realistisch vorkommen. Es gibt keine Stilabweichung oder wirklich  traumhafte Gebilde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In erster Linie zentriert sich die Erzählung  um die Situation der Patientin in einem Krankenhaus  in  Ostberlin  hinter der Mauer. Diese Schilderungen werden aus der Perspektive der  Kranken erzählt und genau hier finden wir die Stärken des Buches,  deshalb dieses Buch trotz einleitender negativer Kritik doch zu  empfehlen ist: Kommunikation mit Ärzten und Pflegepersonal,   verschachtelte Kellergänge, die auf die Patientin  wie Gänge in der  Unterwelt wirken. Es wird aufgezeigt, wie sich das Bewusstsein der  Patientin aufgrund ihrer Situation verändert:&lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Christa Wolf&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen  münden einige Schläuche aus meinem Bauch in Behälter, die rechts neben  meinem Bett stehen. Wie habe ich mich einmal erschrocken, als ich einen  Freund so habe liegen sehen. Jetzt erschrecke ich nicht. Es stimmt also  nicht, daß einen am meisten das erschreckt, was einen selbst betrifft.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Auch  dass sie einmal beklagt, als sie es nicht rechtzeitig geschafft hat,  das Radio auszuschalten, als eine Nachrichtensendung begann, zeigt wie  realitätsnah Christa Wolf erzählt. Wenn man selbst schwerkrank ist,  zeigt man für die Außenwelt kaum Interesse. Das Bewusstsein lotet sich  nach unmittelbarer Erlebniswelt des Krankenzimmers aus. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Im Radio  hört sie, ein Zwölfjähriger habe im Keller eines Berliner Hauses ein  Baby, seinen Bruder umgebracht. Die Kranke träumt dann, sie müsse dieses  Baby finden. Auf der Suche in der Kellergängen schwebt ihr ein  Retortenglas mit einem Hommunkulus vor ihrem Gesicht- dann ja dann,  erkennt man, dass es ein Traum ist! Raffiniert, dass sich dieser Traum  mit Erlebnissen aus dem Weltkrieg mischt, gelangt sie doch schließlich  in ein Luftschutzraum und liest eine blasse Schrift „MAUERDURCHBRUCH“.  Da die Erzählung kurz vor dem Fall er Berliner Mauer spielt, könnte man  ja sagen, die Protagonistin habe einen hellseherischen Traum gehabt,  bzw. ahnte man wohl schon, dass es mit der DDR bald zu Ende geht. Dieses  ist für mich der interessanteste Traum, wie schön verflochten die  verschiedenen Zeitebenen sind. Kellergänge sind in Christa Wolfs  Erzählung wichtig, weil damit auf den Hades verwiesen wird. Die  Anästhesistin ist für die Kranke ein Führer in den Hades, in die  Narkose. Sie könnte ja sterben. Über den Berg ist sie (noch) nicht.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8349024869118069385?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8349024869118069385/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8349024869118069385&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8349024869118069385'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8349024869118069385'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/05/christa-wolf-leibhaftig.html' title='Christa Wolf: Leibhaftig'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-7418610494679339819</id><published>2011-04-30T15:49:00.003+01:00</published><updated>2011-05-01T05:08:28.072+01:00</updated><title type='text'>Luise Rinser: Septembertag</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Eine Erzählung in Form eines Tagebucheintrags. Ein Herbsttag in Rom.  Natürlich frage ich mich inwieweit diese Erzählung autobiografisch ist,  inwieweit fiktiv. Wahrscheinlich trifft beides zu. Der Fischer Verlag  kommentiert, &lt;span style="font-style: italic;"&gt;"Septembertag" &lt;/span&gt;sei&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „ein Teil des wichtigen autobiografischen Werks der großen Nachkriegsautorin“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;.  Natürlich könnte es sein, dass sie als Kind im Chiemsee wirklich  beinahe ertrunken wäre, wie von der Ich-Erzählerin mitteilt wird, doch  wissen können wir es nicht. Trotzdem, typisch ist doch, dass wir in  diesem Büchlein nicht an der Theologie vorbeikommen, auch wenn sie hier  nur zaghaft, und das zum Wohle dieser Erzählung, angetastet wird. Die  Autorin schrieb Romane über Maria Magdalena, Petrus Abaelardus und eine  Fiktion nach dem Leben des Heiligen Franziskus. In ihrem zweiten  Nina-Roman &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Abenteuer der Tugend“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; soll man nachspüren können,  dass die Autorin kurz davor zum Katholizismus übergetreten war. Dieser  Roman war nicht so erfolgreich wie der erste Nina-Roman &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Mitte des Lebens“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;.  1999 schrieb sie eine Legende über das Leben Jesu und Mirjam aus der  Sicht eines Hundes (über diese Romanidee, als ich das gestern gelesen  hatte, spontan geschmunzelt habe,  – was sich Autoren nicht alles so  ausdenken&lt;/span&gt;&lt;img style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" src="http://www.artcafe.de/images/Ourwbb-Red/smilies/grins.gif" /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;). Ihr  letzter Roman &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Aeterna“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;,  gemeinsam geschrieben mit Hans Christian Meiser, ist sehr  mystisch/spirituell. Wie man sieht, hat sich die Autorin ziemlich oft   mit religiösen Themen auseinandergesetzt. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ich weiß wirklich  nicht, ob man die gerade genannten Bücher zur religiösen  Erbauungsliteratur rechnen darf. Ein wenig Erbauung finden wir im &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Septembertag&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;. In dieser Hinsicht gefiel mir ein spirituelles Zitat am besten, welches sich nicht an eine bestimmte Religion krallt:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Luise Rinser&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Und  eines Tages vielleicht werde ich es können: schweigend trösten,  schweigend das Tor auftun, durch das groß der echte Trost eintritt, der  nicht von mir kommt, den sie begreift.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Dieser  Satz ist weise, obwohl nichts neues unter der Sonne. Wenn das Leid  eines Menschen sehr groß ist, helfen manchmal tröstende Worte kaum. Hand  halten und schweigendes Mitgefühl kann sehr tröstend sein. &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Septembertag“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;,  das deutet an, die Hälfte des Lebens ist überschritten, die Tage   werden kürzer. Die Ich-Erzählerin empfängt Briefe, in denen Menschen von  ihrem Leid erzählen, Krankheit und Enttäuschungen. Sie begegnet  Menschen in Rom, alte Bekannte und Fremde, die sich in einer Ehekrise  befinden oder auch eine Familie, die den bevorstehenden erwartenden Tod  des Vaters verdrängen möchte. Sie atmet Herbstluft ein: &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„dürres Geäst, welkes Laub; und es riecht nach dunkel geröstetem bitterem Kaffee.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Luise  Rinser ist auf jeden Fall keine Sprachästhetin. Der Text, in dem nichts  spektakuläres, aufregendes passiert, schenkt dem Leser sicher  beruhigende Lesestunden und manch angenehme Gedanken. Allerdings findet man kein Lokalkolorit der Stadt Rom  – kein Autolärm, kein Café,  keine Bettler, keine römische Gassenatmosphäre. Straßennamen helfen da  wenig. Der &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Septembertag&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; könnte genauso gut in London oder Paris  spielen. Wenn in einem belletristischen Werk kaum Handlung zu finden  ist, dann muss das insbesondere durch Atmosphäre oder tiefgreifend  philosophische Gedankengänge ausgeglichen werden, damit wirklich Saft in  die Erzählung kommt. Trotzdem wäre es meiner Ansicht nach unfair,  dieses Büchlein unter Verrisse zu degradieren, weil sprachlich doch bemüht und das Lesen des Buches doch  ein angenehmer Fluss ist.  Der Schluss der Erzählung ist allerdings eine Katastrophe, die  ich allerdings mit einem sympathischen Lächeln ertragen habe: Solch  religiöse Passagen können nur gut wirken und gänzlich vom Verdacht des  Kitsches befreit sein, wenn ein grandioser Sprachästhet am Werke ist.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-7418610494679339819?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/7418610494679339819/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=7418610494679339819&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7418610494679339819'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7418610494679339819'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/04/luise-rinser-septembertag.html' title='Luise Rinser: Septembertag'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-5195613070254357167</id><published>2011-04-23T18:52:00.000+01:00</published><updated>2011-04-23T18:53:52.022+01:00</updated><title type='text'>Ivan S. Turgenev: Aufzeichnungen eines Jägers</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ich weiß nicht, ob es wahr ist oder eine Legende. Zar Alexander I.,  nachdem er die &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Aufzeichnungen eines Jägers“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  gelesen hatte, schaffte er  die Leibeigenschaft ab. Das war im Jahre  1861. In Deutschland war sie  schon längst abgeschafft, als Turgenev an  den Aufzeichnungen schrieb.  Turgenev muss wohl gespürt haben, dass die  Tage der Leibeigenschaft  gezählt waren. Man lebte in einer  Umbruchszeit.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Turgenjev&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Das Alte ist ausgestorben, und das Neue will nicht kommen.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der   Jäger geht auf Birkhuhnjagd, manchmal begleitet von seinem Freund   Jermolai, der in den Geschichten gelegentlich am Rande auftaucht, oder   auch allein. Er streift er durch die Wälder begegnet Gutsbesitzern,   Bauern, einfachen Menschen vom Lande, lauscht den Menschen zu. Oft   begegnen wir dem Schema Naturbeschreibung, Begegnung, Beschreibung der   Charaktere, dann eine Handlung. Nicht alle Geschichten glänzen. In &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Einhöfer Owsjanikow“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;   werden Menschn vorgestellt, die die ältere Zeit repräsentieren:   Gutsbesitzer, Magnaten usw. Ein wenig langweilig drögt diese Erzählung   schon, denn es spinnt sich keine Handlung daraus. Der Blick auf die   Menschen soll dem Leser ein Bild damaliger Zeit geben, doch langweilt    mich diese Geschichte, weil viel Hintergrundwissen des alten Russland   von Nöten ist. So gibt es einige Geschichten, die wohl auch deswegen   nicht ankommen. Bei Tolstoi ist das anders. Er erzählt so wunderbar,   dass jeder es versteht. So gibt es in diesem Band der &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Aufzeichnungen eines Jägers“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;,   Geschichten, die mich unbeeindruckt lassen, andere Geschichten bringen   mich zum Schwärmen. Angesichts dieser Perlen, in denen Turgenjev sich   herrlichen Naturbeschreibungen hingibt, in denen Turgenjev sich auf die   Seite der Unterdrückten stellt, in denen  Turgenev in das Herz der   russischen Seele schaut, in denen Turgenjev das Ende der Leibeigenschaft   visioniert, sinde viele der Geschichten sehr lesenswert.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Anhand der fiktiven Gutsbesitzer &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Tschertopchanow und Nedopjuskin“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;   erzählt Turgenjev den Niedergang der Gutsbesitzer in Russland. Die   erste Geschichte beschäftigt sich mit der Herkunft der Herren, die ihren   Niedergang schon andeutet, in der zweiten Geschichte, in deren das  Ende  dieser Herren erzählt wird konzentriert sich Turgenjev  insbesondere auf  das Elend Tschertopchanows : Seine innere Unruhe,  Rastlosigkeit,  Getriebenheit, seine schlechten Finanzen, die Misere  eines Lebens, ein  klägliches Ende,welches an sich erbärmlich zu nennen  ist. Turgenev,  kostet das Leid dieses Herren literarisch aus, ohne  dabei kitschig zu  werden. Eine tragische Geschichte aus dem alten  Russland. Diese  getriebene Unruhe des Armseligen deutet sich schon in  der Begegnung mit  dem Jäger in der ersten Geschichte an, sein  Niedergang schon in seiner  Herkunft: schon sein Vater &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;" hatte das Gut in einem arg ruinierten Zustand geerbt."&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Nedopjuskis Voraussetzungen waren auch keine guten. Sein Vater wurde vom Unglück verfolgt - &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"das Schicksal hatte ihn wie einen Hasen auf der Treibjagd totgehetzt."&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die   Geschichte um den Nachbarn, des verarmten Gutsbesitzers Radilow hat  mir  sehr gefallen, weil  Turgenjev mit Andeutungen arbeitet. Radilow  war  todtraurig, seit seine Frau gestorben war. Als Radilow dieses dem  Jäger  erzählt zuckt Olga, die Schwägerin, aus Eifersucht,zusammen. Das  sie aus  Eifersucht zusammenzuckt, erfahren wir erst ganz am Schluss,  toll wie  Turgenjev diese Spannung hält. Das was ich erahne, worüber  Turgenjev  nicht schreibt, ist dies:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Olga  war andauerend in Radilow  verliebt, schon damals, als seine Frau noch  lebte. Olga wollte, nachdem  seine Frau gestorben, Radilow heiraten,  doch er zögerte und war in  seiner Trauer gefesselt. Darum konnte er für  andere Dinge des Lebens  keine Leidenschaft entfalten. Erst im Gespräch  mit dem Jäger ist er  zufällig ganz spontan darauf gekommen, dass er  sich aus der schlimmen  Lage befreien kann. Und so entstand sein  Entschluss, mit Olga ein neues  Leben zu beginnen. Die russische  Melancholie, der Niedergang der  Reichen, ist in der Figur des  geigespielenden Fjodor enthalten, ein  ehemaliger Gutsbesitzer, der  Pleite geggangen ist, nun sehr  zurückgezogen lebt, etwas seltsam  geworden, nur hier und dort mal auf  seiner &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;elenden Geige kratzt&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, ein Wortlaut Turgenjews, welches die Lethargie dieses Menschen ausdrückt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die durchaus in einem humorvollen Unterton geschriebene Erzählung &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Lgow“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;,   zeigt deutlich, wie fremdbestimmt Leibeigene waren. Der alte Herr   Sutchok hat unter vielen Herrschaften gedient. Wenn es die Herrschaft   befahl, er ist ein Koch, dann war er einer, wenn eine andere Herrschaft   befahl, er ist ein Kutscher, dann war einer usw. So konnte ein   Leibeigener unter Umständen wie unser alter Herr Sutchok eine sehr   farbige Berufskarriere hinlegen. Es hat auf niederwürfige Leibeigene   gegebene, die ihren Herrn geachtet haben.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Das Stelldichein“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;   gehört zu den schönsten Geschichten des Bandes, eingeleitet mit   wunderbarster Naturbeschreibung führt die Erzählung tief in die Seelen   der armen russischen Bevölkerung, wie die Menschen unter dämlich   arroganten Reichheinis gelitten haben. Der Jäger lauscht in einem Wald   einem Zwiegespräch zwischen einem  seelenkranken Reichheini, der mit   einem einfachen Mädchen, welches er für dumm hält, weil sie arm ist,   Schluss machen will, weil sein Herr nach Moskau geht und er im   Schlepptau. Viktor Alexandrytsch, der seelenkranke Arroganzler wird   einem Mädchen gegenübergestellt, welches aufrichtig liebt, ihre Gefühle   aber zertreten werden. Literaturtechnisch ist die Erzählung   außerordentlich bewegend, weil es Turgenev hier offenbar erstmals   versucht hat, den Charakter der Personen allein durch ihre Worte und ihr   Handeln aufscheinen zu lassen. Das ist ihm hervorragend gelungen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Turgenev   dringt sehr tief in die russische Seele ein, bis hin zum Volksglauben   an Waldgeistern, Nixen, Flüchen und anderen Schauergeschihten  –  umrahmt  von russischer Landschaft. Turgenev hat der russischen Seele  ein  Denkmal verschafft, Leibeigenschaft dort nur als unseliger  Femdkörper  erscheinen muss.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-5195613070254357167?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/5195613070254357167/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=5195613070254357167&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5195613070254357167'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5195613070254357167'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/04/ivan-s-turgenev-aufzeichnungen-eines.html' title='Ivan S. Turgenev: Aufzeichnungen eines Jägers'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-863296154184494476</id><published>2011-04-20T20:54:00.004+01:00</published><updated>2011-09-15T15:12:05.534+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Historie'/><title type='text'>Norman G. Finkelstein: Die Holocaust-Industrie</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Norman G. Finkelstein will in diesem Buch darlegen, daß "DER HOLOCAUST"   eine von Ideologie geprägte Darstellung der Massenvernichtung der Juden  durch die Nazis ist. Finkelstein benutzt hier den Begriff HOLOCAUST für  die &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Holocaust-Industrie“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, die  aus dem Andenken der Naziverbrechen Geld macht  und für Israel und die  Juden in Amerika Vorteile herausschlägt. Für Finkelstein ist Elie Wiesel  &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „offizieller Interpret DES HOLOCAUST  …, weil er unbeirrbar die Dogmen DES HOLOCAUST artikuliert, und so die  Interessen stützt, die hinter diesem stehen".&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  Die Dogmen der &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Holocaust-Industrie“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; lauten:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;div&gt;&lt;cite&gt;&lt;/cite&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;"(1)DER  HOLOCAUST stellt ein absolut einzigartiges Ereignis der Geschichte dar;  (2) DER HOLOCAUST  steht für den Höhepunkt eines irrationalen ewigen  Hasses der Nichtjuden gegenüber den Juden."&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wenn darauf gepocht wird, die &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Massenvernichtung der Juden durch die Nazis“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  sei einzigartig gewesen, dann fallen Israel und die amerikanischen  Juden unweigerlich in einen Opferstatus, daraus die Betroffenen Vorteile  ziehen: Sie sind gegenüber Kritik immun, und wenn man Kritik übt, läuft  man in Gefahr, in die antisemitische Ecke gedrückt zu werden. Das dritte  Dogma ist der ewige Judenhass von Nichtjuden. Darum müssen Juden sich  schützen, deshalb der Staat Israel geschaffen wurde.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;div&gt;&lt;cite&gt;&lt;/cite&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;"Nachdem  die Nichtjuden ständig darauf aus sind, Juden zu ermorden, haben die  Juden das uneingeschränkte Recht, sich zu schützen, wie es ihnen  beliebt. Auf welche Mittel die Juden auch immer zurückgreifen mögen,  selbst Aggression und Folter, sie stellen eine legitime  Selbstverteidigung dar."&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Es ist eine  Pauschalverurteilung zu sagen,  Nichtjuden seien Judenhasser. Hier setzt  auch Norman G. Finkelsteins Kritik zu Daniel Goldhagens&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Hitlers willige Vollstrecker“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; ein, darin behauptet wird, der Antisemitismus sei bei den Nichtjuden im&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Kopf zu Hause“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  gewesen. Das deutsche Volk sei vom pathologischen Judenhass gewesen,  Hitler habe den Deutschen Gelegenheit gegeben, sich auf die Juden zu  stürzen  (eine ausführliche Kritik Finkelsteins zum Buch von Daniel  Goldhagen findet man in bei Norman G. Finkelstein/ Ruth Bettina Birn &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Eine Nation auf dem Prüfstand“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Der Holocaust mag einzigartig sein. &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Auf  der allgemeinsten Stufe ist jedes geschichtliche Ereignis einzigartig,  und sei es nur, weil es zeitlich und räumlich festgelegt ist“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;,  sagt Finkelstein. Außerdem ist ein geschichtliches Ereignis nicht  wiederholbar. Aufgrund dieser Überlegungen gibt es keinen  Grund, den  Holocaust als besonders einzigartig hervorzuheben, aber die Juden wollen  natürlich nicht  ihren besonderen Opferstatus  verlieren.  Elie Wiesel  sagt, der Holocaust sei nicht erklärbar. Wie soll mir ein Mensch  erklären, dass ich es auch wirklich begreifen kann, warum Blauhelme beim  Massaker von Srebrenica zugeschaut haben, warum ein hochentwickeltes  Land wie die USA Atombomben auf Japan geworfen hat?  Elie Wiesel betont  gerne den besonderen Opferstatus der Juden und hat mit Yehuda Bauer vom  Yad Vashem während der Planungsphase des Holocaust-Museums in Washington  dafür gesorgt, dass der Genozid an den Sinti und Roma in den Hintergrund  verdrängt werden soll. Die jüdische Elite glaubt wirklich, die  Juden allein seien schon besonders einzigartig. Übrigens verhinderten  jüdische Lobbyisten im Kongreß einen Gedenktag für den armenischen  Genozid. Die USA hat das Problem, sich intensiv um die Erinnerung an den  Holocaust zu erinnern, aber die Aufarbeitung eigener  Menschheitsverbrechen, begonnen bei den Indianern, zu verdrängen. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;ES GEHT UM GELD &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Kommen  wir zum vielleicht moralisch verwerflichsten überhaupt. Wie kassiere  ich doppelt ab? Der Einsatz von Erpressung als Druckmittel. Die  Entschädigungen kommen nur sehr gering an die Überlebenden des Holocaust  an.  Wundersam erscheint die plötzliche Vermehrung der Überlebenden, um noch mehr Geld  einzustreichen.  Die Geldeintreibungsmaschinerie amerikanisch jüdischer  Organisation kennt keine Skrupel und ist umso schäbiger, weil dieser  Wahn nach Geld auf Kosten derer geht, die Konzentrationslager überlebt  haben. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Jüdische Weltkongress (WJC) erpresste Schweizer  Banken, die viele Millionen Dollars von Juden vor und während des  Krieges auf Konten deponiert hatten. !995 startete der WJC unter seinem  Präsidenten Edgar Bronfman eine &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„schamlose Diffamierungskampagne“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, die ziemlich schnell &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„zu einer Verleumdung der Schweizer“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  verkam. Elan Steinberg, geschäftsführender Direktor des WJC war  beauftragt Desinformationen in die Welt zu setzen, Banken unter Druck zu  setzen, damit die dem Jüdischen Weltkongress die vielen Millionen  Dollars herausrückten. Leo Bower, auf dessen Buch&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Das Gold der Juden“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; sich Finkelstein bezieht, schrieb, dass &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„sein  Land, dessen Bürger...sich...vor ihren Nachbarn ihres beneidenswerten  Wohlstands gerühmt haben, sich ganz bewußt am Gold der Juden bereichert  hat...die stillen Bankiers...aus der schönen, sauberen und neutralen  Schweiz...gewissenlose Profiteure“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; gewesen sein usw. Solche und andere Gerüchte streute der Jüdische Weltkongress in die Schweiz, als Krönung den Schweizern &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„eine fünfzig Jahre dauernde Verschwörung von Schweizern und Nazis“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; unterstellte, &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„um von den europäischen Juden und Überlebenden des Holocaust Milliarden zu stehlen.“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;(Bower  in Finkelstein, Seite 99).  Noch steigerungsfähig in Sachen Unmoral,  griff der Jüdische Weltkongress zur moralichen Erpessung , in dem er den  Banken vorjammerte, die Zeit liefe davon, man gräme sich des Elends  bedürftiger Überlebender, zahlt endlich...und so weiter und so fort.  Eine üble Masche, die Finkelstein ausführlich weitererzählt, ich nur  einen kleinen Vorgeschmack davon geben kann Doch was machte die  Holocaust-Industrie mit dem erpressten Geld? I Es wurde für den  Eigenbedarf jüdischen Lebens verwendet, und die meisten Überlebenden  schauten ins leere Portemonnaie. Um noch mehr Geld abzwacken zu können  wurde herumgetrickst. Es wurde neu definiert, was ein  Holocaust-Überlebender ist, und schon gab es noch viel mehr Überlebende  als vorher, für die man Entschädigungsgelder einkassierte.. Der Beutezug  ging weiter nach Deutschland, Österreich, Osteuropa.  Ein Geldraub, der  seinesgleichen sucht.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Fazit:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Was in dem Buch von  Finkelstein zu kurz gekommen ist, sind die inneren Verflechtungen  zwischen USA und Israel. Finkelstein komprimiert:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;div&gt;&lt;cite&gt;&lt;/cite&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;"Die  organisierten Juden Amerikas haben den Massenmord der Nazis  ausgebeutet, um Kritik an Israel und an ihrer eigenen unhaltbaren  Politik abzuwehren".&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;Die zweite Schwäche des  Buches liegt in Finkelsteins Versuch darzulegen, dass die  Holocaust-Industrie nach dem israelischen Krieg 1967 eingesetzte habe.  Hier fehlt die Stringenz eines Historikers, der Finkelstein auch nicht  ist, um dem Leser historische Vorgänge verständlich zu machen. Die  Quellenlage ist in diesem ersten Kapitel auch nicht so doll. Danach, ab  dem zweiten  Kapitel, legt der Autor so richtig los und wird glaubwürdig.  Alle Kritik, die für das erste Kapitel noch gegolten hat, löst sich auf, sodass  das Buch zu einer lohnenswerten Lektüre wird.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-863296154184494476?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/863296154184494476/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=863296154184494476&amp;isPopup=true' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/863296154184494476'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/863296154184494476'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/04/norman-g-finkelstein-die-holocaust.html' title='Norman G. Finkelstein: Die Holocaust-Industrie'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8938508341747529607</id><published>2011-03-27T13:27:00.001+01:00</published><updated>2011-03-27T13:28:54.994+01:00</updated><title type='text'>Christa Wolf: Störfall</title><content type='html'>&lt;b style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;i&gt;„WIE HERRLICH LEUCHTET MIR DIE NATUR!“&lt;/i&gt; (Goethe).&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die Kirschbäume sind explodiert“&lt;br /&gt;„Das Grün explodiert“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Was für ein schöner Frühling, und niemand hätte an diesem Tag an Warnungen gedacht,&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „die Früchte zu essen, deren Blüte in jede Tage fiel..“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;,  schließlich ist keine Gefahr zu sehen. Wolken haben wir bisher immer  sehen können, kondensierter Wasserdampf. Und nun, macht sich eine Wolke  auf die Reise, unsichtbar. Von woher weht der Wind?  Die Lust am Spinat  ist genommen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die Erzählerin des Monologes fragt sich, an welchem  Kreuzweg womöglich die Evolution bei uns Menschen fehl gelaufen sei,  dass sie Lustbefriedigung am Zerstörungswut gekoppelt haben. Ratten   drücken  im Experiment „unaufhörlich die Lusttaste“, weil sie dann  Futter bekommen. In Verbindung mit dem Ratten wird die Frage  aufgeworfen, wo denn im Hirn eines Wissenschaftlers die Lust steckt,  dadurch Christa Wolf unbändige Wissenschaftsgier kritisiert, die an jede  Moral und Ethik vorbeigeht.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Christa Wolf&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Oder  anders gefragt, welche Angst schottet jene jungen Männer so zuverlässig  ab gegen das, was wir normalen Leute „Leben“ nennen. Eine Angst, die so  immens sein muß, daß sie lieber das Atom „befreien“ als sich selbst.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute  müssen wir aber ergänzend hinzufügen, mit der Atomspalterei, sprich  Kernenergie, wird viel Geld macht, was Christa Wolf in der Erzählung  übergeht. Oder, vielleicht war man sich dessen vor 25 Jahren noch nicht  so bewusst? Auf jeden Fall gilt auch hier das Lustprinzip, die Gier. Wo  sitzt die Lust im Hirn der Atomlobby und deren Verflechtung mit Hirnen  von Politikern?? So können wir heute fragen. Das Gehirn sollte  jedenfalls nicht abgeschaltet werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht nur auf  Gefahren der  Wissenschaft zielt Wolfs Erzählung ab, auch Errungenschaften der  Wissenschaft wird gewürdigt. Am gleichen Tag der Reaktorkatastrophe  unterzieht sich der Bruder der Erzählerin einer Gehirnoperation. Ein  Tumor, ein Störfall im Gehirn. Das Leben des Bruders liegt in der Hand  eines Chirurgen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese beiden Störfälle werden gegenübergestellt,  verbunden mit Gesprächen in einem mecklenburgischen Dorf -  die  Schicksale aus dem zweiten Weltkrieg, die hier angesprochen werden,  wirken auch wie Störfälle. In anderen Zeiten wären Schicksale anders  verlaufen, in anderen Zeiten gäbe es keine unsichtbare Giftwolke.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abschließendes Zitat spricht für sich:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Christa Wolf&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Die  sind doch alle krank. Oder was noch passieren müsse, als daß die Milch  weggekippt werde, tausendliterweis, und daß man fürchten müsse, mit den  besonders gesunden Nahrungsmitteln die Kinder besonders schnell zu  vergiften. Während auf der anderen Seite des Erdballs die Kinder  zugrunde gingen, weil ihnen genau diese Nahrungsmittel fehlten.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Auf dem Plakat eines Atomkraftgegners:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; &lt;/span&gt;&lt;b style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;i&gt;"ICH MÖCHTE NUR MIT MEINEM GESICHT STRAHLEN."&lt;/i&gt;&lt;/b&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8938508341747529607?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8938508341747529607/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8938508341747529607&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8938508341747529607'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8938508341747529607'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/03/christa-wolf-storfall.html' title='Christa Wolf: Störfall'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-2855070784859988161</id><published>2011-03-15T13:03:00.001Z</published><updated>2011-03-15T13:05:22.977Z</updated><title type='text'>Sylvia Plath: Die Glasglocke</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die Lyrikerin Sylvia Plath schrieb diesen Roman einer Depression,  bevor sie selbst ihr junges Leben nahm. Der Roman ist an ihrer Biografie  orientiert und blickt zurück in das Jahr 1953, als die erfolgreiche  Collegestudentin Esther Greenwood einen Literaturwettbewerb gewinnt und  bei einer Modezeitschrift ein mehrwöchiges Volontariat beginnen kann.  Viele Collegemädchen sind neidisch. Sie ist eine von zwölf, Esther, vom  Lande kommend, ihr nun eine ereignisreiche Zeit bevorsteht. Doch ihr  scheint der Aufenthalt in der großen Stadt, das lustige Partyleben, die  Arbeit, nicht zubekommen. Schon zu Romanbeginn lesen wir:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Sylvia Plath&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Ich  wußte, irgend etwas stimmte in diesem Sommer nicht mit mir, denn  andauernd mußte ich an die Rosenbergs denken und daran, wie dumm es von  mir gewesen war, all die unbequemen teuren Kleider zu kaufen,...&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;Zu  Beginn sicherlich erfreut auf der Erfolgsschiene zu sein, kann sie mit  dem New York-Glamour doch nichts anfangen, und die Rosenbergs kommen auf  den elektrischen Stuhl. Ja, &lt;i&gt;„es war ein verrückter, schwüler Sommer.“&lt;/i&gt;  Den Roman mit der Todesstrafe in schwülhitziger Atmosphäre zu beginnen  ist sehr treffend, weil Esther im Zuge ihrer Depression von  Selbstmordgedanken – und versuchen selbst geplagt wird, schießlich unter  psychiatrischer Aufsicht landet. Doch bis dahin schreitet sie einen Weg  der Teilnahmslosigkeit. Der Trubel mit ihren Freundinnen, geht an ihr  vorbei. Bei einem Diner vergiftet sie sich an Krabben und erbricht bis  zur Bewusstlosigkeit. Für mich eine Metapher, dass sie wirklich ihr  Leben zum Kotzen findet. In ihrer Lebenssituation ist sie am falschen  Ort. Zumal sie auch pendelt zwischen dem Wunsch einer Männerbeziehung  und Ablehnung, Männer letzten Endes ohne hinterbliebenden Eindruck an  ihr vorüberziehen. Sie fühlt sich sehr einsam unter vielen Menschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sylvia  Plath gelingt es sehr gut, darzustellen, wie sich die Depression  allmählich in Esthers Leben  einschleicht. Auch ich als Leser, habe es  auch erst im Nachhinein gemerkt, dass sich dort irgendetwas mulmiges  einschleicht. Lese man das Buch also behutsam, lasse man sich nicht   durch Leichtlesbarkeit zum rasanten Lesetempo verleiten.  Am Verhalten  der Esther Greenwood merkt man, das mit ihr etwas nicht stimmt, sie in  etwas hereinrutscht, was nicht aufzuhalten ist. Dieses hat Sylvia Plath  wunderbar gezeichnet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ziellosigkeit, das Verlorensein im Leben wird in der Metapher des Feigenbaums erzählt.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Sylvia Plath&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Ich  sah mich in der Gabel dieses Feigenbaumes sitzen und verhungern, bloß  weil ich mich nicht entscheiden konnte, welche Feige ich nehmen  sollte...&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Eingezwängt wie ein totes Baby in  der Glasglocke  erscheint das Leben wie ein böser Traum (frei nach Seite  247, Bibliothek Suhrkamp).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-2855070784859988161?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/2855070784859988161/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=2855070784859988161&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2855070784859988161'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2855070784859988161'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/03/sylvia-plath-die-glasglocke.html' title='Sylvia Plath: Die Glasglocke'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-7859955654619549901</id><published>2011-03-05T10:32:00.002Z</published><updated>2011-03-05T10:38:32.007Z</updated><title type='text'>Giovanni Bonalumi: Die Geiseln</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Im Jahre 2010 wurde erstmals ein Prosawerk des im Tessin geborenen  Autors Giovanni Bonalumi ins Deutsche übertragen: &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die Geiseln“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, sein  Romanerstling, veröffentlicht im Jahre 1954, gilt als sein bestes Werk.  Das andere Werk ist bisher dem deutschen Sprachraum verschlossen  geblieben. „Die Geiseln“ sind die Geiseln Gottes in einem  Priesterseminar. Dass dieser Roman autobiographisch gefärbt ist,  können  wir im ausführlichen Nachwort von Danielle Benzonelli lesen, darin wir  wir auch einen Einblick in das Leben des Autors bekommern, mit  zahlreichen Schwarzweißfotografien. Ein editorisch sehr gelungener  Bücherschatz des Verlages Huber, der sich um „bemerkenswerte  literarische Texte aus der mehrsprachigen Schweiz“ (so der Verlag)  bemüht.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Erzählt wird die Geschichte  Jungen, der nach dem Tod  seines Vaters, mit elf Jahren in ein Priesterseminar eintritt, seine  Mutter damit eigennütziges verbindet, kann sie doch später in das Haus  eines Priesters einziehen, wenn Emilio Pfarrer geworden ist, damit ihre  Zukunft gesichert ist. Die Fäden werden so gesponnen, dass Emilio ein  Treffen mit seinem Pfarrer des Dorfes hat, der ihm ins Ohr legt, Gott  suche &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Bonalumi&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;...von Zeit zu Zeit unter seinen Getreuen eine Seele aus  und erhebt sie über alle anderen.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;Es  wird ihm nahe gelegt, ins Priesterseminar einzutreten, natürlich müsse  er noch mit seiner Mutter sprechen, außerdem wurde er im Seminar eine  höhere Schule besuchen, in der Freizeit könne er Fußballspielen. Hier  sieht man doch schon, wie der Junge mehr oder weniger überrumpelt wird,  Emilio keine Ahnung hat, was ihm im Priesterseminar erwartet, er  schließlich Ja und Amen sagt, obwohl seine Gedanken ganz woanders sind.   Ein spielerischer gesunder Junge wird in die Soutane gepresst und dem  Priesterseminar ausgeliefert. Emilio sich immer wieder die Frage  gegenwärtigt, warum er sich für diesen Weg entschieden hat.&lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Bonalumi&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Eine Präfektenstimme löcherte im Halbdunkel unsere Trommelfelle...&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Bonalumi&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Der  Präfekt stieg zwischendurch von seinem Podest, ging zwischen den Bänken  auf und ab. Und schon hagelte es Ohrfeigen. Warum wußte eigentlich  niemand.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;Emilio bekommt die Diktatur im  Priesterseminar zu spüren, erlebt Demütigungen, Ausgrenzung und  Einsamkeit. Die Erziehung ist erschreckend Körperfeindlich, die  Sexualunterdrückungsmaschinerie läuft, und man fragt sich immer wieder,  warum Menschen so etwas durchmachen müssen (oder wollen?).&lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Bonalumi&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Warum soll ich das verdrängen, worauf ich verzichten muß.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ein  Roman wird meist lesbar erst durch seine Prosa. Bonalumi schreibt in  kurzen Sätzen, dabei er verschiedene Vorkommnisse nur andeutet. Dazu  möchte ich zwei Beispiele anführen: Dem Jungen wird nicht sofort gesagt,  sein Vater sei gestorben. Der Leser ahnt das nur,  und der Autor lässt  eine Ungewissheit und gedrückte Stimmung  über Emilio schwelen, die sich  auf den Leser überträgt. Bonulimo schafft es in gleich gekonnter Art  und Weise, eine homoerotische Beziehung zwischen Seminaristen   anzudeuten.  Dadurch wird Spannung erzeugt, Plattheiten werden  verhindert und Bonalumi's erster Roman wird als eine gute Leseempfehlung  durchgehen.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-7859955654619549901?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/7859955654619549901/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=7859955654619549901&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7859955654619549901'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7859955654619549901'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/03/giovanni-bonalumi-die-geiseln.html' title='Giovanni Bonalumi: Die Geiseln'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-4140701372910701145</id><published>2011-02-24T19:46:00.001Z</published><updated>2011-02-24T19:46:58.710Z</updated><title type='text'>Fritz Zorn: Mars</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Fritz Zorn ist das Pseudonym eines Züricher Millionärssohnes und  Gymnasiallehrers, der in einer konservativ geprägten bürgerlichen  Familie  aufwächst, an Depressionen erkrankt und mit 32 Jahren an Krebs  stirbt. Aus verschiedenen Perspektiven erzählt Zorn von der gekünstelten  Harmonie in seiner Kindheit. Vermeidung von Streitgeprächen, die  Familie ist immer einer Meinung, d.h. es wird ausnahmslos der Meinung  des Vaters gefolgt.  Von einem Schulkamerad wird Zorn gefragt, ob er  Autos mag. Zorn denkt, er mag Autos und sagt "Ja". Es stellt sich aber  heraus, der Kamerad mag keine Autos. Zorn auch nicht, aber er hatte  gelogen. Auf diese Weise die gekünstelte Harmonie der Einigkeit in  praktischer Weise ins Absurdum geführt wird, aber Fritz Zorn aus dem  Korsett der großbürgerlichen Starrheit nicht mehr herauskommt. Die  Themen Religion und Sexualität waren tabu. Die Mentalität von Zorns  Eltern kann man nur  verlogen und  unehrlich bezeichnen, belügen sie Sie   sich doch selbst, wenn sie die Kirche für respektabel halten, von Gott  aber nichts wissen wollen. Wahrscheinlich liegt dem ein  Gesellschaftszwang  zugrunde. Andere gehen in die Kirche, also wir dann  auch. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;„Mein Unglück besteht daraus, daß ich nicht das sein kann, was ich will“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, sagt Zorn.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Zorn  weiß wie wichtig Liebe und Sexualität ist und erkennt, dass dies sein  größtes Defizit ist. Seine Neurose, die als Depression, und wie er sagt,  als „emotionaler Idiotie“ ausbricht, manifestiert sich später in den  Krebs. Mich nervt aber dieser pseudomedizinische Esoterikkram Zorns über  den seelischen körperlichen Krebs, demnach man Krebs bekomme, wenn man  sein Leid in sich hineinfrisst und, weil die Seele schon so sehr Krank  ist, könne sie nicht mehr zum Widerstand gegen den Krebs behilflich  sein. Diese Wüsteneien  spitzen sich dahin zu, dass seine Eltern am  Dilemma seines Lebens schuld sind. Seine Jugend im Eimer, weil er nie  eine Freundin hatte, sein Erwachsenenalter ebenso geschlechtstrocken.  Unfähig für zwischenmenschliche Beziehungen, Depression und Krebs. Die  Schuldigen sind die Eltern:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Zorn&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Jeder  neue Tumor, der sich als geballte Ausbuchtung aus meinem glatten Körper  hervordrängt, scheint mir aus der Tiefe seines psychosomatischen  Ursprungs heraus die ins Teuflische verzerrte Fratze meiner dämonischen  „Eltern“ darzustellen,...&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Natürlich weiß ich,  er sucht Orientierung und Sinn in seinem ganzen Leid, trotzdem, diese  Abstrusitäten immer wieder vorgekaut zu bekommen, ist anstrengend.  Fantastereien eines Todkranken, verzweifelt einen Halt suchend.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Vermurkst  ist sein Exkurs über Liebe, Sex und Freud als Einheitsmixtur und findet  auch noch eine Verbindung zum Christentum, dort aber nicht Sex  sondern  Agapé gemeint ist, außerdem Freud in späteren Schriften eine viel  erweiterte Auffassung vom Eros vertrat als Sex, Zorn dies aber nicht  wusste, stattdessen er aber weiterhin dauernd sein  Minderwertigkeitsgefühl beklagt, welches sich aus seiner Sexlosigkeit  ergibt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Das Buch ist  keineswegs aufbauend.  Diese scharfe Kritik  an seine Eltern, einerseits verständlich, dass seine in gedämpften  Niederungen schwelende Emotionen jetzt endlich mal aufbrechen,  allerdings letzten Endes doch eine unreife Verarbeitung seines Hasses  ist, alles auf seine &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;krebsüblen&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Eltern zu beziehen. Allerdings  ist Zorn durch seinen frühen Tod die Chance verwehrt worden, sein  Schicksal sinnvoll verarbeiten zu können. Da er mit seinem Hass  natürlich nicht weiterkommt, dreht er sich im Kreise herum, wurstelt in  seinen Problemen herum, findet in dem gewurstele keinen Ausgang mehr.  Auch wenn ich noch zwanzig Seiten zu lesen habe, kann ich schon jetzt  dieses Buch niemanden weiterempfehlen, weil zumindest ich keinen Sinn  daraus ziehen kann, einen Menschen zu belesen, der ständig nur im  Irrgang seines Hasses verweilt. Natürlich blinkt Mitgefühl, schließlich  möchte man so einem Menschen helfen, aber durch seine Imkreisedreherei  treibt er mich als Leser nur in Abgründe der Hilfslosigkeit mit dem  Wissen, das Leid war irgendwann doch mal vorbei. Am 2. November 1976. †&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-4140701372910701145?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/4140701372910701145/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=4140701372910701145&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/4140701372910701145'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/4140701372910701145'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/02/fritz-zorn-mars.html' title='Fritz Zorn: Mars'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8827349089357412268</id><published>2011-02-07T12:04:00.004Z</published><updated>2011-02-07T12:10:53.684Z</updated><title type='text'>Charles Dickens: Oliver Twist</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Früher, das waren noch andere Zeiten, so sagt man leichtfertig, doch auch früher gab es böse Verbrecher, soziale Missstände. Bessere Zeiten waren das nicht. Wirklich nicht. Das Kinderarbeit im 19. Jahrhundert normal war, davon zeugt Charles Dickens' Roman &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Oliver Twist“&lt;/span&gt;. Kinder wurden als kleine Erwachsene angesehen, natürlich konnten die arbeiten. Ganz schlimm war es, so lesen wir im Roman, wenn man als Waisenkind aufwachsen musste. Olivers Mutter stirbt bei der Geburt, der Vater nicht greifbar. Doch es ist nicht die soziale Schieflage, die Oliver Twist ins Verbrechermilieu schlittern lässt. Er wird ja nicht zum Verbrecher, sondern bleibt stets einer der Guten. Ein sensibler Junge, der das große Pech hat, in ungünstiger Umgebung aufzuwachen. Die Erzieher des Armenhauses wirtschaften in die eigene Tasche und lassen die Kinder am Hungertuch nagen. Der Kirchspieldiener Mr. Bumble, der die Verantwortung für die Erziehung Olivers trägt, will ihn für Geld an einen Arbeitgeber verhökern. Kinder waren damals völlig rechtlos. Das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern war damals ein völlig anderes als heute. Prügelstrafe, Erniedrigung ( na, ja, gibt's heute auch noch, ist aber nicht mehr Programm). Für Oliver ein großes Leid. Er formuliert das so:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;"So einsam und verlassen, Sir, so schrecklich einsam", schluchzte der Kleine. "Niemand kann mich leiden. Bitte seien Sie nicht auch noch böse auf mich."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Verantwortlichkeit der Behörden ist nichts zu spüren. Dickens gehört sicher zu den ersten, die diese Verantwortungslosigkeit, die Unmenschlichkeit, kritisiert haben. Der strenge Mr. Bumble setzt den Jungen psychisch unter Druck, damit er mit diesem unheimlichen Schornsteinfeger mitgeht, der einige Kinder schon auf dem Kerbholz hat, Kinder, die im Schornstein erstickt sind. Oliver gelingt es, sich nicht in die Krallen des Schwarzen Mannes zu begeben. Doch als er flieht, seine schreckliche Vergangenheit hinter sich lassend, fällt er in London einen Bösewicht in die Hände, dem jüdischen Verbrecher Fagin, der junge Männer ausschickt, die für ihn stehlen.  Der Roman teilt die Menschen in gut und böse. Das ist ein wenig trivial. Die guten Menschen helfen Oliver, die schlechten wollen ihm schlechtes antun. So einfach ist das. Der Jude Fagin ist so übel, dass er es geschafft hat, auf einer wikipedia-seite zu landen. Bewusst spielt Dickens mit jüdischen Klisches, ja, zu seiner Zeit war das nicht ungewöhnlich (vgl. Gustav Freytag, Soll und Haben). Fagin ist&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;"...ein uralter, vertrockneter Jude, sein schurkisches Gesicht mit den abstoßendsten Zügen von der Welt von rotem Kraushaar beschattet."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Joseph Roth setzte in seinem Roman Tarabas  dem heute wenig geläufigen Typus des rothaarigen russischen Juden ein Denkmal).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herrlich ist wie Gustav Meyrink die Dialektsprache des Fagin ins Deutsche gesetzt hat. Ich kann es mir jetzt auch nicht verkneifen, einen reizvollen Verbrecherjargon aufzutischen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;"Draußen steht Bill Sikes, und du liegst da und schnarchst, als wenn du Laudanum gefressen hättst. Na also, was is? Bist du schon munter, oder soll ich dir noch nen eisernen Leuchter an den Schädel schmeißen?"&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn ich das so lese, wie Oliver Twist in unangenehme Situation stolpert, und andere Leute  zwangsläufig denken müssen,  er sei doch ein schlechter Junge, obwohl er es nicht ist, und wenn ich lese, wie viel bösen unmoralischen Leuten Oliver begegnet ist, so spukt in meinem Kopf, wie übel muss das 19. Jahrhundert doch gewesen sein. Die Menschen damals müssen abgrundtief geistesvergiftet gewesen sein, was immer man sich auch darunter vorstellen mag. Das Böse wütet um sich und will die Guten vergiften. So scheint es:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;"..der alte schlaue Jude hielt Oliver geschickt in seinem Netz gefangen, nachdem er ihn vorher durch Einsamkeit soweit gebracht, daß er jede Gesellschaft den traurigen Gedanken in dem öden verlassenen Hause vorzog. So hoffte Fagin, seinem Herzen langsam das Gift einzuträufeln, das, wie er annahm, seine Seele mit der Zeit verderben."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es hätte also sein können, auch aufgrund seiner schwierigen Vergangenheit, dass Oliver eine Verbrecherkarriere loslegt. Aber dem ist nicht so. Überraschenderweise bleibt er so, wie er ist. Nämlich gut, ich meine, es gibt doch andere, die wegen solch gravierender Lebenserfahrungen ganz woanders landen, nicht wahr? Ok, ein wenig Glück hat Oliver eben doch und trifft auf Menschen, die ihm helfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fast gleitet dem Charles Dickens Oliver Twist in der zweiten Romanhälfte. Er taucht immer seltener auf, dafür werden andere Personen in den Vordergrund gerückt. Mir hat das nicht gefallen, weil der Protagonist durchlässig wird. In der ersten Romanhälfte könnte ich dem Schicksal des kleinen Helden nachfühlen, später dann, wurde er mir aus den o.g. Gründen so ziemlich egal. Ich hatte zeitweilig sogar den Eindruck, der Roman gerät mittendrin in einen Stillstand. Es taucht aber noch ein großer Charakter auf, die Prostituierte Nancy, die im Verbrecherdunst ihr Leben fristet, bei der ich wirklich mitfühlen konnte, wie groß ihr Herz wirklich ist und das nicht nur gegenüber Oliver. Ich hüte mich an dieser Stelle, Romaninhalte preiszugeben, aber Nancy ist für mich ein entscheidender Grund, warum ich diesem Roman mit seinen Schwächen doch meinen Lesesegen gebe.  „Oliver Twist“ ist ein unterhaltsamer Actionroman, der von Action lebt. Heute gedenken wir den 199. Geburtstag von Charles Dickens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8827349089357412268?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8827349089357412268/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8827349089357412268&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8827349089357412268'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8827349089357412268'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/02/charles-dickens-oliver-twist.html' title='Charles Dickens: Oliver Twist'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-7734250276874834650</id><published>2011-01-26T16:19:00.002Z</published><updated>2011-01-26T16:22:17.204Z</updated><title type='text'>Nikolai Leskow:  Am Ende der Welt</title><content type='html'>&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;An das  Ende der Welt, nach Sibirien, dort wo es wimmelt von Schamanen und  Buddhisten , dorthin in die heidnische Ecke des sonst so orthodoxen  Russlands, muss das christliche Licht noch hingetragen werden. Dunkle  Seelen müssen erhellt werden.  Missionieren, koste es was es wolle,  schließlich müssen alles Seelen errettet weden.  Gerade erst, am 25 11.  meldetet die katholische internationale Preseagentur: &lt;i&gt;„Mission bleibt  zentrale Aufgabe der Kirche“&lt;/i&gt;  (Benedikt XVI) und dann der Hinweis, es gäbe ja noch immer Völker, die  die christliche Botschaft noch nicht empfangen hätten (vgl. &lt;a href="http://www.kipa-apic.ch/index.php?na=0,0,0,0,d&amp;amp;ki=216394" target="_blank"&gt;hier&lt;/a&gt;). Da die kath. Kirche dem Missionsauftrag der Bibel folgt - &lt;i&gt;„Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden"&lt;/i&gt;  (Mk 16,15.16) -  wird die Kirche erst zufrieden sein, wenn sie alle  Seelen aus der Verdammung geholt hat. Nikolai Leskow, der seine Stellung  im Kultusministerium wegen Kritik an Staat und Kirche verlor,  kritisiert in seiner Erzählung &lt;i&gt;„Am Ende der Welt“ &lt;/i&gt;den unbeugsamen Missionsdrang der orthodoxen Kirche.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein  junger Geistlicher, der zum Bischof einer fernen sibirischen Eparchie  ernannt worden ist, beklagt sich über die missliche Lage der  Missionsarbeit. Ein großer Teil der Bekehrungen ist nur auf dem Papier.  Viele Getaufte, die dem Lamaismus und Schamanismus angehörten, kehrten  wieder zu ihrer Religion zurück. Es entfaltete sich auch ein „grotesker  Mischmasch“:&lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Leskow&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Sie  beteten zu Christus und zu den Aposteln, zu Buddha mit seinen  Bodhisattvas und Dämonen sowie den Filzbeuteln mit den  Schamanenfetischen.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist zwar so, dass  Buddhisten nicht beten (sondern meditieren),  aber in der  Religionsgeschichte sind Religionsvermischungen durchaus bekannt. In der  Spätantike verwechselten viele gläubige Christen ihren Christus mit dem  römischen Sonnengott Jupiter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der frisch ernannte Bischof in  unserer Erzählung will in einem Kloster eine Schule für Fremdstämmige  gründen und trifft dort  auf den Pater Kiriak an, der als einziger Mönch  dort die jakutische Sprache, eine der nördöstlichen (sibirischen)  Turksprachen,  beherrscht, die in der Ortschaft gesprochen wird. Dieser  Mönch weigert sich, die Fremdstämmigen zu misionieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Leskow&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Eines  Tages hat er irgendein Erlebnis gehabt; da ist er aus der Steppe  zurückgekehrt, hat Myrrenbehälter und Hostiengefäß zum Altar gebracht  und gesagt: „Ich stelle sie weg und nehme sie nicht wieder, als bis die  Stunde gekommen ist.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Niemand wusste, was ihn dazu bewog, niemand wusste, welche Stunde er gemeint hat.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Bemerkenswert  ist, seine Eminenz der Bischof, ist in dieser Erzählung derjenige, der  lernen muss, oder sagen wir anders, der nicht von Weisheit beschlagen  ist. Pater Kiriak versucht dem Bischof klar zu machen, die Taufe bringe  nichts, wenn die Getauften nicht vom Geiste Christi erfüllt werden.  Anhand einer Heiligenlegende lehrt er, dass Missionseifer Unfrieden  bringen kann, die Sprache der Jakuten nicht geeignet ist, komplizierte  theologische Sachverhalte auszudrücken, die Gegenüberstellung von  Gläubigen und Ungläubigen sowieso kränkelt, weil Gott, so Kiriak, alle  erschaffen habe. Es ist schon toll, wie der Bischof hier zum Adepten  wird, seine Eminenz natürlich für die ganze Kirche steht.  Missionierung  aller Ungläubigen ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Das  muss dann schließlich selbst von dem Bischof erkannt werden, der von  einem heidnischen Wilden aus einem Schneesturm gerettet wird und eine  innere Wandlung erfährt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Anhand des Bischofs wird die orthodoxe  Kirche Russlands ziemlich geschwächt dargestellt, ja, ziemlich hilflos  und verloren. Die schönste Figur der Erzählung bleibt für mich der weise  Pater Kiriak, der als Verkörperung von Weisheit die  Austrahlung eines  Heiligen verfügt. Vielleicht eine Ausdünstung meiner Fantasie oder es  entspricht der Wahrheit, dass dieser Pater eine Wunschvorstellung  Leskows war, wie er sich die Vertreter der orthodoxen Kirche erträumte.  Wie krass ist doch der Unterschied zwischen dem aus Herzen agierenden  Kiriak und dem von theologischen Dogmen gebeutelten Bischof. Die  Botschaft von Leskows Erzählung ist eindeutig. Die  Fremdstämmigen, die  sog. „Wilden“, haben eine großartige Kultur, dorthin Kleriker mit dem  Herzen („Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“) schauen mögen. Mit  Respekt.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-7734250276874834650?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/7734250276874834650/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=7734250276874834650&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7734250276874834650'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7734250276874834650'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/01/nikolai-leskow-am-ende-der-welt.html' title='Nikolai Leskow:  Am Ende der Welt'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-5289304447914530095</id><published>2011-01-15T14:50:00.000Z</published><updated>2011-01-15T14:51:19.896Z</updated><title type='text'>William Trevor: Felicias Reise</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;In einem Dorf  in Irland wird  Felicias in ihrer ersten Liebesnacht  geschwängert, der  Mann, Johnny Lysaght, verschwindet aber nach England.  Angeblich soll  er in einer Rasenmäherfabrik arbeiten. Die schwangere  Felicias reist  nach England, um Johnny aufzuspüren, doch diese Reise  führt nicht zum  Ziel, eine Reise durchs Kneipen- und Obdachlosenmilieu,  durch  Industrieanlagen und auch eine heilige Missionssekte wird von  Felicias'  Reise berührt. Anstatt auf Johnny zu treffen, macht Felicias  die  Bekanntschaft des Kantinenbesitzers Mr. Hilditch, der immer mehr   Einfluss auf Felicias' Suche gewinnt, dem es gelingt, immer tiefere   Bande mit Felicias zu knüpfen. Mit Mr. Hilditch betritt das Böse den   Roman, erst auf leichten Fußsohlen kaum wahrnehmbar, und dann, das ist   die Raffinesse des Romans, wird es immer bedrohlicher für Felicias,   obwohl der Leser immer noch nicht weiß, was dieser Mittvierziger mit der   jungen Frau vorhat. Er schleicht sich in ihr Leben ein und der Leser   fragt sich irgendwann, hoffentlich passiert Felicias nichts schlimmes.   Trevor gelingt es in hervorragender Weise, den Leser im Ungewissen zu   lassen. Es werden Andeutungen gemacht, der Leser wird auf falsche   Fährten gelockt. Man bangt bis zum Schluss, immerhin hat Mr. Hilditch   schon mit  diversen Frauen ein böses Spiel getrieben.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Dieses  Art  des Unheimlichen in der Literatur ähnelt ein wenig einigen Romanen  von  Amélie Nothomb („Kosmetik des Bösen“, „Der Professor“), wobei ich  aber  mehr für Trevors Roman favorisiere.  Amélie Nothomb  unterhält  gut, ist  auch spannend, aber ich habe das Gefühl, eine einmalige  Lektüre reicht.  Bei William Trevor ist das anders. Hier ist einer, der   handwerklich  wirklich gut arbeitet. Wenn er von Felicias Reise  erzählt, wirft er  Rückblenden ein, und wir erfahren von ihrer  Vorgeschichte, von ihrem  Vater, der über Johnny Lysaght schimpft, weil  dieser, so glaubt er zu  wissen, heimlich zur britischen Armee gegangen  ist, usw. Es ist typisch  für Trevor, dass er sich in Romanen mit den   kriegerischen  Auseinandersetzungen zwischen Iren und Briten  auseinandersetzt. Welcher  irischer Vater möchte da schon einen  britischen Soldaten zum  Schwiegersohn haben. Ich mag gute  Milieuschilderungen. In diesem Buch  haben mir Schilderungen aus der  Welt Obdachloser sehr gefallen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von William Trevor&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;In   ihren Verstecken sinken die Leute von der Straße in einen Schlaf, der   vom Alkohol herbeigeführt und von Verzweiflung aufgeschreckt wird, in   Träume, die sie in das Leben  zurückversetzen, das einmal ihres war. Die   Bettelschilder noch neben sich und die Zigarettenstummel vom   Bürgersteig griffbereit, liegen sie da, noch genug in der Flasche, um   sich den Augenblick des Erwachens zu erleichtern. &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Hungrig und obdachlos&lt;/span&gt;   lautet ihr Appell auf einem Stück Pappe, gedankenlos hingekritzelt,   wobei einer vom anderen abgeschrieben hat: Nur das Geld zählt.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Man   mag von Elke Heidenreichs ehemaliger Fernsehsendung „Lesen“ halten,  was  man mag, aber darin wurde William Trevors Erzählband „Tod des   Professors“ besprochen. So bin ich auf diesen Autor gestoßen und bereue   es nicht.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-5289304447914530095?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/5289304447914530095/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=5289304447914530095&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5289304447914530095'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5289304447914530095'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/01/william-trevor-felicias-reise.html' title='William Trevor: Felicias Reise'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-6734250410621599880</id><published>2011-01-02T13:40:00.002Z</published><updated>2011-01-02T13:44:54.235Z</updated><title type='text'>Ferdinand von Schirach: Verbrechen</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ein Berliner Anwalt schreibt Krimistories. Schreibt er nun über seine eigenen Fälle? Das darf er nicht, weil auch ein Anwalt an dem Paragraphen der Schweigepflicht gebunden ist. Ähnlich, wenn Psychologen über ihre Klienten schreiben, Personen u.a. verfremden müssen, um nicht straffällig zu werden. Außerdem, hier geht es um stories.  Eine eins zu eins Übertragung von Realem zur Literatur gibt es  nicht. Die stories mögen auf realen Fälle basieren, genug Spielraum für Fiktion bleibt aber bestehen. Dass Fiktion am Werke ist, sieht man auch daran, dass einige stories nach gleichem Schema ablaufen: Das Verbrechen, wie ist es dazu gekommen, die Justiz, oft auch ein überraschendes Ende, ein verblüffender Plot.  &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Leser wird mit unheimlich brutalen Morden konfrontiert, die ohne weiteres aus einem billigen Horrorfilm stammen könnten, aber auch hier bewahrt von Schirach seine stringente lakonische Erzählweise, die mich sprachlos zurücklässt. Vielleicht pervers ausgedrückt, aber so ein Glanzstück von Brutalität in der Literatur ist die Szene auf dem U-Bahnhof in der Geschichte „Notwehr“. Diese story ist sowieso sehr interessant, weil hier nichts nach Schema F abläuft. Wir erinnern uns an eine Nachrichtenmeldung über zwei U-Bahn-Schläger, die einen alten Mann krankenhausreif geschlagen haben. Schirachs Erzählung läuft völlig anders ab, am Schluss ich den Verdacht habe, Schirach könne zwei Fälle zu einer story gemixt haben. Wie anders die Geschichte um den Äthiopier, der eine Bank ausraubt, eine Bankangestellte mit dem Räuber Mitgefühl hat.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Aus der Form einer story fällt Schirach allerdings völlig heraus, wenn er in seinen Geschichten selbst als Fachjustitiar auftritt, entweder als Mitbeteiligter oder als Überbringer von Juristenfachwissen an den Leser. Dieser Fakt schmälert. Das Buch ist ein Pageturner. Die stories sind auf momentanen Unterhaltungswert aufgebaut. Um mich an einige Geschichten wieder zu erinnern, musste ich nach der Lektüre noch mal zurückblättern.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-6734250410621599880?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/6734250410621599880/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=6734250410621599880&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6734250410621599880'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6734250410621599880'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2011/01/ferdinand-von-schirach-verbrechen.html' title='Ferdinand von Schirach: Verbrechen'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-1416097637793451431</id><published>2010-12-29T17:42:00.000Z</published><updated>2010-12-29T17:44:16.175Z</updated><title type='text'>Ngũgĩ wa Thiong’o : Matigari</title><content type='html'>&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Was für ein Roman&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; – seltsam, weil ein schwarzer Kämpfer, der  gegen weiße Kolonisten gekämpft und gesiegt  hat,  seine Waffen vergräbt  und nun um seine Lenden ein Band des Friedens trägt, in der  zivilisierten Welt Kenias, und das ist das Seltsame, als ein Mensch  erscheint, der an Jesus Christus erinnert. Er befreundet sich mit den  Ärmsten der Armen, einem Jungen, der wie andere Jungen in einem  Autowrack sein Hause gefunden hat, stolz darauf ist, dass es ein  Mercedes Benz ist, und auch mit einer Prostituierten sich befreundet,  die, um ihre Geschwister zu ernähren, sich verkaufen musste. Matigari,  so heißt der kenianische Christus, vollbringt mutige Taten, ihm werden  Wunder nachgesagt, niemand weiß, wer er wirklich ist, niemand weiß, ob  er wirklich der wiedergeborene Christus ist, oder einfach nur ein  mythischer Hoffnungsträger, der die Menschen aus ihrer Armut treiben  könnte, ihm zugetraut wird, er könne Frieden und Gerechtigkeit ins Land  bringen, das Volk darum hinter ihm steht. Eines der Großartigkeiten des  Romans ist, dass der Schleier des Geheimnisvollen dem Matigari nie  entrissen wird.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Weitaus gefehlt an einen frömmelnden Roman zu  denken, an einem Jesus, der nun endlich gekommen ist um Kenia aus dem  Sumpf von Korruption, Machtgier, verlogener Politik, Ungerechtigkeit und  Bevölkerungsarmut zu ziehen. Himmel sei Dank. Trivialitäten sind aber  keine Werkzeuge des Autors. Ngũgĩ wa Thiong’o  verwendet die Figur des  Matigari um auf die Missstände seiner Heimat aufmerksam zu machen, nicht  zu warten auf das Neue Jerusalem, wo alles schöner sein soll als auf  der versündigten Erde,  sondern aufstehen, handlungsbereit und keine  Angst zeigen, denn Angst lähmt. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Pazifisten werden aufmucken,  weil nicht ganz eindeutig gezeigt wird, inwieweit Matigari wirklich zu  Gewalt schreiten würde, um normale Rechte zu verteidigen. Die  Kolonialisten, die ihm sein Haus geraubt haben, bringt er jedenfalls um.  Das hätte Jesus nicht bewerkstelligt. Nun ist Matigari drauf und dran,  die Söhne der Kolonisten zu vertreiben, weil  sich inzwischen diese  Halunken sich seines Hauses bemächtigt haben. Der Kampf geht also  weiter. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Baumeister baut ein Haus.&lt;br /&gt;Jener, der beim bauen zugeschaut hat, zieht ein.&lt;br /&gt;Der Baumeister schläft draußen,&lt;br /&gt;ohne Dach über dem Kopf........&lt;br /&gt;….......&lt;br /&gt;Der Arbeiter stellt Waren her.&lt;br /&gt;Ausländer und Schmarotzer verfügen darüber.&lt;br /&gt;Der Arbeiter steht mit leeren Händen da.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Allein   Wahrheit und Gerechtigkeit suchen und darüber reden hilft nicht, darum  will Matigari wieder zu den Waffen greifen. Das ist die wichtige  Konsequenz die Matigari zieht, und damit kritisiert  der Autor  meines  Erachtens auch das Friedensgerede von Kirchenleuten, die nur reden  können aber keinen Frieden, Gerechtigkeit o.ä. schaffen können. Auf der  Erde muss man was dafür tun, im Himmel, möge es ihn geben, ist sowieso  Frieden (über diese Thematik gibt es ein Gespräch zwischen Matigari und  einem Pfarrer).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Glanzvoll dargestellt ist, wie ein totalitär  fieser Staatsapparat funktioniert, der dann auch noch von den USA und  von der Europäischen Gemeinschaft mit Waffen und Finanzspritzen versorgt  wird. Das ist  so gut erzählt, dass es jeder versteht. Wenn wir lesen,  einige unbequeme Bürger werden als geisteskrank ins Irrenhaus gesperrt,  so dürfen wir gerne an die DDR denken, auch wenn der Roman in Kenia  spielt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ein politischer Roman mit einer Prise Abenteuer. Im  Oktober 1986 erschien der Roman in Kenia. Sehr abenteuerlich mutet es  an, als im Januar 1987 Berichte der Geheimpolizei erzählten, dass von  Bauern in Zentralkenia ein Gerücht ausging, ein gewisser Matigari  wandere durch das Land und fordere Wahrheit und Gerechtigkeit. Die  Polizei wurde beauftragt, diesen Matigari festzunehmen, bis sie darauf  kamen, er sei nur eine Romanfigur. Buchhandlungen wurden durchsucht, der  Roman wurde beschlagnahmt.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-1416097637793451431?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/1416097637793451431/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=1416097637793451431&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1416097637793451431'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1416097637793451431'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/12/ngugi-wa-thiongo-matigari.html' title='Ngũgĩ wa Thiong’o : Matigari'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-3677741976740810369</id><published>2010-12-16T15:29:00.001Z</published><updated>2011-12-02T11:51:26.874Z</updated><title type='text'>Mario Vargas Llosa: Der Geschichtenerzähler</title><content type='html'>&lt;div style="color: #996633; font-weight: bold;"&gt;Mit  diesem Roman hat Mario Vargas Llosa den Indios im Amazonasgebiet ein  Denkmal geschaffen Erzählt wird von den Machiguenga, einem Naturvolk,  welches abseits der zivilisierten Welt im peruanischen Urwald lebt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der  Ich- Erzähler befindet sich in Florenz, will sich einige Monate Dante  und Machiavelli widmen, und der Renaissancemalerei. Doch sein Vorhaben  gerät ins Schleudern, weil er in einer Galerie Fotografien entdeckt, die  ihn geistig in den heimatlichen Urwald zurückwerfen. Fotos  halbnackter  Menschen, Kanus, auf Pfählen erbaute Hütten. Was für ein Zufall, dass  er hier in Florenz Fotografien über die Machiguenga entdeckt, diesen  Indios, für die er sich schon sehr lange interessiert, seitdem er sich  mit seinem Studienfreund, einen angehenden Ethnologen, über diese  ausgetauscht hat. Das war 1958. Inzwischen gilt der Studienfreund Saúl  Zuratas als verschollen. 1981 begibt sich der Erzähler des Romans auf  Reisen in den peruanischen Urwald, dem Geheimnis des machiguengischen  Geschichtenerzählers auf der Spur zu kommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mario Vargas Llosa  lässt lange auf sich warten, bis er dem Geschichtenerzähler der  Machiguenga auf der Spur kommt. Und das ist gut so. In dem Roman wird er  zu einer geheimnisumwitternden Gestalt, der Leser sich ständig fragen  muss, ob er überhaupt existent oder vielleicht eine Gestalt indianischer  Mythen ist. Für mich als Leser bleibt übrigens offen, ob der  Geschichtenerzähler an sich eine Erfindung von Mario Vargas Llosa ist.  Sicher ist nur, die Machiguenga haben eine Sprache entwickelt und haben  ihre eigenen Mythen, von denen der Roman reichlich Zeugnis ablegt. Der  Autor hat Mythen und Lieder der Machiguenga gelesen, die Padre Joaquin  Barriales gesammelt hat. So  wird dem Leser die Möglichkeit gegeben, in  die Gedankenwelt und Vorstellungen dieses Volkes einzutauchen.  Selbstverständlich ist das ziemlich ungewohnt, wenn wir zivilisierte  Leser Mythen primitiver Völker lesen, da unser Denken mit diesen ureinwohnern nicht zu vergleichen ist, doch können wir hier mal ethnologisch schnuppern. Vom Autor raffiniert gemacht ist, wenn er einer Mythe christlichen Einfluss  gibt, haben  doch eifrige Christen der Mühen nicht gescheut, im Urwald  zu missionieren. &lt;i&gt;„Es war die Wahrheit, Sohn von Trasurinchi ist er,  der Atemhauch von Trasurunchi wird er sein, er ist Trasurinchi selbst.  Alle drei Dinge zusammen, also.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Das  große Thema des Romans   ist der Aufprall der Zivilisation auf die Naturvölker im  Amazonasgebiet. Die Zivilisation bedroht die Primitiven. Sollte man  diese Völker nicht einfach so leben lassen, wie sie immer gelebt haben,  oder sollte man ihnen den Segen, bzw. den Fluch und Segen der Zivilisation bringen,  d.h., sie aus der Natur herausholen?  Dieses große Thema Perus wird  zwischen Saúl Zuratas und dem Ich-Erzähler durchdiskutiert.&lt;/div&gt;&lt;blockquote style="color: #996633; font-weight: bold;"&gt;&lt;span style="font-size: 78%;"&gt;Zitat von Mario Vargas Llosa&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;Sollten  sechzehn Millionen Peruaner auf die natürlichen Ressourcen von drei  Vierteln ihres Territoriums verzichten, damit die sechzig- oder  achzigtausend Amazonas-Indianer einander seelenruhig weiterhin mit  Pfeilen abschießen, Schrumpfköpfe herstellen und die Boa constrictor  anbeten konnten.?&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color: #996633; font-weight: bold;"&gt;Schon  dieses Zitat macht  deutlich, wie tief dieses Thema auf den Nerv von Peruanern trifft.  Dieser Roman gilt als der peruanischste von Varguritas'&lt;/span&gt;&lt;img src="http://img.homepagemodules.de/grin.gif" style="color: #996633; font-weight: bold;" /&gt;&lt;span style="color: #996633; font-weight: bold;"&gt;   Romanen. Wir, die wir schon immer in der Zivilisation weit weg vom  Urwald leben, tragen solche Problematiken nicht im Bewusstsein. Für mich  war es sehr faszinierend, in die Welt der Machiguenga einzutauchen. Dieser Roman schärft das Bewusstsein für fremde Kulturen.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-3677741976740810369?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/3677741976740810369/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=3677741976740810369&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/3677741976740810369'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/3677741976740810369'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/12/mario-vargas-llosa-der.html' title='Mario Vargas Llosa: Der Geschichtenerzähler'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-3330044274552004419</id><published>2010-12-06T16:35:00.002Z</published><updated>2010-12-06T16:39:41.052Z</updated><title type='text'>Leo N. Tolstoi: Auferstehung</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;In einem Interview in der Süddeutschen Zeiten im Juni 2010 äußerte sich  Tolstojs Ur-Urenkel Wladimir Iljitsch zu Leo N. Tolstois religiöser  Position:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Man kann Tolstoi in keine der heutigen Religionen  hineinzwängen. Er war im Grunde viel weiter...Er hat nach Möglichkeiten  gesucht, die konfessionellen Barrieren zu überwinden..“ (vgl. Seite 27,  Nummer 3/2010 der HEFTE zu Ausstellungen im Literaturhaus München, „Ein  Licht mir aufgegangen“ - Lev Tolstoj und Deutschland). Schon zur Zeit  seines Einsatzes im Krimkrieg dachte Tolstoi über die Idee einer  praktischen rationalistischen Religion nach, „die kein künftiges Glück  verheißt, sondern Glück auf dieser Erde verheißt"(dto. Seite 28).  Intensiv befasste er sich seit 1881 mit Religionen. Seine Schriften &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Meine Beichte“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;und &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Worin mein Glaube besteht“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;konnten zu seiner Zeit in Russland nicht erscheinen. In &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Meine Beichte“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; wandte er sich seiner&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „neuen geistigen Geburt“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  zu und lehnte jeglichen Besitz ab. Ich weiß nicht wann, aber  irgendwann, spätestens während seiner Arbeit zu seinem dritten großen  Roman &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Auferstehung“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, muss er auf den amerikanischen Ökonomen gestoßen sein:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51); font-style: italic;"&gt;&lt;div&gt;&lt;cite&gt;"&lt;/cite&gt;Das  Land kann nicht Gegenstand von Eigentumsrechten, kann nicht Gegenstand  von Kauf und Verkauf sein, so wenig wie Wasser, wie Luft, wie die  Sonnenstrahlen. Alle haben das gleiche Recht auf das Land und auf die  Vorteile, die es den Menschen bietet."&lt;/div&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Etwa  zehn Jahre arbeitet Tolstoi an „Auferstehung“, Er erschien 1899. Im  Jahre 1901 wurde er von der orthodoxen Kirche ausgeschlossen. In dem  Roman kritisiert er sehr heftig die Zelebrierung des orthodoxen  Gottesdienstes. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51); font-style: italic;"&gt;&lt;div&gt;&lt;cite&gt;"...&lt;/cite&gt;die größte Lästerung und Verhöhnung des gleichen Jesus sei, in dessen Namen alles geschah."&lt;/div&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Tolstoi  hat natürlich recht, Jesus war es lieb, wenn sich jemand ohne Prunk in  sein Kämmerlein zurückzieht, in die Einsamkeit, und dort betet. Für den  Goldprunk einer Ikonostase hätte sich Jesus niemals interessiert.  Menschen sind offenbar dazu anfällig, dass sie irgendetwas  handfestes/materielles für ihren Glauben brauchen. Darum gibt es auch  Ikonen, die das Bedürfnis von Volksfrömmigkeit befrieden.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der  Protagonist des Romans ist der Fürst Dmitri Iwanowitsch Nechljudow, der  als Geschworener in einer Gerichtsverhandlung erkennt, dass er Schuld am   schweren Schicksal   einer jungen Frau  trägt, die er, als sie  sechzehn Jahre alt war, verführt hatte. Er trägt die Schuld, dass sie,  Maslowa, zu einer Prostituierten wurde,  sie nun von diesem Gericht  aufgrund eines angeblich begangenen Giftmordes zu Zwangsarbeit in  Sibirien verurteilt worden ist. Da es sich um ein Fehlurteil handelt,   welches aus Schlamperei und Unaufmerksamkeiten während der Verhandlung  zustande gekommen war, will Nechljudow eine Kassation dieses Urteil  erreichen. Er ist schuldig an ihrem verdorbenen Leben und will seine  Schuld sühnen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Nechljudow hinterfragt sein bisheriges Leben, auch  sein Reichtum, seine Erbschaft. Er will sein  Leben umkrempeln, nimmt  sogar die Idee auf, Maslowa evtl. zu heiraten und erkennt, dass er ein &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„liederlicher Mensch sei.“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  Nur durch solch eine Bewusstwerdung und Umarmung seines Leides, wird er  wohl zu einer Reinigung, d.h. Bewusstwerdung seines geistigen Wesens,  kommen. Ja wirklich, Tolstoi wird in diesem Roman recht spirituell und  erinnert mich ein wenig an den Buddhismus. Das Leid erkennen, die  Ursachen des Leides erforschen, und dann das Leid umwandeln in Freude.  Allerdings bei Tolstoi die Schuldfrage in den Mittelpunkt gerückt wird,  dadurch der christliche Aspekt der Schuldvergebung ins Zentrum rückt.  Überkonfessionell spirituell gilt aber das, was Tolstoi über die Liebe  sagt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;div&gt;&lt;cite&gt;&lt;/cite&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;"..die  Liebe zu allen und zu allem, nicht nur zu dem Schönen, Guten, das es in  der Weld gibt, sondern auch zu jenem Bettler, den sie geküßt hatte."&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Interessant das Nechljudow diese Erkenntnis allumfassender Liebe während der Ostermesse gewinnt. Als &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Auferstehung“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; wird im Roman die Umwandlung vom animalischen zum geistigen  Menschen  verstanden. Daher rührt der Romantitel.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Das  andere große Thema ist die Aufdeckung unsäglicher Missstände und  Schlamperei russischer Justizbehörden. Viele Menschen sitzen unschuldig  in Gefängnissen. Die Bloßstellung der Verruchtheit des russischen  Beamtenwesens gehört zu den Glanzstücken des Romans.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51); font-style: italic;"&gt;&lt;div&gt;&lt;cite&gt;"&lt;/cite&gt;Es  war klar, daß das, was für wertvoll und gut gehalten wird, nichtig und  abscheulich ist und daß all dieser Glanz, all diese Pracht nur alte  Verbrechen verdeckt...."&lt;/div&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Einzelne Beamte sind  wie ein Zahnrad in einem ganzen Systems, in dem die Beamten das  Mitgefühl, die Menschlichkeit ausgeblendet haben. Die Liebe ist das  wichtigste überhaupt, die allumfassende Liebe, das große Stück Kuchen  von Menschlichkeit. Weil in dieser Bürokratie diese Menschlichkeit  fehlt, passieren all die Katastrophen und Ungerechtigkeiten, darum  Tolstoi diesen Roman wohl überhaupt geschrieben hat. Wie bei  Dostojewskij geht es um Schuld und Sühne. Ich verweise auf ein Zitat,  welches Tolstoi vor Romanbeginn als Motto anführt:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;div&gt;&lt;cite style="font-style: italic;"&gt;"&lt;/cite&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Da  trat Petrus zu ihm und sprach: "Herr, wie oft muß ich denn meinem  Bruder, der zu mir sündiget, vergeben?. Ist's genug siebenmal?" Jesus  sprach zu ihm: "Ich sage, nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal."&lt;/span&gt;  Matth. XVIII,21/22&lt;/div&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wenn ein Mensch die  allumfassende Liebe in sich verwirklicht hat, kann er immer vergeben,  weil er liebt. Das ist ein elementarer Bestandteil des Christentums.  Davon handelt der Roman. Nechljudow ist bisher immer noch dieser Mensch,  der nach diesen Idealen strebt, auf diesem Weg er sein Gewissen  reinwaschen will, nicht aus persönlichen Gründen, sondern wegen Gottes  Gerechtigkeit.  Die russische Bürokratie ist demnach gottlos. Wenn die  Liebe da wäre, würden einzelne Offiziere Gefangene nicht quälen. Wenn  wir dem Apostel Paulus glauben schenken wollen, taugt der Mensch nicht  viel, wenn er keine Liebe hat. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Und dann kommt der herrliche Satz, den auch der Apostel Paulus hätte predigen können:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51); font-style: italic;"&gt;&lt;div&gt;&lt;cite&gt;"&lt;/cite&gt;Wenn  es möglich wäre anzunehmen, daß irgend etwas ...wichtiger ist als das  Gefühl der Menschenliebe, sei es auch nur für eine Stunde und nur in  irgendeinem einzigen Ausnahmefall, so gebe es kein einziges Verbrechen,  das man nicht ohne sich für schuldig zu halten, an den Menschen begehen  könnte."&lt;/div&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Leo N. Tolstoi hat mit &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Auferstehung“&lt;/span&gt;  einen religiös/spirituellen Roman geschrieben, der abgesehen vom  Schluss, überzeugt.  Nechljudow verkörpert die Ideen Tolstois. Das Ende  des Romans allerdings versumpft in einer theologischen Moralpredigt, in  der fleißig aus dem Evangelium des Matthäus zitiert wird. Das ist sehr  bedauerlich. In diesem sonst so gut ausgearbeiteten Roman hätte dieses  nicht so passieren dürfen. Die spirituelle Entwicklung Nechljudows  hätte, um den Roman würdevoll enden zu lassen,  literarisch ausgebaut  werden müssen. Aber so nun endet der Roman nur in einem unsäglichen  Moralsumpf. Auch wenn die Zitate aus Matthäus zum Roman passend gewählt  sind und gegen ihre Aussagen nichts einzuwenden ist, haben  Moralpredigten die Welt noch nie zum Besseren bekehrt. Darin besteht  auch das Dilemma, in dem sich Tolstoi befunden haben muss. Schon zur  Zeit der Krimkriege war sich Tolstoi bewusst, dass sich eine nach seinen  Vorstellungen praktikable rationalistische neue Religion nur   Verwirklichen lasse, wenn kommende Generationen bewusst auf dieses Ziel  hinarbeiten.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-3330044274552004419?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/3330044274552004419/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=3330044274552004419&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/3330044274552004419'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/3330044274552004419'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/12/leo-n-tolstoi-auferstehung_06.html' title='Leo N. Tolstoi: Auferstehung'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-7339774689828389017</id><published>2010-11-20T11:26:00.004Z</published><updated>2010-11-20T11:38:06.836Z</updated><title type='text'>Leo N. Tolstoi - Hadschi Murat</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Leo N. Tolstois Erzählung &lt;/span&gt;&lt;b style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Hadschi Murat“ &lt;/b&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;beruht zum großen Teil auf wahre Begebenheiten.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" class="quote"&gt;"Und  ich erinnere mich einer alten Geschichte aus dem Kaukasus, die ich  teils selbst erlebt, teils von Augenzeugen gehört und teilweise in  meiner Phantasie ausgesponnen habe."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Historischer Hintergrund&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Imam  Schamil (1797- 1871)  baute in den kaukasischen Bergen einen islamisch  geprägten theokratischen Staat auf. In den Muridenkriegen (1834-1859)  leisteten die  Bergvölker des Kaukasus  heftigen Widerstand gegenüber  die Kolonialziele Russlands. Die Theokratie Schamils beinhaltete auch,  dass die Gesetze der Scharia galten. Die Völker des Kaukasus sahen in  dem Islam eine wirksame Waffe gegen Russland, sodass  die kriegerischen  Auseinandersetzungen u.a. auch religiös motiviert waren, auch damals im  neunzehnten Jahrhundert im Kaukasus der Begriff des Dschihad gefallen  ist, dieser Begriff  offenbar damals schon sinnentfremdet als „Heiliger  Krieg“ benutzt worden war (Hintergund Ende).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, wenn Imam Schamil vor wichtigen erst mal die Augen schloß und verstummte.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" class="quote"&gt;"Die Räte wußten, was das bedeutete; er vernahm die Stimme des Propheten, der ihm offenbarte, was zu tun sei."&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Auf  russischer Seite  fällt im Krieg ein junger Mann. Von einem  Regimentsschreiber erhält der Vater einen Brief, darin geschrieben, &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„daß Peter für seinen Kaiser, sein Vaterland und den rechten christlichen Glauben gefallen sei.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;In  Tolstois Erzählung stoßen wir auf die Problematik, dass sich Religion  in die Politik einmischt. Das hat der Menschheitsgeschichte noch nie was  gutes eingebracht.  Als Karl der Große gegen die Sachsen loszog, musste  er sich auch eingebildet haben, er habe einen, bzw. den rechten  Glauben, sonst wäre er nicht so brutal Gegen die Sachsen hergezogen,  denn u.a. oder vor allem war dieser Krieg dazu bestimmt, den  germanischen Götterglauben auszumerzen, Widukind schließlich, sich um  des Friedenswillen habe taufen lassen müssen.  Das war ein  Kreuzzugsgemetzel vor den Kreuzzügen.  Und Peter, von dem gerade die  Rede war, gefallen im Kaukasuskrieg,  hatte keine Kinder.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" class="quote"&gt;"Ich bin freiwillig für meinen Bruder gegangen...Der hat fünf kleine Kinder, und ich hatte gerade geheiratet."&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Für  den Expansionswahnsinn eines Landes ist er unsinnig gestorben. Tolstoi  beleuchtet den Krieg aus  verschiedenen Blickwinkeln, so ist der  Wahnsinn genauso groß, wenn die Toten eines Krieges  verdrängt werden.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" class="quote"&gt;"Der  Krieg bestand in seinen Augen nur darin, daß er sich der Gefahr, dem  möglichen Tod aussetzte, dafür belohnt wurde und die Achtung seiner  Kameraden und seiner Freunde in Rußland genoß."&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Auch wenn  Hadschi Murat, der Stellvertreter Schamils, der sich mit dem Theokraten  in einer Blutfehde befand, seine unter Gefangenschaft gehaltene Familie  aus den Händen des Imam befreien wollte, dieser Hadschi Murat, der sich  schon in vielen Schlachten als Kriegsheld bewährt hatte, wird nicht, und  das ist das Entscheidene, nicht als Kriegsheld verklärt. Dass er einmal  „sechsundzwanzig Kriegsgefangene hatte niedermachen lassen“ wird damit  entschuldigt, es sei ja Krieg. Tolstoi zitiert bewusst das französische  Sprichwort&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;à la guerre comme à la guerre &lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; -   Im Krieg ist es einmal nicht anders   &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;und  unterstreicht damit die Banalität, wie regelrechter Mord im Krieg  gerechtfertigt wird, auf diese Weise Hadschi Murats Heldentum einen  deftigen Knacks bekommt. Tolstoi hinterfragt die Auswüchse des Krieges  und landet beim Wahnsinn, darum ich diese Erzählung besonders zu  schätzen weiß.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Tolstoi hat Sympathie für die kaukasischen  Bergvölker und lässt russische Fürsten und militärische Befehlshaber  vergreist, dumm, abgenutzt oder auch Intrigant  auftreten. So lesen wir  von einem dummen georgischen Fürsten, der meint, wenn Hadschi Murat &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„in Europa geboren wäre, so  hätte er ein Napoleon werden können.“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  Dieser Dummheit, die von einem westlichen Überlegenheitsgefühl  herrührt, wird noch eins drauf gesetzt. Leo N. Tolstoi zeichnet in  dieser späten Erzählung den Hauptverantwortlichen der kaukasischen  Auseinandersetzung, den Zaren Nikolaus I., als einen  politischen  Menschen, der aus üblen Launen heraus wichtige politische Entscheidungen  fällt und in ehebrecherischer Weise Frauen verführt, um sein Unrecht zu  lindern,  sich damit beruhigte, &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„was für ein großer Mann er sei.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die  Tschetschenischen Kriege unter Boris Jelzin und Wladimir Putin waren  genauso brutal wie der Krieg damals unter dem Zaren. Besonders leiden  musste, wie auch in anderen Kriegen, die Zivilbevölkerung. Der  kaukasische Aul, in dem sich Hadschi Murat versteckt hielt, bevor er zu  den Russen überlief, wurde von den Zarentruppen zermalmt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" class="quote"&gt;"Die  würdige Frau, die Hadschi Murat bei seinem Besuch bedient hatte, stand  jetzt mit aufgelöstem Haar, in zerrissenem Hemd, das ihre alten  herabhängenden Brüste sehen ließ, über die Leiche ihres Sohnes gebeugt,  zerkratzte ihr Gesicht und heulte ununterbrochen."&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ich assoziiere die Beweinung Christi am Grabe, unterm Kreuz. Was für eine Assoziation auf moslemischem Territorium.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Weiterführende Literatur: &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Anna Politkowskaja : Die Wahrheit über den Krieg &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Manfred Quiring : Pulverfass Kaukasus&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Karl Seeger:  Imam Schamil – Prophet und Feldherr, 1937&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-7339774689828389017?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/7339774689828389017/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=7339774689828389017&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7339774689828389017'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7339774689828389017'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/11/leo-n-tolstoi-hadschi-murat.html' title='Leo N. Tolstoi - Hadschi Murat'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8132658721211384697</id><published>2010-11-04T15:08:00.002Z</published><updated>2010-11-04T15:28:43.698Z</updated><title type='text'>Mario Vargas Llosa: Tante Julia und der Kunstschreiber</title><content type='html'>&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Mario Vargas Llosa&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Ich  schrieb Buchbesprechunngen und Reportagen in Kulturbeilagen und  Zeitschriften von Lima. Ich publizierte sie unter Pseudonym, um mich  weniger darüber schämen zu müssen, wie schlecht sie waren.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;Obwohl  der Roman viel triviales enthält, ist der Roman nicht trivial, weil er  einfach gut geschrieben, also schämen muss sich Vargas Llosa keineswegs.  Was kann er auch dazu, wenn das Leben manchmal trivial erscheint. Da  heiratet jemand seine Tante, obwohl er noch nicht volljährig ist. Die  Suche nach dem Bürgermeister, der sie endlich traut, ist ein Klamauk,  eine Comedy auf hohem Niveau. Jahre später heiratet er seine Cousine.  Soll man es glauben? Ja,doch, diese autobiografischen Bezüge stimmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tante  Julia, eine 32 Jährige Frau aus Bolivien, frisch geschieden, kommt nach  Peru, um sich einen neuen Partner zu suchen. Ihr Neffe, der 18 Jahrige  Jurastudent Mario, der sich  nebenbei Geld als Nachrichtenchefs einem  Radiosenders, verdient, verliebt sich in Tante Julia. Es dauert nicht  lange, dann schäkern sie im Kino herum. Hinterlässt es schon einen  boulevardmäßigen Eindruck, wenn  der Text von Nachrichtensendungen  aus  diversen Zeitungsartikeln zurechtgeschustert wird, um ihn  als  Nachrichten senden zu können, kommt mir schon ein Schmunzeln auf, wenn  Tante Julia ihrem Mario sagt.:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Mario Vargas Llosa&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Das  Schreckliche am Geschiedensein ist nicht, daß alle Männer glauben, sie  müßten einem irgendwelche Anträge machen...sondern daß sie meinen, nur  weil mal geschieden ist, brauche man keine Romantik mehr....&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Auf  den ersten Blick erscheint das flachhirnig und kitschig, und das im 20  Jahrhundert? Jawohl. In manchen Szenerien geht es ganz allgemein über  strenge Sexualmoral, wie man ihnen auch in Ostanatolien oder in anderen  Gegenden heute noch findet. Da braucht man eine Frau nur anschauen usw.  und muss sie dann gleich heiraten. Gerade habe ich eine Erzählung des  kenianischen Schriftstellers Ngũgĩ wa Thiong’o gelesen, in der einer  Frau ein unerhörter Makel angelastet wird, weil sie keine Kinder  bekommt. Was wissen wir schon von der Sexualmoral im Peru der 50er Jahre  des 20 Jahrhunderts? Ich halte es durchaus für möglich, dass dort das  Ansehen einer geschiedenen Frau für immer beschädigt war.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Jetzt  muss ich noch den Hörspielautoren Pedro Camacho erwähnen, der mit seinen  trivialinhaltigen Hörspielen sehr erfolgreich ist (im Gegensatz zu  Mario, der davon träumt ein Schriftsteller zu sein, mit seinen  Geschichten keinen Erfolg zu buchen hat). Die Menschen lieben triviales  und Mario Vargas Llosa lässt die Hörspiele laufen, abwechselnd mit den  Szenen um Tante Julia und ihrem Varguitas, und die Hörspiele haben auch  mir am besten Gefallen. Der Humor liegt einer grotesken Überhöhung  zugrunde. So kritisiert Vargas Llosa die strenge Moral von Zeugen  Jehovas, in dem er einen Vergewaltiger aus dieser Sekte auftreten lässt.  Grotesk auch, die vergreisten Zieheltern des vergewaltigten Mädchens  fordern, der Vergewaltiger müsse nun, weil er der Kleinen die  Jungfräulichkeit genommen hat, sie heiraten. Komisch und tragisch. Der  Leser wird mit absurdem Horror nicht geschont, auch davor nicht, warum  Don Federico Téllez Unzátegui zum perversen Nagetiermörder geworden ist.  Dieser Action erscheint trivial birgt aber immer Nachdenkliches und  Gesellschaftskritisches, gerade darum mag ich das lesen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Mir hat  auch das Kapitel mit dem Wachtmeister Lituma sehr gefallen, der übrigens  in diversen Romanen von Mario Vargas Llosa auftaucht, in&lt;a href="http://martinus-literatur.blogspot.com/2007/12/mario-vargas-llosa-tod-in-den-anden.html"&gt; &lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;a href="http://martinus-literatur.blogspot.com/2007/12/mario-vargas-llosa-tod-in-den-anden.html"&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Tod in den Anden“&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  sogar zum Korporal befördert als Protagonist erscheint. In dem Hörspiel  von Camacho ist das Verhalten des Wachtmeisters und der anderen  Polizisten äußerst trivial und mit Dummheit geschlagen. Ein schwer  verletzter nackter Schwarzer, der nur Laute von sich bringen kann, wird  gefunden. Ich vermute, wörüber allerdings bewusst nicht spekuliert wird,  der Mann wird Opfer eines Verbrechens geworden sein, Vargas Llosa  dem  Leser aber aufzeigen will, wie im untersten Niveau eines unsäglichen  Klatschblattes infolge unerhörter Vermutungen und Spekulationen ein  Mensch zum Tode gerichtet werden soll. Es gibt kein Gerichtsurteil,  keine Justiz. Das ist doch Selbstjustiz. Theoretisch denkbar, dass  Vargas Llosa auf irgendwelche Ereignisse in Peru anspielt, in dieser  Geschichte aber herrlich übertreibt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Tante Julia und der Kunstschreiber“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  zollt dem Franzosen Honoré de Balzac Referenz, indem Personen in den  Hörspielen später in anderen Hörspielen noch einmal auftauchen lässt.  Balzac pflegte dieses in seiner &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Menschlichen Komödie“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; zu tun.  Dieses Verfahren wird aber in den Hörspielen insofern überzogen, dass  darin diverse Identitäten ineinander verschmelzen, so dass deren  wirkliche Identität nicht geklärt werden kann. Hierin vermute ich einen  Spaß, den Mario Vargas Llosa sich geleistet hat.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8132658721211384697?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8132658721211384697/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8132658721211384697&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8132658721211384697'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8132658721211384697'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/11/mario-vargas-llosa-tante-julia-und-der.html' title='Mario Vargas Llosa: Tante Julia und der Kunstschreiber'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-6002446691600274798</id><published>2010-10-29T20:23:00.003+01:00</published><updated>2010-10-29T20:29:57.374+01:00</updated><title type='text'>Ngũgĩ wa Thiong’o: Verborgene Schicksale, Kurzgeschichten</title><content type='html'>&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51); font-weight: bold;"&gt;Geschichten aus dem Land, in dem der heilige Mugumobaum wächst, wo   volkstümlicher Aberglaube noch lebendig ist und auf das Christentum  prallt, welches von den Kolonialherren ins Land gebracht wurde. Die  Geschichten spielen vor dem Mau-Mau-Aufstand,  vor dem  Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Kolonialherrschaft, eine jedoch  nach dem Aufstand. &lt;/span&gt;&lt;i style="color: rgb(153, 102, 51); font-weight: bold;"&gt;„Warum hätte sie auf mich warten sollen? Und wie konnte ich glauben, daß sich bis zu meiner Rückkehr nichts ändern würde,“&lt;/i&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51); font-weight: bold;"&gt;  sagt Kamau, der aus der Gefangenschaft heimkehrt. Der Mugumobaum ist  den Menschen wohl heilig, weil er auch in großer Trockenheit gedeiht.  Wenn die die Trockenheit aber so lange dauert, dass der heilige Baum  darunter leidet, dann ist es ein Unheil, welches von Wetterpropheten und  Medizinmännern vorausgesagt worden ist.&lt;/span&gt;&lt;i style="color: rgb(153, 102, 51); font-weight: bold;"&gt; „- denn es gibt in unserem Dorf noch immer welche, obwohl ihr Einfluß sich verringert hat.“ &lt;/i&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51); font-weight: bold;"&gt;Das  ist Kenia vor sechzig Jahren, ein Land im Wandel, trotzdem sind nicht  alle Spuren von Magie versiegt. So wird der Medizinstudent Mangara,&lt;/span&gt;&lt;i style="color: rgb(153, 102, 51); font-weight: bold;"&gt; „der mit der europäischen Religion aufgewachsen und in europäischem Geist erzogen worden war,“ &lt;/i&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51); font-weight: bold;"&gt;von  einem Fluch verfolgt, der ihm den Tod einbringt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn ich über den  unsäglich selbstgefälligen Snobismus europäischer Siedler lese, man  könne sich so einen Hausboy nicht als Familienvater vorstellen, denke  ich an Doris Lessings „Martha Quest". Dann  gibt es die kämpfenden Boys,  die ihre weiße Herrschaft beseitigen, an dieser Stelle mir der Überfall  aus Coetzee's „Schande“ in Erinnerung fliegt. Der Hausboy Njoroge, der  auf selbsterkenntliche Weise die Wut auf seine Herrin aus seinem Bauche  fegt, muss sterben. Der gute Mensch als Märtyrer. Wir lesen auch von  einer Frau in irgendeinem Dorf, die keine Kinder bekommt, deshalb von  ihrem Mann geschlagen und verachtet wird....welch eine Schande...die  Frau das Dorf verlässt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51); font-weight: bold;"&gt;Das alles und viel mehr sind Geschichten,  ja, ganz bestimmt Ereignisse, die sich in Kenia im zwanzigsten  Jahrhundert ereignet haben. Ngũgĩ wa Thiong’o  zählt zu den  bedeutendsten Schriftstellern Ostafrikas. Diese Erzählungen sind ein  kleiner Vorgeschmack auf das Werk dieses Schriftstellers. Menschen an  der entscheidenen Schwelle ihres Dasein, danach wird ihr Leben ein  anderes sein oder sie finden den Tod. Diese Geschichten berühren und  prägen sich ein. Besonders erfreut bin ich, weil Ngũgĩ wa Thiong’o  sehr  lesefreundlich schreibt. In diesem Jahr erschien sein autobiografisches  Werk &lt;/span&gt;&lt;i style="color: rgb(153, 102, 51); font-weight: bold;"&gt;„Träume in Zeiten des Krieges“&lt;/i&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51); font-weight: bold;"&gt; über seine Kindheit, welches ich auch noch  besprechen werde. Ich schwärme jetzt gerne, habe noch zwei Romane im Stübchen.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-6002446691600274798?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/6002446691600274798/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=6002446691600274798&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6002446691600274798'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6002446691600274798'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/10/ngugi-wa-thiongo-verborgene-schicksale.html' title='Ngũgĩ wa Thiong’o: Verborgene Schicksale, Kurzgeschichten'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-3738891014696871140</id><published>2010-10-03T10:12:00.001+01:00</published><updated>2010-10-03T10:14:29.394+01:00</updated><title type='text'>Peter Noll: Diktate über Sterben &amp; Tod</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Dem  Schweizer Juristen Peter Noll, Freund von Dürrenmatt und Frisch,  wird Blasenkrebs diagnostiziert. In einem Tagebuch vom 28. Dezember  1981 - 30. September  1982 lesen wir seine „Diktate über Sterben &amp;amp;  Tod“, doch sie enthalten viel mehr, politische Ansichten, philosophische  und religiöse Überlegungen, wir erfahren, dass Trotzki die Atomenergie  vorausgesagt hat und  Johann Peter Hebel ein Gedicht über die  Vergänglichkeit geschrieben hat, darin wir lesen können, wie Basel nach  einem Atomkrieg aussieht. Goethe habe im Zauberlehrling die  Unbeherrschbarkeit der Technologie vorausgesehen. Es wandelt sich die  Aussagekraft von Gedichten im Wandel der Zeiten. Jedes Jahrhundert hat  seinen eigenen Blick.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wie sieht es nun mit dem Blick auf den Tod aus? Weiterleben um jeden Preis? Peter Noll steht die Menschenwürde an erster Stelle.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Peter Noll&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Ich  will nicht in die chirurgisch-urologisch-radiologische Maschine  hineinkommen, weil ich dann Stück um Stück meiner Freiheit verliere.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also keine Operation. Sein Tod solle zelebriert werden, die Gemeinde solle sich mit dem Tod auseinandersetzen. &lt;i&gt;„Nichts soll vertuscht, nichts verharmlost werden, auch den Ausweg der Verdrängung möchte ich versperren.“ &lt;/i&gt;Peter  Noll legt den Finger in die Wunde christlicher Gläubigkeit, die meist  zu  verhöhnender Gelegenheitsgläubigkeit verschrumpft ist..&lt;i&gt; „Wir alle kommen ja nur noch zu Beerdigungen in einer Kirche“&lt;/i&gt;,  ( man könne hier ergänzen, evtl. noch zu Trauungen), so wird  Christentum nicht gelebt, sondern nur gestorben, im letzten Atemzug noch  überlegt, vielleicht gibt es doch ein ewiges Leben oder die  schwierigste Christenfrage „Was ist Auferstehung?“ - Jesus ist physisch  auferstanden, es gebe doch Zeitzeugen, trotzdem, ich weiß, mein Körper  verwest doch – hier könnt ich endlos weiterspinnen, aber genau das meint  doch Peter Noll. Wir gehen in die Kirche, hören eine Predigt, die schön  ist, und am Montag wird wieder gesündigt. Die Praxis des Christentums  ist  unausgegoren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Peter Noll&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Die  Exaktheit der Diagnose hat, verglichen mit der Ungewissheit des  therapeutischen Erfolges, etwas Absurdes....Der Tumor hat die Blasenwand  völlig durchwachsen, und so wie man Tumore eben kennt, will er  weiterwachsen.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noll liest „Mars“ von Fritz  Zorn, über einen jungen Mann, der über seine Krebserkrankung schreibt,  mit 32 Jahren stirbt. Das Buch ist genau das Gegenteil von dem uns  vorliegenden Tagebuch. Zorn, hier passt der Name, schreibt voll Hass und  Zorn, offenbar auch über seine bisherige Vergangenheit völlig  verbittert.  Dieses Buch zu lesen, wäre für mich wahrscheinlich  schrecklich. Es ist erstaunlich, wie es Peter Noll gelingt, ein  erbauliches Tagebuch zu Papier bringen. Er hat sehr viel zu erzählen,  und wenn er über Schmerzen schreibt, dann labt er sich nicht darin, wie  entsetzlich das ist, im Gegenteil, er schreibt ziemlich nüchtern:&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Peter Noll&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Meine  Schmerzen sind jetzt da, stumpf und schwer, aber ich kann nichts über  sie aussagen, weil ich mich auf keine fremde gleichartige Erfahrung  berufen kann.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Gegensatz zum Tier kann  unser Gehirn an den „Tod“ und an „Gott“ denken. Trotz dieser  Besonderheit werden diese Gedanken heutzutage gerne verdrängt. Wir sind  den Schimpansen ähnlich, lesen wir, schauen uns den toten Verwandten  kurz an , befühlen ihn und wenden uns ab. Für Freunde wäre es einfacher,  ein Krebspatient liege im Krankenhaus, schon abgeschoben, vielleicht  verabschiede man sich noch, das war's. So beobachtete Peter Noll einen  Schwund an Freundeskontakten.  Ich denke mir, für einen Kranken ist es  doch immer schön, wenn er Kontakte pflegen kann, Freunde unbeschwert auf  ihn zu kommen können. Aber es liegt eben in der Luft, Menschen meiden  die Berührung mit dem Tod. Ein Krebskranker steht schon mit einem Bein  außerhalb unseres Daseins, wohin niemand möchte. „Noch totaler verdrängt  ist die Gottesvorstellung“, sagt Noll, auch in meiner Umgebung, so habe  ich den Eindruck, laufen mehr Agnostiker und Atheisten herum, obwohl  bei religiös-fundamentalistischen o.ä. Richtungen heute eher ein Zulauf  zu beklagen ist (Nolls Tagebuch erschien posthum 1984). Noll hat die  Begabung sehr feine kompakte Zitate an den Mann zubringen, die sich für  mehr noch als nur für Kalenderblätter eignen. Drei Beispiele:&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Peter Noll&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Das  Gehirn denkt Gott. Das heisst nicht, dass es ihn geben muss, das heisst  aber zwingend, dass die Frage nach ihm unabweislich und dass der  empirische Positivismus eine lahme Ente ist.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Peter Noll&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedürfnislosigkeit macht freier als die Erfüllung aller Bedürfnisse.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Peter Noll&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Der  Todkranke, der sich der medizinischen Apparatur übergeben hat, ist  wirklich hilflos, weil die Hilfe, die er bekommt, kalt ist.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Überrascht war ich, als Peter Noll über Hoimar von Ditfurth's Buch „Wir sind nicht nur von dieser Welt“ erzählt. Das Buch vermittelt &lt;i&gt;„die Idee,“&lt;/i&gt; so Noll,  &lt;i&gt;„die  Evolution der Welt sei die noch im Gange befindliche Schöpfung und ihr  Ende münde ins Jenseits, wo der Geist herrsche, ist imposant und  plausibel."&lt;/i&gt; Das ist famos und erinnert mich an &lt;i&gt;Ken Wilber „Halbzeit der Evolution“&lt;/i&gt;. Von Hoimar von Ditfuth habe ich &lt;i&gt;„Am Anfang war der Wasserstoff“&lt;/i&gt;  gelesen und wusste gar nicht, dass der Autor spirituell veranlagt ist.  Das Buch strahlt von Optimismus, Peter Noll gibt hier einen leichten  Dämpfer, denn er weist darauf hin, der Autor verschweige schamhaft,  „dass das Gesetz der Evolution, jedenfalls auf dieser Erde zur  Vernichtung führen wird.“ Ich denke, Noll hat das Wettrüsten der  Atommächte im Hinterkopf. Nun, unseren blauen Planeten gibt es heute  noch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Epilog&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was bringt es, sich zu verewigen, sei es in Weltliteratur, Musikgeschichte oder Kunstgeschichte. Falls man &lt;i&gt;„nach dem Tode in irgendeiner Form als dieselbe Persönlichkeit weiterlebt“&lt;/i&gt;,  kann dieses doch egal sein. Der Drang nach Verewigung, so Noll, setze  voraus, dass man an eine Existenz nach dem Tode nicht glaube. Der Autor  schließt in dieser Hinsicht allerdings die magischen Vorstellungen der  Alten Ägypter aus, für die das Jenseits nur ein verlängerter Arm des  Diesseits gewesen war. Die &lt;i&gt;„Diktate über Sterben &amp;amp; Tod“&lt;/i&gt;  sollen nicht von Ewigkeitsvorstellungen geleitet sein, nur davon, der  Leser möge „sich mit  Sterben, Tod und Jenseitsvorstellungen schon im  Leben auseinandersetzen“. Die Bewusstheit, das Leben ist begrenzt, hat  für den Autoren dieser Diktate einige Vorteile verschafft. Die Sinnoasen  suche er sorgfältiger aus, manches werde zur Sinnoase, wofür er früher  achtlos vorbeigegangen sei. Unwichtiges wird beiseite gelassen, er  konzentriert sich auf das Wesentliche, auf das, was wirklich noch  wichtig ist. Ich denke, Menschen, die sich in ähnlicher Situation  befinden, geht es ähnlich wie Herrn Noll. Unser aller Leben ist  begrenzt. Wenn wir das Bewusstsein haben, der nächste Atemzug könne  unser letzter sein, dann wären wir Menschen wirklich in der Gegenwart  angekommen und würden uns keine Gedanken oder Sorgen um den nächsten Tag  machen. Vor der Lektüre habe ich nicht wissen können, welche Freude mir  dieses Buch schenken würde.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Max  Frisch: Entwürfe zu einem dritten Tagebuch&lt;/span&gt; - hierin schreibt er über den Tod seines Freundes.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-3738891014696871140?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/3738891014696871140/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=3738891014696871140&amp;isPopup=true' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/3738891014696871140'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/3738891014696871140'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/10/peter-noll-diktate-uber-sterben-tod.html' title='Peter Noll: Diktate über Sterben &amp; Tod'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-2953086841090148336</id><published>2010-09-20T18:48:00.003+01:00</published><updated>2010-09-20T18:51:45.526+01:00</updated><title type='text'>Jenö J. Tersánszky: Auf Wiedersehen, Liebste!</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Viele bekannte Kriegsromane, die sich mit dem ersten Weltkrieg  auseinandersetzen, seien es die von Ernst Glaeser („Jahrgang 1902“),  Ludwig Renn („Krieg), Alexander Moritz Frey („Die Pflasterkästen“),  Erich Maria Remarque ( „Im Westen nichts Neues“), Edlef Köppen  („Heeresbericht“) oder auch andere, sind nach dem Krieg entstanden. Nun  fiel mein Blick ins Bücheregal auf ein schmales Taschenbuch, welches  einige Jahre klanglos im Regal vor sich hin vegetierte: Der Roman des  ungarischen Schriftstellers Jenő  J. Tersanszky&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Auf Wiedersehen, Liebste!“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Hört sich an wie Rosamunde Pilcher, die mal ein Happy End weggelassen hätte. Dieser Roman entstand bereits 1916.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Jenő   J. Tersánszky (1888 – 1969). In seinen jungen Jahren wollte er sich  der Musik verschreiben, aber nie verschmerzen können, dass er es nie  getan hat. Er begann mit dem Studium der Malerei, landete schließlich in  der Juristerei. In den wenigen Jahren seiner Tätigkeit als Assessor  machte er sich einen Namen als Anwalt der Armen. Allerdings trieb er  dann wieder woandershin und begann mit dem Schreiben. &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Mit der Feder glaubte er den Entrechteten, Gestrandeten und im Leben schlecht Davongekommenen am besten dienen zu können.“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; So formuliert es Almos Csongár im Nachwort, der bei dem Autoren mal zu Besuch war.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Almos Csongár&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Als  ich aus dem Bus stieg, erkannte ich ihn sofort, obwohl ich ihn noch nie  gesehen und wir telefonisch kein Erkennungszeichen verabredet hatten.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;Da  man im deutschsprachigen Internet kaum oder gar nichts über Tersánszky  findet, bin ich für das Nachwort sehr dankbar. Er war  Kriegsfreiwilliger. Im Frühjahr 1915 ist in seinem Tagebuch vermerkt:&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von aus dem Tagebuch von Tersánszky&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;Vom  Oberst aufwärts bereichert sich jeder....Der General riskiert rein gar  nichts für sein Riesensold, während der einfach Soldat für einen  nichtigen Sold alles riskiert.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Um einer  Zensur zu entgehen, und als aktiver Soldat nicht vors Kriegsgericht zu  landen, verlegt er die Romanhandlung  in den Ostzipfel Europas, in ein  Dorf in Galizien. Der Panslawismus bringt Russland dazu, Polen im ersten  Weltkrieg zu annektieren, und die Polen, so erlesen wir es im Roman,  haben große Angst vor den Russen. Sie sind im Anmarsch und jeder der  kann fllieht aus dem Dorf. Auch Nela eine 24 jährige Frau, die nach dem  Bankrott und Selbstmord ihres Vaters beim Großvater unterkommt, macht,  nachdem sie erst davon geträumt, einmal doch die große Liebe ihres  Lebens zu begegnen und hoffend nicht als Mauerblümchen in qualvoll  vergeblichen Träumen zu versumpfen, einen Fluchtversuch, der allerdings  scheitert. Die Russen sind da,  man hört das Brüllen der Kanonen.  Offenbar befindet sich das Dorf an der Frontlinie. Nela lernt den  russischen Offizier Nikolai, der im Hause vorübergehend Unterkunft  findet, kennen und lieben. Es ist natürlich klar, aus dieser Liebe kann  nie etwas werden. Der Offizier wird wieder ins Kriegsgetümmel gerufen,  vorher Nela allerdings wegen ihrer Wollust in einen moralischen Engpass  gerät, und sie, nachdem der Offizier fort ist, allerdings ein leichtes  Mädchen wird. Die Liebe zu dem Offizier hatte keine Spur Hoffnung auf  Dauer. Geschildert wird der  soziale und moralische Abstieg eines an  sich anständigen Mädchens im ersten Weltkrieg. Unanständig und brutal  ist nur der Krieg, der alle Lebensperspektiven zerstört. Lieber einmal  der Wollust erliegen, als ein Mauerblümchen im Sehnsuchtsfieber bleiben,  scheint doch der Tod nicht fern. Na, ja,  wie war's denn bei Lew  Kopelew? Frontehen. Die Liebe in Zeiten des Krieges ist für uns heute in  Deutschland kaum vorstellbar.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Dieser Roman ist sicher kein  Meisterwerk ungarischer Erzählkunst, aber doch ein unterhaltsamer Roman,  der immerhin die Atmosphäre von damals spiegelt. Darum erinnert mich  der Roman, auch wenn Tersánszky  nichts von der Raffinesse eines Perutz  hat, gerne an die Zeit von &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Wohin rollst du Äpfelchen“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;.   Trotzdem, ich lese gerne Romane aus dieser Zeit, weil sie doch so ganz  anders sind, als Romane heutzutage. Darin liegt der Reiz.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-2953086841090148336?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/2953086841090148336/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=2953086841090148336&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2953086841090148336'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2953086841090148336'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/09/jeno-j-tersanszky-auf-wiedersehen.html' title='Jenö J. Tersánszky: Auf Wiedersehen, Liebste!'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-1148053814760152120</id><published>2010-09-08T16:05:00.003+01:00</published><updated>2010-09-08T19:36:12.858+01:00</updated><title type='text'>Marguerite Duras:  Ganze Tage in den Bäumen</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;In dieser Erzählung  bläst einem zwischenmenschliche Kälte in die Knochen. Nach fünf Jahren  sieht eine Mutter ihren Sohn erstmals wieder. &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Er blickte beiseite, um ihrem eingefallenen, farblos gewordenen Blick nicht zu begegnen.“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  Das ist der erste Satz der Erzählung, der die Geschichte einer  Entfremdung zwischen einer Mutter und ihrem Sohn einleitet. Der Sohn  tingelt sich durchs Leben und hat einen Job, der keine spezielle  Bezeichnung hat. Als Junge hielt er sich &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Ganze Tage in den Bäumen“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; auf, &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„als gäbe es nichts weiter auf der Welt als das, als die Vögel...“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  Eine Hure lebt mit ihm in seiner Wohnung, er liebt sie nicht, arbeitet  aber mit ihr zusammen in einem Etablissement. Dann taucht die Mutter  auf, die erst spät reich geworden ist, viel Edelmetall blinkt an ihren  Armen, aber sie steht vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens. Ihre Kinder  kommen ohne ihre Mutter aus, der Reichtum erscheint ihr selbst wie ein  Unheil, an dem sie sich nicht gewöhnt hat. Ihr Sohn steht wie auf  Glasscherben kurz vorm Umfallen. Zwei Stunden wartet er im Morgengrauen  auf die erste U-Bahn, die ihn &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„restlos blank“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; heimfahren soll, &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„dann sagt man sich manchmal, daß das nicht immer so weitergehen kann.“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  Die Mutter will sich in das Leben ihres Sohnes einmischen, kommt aber  nicht weit damit. Im Grunde genommen eine ziemlich frostige Geschichte,  und der Sohn wäre froh, wenn er von dieser alten Frau endlich wieder  loskäme.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Soll ich so eine Geschichte schön finden?. Marguerite  Duras  bläst mir Kälte in die Knochen. Sprachlich dünnhäutig wie man es  von ihr gewohnt. Es besteht eine Einheit zwischen dem Inhalt und den  Gefühlen, die mir als Leser übertragen wurden. Darum gut. Meine  Verehrung, aber meine große Liebe bleibt&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Der Liebhaber“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;.&lt;/span&gt;&lt;img style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" src="http://www.artcafe.de/images/Ourwbb-Red/smilies/grins.gif" /&gt;&lt;img style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" src="http://www.artcafe.de/images/Ourwbb-Red/smilies/kuss.gif" /&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-1148053814760152120?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/1148053814760152120/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=1148053814760152120&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1148053814760152120'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1148053814760152120'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/09/marguerite-duras-ganze-tage-in-de.html' title='Marguerite Duras:  Ganze Tage in den Bäumen'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-1710269881674594485</id><published>2010-08-29T14:26:00.001+01:00</published><updated>2010-08-29T14:28:17.626+01:00</updated><title type='text'>Junichiro Tanizaki: Der Schlüssel</title><content type='html'>&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Schlüssel“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; - das ist einerseits der Schlüssel, mit dem er die  Schublade abschließt, in dem sich sein Tagebuch befindet und  andererseits ist der Schlüssel das geheime Tagebuch, welches er vor  seiner versteckt. Ein intimes Bekenntnis über sein Sexualleben. Seine  inzwischen 45 jährige Frau ist in eine der ältesten Familien Kyotos  hineingeboren und nach konfuzianischen Vorstellungen erzogen worden. So  legt sie noch heute nach 20 jähriger Ehe großen Wert auf   althergebrachte Moralvorstellungen, gibt dabei allerdings ein  gekünsteltes Frauenbild vorgeblicher Sittsamkeit ab, scheinheilige  Fraulichkeit, gespielte Vornehmheit  (das behauptet zumindest ihr Mann  in seinem Tagebuch) –,  sodass ihr prüdes Sexualleben und Ehetreue wie  eine Selbstlüge erscheint. Diese Ehe wurde von ihren Eltern in die Wege  geleitet, so musste sie einen Mann lieben, der, wie sie sagt, erotisch  nicht zu ihr passte.  Tanizaki, ein Gegner erstarrter  Moralvorstellungen, legt in diesem Roman sehr deutlich nah, was er von  diesem Anachronismus hält. Nämlich nichts. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der  Universitätsprofessor pflegte ein gelangweiltes Sexualleben mit seiner  prüden Frau, damals in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts als Sex noch  ein Tabuthema war. Man redet nicht über Sex, man will es es aber traut  sich nicht. Mit seiner Frau Ikuko konnte er über dieses Thema niemals  reden. Ein Tagebuch ist der notgedrungende Ausweg, auf diesem Wege  endlich von seinen intimen Wünschen sorglos alles preisgeben zu können,  in der Hoffnung, niemand möge es lesen. Doch ganz im Stillen quillt der  Wunsch, Ikuko möge den Schlüssel finden und in seinem Tagebuch stöbern.  Das ganze wird auch umgedreht, denn auch Ikuko schreibt ein intimes  Tagebuch, auch hier der geheime Wunsch, der sich in einer Befürchtung  ausdrückt, ihr Mann könne ihr Tagebuch finden.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Weil ihm die Tagebücher offenbart werden, wird der Leser Zeuge von Intimitäten eines Ehepaares. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Spannung  wird erzeugt, weil wir diese aus unterschiedlicher Perspektive der  Betroffenen erzählt bekommen.  Das Tagebuch birgt Überraschungen, nicht  wegen pikanter Textstellen, nein, der Text ist ohne rote Ohrwascheln  lesbar. Die Konsequenz, die sich aus dem Text ergibt, ist der Hammer.  Ach, natürlich, wie in vielen Liebesromanen so auch in diesem, da macht  der eine Partner, damit er den anderen an sich binden kann,  eifersüchtig. Wohin das führt, ist eben hier nicht mehr trivial. Ein  intelligentes Büchlein welches Neugier auf eine Konfuzius&lt;/span&gt;&lt;img style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" src="http://www.cosgan.de/images/smilie/froehlich/e030.gif" /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;-Lektüre bereitet.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-1710269881674594485?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/1710269881674594485/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=1710269881674594485&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1710269881674594485'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1710269881674594485'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/08/junichiro-tanizaki-der-schlussel.html' title='Junichiro Tanizaki: Der Schlüssel'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-6223738045726298694</id><published>2010-08-16T16:44:00.001+01:00</published><updated>2010-08-16T16:47:08.201+01:00</updated><title type='text'>W. G. Sebald: Die Ausgewanderten</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;In vier Erzählungen, mit einer kürzeren fängt es an, die folgenden  Erzählungen werden immer länger. Sebald erzählt vier jüdische  Schicksale, vier Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und daran  zerbrechen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Ich freue mich, wieder etwas von Sebald zu lesen,  dessen Prosastil mir außerordentlich gefällt. In der ersten Erzählung um  Dr. Henry Selwyn geht Sebald in detailierte Beschreibungen, verliert  sich aber nicht darin. Ich war ja immer gespannt, wann wird denn endlich  über den zweiten Weltkrieg erzählt? Und dann: Gar nicht. Das ist das  außerordentliche an dieser Geschichte, sie kommt ganz leise daher und  endet mit einem Knall. Während des Lesens habe ich mir keine Gedanken  darüber gemacht, warum Selwyn im Garten liegt, warum er mit dem Gewehr  in die Luft schießt. Erst so ziemlich am Schluss wache ich auf: Eine  Scheidung und Selwyn spricht mit Pflanzen und Tieren. Jetzt erst wird  die Psychodramatik des Herrn Selwyn erahnbar. Die Heimatlosigkeit hat  ihn in die Einsamkeit getrieben, ließ er sich doch auch nur selten bei  seinen Gästen blicken. Als er im Gras lag, na ja, da hat er mit den  Pflanzen geredet, eine fast unerträglich schmerzvolle Metapher für das  Abgedriftetsein aus dem Leben. Dass die Psychodramatik so still und  leise herumschleicht ist das besondere an dieser Geschichte. Amüsant für  mich dagegen, im Buch ein Bild von Vladimir Nabokov als  Schmetterlingsfänger zu finden, welches mir zufällig bekannt ist.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;So etwas besonders gelungenes, in der deutschsprachigen Literatur zu lesen, ist sehr erfreulich.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;br /&gt;"..so kehren sie wieder die Toten"-&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;indem  Sebald über Emigranten erzählt, die alle durch Suizid in den Tod  gegangen sind, kehren eben auch diese Toten wieder. Der Verlust von  Johannes Naegli, der in den Bergen umgekommen ist, war für Herrn Selwyn  wie ein Stück Heimat, welches zu Bruch gegangen ist. Nach über siebzig  Jahren kehrt dieser Tote wieder in das Bewusstsein von Menschen.  Bemerkenswert auch die Auswanderung aus Litauen/Riga. Selwyn glaubt, er  sei in New York, dabei ist er in London angekommen; das ist ein Bild von  Verlust und Wirrnis in Zeiten der Emigration, wenn man so will eine  Bodenlosigkeit, ein Leben in der Schwebe.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Die Erwähnung und  Abbildung des Fotos von Nabokov mit Schmetterlingsnetz ist auch  Programm, denn auch Nabokov war Emigrant, zumal außerdem noch in der  zweiten Erzählung die Autobiografie des Exilrussen Erwähnung bekommt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;In  der zweiten Erzählung geht es um den engagierten Dorfschullehrer Paul  Bereyter, dem die Nazis ein Lehrverbot erteilt hatten, obwohl er zu  dreivierteln doch ein Arier war. Warscheinlich war er noch nicht mal ein  Jude sondern ein Katholik, der den Katholizismus erbittert bekämpfte,  vielleicht inzwischen sogar ein Atheist, kannte er doch einen  atheistischen Schusterund verfasste Pamphlete gegen die  alleinseligmachende Kirche. Es wird ein Judenprogrom in der Heimatstadt  seines Vaters erwähnt, der letzten Ende zwei Jahre später daran aus Wut  und Furcht gestorben ist, dessen Frau eine Christin war. Hier wird  natürlich der brutale Unsinn der Nazis vorgeführt. Das Böse ist immer  unlogisch und dumm.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Natürlich ist es riskant, die Texte mehr und  mehr zu zerpflücken. Der Lesefluss, dieses dahintreiben, ist wunderbar.  Alles in einem Rutsch zu lesen, wäre  eine Wohltat. Diese Zeit steht mir  leider nicht zur Verfügung (vielleicht später mal, zwei Tage in der  Klause oder so).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Was für eine schaurige Wahl der Todesart.  Freiwillig lässt sich jemand in die Psychiatrie einweisen, mit  Elektroschocks behandeln, genauer gesagt, zu Grunde richten, um aus dem  Leben zu scheiden. Im Text schwingt eine Psychiatriekritik der alten  Schule mit. Die Elektrokrampfbehandlung, angeblich ein Segen für die  Psychiatrie der fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, machte so manchen  Patienten wie den Onkel des Erzählers, dem Herrn Ambrose Adelwarth, zum  körperlich- und geistigen Krüppel, in unserer Geschichte vom Patienten  allerdings gewollt, der, so scheint es, mit einer Fehldiagnose, also  noch ein Schlag ins Gesicht der antiquierten Psychiatrieschule, in der  Anstalt seinen Tod entgegenfiebert.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Bei Ambros, die gleichen  Beobachtungen wie beim Dorfschullehrer Bereyter: er steht irgendwo und  sein Gesicht von unendlichem Leid gekennzeichnet. Zu Beginn seiner  Karriere war Ambros ein angesehener Koch in diversen Hotels in  Europa/Japan. In der zweiten Erzählung wissen wir nicht, warum Bereyter  wieder nach Deutschland gegangen ist, wir wissen auch nicht, was er  genau im zweiten Weltkrieg erlebt hat. Bei Ambros Adelwarth wird auch  einiges in der Schwebe gehalten. Im Zuge der großen Auswanderungswelle  zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts kommt er nach Long Island,  arbeite als Butler bei den Solomons, einer reichen jüdischen  Bankiersfamilie. Wir wissen nicht, was für eine besondere Verbindung  Ambros zu dem Solomon-Sohn Cosma hatte, nur, dass die Verbindung  tragisch gewesen sein soll. Dem Vater fiel das auschweifende Leben des  Sohnes, ein Leben ohne Zukunft auf, wollte dem Sohn die Geldzufuhr  kappen, da beschließt Cosma, mit Ambros durch Europa zu reisen. Anhand  dieser Reise macht Sebald deutlich, was für ein Riss der Welt  bevorsteht. Wir befinden kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. In Europa hat  Cosma unverschämt viel Glück im Roulette, dass es schon entrückt und  unrealistisch ist. Der Ausbruch des Krieges drängt ihn in eine erste  Nervenkrise, an deren Folgen er erst viel später stirbt - Ambros, dann  im Hause der Solomons wie eine entrückte einsame Gestalt seinen Dienst  tut. Der Zusammenbruch der Familie Solomon als Metapher für eine  zusammengebrochene Zeitepoche, die nie wieder auferstehen wird.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Auffallend  ist, in dieser Erzählung erzählt nicht nur unser vertrauter Erzähler,  sondern auch Onkel Kasimir und Tante Fini, auch der Psychiater Abramsky,  die einiges über des Onkel Adelwarth zu sagen wissen. Es gibt hier also  mehrere Ich-Erzähler, die Sebald geschickt im Text einverleibt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Vielleicht  ist ja die dritte Erzählung die schönste, obwohl es ja Unfug ist, hier  noch die sog. schönste Erzählung herauszuperlen. Alle Erzählungen sind  wunderbar. Sebald bleibt seinem Stil treu. Den Erzählungen liegen wahre  Begebenheiten zu Grunde, diese Exilanten hat es wirklich gegeben. Ein &lt;/span&gt;&lt;a style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);" href="http://www.wgsebald.de/lexikonstart.html#abc" class="postlink" target="_blank" rel="nofollow"&gt;Sebald-Lexikon&lt;/a&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;  klärt auch auf, wer Max Aurach war. Dieses hat mich doch erstaunt. Man  könnte hier wirklich noch sehr viel entdecken. Seitdem ich "Austerlitz"  gelesen habe, gehört Sebald für mich zu den großen Deutschen. Ein Platz  in Walhalla gefällig?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Max Aurach ist der Maler &lt;/span&gt;&lt;a style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);" href="http://www.marlboroughfineart.com/artist-Frank-Auerbach-52.html" class="postlink" target="_blank" rel="nofollow"&gt;Frank Auerbach&lt;/a&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;.  Aucherbachs Workaholic kommt auch in der Erzählung zur Geltung, er  komme oft wochenlang nicht aus dem Haus und arbeite, wenn wir die  herrliche Beschreibung von Aurachs Schaffen eines Portraits betrachten,  sehr intensiv, wenn nicht verbissen:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;cite&gt;&lt;br /&gt;&lt;/cite&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;"Entschloß  sich Aurach, nachdem er vielleicht vierzig Varianten verworfen  beziehungsweise in das Papier zurückgerieben und durch weitere Entwürfe  überdeckt hatte, das Bild, weniger in der Überzeugung, es fertiggestellt  zu haben, als aus einem Gefühl der Ermattung, endlich aus der Hand zu  geben, so hatte es für den Betrachter den Anschein, als sei es  hervorgegangen aus einer langen Ahnenreihe grauer, eingeäscherter, in  dem zerschundenen Papier nach wie vor herumgeisternder Gesichter."&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Mir  kommt dabei die Assoziation, hinter dem Portrait geistern Gesicher von  Juden herum, die den Holocaust nicht überlebt haben. In dem oben  gegebenen link zu den Werken des Malers, ist leider nicht das  Schwarzweißportrait aufgeführt, welches im Buch angebildet ist, doch  auch bei diesen abgebildeten  Portraits hat man den Eindruck, der Maler  habe diverse Vorstudien übermalt. Sebald hat  wunderbar den Eindruck von  Auerbachs Portraikunst charakterisiert. &lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-6223738045726298694?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/6223738045726298694/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=6223738045726298694&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6223738045726298694'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6223738045726298694'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/08/w-g-sebald-die-ausgewanderten.html' title='W. G. Sebald: Die Ausgewanderten'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-5678123913510844227</id><published>2010-07-28T08:58:00.003+01:00</published><updated>2010-08-16T16:48:31.934+01:00</updated><title type='text'>José Saramago: Hoffnung im Alentejo</title><content type='html'>&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;Im Dorf &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;a style="color: rgb(153, 51, 0);" href="http://www.zeit.de/2010/28/Saramago-Dorf"&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;Azinhaga&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt; gibt es ein kleines Museum und ein Denkmal, denn hier ist José Saramago am 16. November 1922 geboren. Das Gymnasium musste er abbrechen, weil seine Eltern, obwohl Saramagos Vater Polizist war, dieses nicht mehr finanzieren konnten. So ist es doch die Armut, die José Saramagos Lebensweg eine andere Richtung vorgegeben hat. Er wird Maschinenschlosser.&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;Mit den Romanen &lt;em&gt;"Hoffnung im Alentejo"&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;"Das Memorial" &lt;/em&gt;erlangte er seinen schriftstellerischen Durchbruch. In &lt;em&gt;"Hoffnung im Alentejo"&lt;/em&gt; entfaltet sich erstmals die Kunstsprache, die seine kommenden Romanwerk durchwebt. Saramago war Atheist, Blogger und Attac-Mitglied. Den Roman &lt;em&gt;" Das Evangelium nach Jesus Christus"&lt;/em&gt; hielt die katholische Kirche für blasphemisch, wegen diesem Roman die portugiesische Regierung dem Autor den europäischen Kulturpreis versagte.&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;In "Hoffnung im Alentejo" erzählt Saramago die Geschichte einer Tagelöhnerfamilie über vier Generationen, begonnen um 1900 bis zur Nelkenrevolution. Die Landbevölkerung ist geprägt von unsäglicher Armut. Unter Großgrundbesitzern leisten sie Fronarbeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Domingos Mau-Tempo, der erste Spross der Familie, zieht mit Esel. Karren, Frau und Kind über das Land. Es regnet fürchterlich. Man könnte leicht denken, ganz Portugal weine in Strömen, denn Domingos, der Schuster, wird in seinem Leben nichts erreichen, nur, er ist ein Säufer, der eine Nachkommenschaft leerer Mägen hinterlässt.&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;"...was soll ein Mann sonst tun, wenn er Frau und Kind hat - diese Gesichter mit vor Hunger großen Augen - die ihr Kinn über den kärglich gedeckten Tisch recken und die mit angefeuchtetem Zeigefinger die Krümel jagen, als wären es Ameisen."&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;Also Streik. Es soll nur das gefordert werden, was den Arbeitern zusteht, doch wird der Aufstand von der Guarda, den Handlangern der Diktatur niedergeschlagen.&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;"...sie halten die Gewehre im Anschlag, ohne sie fühlen sie sich nicht als Menschen."&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;Es folgt Gefängnis, Folter, manche finden den Tod.&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;"Die Ameisen erschrecken sich, als diese große Masse plötzlich von oben herabfällt, aber sie werden nicht getroffen, nicht einmal gestreift. In der Zeit, in der sie ihn liegenlassen, hält sich eine Ameise an seiner Kleidung fest, sie will ihn von nahem sehen, dumm ist sie, denn sie wird zuerst sterben. Genau dort, wo sie gerade ist, fällt der erste Knüppelschlag herab, den zweiten spürt sie bereits nicht mehr...."&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;&lt;em&gt;"Jedes Jahr zur gleichen Zeit ruft die Heimat ihre Söhne." &lt;/em&gt;Jeder weiß, Krieg bringt Verderben, Kriegswaffen sind Erzeugnisse von Unmenschlichkeit. Saramago braucht dieses gar nicht so direkt sagen sondern zielt bewusst auf die Wirkung des Textes ab. Genau so entsteht gute Literatur. Saramago lässt eine Stimme sprechen, die immer lauter und eindringlicher zu werden scheint, als ob diese Stimme mit voller Wucht die Schädeldecke des Lesers durchdringen will, sich im Schädel festnageln will. Meine Zusammenfassung der ersten paar Zeilen dieser Passage wirkt sehr lächerlich, wenn ich sie den Worten Saramagos gegenüberhalte. Schließlich gehe ich teilweise doch in Saramagos Text über, weil ich es nicht lassen kann. António Mau-Tempo soll den Dienst an der Waffe antreten. &lt;em&gt;"Die Heimat ruft ihre Söhne." B&lt;/em&gt;isher waren sie ja nichts wert gewesen. An der Tür des Gemeindehauses hängt ein Zettel auf dem Namen geschrieben stehen. Da António nicht lesen kann, tippt einer &lt;em&gt;"mit dem Zeigefinger auf die Linie, die sich wellt wie ein schwarzer Regenwurm, das bist du, dieser Regenwurm ist dein Name, den der Schreiber des Rekrutierbezirks geschrieben hat..."&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;José Saramago hat ein Roman über das Leiden Portugals geschrieben, nicht nur über geflossenes Blut des zwanzigsten Jahrhunderts, sondern dieses Blut schließt das geflossene Blut der Jahrhunderte davor mit ein. Es ist auch kein Zufall, dass die Sippschaft von Domingos Mau-Tempo der Frucht eines vergewaltigten Mutterschoßes aus dem fünfzehnten Jahrhundert entstammt.&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;Über weiteste Strecken des Romans könnte der Leser den Eindruck gewinnen, Saramago hätte seinen Roman lieber &lt;em&gt;Hoffnungslos im Alentejo&lt;/em&gt; nennen können, doch glaubte der Autor an die Möglichkeit einer besseren Welt. Einzigartige Kunstsprache, &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;a style="color: rgb(153, 51, 0);" href="http://www.togohlis.de/03saramago.htm"&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt;authentisch.&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;&lt;strong style="color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="color: rgb(102, 51, 51);"&gt; José Saramago war ein großer Kenner der Geschichte seines Landes.&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-5678123913510844227?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/5678123913510844227/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=5678123913510844227&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5678123913510844227'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5678123913510844227'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/07/jose-saramago-hoffnung-im-alentejo.html' title='José Saramago: Hoffnung im Alentejo'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-5872022199117829236</id><published>2010-06-25T11:39:00.003+01:00</published><updated>2010-06-25T11:44:19.608+01:00</updated><title type='text'>Yasunari Kawabata: Die schlafenden Schönen</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ein Blick in die japanische Literatur lohnt sich. Erst &lt;/span&gt;&lt;a style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" href="http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/06/junichiro-tanazaki-insel-der-puppen.html"&gt;Tanizaki&lt;/a&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; und dann dies: &lt;/span&gt;&lt;b style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Yasunari Kawabata:&lt;span style="font-style: italic;"&gt; „Die schlafenden Schönen“&lt;/span&gt;.&lt;/b&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Wer  die literarische Vorlage zu Gabriel Garcia Marquez' &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Erinnerung an  meine traurigen Huren"&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; sucht, wird bei den &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;schlafenden Schönen&lt;/i&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;  fündig. Bei Garcia Marquez verliebt sich in einem Bordell ein 90  jähriger Mann in einen schlafendes vierzehnjähriges Mädchen. Zum ersten  Mal ist er so richtig verliebt, berührt das Mädchen aber nicht, schwebt  dafür aber im siebten Himmel, als er wieder auf die Straße geht. In  Kawabatas&lt;/span&gt; &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die schlafenden Schönen“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; gehen Greise in ein Bordell,  in dem sie sich neben schlafenden jungen Frauen (sehr jung, so zwischen  16 und 20 Jahre alt) legen, die in einem Tiefschlaf versetzt worden  sind, aus dem sie des Nachts, wenn sich alte Männer zu ihnen ins Bett  legen, niemals aufwachen, niemals bekommen sie mit, wer neben ihnen im  Bett liegt. Im Bordell gibt es eine Regel: Die Mädchen dürfen nicht  befleckt werden.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wir erlesen uns fünf Nächte, die der  siebenundsechzigjährige Eguchi dort verbringt. Er genießt den Anblick  der schlafenden Schönen, lässt sich vom Duft der Frauen aufsaugen.  Yasunari Kawabata versteht es außerordentlich gut, diese Mädchen  sinnlich, aber nicht distanzlos zu umschreiben. Jedesmal verfällt Eguchi  in eigene Gedanken.Er denkt an Frauen, die er gehabt hat, er denkt an  seine Töchter und an die Frau, die er mal für wenige Nächte hatte. Das  Leben passiert Revue, doch auch jede Nacht bei den Schlafenden ist eine  Steigerung der Versuchung, die Mädchen zu verführen, ihnen ihre Unschuld  zu nehmen, wo bei in diesem Text deutlich heraussticht, was für ein  lächerlicher Anblick es ist, wenn alte Greise neben jungen Mädchen  liegen und was für ein Verbrechen es wäre, sich wehrlosen Mädchen zu  bebächtigen. Der Anblick auf die Wehrlosigkeit junger Frauen führt zu  düsteren Phantasien, in seelische Abgründe. Ein Buch über das Alter,  Frauen, Tod und Einsamkeit. Gerade durch diese tieferen Dimensionen hebt  sich Kawebatas Roman von Garcia Marquez' &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;traurigen Huren&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  deutlich ab. Auch sprachlich überzeugt der Japaner. Der Kolumbianer  schrieb nur ein  verträumtes Märchen. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Yasunari Kawabata  (1899-1972) erhielt 1968 den Literaturnobelpreis. Seine Novelle &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Schneeland"&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  (1937) galt kurz nach der Veröffentlichung schon als Klassiker.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-5872022199117829236?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/5872022199117829236/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=5872022199117829236&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5872022199117829236'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5872022199117829236'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/06/yasunari-kawabata-die-schlafenden.html' title='Yasunari Kawabata: Die schlafenden Schönen'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8119626435533585938</id><published>2010-06-20T10:05:00.003+01:00</published><updated>2010-06-25T11:41:53.419+01:00</updated><title type='text'>Junichiro Tanizaki: Insel der Puppen</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ich habe kein Problem, &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Insel der  Puppen" &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;in die Galerie großer Eheromane zu stellen. Dieser Roman  vermittelt Zeitlosigkeit und wird immer lesbar bleiben und hoffentlich  bei uns im Westen immer präsent bleiben, wobei mir schon graumelt, diese  kostbaren 150 Seiten schon wieder in antiquarische Kisten zu sehen. Der  Roman ist aus dem Japanischen ins Amerikanische übersetzt worden, Curt  Meyer-Klason schenkte uns die deutsche Version. Wir wissen überhaupt  nicht, wie der Roman in Japanisch auf uns wirken würde. Die deutsche  Übersetzung finde ich großartig. Ich kann diese Sprache nur als zart und  voll von Grazie bezeichnen, so zart wir Kirschblüten (oder sind  Kirschblüten in Bezug auf Japan auch nur ein Klischee?). Trotz dieser  sprachlichen Anmut ist der Roman keineswegs versüßlicht. Ich kann mir  vorstellen, die deutsche Übersetzung könnte wirklich in etwa die  Athmosphäre vermitteln wie das japanische Original.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Beginn  des Romans schon famos. Kaname und Misako ist unfähig Entscheidungen zu  treffen wie dann auch in Sachen der Scheidung.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Vorsichtig ihrem Blick ausweichend, sah er sie an. Genaugenommen  musterte er nur ihre Kleidung und bemühte sich, darin eine Absicht zu  erraten, die ihm seinen Entschluß zu erleichtern ermochte.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Hier wird uns schon die Entfremdung zwischen Kaname und Misako, mustert  man doch nicht nur die Kleidung einer Frau, sondern das erotische dabei  ist, dass der Betrachter ahnen möchte, was unter der Kleidung ist. Aber  diese Erotik ist dem Ehepaar schon längst verpflogen, eine körperliche  Anziehung gibt es nicht mehr. Darum schreibt Tanizaki auf der ersten  Buchseite so völlig unerotisierend und leitet auf diese Weise in das  Thema des Romans ein. Gerade diese Verhaltensweisen, die kleinen Gesten  wie im Zitat, haben ihren besonderen Reiz.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Tanizaki thematisiert  in seinen Romanen den Kontrast zwischen Tradition und Moderne. Die  Unfähigkeit in Sachen der Ehescheidung eine Entscheidung zu treffen,  liegt eben in der alten Tradition, die Misakos Vater verkörpert.  Befürchtungen liegen klar auf der Hand. Wie wird der Vater reagieren?  Der Vater könnte sich wegen der öffentlichen Meinung dazu gezwungen  sehen, seine Tochter zu verleugnen, wenn eine Scheidung public würde. So  lebt das Ehepaar zum äußeren Schein des Wohlgefallens zusammen und  lässt sich nichts anmerken, dass die Ehe eigentlich schon längst  ausgelebt ist. Kanane ist derjenige, der besonders im Zwiespalt zwischen  Tradition und Moderne steht. Er möchte Traditionen brechen, bringt  dieses aber nicht fertig. So weist er desöfteren auf den westlichen  Lebenswandel hin, wo die Scheidungsrate sehr  hoch ist (wohl gemerkt,  der Roman entstand 1929) und kritisiert die Edoepoche, jenem  Zeitabschnitt von zweieinhalb Jahrhunderten vor der Restauration von  1868“, der Epoche, in der  Shogune (Militärdiktatoren) herrschten.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Die Edokultur war geprägt von Derbheit der Kaufmannsschicht, und wohin  man auch sah, überall begegnete man dem Dunst des Marktplatzes...die  bloße Tatsache, dass er ein Kind der Handelswelt war, ließ ihn ihre  Unzulänglichkeiten, ihre Vulgarität und ihre überwiegende Besitzgier  besonders deutlich empfinden. Seine Antwort darauf war sein Streben nach  dem Erhabenen und Vergeistigten...&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Beim weiblichen Geschlecht suchte er wie auch in der Kunst nach dem  Göttlichen. Auch wenn er es nirgendwo fand, steigerte sich gerade  deswegen seine Sehnsucht danach.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Kaname überkam eine schmerzliche Empfindung von Einsamkeit und Armut,  wenn er an das Gefühlsleben des Japaners dachte, dem gerade das  Bedürfnis nach Verehrung fehlt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Herrlich finde ich Kananes Ausflüchte und Ausreden, wie er das Problem  vor sich hinschiebt, seinem Sohn vom Vorhaben der Trennung zu erzählen.  Hier wird das Tragische mit dem Komischen vereint. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Roman ist  absolut lesenswert und wir erfahren so einiges von der Tradition des  japanischen Puppentheaters (Bunraku).&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8119626435533585938?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8119626435533585938/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8119626435533585938&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8119626435533585938'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8119626435533585938'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/06/junichiro-tanazaki-insel-der-puppen.html' title='Junichiro Tanizaki: Insel der Puppen'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8814797241124253731</id><published>2010-06-06T12:55:00.005+01:00</published><updated>2010-06-06T14:19:57.346+01:00</updated><title type='text'>John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama</title><content type='html'>&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Junge im gestreiften Pyjama“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; ist ein Jugendbuch. Weil der Vater zum Kommandanten befördert worden ist. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des neunjährigen Bruno, der protestiert, seine Freunde in Berlin verlassen zu müssen. Der Neunjährige, sehr naiv und unwissend dargestellt, glaubt in &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Aus-Wisch“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; zu sein. Aus dem Fenster des neuen Hauses kann er in die Ferne schauen. Er schaut über einen Stacheldraht und erkennt, hinter dem Stacheldraht leben viele Menschen, er aber, außerhalb des Stacheldrahtes fühlt sich allein, bis er eines Tages den Stacheldraht entlanggeht, und den Jungen Schmuel, der auf der anderen Seite lebt, begegnet. Sie unterhalten sich und werden Freunde.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Dieses dürfte zum Einstieg reichen. Schreiten wir zur Kritik:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ich frage mich, warum jemand einen Roman über Auschwitz schreibt, der das unsagbare Grauen des fast Unmöglichen auch im Ansatz nicht vermitteln kann. Es &lt;/span&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51);"&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt;ist ein schlechtes Jugendbuch, weil ein 12 Jähriger, der nichts von Konzentrationslagern weiß, den Roman nicht versteht, einem erwachsenen Leser wird die Sprache zu simpel sein. Also: Wer soll das lesen? Die Sicht aus der Perspektive eines Jungen ist Imre Kértesz meilenweit besser gelungen, weil der&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Der Junge im gestreiften Pyjama" "Roman eines Schicksallosen"&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; dem Leser weitaus mehr transportiert, wie es in den Vernichtungslagern zuging, dieser Roman ist auch literarisch ausgereifter.  Boynes Roman dagegen, abgesehen vom Schluss, eher nichtssagend, zu lasch.  Ein Roman ohne Wirkung. Total verflacht und verniedlicht. So sagt Bruno, da sein Vater der Kommandant ist, kann es hinter dem Stachelddraht doch nicht schlimm sein. Wie zynisch muss es  Juden in den Ohren klingen, wenn Bruno dauernd von &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Aus-Wisch“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; redet, weil er die richtige Namensgebung nicht verstanden hat. Seine etwas ältere Schwester Gretel hätte ihm das leicht korrigieren können. Wunderlich, viele Erwachsene  mögen den Roman. Unserer Jugend kann man ohne weiteres mehr Inhalte über den Nationalsozialismus anbieten. Junge Menschen werden lieber nach dem &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Räuber Hotzenplotz&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; oder nach&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Harry Potter&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; greifen. Wie spannend waren  Enid Blyton's &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Fünf Freunde.  &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Mal ernst:  Lese man doch  unter dem Gesichtspunkt, was man Jugendlichen vom Grauen der Nazis zumuten kann, &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Julians Bruder“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; von Klaus Kordon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Bruno sagt, da sein Vater der Kommandant ist, kann es hinter dem  Stachelddraht doch nicht schlimm sein. Diesen Roman kann man getrost  vergessen.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8814797241124253731?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8814797241124253731/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8814797241124253731&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8814797241124253731'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8814797241124253731'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/06/john-boyne-der-junge-im-gestreiften.html' title='John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-5877731328197841817</id><published>2010-05-20T17:12:00.004+01:00</published><updated>2010-05-20T17:39:14.800+01:00</updated><title type='text'>Liane Dirks: Die liebe Angst</title><content type='html'>&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Angst, die das Hirn zerfleddert und das Herz im Klosett verschluckt.  Angst."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Auch wenn z.Zt. die katholische Kirche wegen sexuellen Missbrauch an Minderjährigen ins Zwielicht geriet, findet solch ein Missbrauch meist im Kreise der Familie statt, in deren Kinder dieser Gewalt schutzlos ausgeliefert sind.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Im Jahre 1986, als dieses Thema noch längst nicht im Brennpunkt des Interesses lag, erschien der Romanerstling &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die liebe Angst“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; von Liane Dirks. Aus der Sicht der vierjährigen Anne, die am Ende des Romans 11 Jahre alt ist, erlesen wir die Geschichte einer Kindheit. Der Beginn des Romans schon löst Betroffentheit aus.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Einmal kam eine Frau an unserem Fenster vorbeigepflogen. Ich war noch ganz klein, aber ich hab grad hingesehen, als sie flog.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Und da hab ich gelernt, daß Menschen nicht fliegen können. Sie landete mit einem dumpfen Knall auf den Steinfliesen im Hof, und meine Mutter sagte, die hat gar nicht fliegen wollen. Die wollte stürzen."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;So schnörkellos und absolut treffsicher in Wort und Verdichtung zieht diese bemerkenswerte Prosa durch den Roman. Da das Mädchen vier Jahre alt ist, werden die ersten sexuellen Annnäherungsversuche des Vaters in traumbeladenen Bildern erzählt:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Manchmal nachts stand plötzlich der liebe Mond vor dem Schmetterlingsnetz, ich wurde wach, schlug die Augen auf, da hing das weiße Mondgesicht nah an dem Netz, sah aus wie der Papa und flüsterte gute Nacht...&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Vater ist Hotelkoch und ein Säufer. Er &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„liebt rohes Fleisch und wildes Leben, saftige Weiber und Bier..“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, im Streit mit der Mutter fliegt auch mal das Porzellan. Hat er wieder etwas angestellt, schmeißt ihn sein Brötchengeber auf die Straße. So ziegen sie von Hamburg nach Barbados, dann nach München, Rothenburg usw. Der Vater wird ganz lieb dargestellt, natürlich, schließlich erleben wir die Geschichte aus der Sicht der jüngsten Tochter, und sie liebt natürlich ihren Vater, dem Märchenerzähler, der in seinen Geschichten nachts die Puppen aufwecken lässt, die dann reden, lachen laufen und weinen, schimpfen und abrechnen. Abrechnen damit, wie die Puppenmutti sie tagsüber behandelt hat. Die Mutter hat traurige Augen wie Ingrid Bergmann, sie hat sich das Leben anders vorgestellt. Nicht immer nur ein Leben zwischen Aufbauen und Abreißen von Betten und Zelten. Der Vater bringt immer seine Töchter ins Bett.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Sehr gelungen in diesem Roman ist der Blickwinkel aus der Sicht der jüngsten Tochter. So erfährt der Leser auch nur das, was uns der Blickwinkel dieses Mädchens verrät, und wie das Mädchen seine Umwelt begreift. Dieser freundliche Vater, der sich offenbar mit seinen Töchtern inniger versteht als mit seiner Frau, dieser Säufer von Koch, der sich in die Kinderseelen einschmeichelt, um sie sexuell zu missbrauchen, geht perfide vor, ganz langsam Schritt für Schritt. Die Mutter will&lt;span style="font-style: italic;"&gt; „die Schande bedecken“&lt;/span&gt; auch der Pfarrer, dem die Kinder sich zutrauen, von der Schande zu erzählen, weicht aus und verflüchtigt sich, weil es ihm unangenehm ist. Die Töchter leben mit dem Druck etwas verbotenes zu tun, weil ihnen Schuldgefühle aufgeschultert werden.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Ich weiß nicht nicht, ob ich Engel sehen will, ich bin doch ein böses Kind, das verbotene Dinge tut."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Also lesen, sind gerade mal 140 Seiten. Aber was für welche.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-5877731328197841817?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/5877731328197841817/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=5877731328197841817&amp;isPopup=true' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5877731328197841817'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5877731328197841817'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/05/liane-dirks-die-liebe-angst.html' title='Liane Dirks: Die liebe Angst'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-2089530912342103613</id><published>2010-05-09T15:28:00.006+01:00</published><updated>2010-05-10T06:34:19.541+01:00</updated><title type='text'>Liane Dirks: Falsche Himmel</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Drei Jahre vor dem Desaster in Kopenhagen, der Klimakonferenz, erschien  „Falsche Himmel“ von Liane Dirks. Leben in der Klimakatastrophe. Das   Thermometer sprengt die 40 ° Grenze, Ozonwerte in schwindelnder Höhe,  Bungeespringer stürzen absurd in die Tiefe, absurd ja, weil  der Leser  nicht weiß, warum sie das machen, außerdem dem Ozon rigoros ausgesetzt  sind. Sie stürzen aus schwindelnder Höhe am Fenster des 18. Stockwerks  vorbei, wo hinter dem Fensterglas ihr Tagebuch schreibt, ihr Leben  schreibend irgendwie in den Griff zu bekommen, etwas festhalten vom  Leben, damit es noch irgendeinen Sinn bekommt. Schon seit Monaten diese  Hitze, vorher Wirbelstürme, Europa im Schlamm, weil Seen sich in Meere  verwandelten. Nun gibt es kaum etwas zu esssen, die Frau hat noch Gurken  vorrätig, ihre Tochter schweift in leeren Straßen herum. Die Frau  bekommt Besuch von diversen Bekannten, auch von Donati, der mal ein  Marionettentheater hatte, Schauspieler war, nun aber sich nur noch um  sein Kind zu kümmern hat, welches er übelweise zu lange unter dem  tödlichen Licht der Sonne lässt. Mit der Frau schläft er bei einer  Temperatur von 37°, Ozonwert: 394. Das wird wohl bald ihr letzter Tango,  bevor die quälende Hitze und das verdammte Ozon ihrem Leben &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;vielleicht einen garaus machen könnte.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;"Still. Die Welt neigt ihr Skelett gen Osten."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Mir hat der Roman überhaupt nicht gefallen, nicht weil ich solch' lakonische Sätze, wie sie den Roman durchweben, nicht mag, sondern weil diese Sätze keinerlei innere Spannung erzeugen; will heißen,  mir ist es nicht möglich die Hitze zu ahnen, selbst von der Bedrohung, die die Klimakatastrophe darstellt, ist kein Hauch zu spüren. Die Sprache dieses Romans ist verskelettitiert, ich spüre keine tieferen Dimensionen zwischen den Zeilen.  Nur schwach, durchsichtige Bilder streifen meine Phantasie. Die Figuren völlig farblos, keine Charaktere. Und das ist wirklich so. Ich frage mich, wie kann man  nur so einen Roman schreiben, zumal außerdem keine inhaltliche Stringenz aufzufinden ist. Es ist ein Desaster. Die Figuren scheinen so kahl und leblos, als sei durch die Hitze schon das Fleisch von ihren Knochen versengt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Natürlich kann man hier immer mit Verteidigungen ankommen, die Autorin habe bewusst so karg geschrieben, weil sie eine karge brüchige Welt beschreibt. Da bin ich mir aber nicht sicher, denn Cormac McCarthy konnte eine postapokalyptische Welt unkarg darstellen, und es war trotzdem bedrohlich schön. Literatur muss auch immer irgendwie schön sein, auch wenn das karg ist, was beschrieben wird.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ich gehe mal davon aus, dieser Roman war ein Ausrutscher der Autorin. Ihr Romanerstling &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Die liebe Angst"&lt;/span&gt; gilt (nach Kiepenheuer &amp;amp;Wisch) „als Standardwerk zum Thema sexueller Missbrauch.“ &lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-2089530912342103613?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/2089530912342103613/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=2089530912342103613&amp;isPopup=true' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2089530912342103613'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/2089530912342103613'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/05/liane-dirks-falsche-himmel.html' title='Liane Dirks: Falsche Himmel'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-6260674860883688226</id><published>2010-04-30T14:24:00.002+01:00</published><updated>2010-04-30T14:27:42.651+01:00</updated><title type='text'>John Steinbeck: Das Tal des Himmels</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Richard Whiteside liest seinem Sohn oft aus Herodot, Thukydides und aus  Xenophons „Anabasis“ vor.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Alles was die Menschheit zu tun fähig ist, steht in diesen drei Bänden  aufgezeichnet. Die Liebe und der Haß, die dumme Falschheit und  Kurzsichtigkeit, Heldenmut und Größe und Traurigkeit der menschlichen  Rasse – alles findest du hier drin."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;So wird auch von den Menschen im Tal des Himmels erzählt, einem Tal in  Karlifornien, nicht weit von Salinas, wo John Steinbeck geboren. Das Tal  so schön, dass, wenn man es einmal geschaut hatte, der Wunsch sich  regte, für immer dort zu bleiben. Das Tal wie ein Paradies für Menschen,  die sich nach einem schönen Leben sehnen. Doch wie die Menschen sind,  hat der Vater seinem Sohn bei den altgriechischen Historikern gelesen,  auch in einem Tal wie „Das Tal des Himmels“, wird dem Menschen das Leid  nicht vorenthalten. Bezeichnend dafür sind schon die Umstände, wie das  Tal entdeckt wurde.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Um das Jahr 1776, die Carmelo Mission von  Alta California wird aufgebaut. Einige Indianer, die die neue Religion  nicht annehmen wollen, fliehen aus ihren Hütten, werden vom Militär aber  wieder eingefangen. Auf dem Rückweg zum Lager geschieht es, die Kolonne  schreckt ein junges Reh auf, welches dann die Flucht aufnimmt, hinter  einem Hügelkamm verschwindet. Der Kopral  den Wunsch hat, dem Tier zu  folgen und  sein Pferd antreibt, durch Stechpalmen und  Kakteen den  Hügel hochzureiten, oben angekommen der Koporal im Auftrage christlicher  Mission als erster Mensch auf Erden, einen Blick in das wundervolle Tal  werfen kann, langestrecktes grünes Weideland auf dem Rehe friedlich  grasen, und der Korporal entzückt ausruft:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Heilige Mutter Gottes...das ist wahrhaftig das Tal des Himmels, das uns  der Herr verheißen hat."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Nun wird über Generationen hinweg das Tal besiedelt, Häuser, Bauernhöfe,  eine Schule. „Das Tal des Himmels“ kann die Menschen nicht zu einem  friedfertigen Leben verhelfen. Sie schaffen sich Illusionen und verhaken  im Lebenskampf, im Leid. Ein Schicksal nach dem anderen reiht sich.  Steinbeck hat sich dazu bewogen, einige geistig zurückgebliebende Kinder  im Tal aufwachsen zu lassen. Ich frage mich warum? Hier kann natürlich  variativ spekuliert werden.  Gesunde Menschen kommen mit ihrem Leben  nicht zurecht, weil sie ihre Eigenheiten haben. Warum sollen es Kranke  dann besser machen? Gewisse unabwindbare Schicksale gibt es natürlich,  trotzdem, die Leute im Tal des Himmels treffen z.T. sehr eigensinnige  Entscheidungen, die einen weiteren dunklen Graben in ihr Leben furchen,  wie  Frau Deventer, die ihr offenbar psychisch krankes Kind nicht zu  einem Facharzt schicken will, weil sie damit rechnen muss, ihr Kind  komme in ein Pflegeheim. Sie will ihre Tochter für sich behalten.  Natürlich ist das ein egoistisches Motiv, der Egoismus der Mutter geht  auf die Gesundheit des Kindes. Mutterliebe kann  seltsame Wege gehen,  die Konsequenz in unserer Geschichte ist hart. Dann gibt es noch den  Bauern Shark, der vorgibt gute Geldgeschäfte zu machen und schließlich  Pleite ist und seiner Tochter verbieten will, sich mit Männern zu  treffen. Sein Leben auf ein Scheingebäude errichten, was ist das schon?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Mich  berührt besonders das Schicksal von Junius Maltby, der sehr verarmt und  verwahrlost im Tale lebt, der wegen seiner Faulheit von Mitmenschen  fast schon gehasst wird, sein Haus und Hof im erbärmlichen Zustand, er  aber ein fleißiger Leser ist und seinem Sohn aus „Treasure Islands“  vorliest. Junius Maltby geht es gut, er hat nichts zu beklagen, wegen  Gesellschaftsdruck sich aber wandelt und nach San Francisco zieht, um  dort ein bürgerliches Leben zu führen, dabei auch an die Zukunft seines  Sohnes denkt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;So flechtet John Steinbeck einen Schicksalsreigen,  lässt viele Gestalten vorüberziehen. An eine gewohnte Romanform hält  sich Steinbeck nicht. In jedem Kapitel wird ein anderes Leben  präsentiert. Eine gute Wahl finde ich, die Kapitel sich aber trotzdem  verbinden, weil einige Gestalten als Nebenfiguren hier und dort wieder  auftauchen. Auf diese Weise webt John Steinbeck das menschliche Dasein  und setzt es auf ein Fleckchen Erde. Wunderbar.&lt;/span&gt;&lt;img style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" src="http://www.artcafe.de/images/Ourwbb-Red/smilies/genau.gif" /&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-6260674860883688226?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/6260674860883688226/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=6260674860883688226&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6260674860883688226'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6260674860883688226'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/04/john-steinbeck-das-tal-des-himmels.html' title='John Steinbeck: Das Tal des Himmels'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-3028840269584971017</id><published>2010-04-25T15:55:00.001+01:00</published><updated>2010-04-25T15:57:11.625+01:00</updated><title type='text'>Mark Twain: Knallkopf Wilson</title><content type='html'>&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Lobenshymne auf einen Knallkopf&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Mark Twains im Jahre  1894 erstmals erschienender Roman „Knallkopf Wilson“, in Vergessenheit  geraten, ist zum 100. Todestag wieder erschienen, und wir gucken gleich  mal hin, wie der Roman auf amerikanisch heißt, ah...“Pudd'nhead Wilson",  so üngefähr heißt das „Matschbirne“, wäre ja noch lustiger gewesen als  „Knallkopf“, aber  belassen wir es bei Knallkopf, der als David Wilson  um das Jahr 1830, als er noch keine Matschbirne gewesen war, an den  Mississippi ins kleine Kaff Dawson's Landing kam und durch eine  verschrobene seltsame Äußerung beim Volk nur noch als  Knallkopf  durchging, die Betitelung Zeit seines Lebens behalten hätte, wäre er  nicht durch einen Prozess, Sherlock Holmes wäre tief beeindruckt  gewesen, zum Helden geworden, und Sherlock Holmes sowieso im Neide  erblasst gewesen wäre, weil Knallkopf Wilson schon die Technik des  Fingerabdrucks beherrscht hatte, die noch offiziell nicht erfunden war,  erst „in Francis Galtons „Fingerabdrücke“ (Finger Prints, London 1892)  der Öffentlichkeit vorgestellt“, wie uns das Nachwort von Manfred  Pfister aufklärt, den Leuten von Dawson's Landing dies alles aber  schnurzegal, hiellten sie doch Wilsons Sammeln von Fingerabdrücken für  kindisch und närrisch, bis sie halt ungefähr zwanzig Jahre später, als  Rechtsanwalt David Knallkopf Wilson seinen genialen Prozess geführt  hatte, danach es so eben ausgeschaut hat, David Wilson an sich niemals  ein Knallkopf gewesen war, sondern die Matschbirnen eher im Volke  herumliefen, Mark Twain sich über solch eine Spekulation, wie sie mir  gerade im Hirn dämmerte,aber repektvoll verschwieg, da man David Wilson  ja irgendwie doch durchaus respektiert hatte, nur seine Karriere als  Rechtsanwal lange Zeit verspielt gewesen war, und es musste erst ein  Wunder geschehen, bis alle Vorurteile gegenüber dem angeblichen  Knallkopf zermatscht waren.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Was sonst noch  los ist&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Dawsons's  Landing war eine Sklavenhalterstadt“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, die Mulattin Roxana dort im  Hause eines Weißen versklavt, zwei Babies aufzuziehen hatte: Tom hieß  das ihre, Chambers das ihres Herrn und nun kommt eben der Clou des  ganzen: Roxana galt als Negerin, obwohl sie phänotypisch Weiß aussah,  ihr Kind blondgelockt und blauäugig, also der Tom so weiß aussah wie  Chambers, und ihre Herrschaft, weil sie die Kinder sowieso nicht genau  anschauten, Roxana deswegen die Kinder leicht vertausche konnte, weil  ihr Tom, der als Neger galt, später nicht an die Südstaaten verkauft  werden sollte, die Südstaaten nämlich Roxana ein fürchterliches  Unbehagen bereiteten, da dort die Sklavenhaltung wesentlich brutaler  war, dieses Schicksal ihrem Sohn ersparen wollte, Roxana den Babies also  nur die Kleider tauschen brauchte, auf diese Weise Tom zu Chambers  wurde und Chambers zu Tom, deswegen das Kind der Herrschaft in die  Sklaverei geschickt wurde, Roxanas weißhäutiges Negerkind als freier  Mensch leben durfte, was allerdingst nicht ohne Probleme von Statten  ging, weil Chambers, der nun Tom hieß, von Roxana sehr verzärtelt und  verwöhnt wurde, als Erwachsener ein ruppiger, rücksichtsloser Mensch  wurde, sich gegenüber seinem Bruder, der doch der Weiße war, herrisch  aufführte, im Leben sonst dieser Tom liederlich war und sich  verschuldete.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Auf  Grundlage des Babytausches windet sich eine  Handlung zusammen, die hanebüchen, einfach unfassbar ist, in der Mark  Twain, und das verdeutlicht auch nochmal der Plot der Geschichte,  ausdrücken möchte, dass nicht die Herkunft eines Menschen für dessen  Entwicklung entscheidend ist, sondern die Sozialisation, wie ein Mensch  aufwächst. Mit dem Babytausch führt Twain den Rassismus und die  Sklavenhaltung ins ad absurdum, auch deswegen, weil Roxana und ihr Baby  weiß aussehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Eigentlich war Roxy so weiß, wie man nur sein  konnte."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Epilog&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Es ist nun  unmöglich auszumachen, ob Knallkopf Wilson, oder Roxana und Tom die  Hauptpersonen sind. Alle sind gleichbedeutend für den Roman, allerdings  Wilson, und das finde ich merkwürdig, über längere Zeit aus dem Roman  herausgleitet, und später dann wieder auftaucht. Auch wenn die  Romanhandlung bis in die letztenWinkel logisch aufbauend ist, deshalb  auch kein Verriss zu erwarten ist, ist der Aufbau des Romans doch zu  hinterfragen. Er ist eher szenisch gesetzt, der Faden zwar nicht aus   dem Auge gelassen wird, weil die Szenen sich aufeinander aufbauen, mir  aber der Eindruck hinterlassen wird, der Roman sei zu zerstückelt. Das  andere, und ich weiß nicht, ob Mark Twain dass immer so macht,  entscheidene Handlungen werden  sehr kurzbündig erzählt, die Spannung  erst zum Schluss hin angetrieben wird, der Roman deshalb einen  zwiespältigen Eindruck hinterlässt, trotzdem  Zwiespalt, bzw.  Doppelgängerei bei Mark Twain allerdings nichts Ungewöhnliches ist, und  sich ohne weiteres eine Gestalt vom Knallkopf zum Helden dehnen kann,   aus Weiß Schwarz werden soll und umgekehrt. Der Wilson, der ja nicht  gerade eine gematschte Birne hat, schreibt an einem Almanach/Kalender,  dessen Kostproben der Leser vergnüglich lesen kann. Darunter auch  Zwiespältiges:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;"Warum  freuen wir uns bei einer Geburt und  trauern bei einem Begräbnis? Weil wir nicht die Person sind, um die es  geht.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Knallkopf Wilsons Kalender"&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-3028840269584971017?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/3028840269584971017/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=3028840269584971017&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/3028840269584971017'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/3028840269584971017'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/04/mark-twain-knallkopf-wilson.html' title='Mark Twain: Knallkopf Wilson'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-7464517581269264319</id><published>2010-04-17T10:49:00.003+01:00</published><updated>2010-04-17T18:22:55.037+01:00</updated><title type='text'>Monika Maron: Pawels Briefe</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Es geht um das Vergessen und Erinnern. Es geht um den Großvater Pawel  Iglarz, um die Großmutter Josefa und deren Kinder. Im Jahre 1994 stößt  Monika Marons Mutter Hella zufällig auf einen Karton mit Briefen, die  Pawel Iglarz aus dem Ghetto geschrieben hat, und Briefe seiner Kinder.  Hella hat diese Briefe total vergessen, kann sich nie daran erinnern sie  jemals gelesen zu haben. In Vergessenheit gegossen. Monika Maron hat  für das Vergessen verschiedene Theorien. Erinnerungen könnten im Wandel  des Lebens nicht überstehen&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „weil sie beim Erlernen eines neuen  Lebens einfach störten.“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  Totale Verdrängung. Gibt es etwas zu  verbergen? Die alten Papiere im Karton können sich besser erinnern als  Hellas Erinnerungsvermögen. Sie entdecke auch Briefe, „zwischen ihr  und einer deutschen Behörde, in dem die damals vierundzwanzigjährige  Helene Iglarz gegen ihre drohende Ausweisung nach Polen kämpfte.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Paul  Iglarz, der Großvater, geboren 1879 im polnischen Ostrow. Erst sieben  Jahre später wird amtlich beglaubigt, dass das Kind den Namen Schloma  trägt. Als Jude geboren, 1900 zum Baptisten konvertiert, weil er Jude  gewesen, im polnischen Lager Vernichtungslager Kulmhof umgebracht. Davor  ein Leben in Berlin. 1942 ins Ghetto Belchatow.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Es muß doch ein zu ungeheuerliches Verbrechen sein,  jüdischer Abstammung zu sein...."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Pawels Bruch mit seinen Eltern liegt im Dunkel des Vergessens. Warum –  darüber hat der Großvater verschwiegen. So bleibt es im Urgrund der  Vergessenheit. Der Bruch, so erzählt ein ponischer Rabbi der Autorin  unseres Buches, musste zu einer Konvertierung führen,&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „weil er ohne  eine Unterstützungsgemeinschaft nicht hätte überleben können.“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Zur  Zeit des Urgroßvaters Juda Leib Sendrowitsch Iglarz leben zur Zeit der  Jahrhundertwende in dem „öden Städtchen“, hundert Kilometer  nordöstlich von Warschau 6000 Menschen, davon 3000 Juden. Heute lebt  dort kein Jude mehr. Die Autorin besucht 1996 mit ihrer Mutter und ihrem  Sohn diesen Ort. Da &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„kam es uns vor, als hätten wir einen trostloseren  Ort nie gesehen.“&lt;/span&gt;  Ein Foto des Urgroßvaters gibt es noch. Sonst liegt  alles im Schatten der Zeit.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;An ihren Großvater kann sich Monika  Maron nicht erinnern. Sie hat ihn nie gesehen. Ihre ersten Erinnerungen  gehen auf das Jahr 1943 zurück, doch, wenn sie liest, wie Pawel in den  Briefen über sie geschrieben hat, dann&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „verliert das Wort  Vergangenheit für Minuten seinen Sinn.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wir blättern in einer  Familiengeschichte im zwanzigsten Jahrhundert, eine Familie, die dunkle  Schatten der Zeitgeschichte durchlebt und durchlitten hat. Das Buch  geht bis in die Gegenwart der Autorin hinein. Das Leben in der DDR. Vor  allem: Wie kann man, wenn man die Nazizeit durchlebt hat, sich dem  DDR-Regime fügen? Fragen, die an die Substanz gehen, und es droht wieder  ein Bruch in der Familie. Monika Maron ist eine Autorin, die den  nachfolgenden Generationen noch was zu erzählen weiß, ihre Bücher  hoffentlich weiterhin gelesen werden.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" class="quote"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-7464517581269264319?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/7464517581269264319/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=7464517581269264319&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7464517581269264319'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7464517581269264319'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/04/monika-maron-pawels-briefe.html' title='Monika Maron: Pawels Briefe'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-4573352506929099242</id><published>2010-03-20T07:46:00.007Z</published><updated>2010-03-20T12:55:40.848Z</updated><title type='text'>Jacques Chessex: Der Vampir von Ropraz</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wie in dem Roman &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Ein Jude als Exempel“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; wird auch hier eine  historische Greueltat als Romanvorlage gewählt. Im Jahre 1903 wird im  Dorf Ropraz im Kanton Waadt die Leiche der zwanzigjährigen Rosa  Gilliéron aus der Grabesruhe gerissen, brutal verstümmelt und  geschändet. Der Täter hinterläßt auf dem Friedhof ein Bild des  Schreckens, ein Monster muss hier in blinder Wut gewütet, sich sexuell  entladen haben. Ein Bild des Grauens fährt durch das Dorf,  Zeitungsmeldungen gehen um die Welt und schnell ist der Vampir in aller  Munde. &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Der Vampir von Ropraz“&lt;/span&gt;, so wird das Unwesen genannt. Die  Dorfbevölkerung setzt die Ermittler unter Druck, dieses Monster dingfest  zu machen, denn es gibt im Umkreis weitere Leichenschändungen. Die  Polizei findet ein Opfer, dass für die Untaten des Vampirs  strafrechtlich belangt werden soll.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ropraz, ein kleines  hinterwäldlerisches Dorf im Sumpf von Aberglauben, Hexerei und  Geisterbeschwörung, im Sumpf von Sodomie und Inzest – kein Wunder, dass  hier ein Vampir wütet. Dieses Dorf, so wird es vermittelt, weitab von  der Zivilisation. Ein Dorf für sich.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Inzest und dumpfes Brüten, im zölibatären Schatten, des ewig begehrten  und verbotenen Fleischlichen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der sexuelle Notstand...gesellt sich  zur umherstreifenden Angst und der Vorstellung vom Bösen.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Es ist herrlich wie Jacques Chessex in den Roman einsteigt und die  schaurig-mystischeAtmosphäre des Ortes einfängt und das vampirische  Grauen zeichnet. Das berechtigt durchaus die Genrezuteilung des  Schauerromans. Der vermeintliche Täter gefunden wird, der Roman  schwächelt leider, je weiter er fortschreitet, denn die schaurigschöne  Düsternis – Bram Stoker hätte sich gefreut – geht mehr und mehr flöten.  Die Schlusswendung überrascht, aber was nützt das, wenn das Schaurige  dieses Schauerromans schon längst abgeklungen ist.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ropraz heute  noch hinterwäldlerisch? Das Motto des Romans weist schreckhaft darauf  hin, eine Öffentliche Bekanntmachung der Gemeinde Ropraz am 12. Januar  2006:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Nicht wählbar sind:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Bürger, die Wegen Geisteskrankheit oder&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Geistesschwäche  entmündigt wurden."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Warum muss man so etwas extra erwähnen?&lt;br /&gt;Das ist das Seltsame. &lt;/span&gt;&lt;img src="http://img.homepagemodules.de/oh.gif" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Jacques  Chessex wohnte etwa dreißig Jahre in Ropraz.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-4573352506929099242?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/4573352506929099242/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=4573352506929099242&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/4573352506929099242'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/4573352506929099242'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/03/jacques-chessex-der-vampir-von-ropraz.html' title='Jacques Chessex: Der Vampir von Ropraz'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-1824059225036159302</id><published>2010-03-17T09:47:00.003Z</published><updated>2010-03-17T10:01:48.015Z</updated><title type='text'>Jacques Chessex: Ein Jude als Exempel</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic;"&gt;"Der Krieg ist weit weg, denken die meisten in Payene. Der betrifft nur  die andere."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Diese Einstellung bildet die Grundlage zur Wegschaumentalität. Im Grunde  genommen schreibt Chessex über das Böse im Menschen und das Böse lauert  überall. Das Böse braucht eine Gelegenheit und hat in der Nazizeit  besonders auf die Juden eingeschlagen. Es ist der Sadismus, die Lust der  Quälerei, die sich ja auch bei dem Nazianführer Fritz Ischi zeigt, der  seine Freundin sadistisch quält und demütigt (vgl. Jeans Vater im &lt;/span&gt;&lt;a href="http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/03/jacques-chessex-der-kinderfresser.html"&gt;&lt;i style="font-weight: bold;"&gt;"Kinderfresser"&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic;"&gt;"In Payerne sind die Reden des hitlertreuen Pastors auf fruchtbaren Boden  gefallen."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Der Pastor, der Nazi - Kirche schützt nicht vor Scheinheiligkeit, das  sehen wir auch heute. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Es ist teilweise wie eine Gewalttätigkeit  an Sprache, die der Autor benutzt. Ich weiß nicht, wie ich es anders  erklären soll. Gewalttätig wie das rauhe Böse der Nazis, trotzdem ist es  kein billiger Horror; jedes Wort sitzt grausam und fleischt sich in das  Leserhirn. Das Buch macht betroffen.  Knallhart und größter Abschaum,  wie sie den Bloch wie ein Vieh abschlachten und seinen Leichnam  zerstückeln. Wir brauchen keine Horrorromane. Horror wütet in der  Wirklichkeit. Es ist grausam. Offenbar geriet der Mord in der Schweiz in  Vergessenheit, weil sich die Schweiz offiziell für neutral und  unschäbig gehalten hat. Chessex hat mit diesem Roman in die rauhe  Wirklichkeit der Schweiz herumgewühlt. Es ist auch die Schweiz, die in  einer Volksabstimmung verhindert hat, dass in ihrem Lande keine Moscheen  mehr gebaut werden. Ergo: Die Schweiz verhält sich nicht neutral.  Dieser Mythos ist Vergangenheit. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic;"&gt;"Die Säge macht ein trockenes Geräusch Geräusch, als sie sich in den  Knochen des Juden frisst, Fritz muckt nicht, er versteht sich darauf, er  hat als Metzgergeselle an der Schlachtbank gestanden und mehrere Tiere  zerlegt.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;"&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Diese emotionslose Sachlichkeit spricht Bände. Der Leichnam wird nicht  als toter Mensch wahrgenommen, sondern als Stück Abfall, welches  entsorgt werden muss. Jacques Chessex vermag es,  die abartig perverse  Mentalität des Bösen, der Nazis, dem Leser erbarmungslos vor den Kopf zu  knallen. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;So ziemlich alle jüdischen Klischees, die die Nazis  hergenommen haben, um Juden durch den Dreck zu ziehen, kommen auch in  diesem Roman vor; aus Geschäftemachern werden &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold;"&gt;„Kraken und Blutsauger“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;.  Alles läuft so ähnlich ab wie in Deutschland.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Am 16. April 1942 wird der  Viehhändler Arthur Bloch von Schweizer Nazis abgeschlachtet.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic;"&gt;"Man riskiert nicht viel, wenn man mit dem Finger auf den jüdischen  Vampir zeigt."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;1932 hatte in Lausanne eine Gruppe von Anwälten &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold;"&gt;„einen Vorstoß  unternommen, Juden den Zugang  zur Anwaltschaft zu verbieten. Ein  Begehren, das auf alle freien Berufe und die höheren Ränge in der Armee  ausgeweitet wurde.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Im Vergleich dazu die Verhältnisse in  Deutschland: Am 07. April 1933 wurde das &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold;"&gt;Gesetz zur Wiederherstellung  des Berufsbeamtentums&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt; erlassen, welches nationalistischen  Machhabern erlaubte, jüdische Beamte aus dem Dienst zu entfernen (Quelle  &lt;/span&gt;&lt;a style="font-weight: bold;" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Berufsbeamtengesetz" target="_blank"&gt;hier&lt;/a&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Im Zuge von Recherchen im Internet bin  ich auf eine interessante Website gestoßen. Hier können wir u.a. lesen,  die „jüdische“ Hakennase sei gar nicht typisch jüdisch (siehe &lt;/span&gt;&lt;a style="font-weight: bold;" href="http://zukunft-braucht-erinnerung.de/holocaust/antisemitismus/47.html" target="_blank"&gt;Der antisemitische Stereotyp&lt;/a&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt; von Julia Schäfer).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Spätestens  durch diesen Roman wird der Mythos von der Neutralität der Schweiz  unglaubwürdig.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;br /&gt;Auch ein Roman den man lesen &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold;"&gt;muss&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;/soll&lt;/span&gt;&lt;img style="font-weight: bold;" src="http://www.artcafe.de/images/Ourwbb-Red/smilies/grins.gif" /&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-1824059225036159302?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/1824059225036159302/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=1824059225036159302&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1824059225036159302'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1824059225036159302'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/03/jacques-chessex-ein-jude-als-exempel.html' title='Jacques Chessex: Ein Jude als Exempel'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-5359496903547283217</id><published>2010-03-14T10:50:00.007Z</published><updated>2010-03-14T11:06:03.815Z</updated><title type='text'>Jacques Chessex: Der Kinderfresser</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic;"&gt;„Der Kinderfresser“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt; Ein bedeutender psychologischer Roman.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Ausgabe: Verlag: Volk und Welt, Berlin, Spektrum 148 (DDR), 1981&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt; &lt;p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Wink des Schicksals wollte es vielleicht so, dass ich erstmals von Jacques Chessex hörte, nachdem er gerade gestorben war. Chessex starb am 09.10. 2009 während einer Diskussionsveranstaltung, auf der es um eines seiner Bücher ging. Für seinen Roman &lt;span style="font-style: italic;"&gt;"Der Kinderfresser"&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: normal;"&gt; &lt;/span&gt; erhielt er 1973 als bisher einzigster Schweizer den Prix Goncourt.&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Es geht es um den Lateinlehrer Jean Calmer, der von seinem Vater tief gedemütigt und verhöhnt wurde. Auch als sein Vater gestorben war, kommt Calmer nie von ihm los, so sieht er ihn in einer Vision seinen vestorbenen Vater in eine Gastwirtschaft gehen. Das Leid, was der Vater ihm angefügt hat, sitzt dem Lateinlehrer so tief im Nacken, quasi wie ein autoritäres Über-Ich, dass der Vater über seinen Sohn nicht die Macht verliert, obwohl dieser schon im Krematorium liegt.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;    &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;&lt;/span&gt;Es geht um  großes Leiden, psychisches Trauma, welches nicht verarbeitet worden ist, der Sohn, also Jean Calmer, deswegen immer leiden muss. Die Wirkung des Vaters auf Jean ist fatal. Selbst Kontakte zu Frauen lassen sich für Jean nicht herstellen. Er sucht sich solche aus, die gar nicht zu ihm passen, an die er nicht herankommen kann. Vereinsamt sitzt er in einer Gastwirtschaft, schaut aus dem Fenster und sieht hübsche junge Mädchen, die eine Brücke überqueren.&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Jean Calmer findet sie wunderbar, fröhlich und stark, und wieder spürt er einen Krampf, mitten ins Herz.“&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Jean Calmet wurde von seinem Vater in Gegenwart von Frauen gedemütigt, so macht er sich an ein junges Mädchen heran, in welche Jean verliebt ist. Jean muss mit ansehen, wie sein Vater es mit seinem Mädchen treibt. Jean wird von Visionen geplagt. „Wirst weichlich? Sieh deinen alten Vater. Verrunzelt, verbrannt, aber sein Knüppel bringt die Weiber zum Tanzen.“ In erniedrigendster Weise sexuell gedemütigt.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ich gehe davon aus, Jean Calmet konnte aufgrund seiner psychischen Konstitution diese Demütigungen nicht verkraften. Sie hängen ihm sein ganzes Leben nach und beeinträchtigen ihn. Natürlich reagieren nicht alle Kinder so, es kommt eben darauf an, wer auf welche Art und Weise etwas verkraften kann und wer nicht. Jeder Mensch ist anders. Jean gehört da wohl zu denen mit einer sensiblen Psyche.  Der Vater mag das gemerkt haben und hat ihn umso mehr gedemütigt. Seine Geschwister haben die Familie verlassen, heißt es, nur Jean und die Mutter waren der Gewalt des Vaters ausgesetzt. Jean ist auf seine Geschwister neidisch, weil sie ein selbständiges Leben verwirklicht haben und sich nicht mehr in den Klauen des Vaters befinden. Jean hat sich über seinen zweiten Vornamen Benjamin geärgert, was heißt „Sohn zu meiner Rechten“, also der Sohn, der zur Rechten des Vaters ist, von dem er niemals loskommt. Jeans Symptome der Störungen der Sexualfunktion, Partnerschaftsprobleme, Angstzustände, Alpträume, beängstigende Tägträume, soziale Isolation und Misstrauen, bestärken in mir die Vermutung, Jean sei sexuell missbraucht worden. &lt;span style="font-style: normal;"&gt;Ich kann mir jedenfalls vorstellen, dass jemand, der jemanden sexuell demütigt, diesen auch sexuell missbrauchen könnte. Jean Calmet ist Zeit seines Lebens nie erwachsen geworden, in der Pubertät festgezurrt,  in seiner Unterwürfigkeit vor Autoritäten hängengeblieben (er übertragt Gefühle, die er gegenüber seinen Vater hat auf andere Autoritätspersonen = Übertragung, siehe Psychoanalyse),  sein Sexualverhalten weltfremdig.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;Allerdings gibt es noch eine andere Deutungsebene des Romans, der Vater sei eine Metapher für eine gewaltbereite Diktaturherrschaft. Vieles spricht dafür. Die Asche des Vaters verweilt in der Urne. Im Roman heißt es:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Die Asche redet um so lauter, je gräßlicher das Märtyrium ist.“&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Diese Asche wird auf die &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Verbrennungsöfen von Auschwitz“&lt;/span&gt; und auf &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Flammende Scheiterhaufen“&lt;/span&gt; bezogen:&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Nie bringt man die sterblichen Überreste Verfolgter zum Schweigen. Die Kreuze der Inquisition, die hexenbeschwörenden Johannisfeuer, die aufgestapelten Schuhe und angehäuften Goldzähne von Auschwitz sind Siegesschreie. Die Asche ist lebendig, beredsam, rachsüchtig, sie wird wieder Fleisch, sie stürmt erneut vorwärts, sie lehrt, triumphiert, sie verfolgt die Verfolger!“&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Francisco de Goyas Gemälde &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;"Saturn, der eines seiner Kinder verschlingt"&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt; &lt;/span&gt;wird als ein „menschenverschlingender Dämon“ (Krieg) gedeutet (siehe&lt;a href="http://www.onlinekunst.de/frieden/goya_saturn.html"&gt; hier&lt;/a&gt;). Jean steht vor dem &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kindlifresserbrunnen"&gt;Kindlifresserbrunnen in Bern&lt;/a&gt; und vergleicht seine Situation mit mit Beispielen aus der Mythologie. Er weiß, er steht nicht allein mit dem Wunsch, gegen seinen Erzeuger anzutreten. Es ist ja wie ein Ringkampf. Ähnlich wie in der Pubertät, in der Zeit, in der man sich gegenüber seinern Eltern  behaupten möchte, sich auflehnen und sich durchsetzen möchte. Natürlich hat Jean das nie geschafft, hat er grundsätzlich Angst  vor Autoritätspersonen. und duckt sich lieber. Seine Geschwister, die den Vater zurückgelassen haben, sind quasi ins Exil gegangen und Jean Calmet erweist sich als Typ eines Mitläufers. Eine Diktatur ist schwer zu entmannen, alle Hitlerattentate schlugen fehl. Der Vaterstaat frisst seine Kinder.&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Der Kinderfresser“&lt;/span&gt; ist ein psychologischer Roman, in dem sich, wenn man genau hinschaut mehrere Deutungsebenen offenbaren. Ein großartiger Roman in vorzüglicher Prosa. Der Roman muss/soll gelesen werden. Jacques Chessex ist ein großartiger Schriftsteller.&lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-5359496903547283217?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/5359496903547283217/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=5359496903547283217&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5359496903547283217'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5359496903547283217'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/03/jacques-chessex-der-kinderfresser.html' title='Jacques Chessex: Der Kinderfresser'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-433029884888170434</id><published>2010-03-03T18:25:00.002Z</published><updated>2010-03-13T14:44:56.644Z</updated><title type='text'>Siri Hustvedt: Die zitternde Frau</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Siri Hustvedt, amerikanische Romanautorin, beschäftigt sich schon  seit längerem mit Neuropsychiatrie und hat in diesem Gebiet fleißig  Fachliteratur gewälzt. Seit ihrer Kindheit leidet sie unter Migräne,  Schwindelanfällen, an himmlischen Gefühlen von Levitation und visueller  Halluzination, in der sie ein kleines rosa Männchen und einen rosa  Ochsen auf dem Fußboden sieht. Das ist der Grund. &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Ich erforschte  mich selbst“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, sagte schon Heraklit und Siri Hustvedt leistet einen  enormen Energieaufwand, um auf die Spur ihrer Nerven zu kommen. Schon in  ihrem Roman &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Was ich liebte“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; beschäftigte sich Frau Hustvedt mit  Psychopathologie (und Bildender Kunst). In &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die Leiden eines  Amerikaners“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; nimmt ein Psychiater die Rolle des Protagonisten ein,  der mit dem Tod seines Vaters konfrontiert wird. Auch Hustvedt, die nun  eine Geschichte ihrer Nerven geschrieben hat, muss sich mit dem Tod  ihres Vaters, der Universitätsprofessor in Minnesota gewesen war, aus  einandersetzen. Zwei Jahre nach dem Tod ihres Vaters hält sie eine  Gedenkrede und bekommt erstmals einen Zitteranfall, wobei ihr Bewustsein  klar bleibt, sie auch weiterreden kann. Erst nach der Rede hört das  Zittern auf. Siri Hustvedt vermutet eine (psychogene?) Reaktion auf den  Tod ihres Vaters. Da ihr kein Arzt eine eindeutige Diagnose stellen  kann, macht sich die Autorin auf der Suche nach ihrer Krankheit. Ihr Weg  führt ausgehend vom Verdacht einer Konversionsstörung (dissoziative  Störung), über Josef Breuers Bericht seiner Patientin Bertha Papenheim   (als Anna O. in &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Studien über Hysterie“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, Freud/Breuer, 1895;  zuvor auch schon mit Breuer veröffentlicht &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Über den psychischen  Mechanismus hysterischer Phänomene"&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, 1893), bis hin zu  neurologischen Ausfällen, deren Symptomatik für uns Laien  aufsehenderregend erscheinen, uns aber auch schon durch Bücher von  Oliver Sacks (z.B. &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Mann, der seine Frau mit einem Hut  verwechselte“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;) und  Mark Solms/Karen Solms (&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Neuro-Psychoanalyse.  Eine Einführung mit Fallstudien“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;) bekannt sein könnten. Weiterhin  erzählt Siri Hustvedt von einem Experiment des Neurologen Vilayanur S.  Ramachandran. Er behandelte eine Patientin, die linksseitig gelähmt war,  sie dieses aber nicht glauben wollte. Das Experiment, welches Mark und  Karen Solms in ihrem Buch beschreiben ist, dass die Patientin ihre  Lähmung zugab, nachdem  Ramachandran der Frau das linke Ohr mit  Eiswasser gefüllt hat. &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Rechtshemisphärische Schädigungen führen  häufig zu ...Anosognosie“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, dem Leugnen der Krankeit. Da wir schon  gerade bei Büchern sind, möchte ich auf  zwei Bücher von  Vilayanur S.  Ramachandran hinweisen, die es im deutschen Sprachraum gibt: &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Eine  kurze Reise durch Geist und Gehirn“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; und &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die blinde Frau, die  sehen kann. Rätselhafte Phänomene unseres Bewußtseins“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; - und damit  haben wir uns schon ziemlich weit in das Buch hineingelehnt, Manchmal  hatte ich den Eindruck, die Autorin schweift ein wenig von ihrem Thema,  den seltsamen Zitteranfällen  ab, kehrt aber immer wieder zu sich selbst  zurück. Erzählt sie von Konversionsstörungen (Hysterie), ihr erster  Verdacht als Ursache ihrer Zitteranfälle, dann erzählt sie gleich die  Geschichte der Hysterie mit, und so erahnen wir als Leser, dass sie all  dies mit Begeisterung tut, mit Wissensgier, wenn nicht gar mit  Besessenheit im positiven Sinne.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Siri Hustvedt bezeichnet die  zitternde Frau &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„als ein ungezähmtes anderes Selbst...eine Art  Doppelgänger“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, die in der Literatur Wünsche und Bestrebungen ihrer  Originale meist quälen und sabotieren, und  erwähnt Dostojewskijs Roman &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der  Doppelgänger“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Hustvedt&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Dostojewskijs  geistig umnachteter Held, Herr Goljadkin, zittert im Sprechzimmer  seines Arztes, kurz bevor der ehrgeizig, abgefeimte zweite Herr  Goljädkin in Erscheinung tritt.&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Dostojewskij&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;Seine grauen Augen  funkelten ganz eigentümlich, die Lippen zitterten, alle Muskeln, alle  Züge seines Gesichts gerieten in Bewegung. Er selber zitterte am ganzen  Körper.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manche Migräne Leidende sehen als  Teil der Aura ein Doppel ihrer selbst, schreibt Hustvedt und erzählt von  Breuers berühmter Hysteriepatientin Bertha Puppenheim. „Sie litt auch  an dem, was Charcot, Janet, Freud und Breuer &lt;i&gt;„doppeltes Bewußtsein“&lt;/i&gt;  nannten; sie erlebte zwei Ichs, eines Breuer zufolge &lt;i&gt;„geistig ganz  normal“&lt;/i&gt; und ein anderes, das sie als ihr &lt;i&gt;„schlimmes Ich“&lt;/i&gt;  bezeichnete.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Synästhesie spricht man, wenn sich  Sinneswahrnemungen überschneiden, wenn z.B. &lt;i&gt;„Farben schmecken“&lt;/i&gt;  oder &lt;i&gt;„Töne sehen“&lt;/i&gt; kann. Der russische Psychologe Alexander  Romanowitsch Lurija, der als einer der Begründer der Neuropsychologie  gilt, verfolgte 30 Jahre lang den Fall Sassezki, der die Fähigkeit besaß  &lt;i&gt;„lange Zahlenreihen und Wortlisten in ortsgebundene geistige Bilder  zu konvertieren“&lt;/i&gt; (vgl. &lt;i&gt;„Kleines Portrait eines großen  Gedächtnisses“&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;„Der Mann, dessen Welt in Scherben ging“ &lt;/i&gt;).  Es wird auch auf ein Gedicht Rimbauds hingewiesen, welches Synästhesie  aufweist: Die erste Strophe von &lt;i&gt;„Vokale“&lt;/i&gt;:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Zitat von Rimbaud&lt;/span&gt;&lt;hr /&gt;A schwarz E weiß I rot U  grün O blau - vokale&lt;br /&gt;Einst werd ich euren dunklen ursprung  offenbaren:&lt;br /&gt;A: schwarzer samtiger panzer dichter mückenscharen&lt;br /&gt;Die  über grausem stanke schwirren · schattentale.&lt;hr /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;(Übersetzung:  Stefan George)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Im Jahre 2005 wurde erstmals eine Mirror-touch,  bzw. Berührungs-Synästhesie beschrieben und es stellte sich heraus, dass  die Autorin dieses Buches von dieser Form der Synästhesie befallen ist,  d.h., &lt;span style="font-style: italic;"&gt;"jeden Schlag, jeden Stoß, den andere bekamen, wie auch  deren Stimmungen &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51); font-style: italic;"&gt;fast&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt; so mitgefühlt, als wäre ich selbst davon  betroffen&lt;/span&gt;, so auch  Horrorfilme ihr unerträglich sind,  da sie &lt;span style="font-style: italic;"&gt;"die Qualen der Opfer &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51); font-style: italic;"&gt;fühle&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51); font-style: italic;"&gt;."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Siri Hustvedt  kommt öfters auf das dualistische Problem von Körper und Geist zu  sprechen. Neuronen sind sichtbar, Gedanken unsichtbar. Sind Hirn und  Geist eins oder zwei verschiedene Dinge, oder sind sie miteinander  verbunden? Diese Frage muss natürlich offenbleiben, und obwohl dieses  Problem des Dualismus für die Autorin wichtig ist, wird es leider doch  nur gestreift, obwohl es doch interessant gewesen wäre, tiefer ins  Detail zu gehen in der Frage, ob eine Trennung von psychogenen und  neurologischen Ursachen in der Medizin sinnvoll und fragwürdig ist. Nach  Francis Crick sind wir nur &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„eine riesige Ansammlung von Nervenzellen  und dazugehörigen Molekülen.“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; (aus Francis Crick: &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Was die Seele  wirklich ist“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; ), doch was nützt uns so eine Aussage, wenn sie  einfach in den Raum geworfen wird? &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wenn man gewillt ist, sich  mit medizinischen Fremdwörtern zu konfrontieren und Interesse am  Psycho/Neuro-Thema vorhanden ist, aber kein Mediziner ist, denn die  lesen sicher anderes, kann das Buch sehr empfohlen werden. Ein  Namensregister fehlt leider, sodass das Aufsuchen von Textstellen  erschwert wird. Am Ende des Buches sind Anmerkungen, in denen uns  offenbart wird, welche Fachbücher Siri Hustvedt gewälzt hat. Ist schon  toll.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-433029884888170434?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/433029884888170434/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=433029884888170434&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/433029884888170434'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/433029884888170434'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/03/siri-hustvedt-amerikanische.html' title='Siri Hustvedt: Die zitternde Frau'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-5972800949685781319</id><published>2010-02-20T20:47:00.001Z</published><updated>2010-02-20T20:49:44.251Z</updated><title type='text'>Albert Camus: Hochzeit des Lichts</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Himmel über Algerien. Albert Camus schreibt über seine Heimat. Sehnsucht nach Heimat überfällt den Menschen, aber ist das ein Ort &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„wo das Herz seinen Frieden findet“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; oder vielmehr eine Sehnsucht, die Heimat seiner Seele zu finden? Paradox, dass wir &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„diese Vereinigung, die Plotin ersehnte, hier auf Erden finden..“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;..wollen. Albert Camus sagt von sich: &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Ich lerne, dass es kein übermenschliches Glück gibt und keine Ewigkeit außer dem Hinfließen der Tage....Die anderen „idealen“ Wahrheiten zu begreifen, fehlt es mir an Seele...Ich weiß nur dies: dass der Himmel länger dauern wird als ich.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;In seinen Aufsätzen über Algier und Oran wird ein Kontrast zum Leben in Europa deutlich. Man heiratet sehr jung, beginnt in jungen Jahren bis zur Erschöpfung hin zu arbeiten und ist mit dreißig Jahren schon ausgelaugt, kann sich dann schon auf das Sterben vorbereiten. Das &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Glück war kurz und heftig“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, verdunstet im Wüstenstaub; an anderer Stelle heißt es, die Welt erneuere sich hier täglich. Oran ist „die staubigste Stadt aller Städte“, eine Stadt aus Staub und toten Gestein, hier offenbar nichts gibt, was den menschlichen Geist bewegen und inspirieren kann. Eine Wüstenstadt am Meer. Gassen verlaufen wie in einem minotaurischem Labyrinth, man wird gefressen von dem Stier, von der leeren Langeweile. Und das am Mittelmeer. Man staunt und liest.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Besonders poetische Kostbarkeiten sind die beiden im Jahre 1936 (oder 1937) entstandenen Aufsätze „Hochzeit in Tipasa“ und „Der Wind in Djemila“, ein Besuch römischer und frühchristlicher Ruinen. Frühling in Tipasa, Camus war in seinen jungen Jahren dort oft gewesen, dort findet die Hochzeit statt, die Vereinigung von Mensch und Natur. Verschwenderisch in Farben und Düften, Blumen und Sträucher, umgarnt vom Duft der Wermutbüsche.. Hier flammt die Liebe zum Leben auf, das intensive Glück des Daseins, die Verschmelzung mit der Natur. &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Glücklich der Sterbliche auf Erden, der diese Dinge sah“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; heißt es in einem alten Spruch der Demeter. Ging es bei den Mysterien von Eleusis um eine Innenschau, so will der Adept hier so nahe wie nur irgendmöglich &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„an die Dinge der Welt herankommen“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, sich der Natur völlig hingeben. Ruinenlandschaften die Seelenzustände widerspiegeln, in Tipasa das glückliche Dasein, in Djemila der Tod. Albert Camus schrieb diese beiden Texte im Alter von etwa 23 Jahren, sie bezeugen eine außerordentliche geistige Reife und großes erzählerisches Talent. Ja, man staune und lese.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die 14 Texte des Bandes können einführend zu Camus' Werk gelesen werden.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-5972800949685781319?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/5972800949685781319/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=5972800949685781319&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5972800949685781319'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5972800949685781319'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/02/albert-camus-hochzeit-des-lichts.html' title='Albert Camus: Hochzeit des Lichts'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-1248710606175430201</id><published>2010-02-17T13:11:00.002Z</published><updated>2010-02-17T13:33:21.368Z</updated><title type='text'>Sylvia Plath: Die Bibel der Träume, Erzählungen</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;In diesem Erzählungsband enthalten ist die hervorragene story &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Johnny  Panic und die Bibel der Träume“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, darin eine Sekretärin in einem  psychiatrischen Krankenhaus die Krankengeschichten zu Papier bringt, die  sie nach dem Tonbanddiktat eines Arztes abtippt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ich gehe davon  aus, die Sekretärin ist schon zu Beginn der Geschichte psychiatrisch  belastet, glaubt sie doch, Träume der Patienten abzutippen. Schon zu  Beginn wird die Phantasiegestalt, ein Produkt ihres Wahngebäudes, ins  Spiel gebracht: Alles in der Welt drehe ich um Panik, und Johnny Panic  stehe wachend  oder schlafend, ohne jedes Gesicht hinter all dem. Das  hört sich sehr verworren an, auch die überwertige Idee&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;i&gt; „mit jedem  Traum bilde ich mich weiter, um zu einer herausragenden Persönlichkeit  zu werden“&lt;/i&gt;&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; die in dem Wahn mündet, sie habe &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„den Traum aller  Träume“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, in der Schilderung dieses Traumes sich schließlich eine  beeindruckendes Wahngebäude entpuppt, welches der Frau in ihrem  Sekretärinnenleben verfolgt -  einem See, in dem die Gedanken der  Menschen fließen usw. - geniale Bilder einer ausgeprägten Psychose. John  Panic ist wie ein Gott der Träume, ein &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„großer Traumschöpfer“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;.  In dieser Erzählung erlesen wir, wie jemand in eine Psychose mündet und  zum klinischen Fall wird.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Eine andere Story aus dem  psychiatrischen Bereich ist &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Das Wünschkästchen“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;. Eine Frau,  deren Fantasie quasi erloschen ist und nicht träumt, ihr Mann dagegen  aber von absolut herrlichen Traumbildern gesegnet ist,  spielt er sogar  im Traum Beethovens fünftes Klavierkonzert, die Frau aber psychisch  gebrochen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Diese psychiatrischen Erzählungen können vielleicht einen  Vorgeschmack zu ihrem Roman &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Die Glasglocke"&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; geben, den ich schon  anvisiert habe.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;In einigen Erzählungen (&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Tag, an dem Mr.  Prescott starb“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die Töchter der Blossom Street“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Mütter“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;)  zeigt Silvia Plath, wie borniert und verlogen Menschen sein können.  Auch diese Geschichten haben mir besonders gefallen, weil sie evtl. auf  das eigene Leben reflektieren können und Anregung zum Nachdenken geben.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-1248710606175430201?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/1248710606175430201/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=1248710606175430201&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1248710606175430201'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1248710606175430201'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/02/sylvia-plath-die-bibel-der-traume.html' title='Sylvia Plath: Die Bibel der Träume, Erzählungen'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-6525546164821683764</id><published>2010-02-14T11:47:00.000Z</published><updated>2010-02-14T11:48:12.384Z</updated><title type='text'>W. G. Sebald: Austerlitz</title><content type='html'>&lt;p style="color: rgb(153, 102, 51);"&gt;                  &lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Der Roman beginnt mit einem  Faszinosum, wie ich es in der Literatur  bisher noch nicht gelesen habe. Er beginnt mit einer Überblendung, wie  es sonst nur im Film üblich ist, um einen &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold;"&gt;„kontinuierlichen Übergang  von einer Kamerastellung oder Szene zu einer anderen“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;, wie es bei &lt;a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberblendung_%28Film%29"&gt;&lt;span style="text-decoration: underline;"&gt;wikipedia&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt; heißt. Der  Erzähler tritt in den &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold;"&gt;Salle de pas  perdus&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;, dem Wartesaal des  Antwerpener Bahnhofs ein und plötzlich tauchen ihm Bilder eines früheren  Besuches des hiesigen Nocturamas in seinem Geist auf, &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold;"&gt;„eine  Überblendung, die natürlich auch daher rühren mochte, daß die Sonne sich  hinter die Dächer der Stadt senkte, gerade als ich den Wartesaal  betrat.“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;  Das sich zwei Szenen aus  unterschiedlicher Zeit  überblenden, sei gleich darauf verwiesen, dass W. G. Sebald in diesem  Roman eine Zeittheorie entwickelt, die Zeit sei nicht linear, sie bewege  sich in Wirbeln, auf Seite 152 wir eine Überblendung der Zeit  entdecken. Die Theorie besagt&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;"...das  sämtliche Zeitmomente gleichzeitig  nebeneinander existierten, beziehungsweise daß nichts von dem, was die  Geschichte erzählt, wahr wäre, das Geschehene noch gar nicht geschehen  ist, sondern eben erst geschieht, in dem Augenblick, in dem wir es  denken."&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;(Seite 152).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Auf diese Weise Begebenheiten  der persönlichen – und  der Weltgeschichte aufeinander verbunden werden  und Lokalitäten Ausdruck persönlicher Psyche werden können. Alles ist  miteinander verwoben.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der  Ich-Erzähler begegnet auf dem Bahnhof  Jacques Austerlitz, der am kulturhistorischen Institut in London eine  Dozentur innehat, einen Spezialisten für kapitalistische Architektur des  19. Jahrhunderts. So beginnt er von der Architektur des Bahnhofs zu  erzählen, und als ihn der Erzähler in Lüttich wiedertrifft, vom  Brüsseler Justizpalast. In der Architektur des Antwerpener Bahnhofs  überlappen sich verschiedene Baustile unterschiedlichster Epochen, als  ob sich in diesem Bauwerk der Wirbel der Zeit manifestiert hat, beim  Eintreten der Halle man das Gefühl habe, als befinde man sich jenseits  aller Profanität,&lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „in einer dem  Welthandel und Weltverkehr geweihten  Kathedrale“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;. Alles scheint im  Ausdruck der Halle enthalten zu sein,  sei es die Entlehnung architektonischer Bauelemente von  Renaissancepalästen, oder gleichwie im römischen Pantheon von oben  herabblickende Gottheiten herablicken, hier im Bahnhof Symbole der  Gottheiten des 19. Jahrhunderts herabblicken: &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„der Bergbau, die  Industrie, der Verkehr, der Handel und das Kapital.“&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Es ist  kein Zufall, dass der Roman auf einem Bahnhof beginnt. Jacques  Austerlitz ist ein herumreisender jüdischer Exilant, der sich oft auf  Bahnhöfen aufhält, als Kind seine Heimat verloren hat, und in Wales in  bedrückender Atmosphäre im Hause eines calvinistischen Pfarrers  aufgewachsen ist. Jacques Austerlitz begibt sich auf die Suche nach  seiner Vergangenheit, und wenn er von Korridoren und Treppen im  Brüsseler Justizpalast erzählt, die nirgendwo hinführen, ist das für  mich eine Metapher für Austerlitz' Suche nach sich selbst, nach seiner  Vergangenheit.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die Zeit,  das verweben diverser Ereignisse, ist  ein großes Thema des Romans.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="quoteheader" style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Während der beim Reden eintretenden Pausen  merkten wir beide, wie unendlich lang es dauerte, bis wieder eine Minute  verstrichen war, und wie schrecklich  uns jedesmal, trotzdem wir es  doch erwarteten, das Vorrücken dieses, einem Richtschwert gleichenden  Zeigers schien, wenn er das nächste Sechzigstel einer Stunde von der  Zukunft abtrennte mit einem derart bedrohlichen Nachzittern, daß einem  beinahe das Herz aussetzte dabei."&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;(Seite  17).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Dass  die Zeit nicht als linear/chronologisch gedacht wird, zeigt auch die  Tatsache, dass der Erzähler, als er Austerlitz nach einer  zwanzigjährigen Pause zufällig im Dezember 1996  in einem  Londoner  Hotel wiedersah,  dieser um zehn Jahre jünger erschien. Damals vor  zwanzig Jahren hatte er Austerlitz für etwa 10 Jahre älter gehalten.  Austerlitz scheint ein zeitloser Repräsentant für alle vor den Nazis  geflüchteten Juden zu sein.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Sebalds  Sprache ist, wenn man sich an  den sog. &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Sebald-Ton“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; (offenbar schon ein Begriff in der  Germanistik) gewöhnt hat, ein Genuss.  Die ersten 16 Seiten musste ich  noch einmal lesen und dann ging es, nein mehr, es war wirklich schön,  Sebalds musikalische Prosaschleifen schweifen zu lassen, und es ist  nicht diese Literatur, bei der man überlegen muss, was meint der Autor  denn damit, sondern mit ein wenig Konzentration ein gut eingehender  Text, ich übrigens im zweiten Durschmarsch der Lektüre mich befinde und  immer noch mit Hingabe an dem Buch hänge.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die  Geschehnisse auf  dem Bahnhof Liverpool-Street-Station noch vor der Hälfte des Romans gilt  m.M.n. als Höhepunkt des Romangeschehens, hier in einer zeitlichen  Überblendung Austerlitz Zeuge seiner selbst wird, wie er nach dem  Kindertransport aus Prag von seinen Zieheltern, dem calvinistischen  Pfarrerehepaar abgeholt wird, für Austerlitz der Ausgangspunkt für   Nachforschungen in seine Vergangenheit, dem Schicksal seiner Eltern in  dem von den Nazis besetzten Prag auf die Spur zu kommen. Auf diesen  Seiten, auch auf den vorbereitenden Seiten, auf denen wir einen tiefen  Einblick in das Verlorensein eines Menschen tauchen, dem seine Herkunft  unbewusst ist,  mag ich mich Fragen, was für Superlativen in der  Literatur noch möglich sind, welche Superlativen ich noch erlesen werde,  da „Austerlitz“ Sebalds letztes Werk ist, hier wohl der Höhepunkt  seines schrifstellerischen Schaffens gesehen werden muss, gerade auf  diesen wenigen Seiten. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Man gehe  also in eine Buchhandlung,  schnappe sich das Buch und beginne ab Seite 180 (kleiner Tipp).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="quoteheader" style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Kaum  lernte ich  jemanden kennen, dachte ich schon, ich sei ihm zu nahe getreten, kaum  wandte sich jemand zu mir, begann ich, mich abzusetzen."&lt;span style="font-weight: bold;"&gt; (Seite 185).&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wie auch Gestalten in Paveses Werk pflegt Austerlitz  des Nachts ausgedehnte Spaziergänge:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="quoteheader" style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Dabei ist es mir in den  Bahnhöfen  wiederholt passiert, daß ich unter denen, die mir entgegenkamen in den  gekachelten Gängen, auf den steil in die Tiefe hinabgehenden Rolltreppen  oder die ich eblickte hinter den grauen Scheiben eines eben  auslaufenden Zuges, ein von mir früher her vertrautes Gesicht zu  erkennen vermeinte. Immer hatten diese bekannten Gesichter etwas von  allen anderen Verschiedenes, etwas Verwischtes, möchte ich sagen, und  sie verfolgten und beunruhigten mich manchmal tagelang."&lt;span style="font-weight: bold;"&gt; Seite 187.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Sicher keine illusionären Verkennungen wie im  Erlkönig, sondern ahnende Schauungen in seine Vergangenheit, eine andere  Zeitebene überlappt sich mit der gegenwärtigen... und so schauen wir  nach Wertach, 1944, W. G. Sebald dort im Allgäu geboren und  noch weiter  zurück:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="quoteheader" style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Am  folgenden Morgen, der Tag war kaum angebrochen, sind dann tatsächlich  die Deutschen in Prag eingezogen, mitten in einem dichten  Schneegestöber, daß sie gewissermaßen aus dem Nichts hervorzubringen  schien, und als sie über die Brücke kamen und die Panzerwagen die  Národní hinaufrollten, hat sich ein tiefes Schweigen ausbebreitet über  die ganze Stadt. Die Menschen haben sich abgewandt, sind langsamer, wie  im Schlaf gegangen von dieser Stunde an, als wüßten sie nicht mehr,  wohin."&lt;span style="font-weight: bold;"&gt; (Seite 250)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;W. G.  Sebald, der 1966 nach  England auswanderte, wurde erst seit Mitte der neunziger Jahre des  letzten Jahrhunderts in Deutschland wahrgenommen. In Frankreich schlug  man ihn sogar als Nobelpreiskandidaten vor. Seine literarischen Werke  erscheinen seit Ende der achtziger Jahre. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Austerlitz“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  ist ein gewaltig konstruiertes Kunstwerk. Allein die zufälligen  Begegnungen zwischen dem Erzähler und Austerlitz, und warum nur weiß der  studierte Architekturexperte nichts vom Holocaust, erfährt erst  ziemlich spät davon Anfang der neunziger Jahre (das ist er fast im  Rentenalter) – unmöglich, kaum zu glauben. Da fragt man sich, was für  eine Absicht dahinter stehe. Vom Autor sicher bewusst so konstruiert,  hat er doch jahrelang an seinen Werken gesessen, war sehr gründlich und  fügt im Text auch noch Fotos ein, Fotos, die Sebald offenbar gesammelt  hat, die dem Leser zusätzlich zum Text noch Stimmungen übermitteln, dem  Text dokumentarischen Charakter geben, solch ein sorgfältiger  Schriftsteller erlaubt sich keine Nachlässigkeiten und lässt Austerlitz  bewusst sehr lange im Dunkeln, sogar das calvanistische Ehepaar war von  der Weltgeschichte ausgeschlossen. Das Hauptaugenmerk Sebalds liegt  darin, einen melancholisch heimatlosen Menschen zu zeichnen und schafft  in seinem Buch  einen solchen Menschen, dabei geht er über an sich  logische Verhältnismäßigkeiten hinweg. Mich selber hat das allerdings  nicht gestört, denn der Sog der sebald'schen Sprache überdeckt in seinen  melodischen Schweifen eine solche Ungereimheit. Konstruktion als  Kunstwerk? Das wäre ein interessanter Diskussionsansatz. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Eine  schöne Website über W. G. Sebald gibt es &lt;a href="http://www.wgsebald.de/frameWidmung.html"&gt;&lt;span style="text-decoration: underline;"&gt;hier&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;         &lt;span style="font-size: 14px ! important; font-weight: bold; color: rgb(0, 0, 255); background-color: rgb(255, 255, 0);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-6525546164821683764?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/6525546164821683764/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=6525546164821683764&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6525546164821683764'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/6525546164821683764'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/02/w-g-sebald-austerlitz.html' title='W. G. Sebald: Austerlitz'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-7454070176337760751</id><published>2010-01-27T15:09:00.008Z</published><updated>2010-01-27T16:21:16.472Z</updated><title type='text'>Sándor Márai:  Schule der Armen</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Vorgewarnt war ich schon. Sándor Márai sagt in der Einleitung, er sei &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„auf der Suche nach einem Handbuch, einer Art von Gebrauchsanweisung fur die Armut...“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; gewesen. Nun hat er selber eines geschrieben, die Armen zu belehren, wie sie sich gegenüber den höheren Gesellschaftsschichten verhalten sollen. Da ich der Ratgeberliteratur abgeneigt bin, hätte ich das Buch gleich wegstecken sollen, und weiter zum nächsten. Der Autor von Vorurteilen besessen, &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die Armen nicht nur ungeschickt leben, sondern sich auch schlecht benehmen.“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt; &lt;/span&gt;Wie gesagt, das alles auf der ersten Buchseite. Ich lese also weiter, weil ich mich in einem Forum zu einer Leserunde hinleitengelassen habe. Immerhin, Sándor Márai, der in&lt;span style="font-style: italic;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Glut“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; hinreißend glühend erzählen konnte, der einen hevorragenden Roman über die verlorenen Generation nach dem ersten Weltkrieg geschrieben hatte (&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die jungen Rebellen“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;) usw., ja weiter, ich lese weiter.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Für neun zehntel der Menschheit sei Armut der normale Zustand, sagt Márai in dem 1933 entstandenen Buch. Damals lebten zwei Milliarden Menschen auf der Erde. Dann kommt doch etwas, was mir gefällt. Kein Tier, außer Ameisen, klammert sich an erworbene Güter. Menschen bilden sich ein, reich zu sein, nur weil sie viel haben. Márai propagiert eine Welt, in der die meisten Leute kein Geld, kaum Besitz haben. Hier schwingt die Lebensphilosophie durch, des Menschen Glück ist nicht von Gütern abhängig, welche er besitzt. Aber trotzdem, bekomme ich einen Dämpfer, denn es heißt dann, Armut sei nicht etwas gutes, auch das Leben nicht. Was will er denn? Auch das Glück sei nicht Endzweck der Existenz, untermauert durch ein Rilke-Zitat (&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Es ist wirklich nicht wichtig, glücklich zu sein.“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;). Was ist denn der Endzweck der Existenz? Wer glaubt das schon zu wissen, Márai schweigt lieber.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Trotzdem blitzt ein schönes Zitat hervor:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Der Reichtum ist letzten Endes etwas Symbolisches und Beschränktes, und die Reichen sind im höheren Sinne des Wortes ebenfalls arme Menschen, da sie statt der Wahrheit, die sie so fürchten wie ein Köter den Hundefänger, sich mit Surrogaten oder Symbolen der Wahrheit begnügen müssen, welche die Literatur und die auf ihr Eigenbild zugeschnittene Gesellschaft ihnen fatamorganaartig vorgaukelt. Nur die allerfühligsten Reichen, die so begabt sind, daß sie Arme sein könnten, wissen, wie beschrankt ihre Macht des Geldes ist, und das nicht nur der Besitz des Geldes sie von den Armen trennt."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Trotzdem, der Autor spricht in Rätseln, weil er diverse Gedanken nur mal so antippt, aber nicht weiter ausführt. So kann man sich, schreibt er, Tugend kaufen. Wie das biite gehen soll, ist mir allerdings schleierhaft. Er sagt ja ganz richtig, man sich „keinesfalls das heiter beglückende Gefühl, das die Erkenntnis und die praktische Ausübung der sittlichen Wahrheiten der Seele schenkt“ kaufen kann. Ja sicherlich, das glaube ich auch. Der Reiche will alles mit Geld erreichen und will seine Vermögenswerte steigern, der Arme, so habe ich das verstanden, hat die Fähigkeit, ohne Geld glücklich zu sein. Ach, dann bin ich also doch wieder dorthin zurückgekommen, dass der Mensch ohne Besitz glücklich sein kann. Nur die &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„allerfühligsten Reichen“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; können auch glücklich sein, wenn sie nicht nur nach materiellen Werten jagen. Armut also eine Tugend. Wenn Sándor Márai das so meint, bin einverstanden. Wieder ein trotzdem, er schrieb doch schon in der Einleitung des Buches, Armut sei nichts gutes. Mit solchen Widersprüchen treibt er mich in die Verwirrung. Vielleicht finde ich noch aus der Verwirrung hinaus.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Sándor Márai wendet sich den Kynikern zu, die nach Tugend strebten, d.h. alle äußeren Güter verachten, in Bedürfnislosigkeit lebten. In Johannes Hirschberger, &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Geschichte der Philosophie&lt;/span&gt; heißt es:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;"Das führt zu einer Verachtung auch der Kulur, der Wissenschaft, de Religion, der nationalen Bindungen, und besonders auch der Sitte und des Anstandes."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So konnte Diogenes von Sinope der diese Lebensweise bis ins Extreme lebte, in der Öffentlichkeit onanieren, in der Tonne leben (was allerdings eine Legende ist). Der Kyniker kennt keine Scham. Die reiche Herrin allerdings auch nicht, die keine Scham empfindet, wenn sie sich vor ihrem Dienstboten auszieht, wie uns Márai mitteilt (Dienstboden und Dienstmädchen waren in den Augen der Herrschaft nicht als Menschen anzusehen, sondern als Maschinen, die funktionieren mussten, man vgl. hierzu den hervorragenden Dienstmädchenroman&lt;span style="font-style: italic;"&gt; „Édes Anna“&lt;/span&gt; von Dezső Kosztolányi). Da Diogenes nichts besitzen wollte, warf er seinen Trinkbecher weg, als er sah, wie ein Kind das Wasser mit bloßen Händen auffing.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Mit seiner Lebensweise katapultierte sich der Kyniker aus der Gesellschaft heraus. Márai wollte diesen Weg gehen, zumindest versuchen, &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„eines Tages der Welt den Rücken zu kehren,“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; denn das Leben in der Gesellschaft &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„wo das Gesetz des Angebotes und der Nachfrage den Wert der Dinge bemißt, ohne dabei seinen Mitmenschen zu schaden, vermag man nur mit Hilfe von Geld.“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Sein Geld reichte aber nicht aus.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Márai spricht von Angebot und Nachfrage, vom Leben in der Gesellschaft, in der die materiellen Güter so wichtig sind, und ich bekomme den Eindruck, dass Márai das Leben der Kyniker, als Extrem der Lebensauffassung &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Zurück zur Natur“&lt;/span&gt;, dem Kapitalismus gegenüberstellt. Im zweiten Kapitel lasen wir schon „Ein richtiger Reicher vermehrt sein Vermögen  so lange er lebt.“ Das ist die Grundmaxime des Kapitalismus, darin man nicht auf diese Weise lebt,niemanden zu schaden, wie es noch bei dem Tugendbegriff bei Voltaire geheißen hat, sondern, wenn wir in unsere Gegenwart schauen, diese sinnlose Gier von Bankenspekulanten uns in die Wirtschaftskrise geführt hat. Diese sinnlose Geldgeilheit drückt sich in der Unzufriedenheit des Googlekonzerns aus, der, obwohl sie ihren Quartalsgewinn ins Fünfache gesteigert haben, in diesen Tagen ziemlich unzufrieden ist, siehe &lt;a href="http://www.rp-online.de/wirtschaft/news/unternehmen/Google-verfuenffacht-Quartalsgewinn_aid_810029.html" target="_blank"&gt;hier&lt;/a&gt;. Die kapitalistische Lebensart bringt keinen Frieden, ich denke, Márai weiß das auch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Buch scheint für einen Moment richtig gut zu werden. Armut ist Freiheit. Das Ziel, sich von Zwängen zu lösen, auch keinen Wecker zu gebrauchen, macht frei. Gut.&lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;"Außerhalb der Gesellschaft und im Besitz der rückeroberten Zeit begannen meine abgestumpften Sinne sich allmählich wieder zu beleben, langsam begann ich zu genesen und fing an menschliche Farbe zu bekommen..."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Doch dann sinkt der Ungar wieder in das unglückselige Armutsgejammer hinab und betröpfelt sich wieder mit trivialdummen Klischees, Frauen könne man nur mit Geld erobern, die Armen seien von Natur aus faul usw.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;Das Buch führt schließlich dorthin, wo ich nicht hinwill. Ein frömmelnder Geist mag das schick finden, aber für mich persönlich wäre das ein völliger Rückschritt in Dumpfheit. Im Grunde genommen plädiert Márai eine Lebensverneinung, wenn er im letzten Absatz des Buches dem Armen, der in Not geraten ist „&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;den einzigen praktischen Rat“&lt;/span&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51);"&gt; gibt, sich in schwierigen Situationen an Gott zu wenden. Vorher wird gesagt, dass jeder Arme irgendwann auf Gott trifft. Wie soll das gehen? Gott als eine Instanz für Menschen, die in ihrer elendigen Armut mit dem Leben eigentlich schon abgeschlossen haben, weil das Leben Scheiße ist und als Rettungsanker hilfesuchend nach der Hand Gottes suchen, der sie ins Paradies zieht. Für den Heiligen Franz von Assisi, den Márai erwähnt, war der Gang in die Armut freiwillig, für ihn war die Armut noch eine Tugend und kein Leid. Márai hat &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„diese Herrlichkeit der Armut“&lt;/span&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51);"&gt; nie erfahren, darum er in seiner Armut gelitten hat, nur noch im Leid den Anker Gottes findet. Damit wird Gott zum Fluchtweg aus dem Leben. Diese Lebensverneinung der Armut im Geiste Márais zeigt sich auch darin, wenn gesagt wird, &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„die Reichen...konsumieren Alkohol in größeren Mengen nur, wenn sie unglücklich sind. Die Armen dagegen trinken sozusagen ununterbrochen."&lt;/span&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Kein Wunder, wenn Gott zum Opium w&lt;/span&gt;ird.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-7454070176337760751?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/7454070176337760751/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=7454070176337760751&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7454070176337760751'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7454070176337760751'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/01/sandor-marai-schule-der-armen.html' title='Sándor Márai:  Schule der Armen'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8228361399364867513</id><published>2010-01-21T09:01:00.004Z</published><updated>2010-01-21T10:06:39.588Z</updated><title type='text'>Imre Kertész: Kaddisch für ein nicht geborenes Kind</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;An so einem schweren  Text wie &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Kaddisch&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; musste ich mich vorsichtig herantasten. Ein Monolog ohne Absätze über 156 Seiten. Wie bei Thomas Bernhard kommen Wiederholungen vor, aber weitaus nicht so exzessiv wie bei dem Österreicher. Der Text hat mit Bernhard nichts zu tun, sondern wir entdecken hier einen typischen Kertész. Die Wiederholungen im Text sind niemals aufdringlich, sie sind harmonisch eingewebt, dezent. Díeser Text ist allein Sprachkompositorisch gesehen eine Meisterleistung (so etwas sage ich wirklich selten). Kertész hat den &lt;a href="http://martinus-literatur.blogspot.com/2009/11/imre-kertesz-roman-eines-schicksallosen.html"&gt;„Roman eines Schicksallosen“&lt;/a&gt; völlig anders gestaltet, vor allem leicht lesbar. Das ist wohl beabsichtigt, denn darin ging es um die Erlebnisse eines Jungen. Das hat natürlich den Nebeneffekt, ein leicht lesbarer Roman findet mehr Leser. &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Kaddisch für ein nicht geborenes Kind“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; hat mich so gefordert, dass ich, weil ich Textpassagen durchgängig wiederholt habe, den Roman nach einem Durchgang schon zweimal gelesen habe. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;B., Schriftsteller und Übersetzer, der den Monologes vorträgt, geht mit einem Herrn, dem Doktor Oblath, einem Philosophen, in einem Buchenwald eines ungarischen Mittelgebirges spazieren. Da sich B. mit Botanik nicht auskennt könne es auch ein Eichenwald oder Lindenhain sein, da ist er sich nicht so sicher. Die Nennung Buchenwald auf der der ersten Romanseite spielt warscheinlich auf das KZ Buchenwald an. Doktor Oblath fragt B., ob er Kinder habe, was er verneint, diese Frage ihn aber ziemlich aufgewühlt . Oblath betrachte seine Kinderlosigkeit als „Versäumnis“, eine Chance, verpasst zu haben:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"über die Selbsterhaltung hinaus das Weiterleben, das Überleben dieses seines Daseins, also seines Selbst, verlängert und vervielfältigt in den Nachkommen....."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Dabei geht es um eine existentielle Sinnfrage, dass er, der Mensch&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"sich nicht als verstümmelt, überflüssig und letzten Endes überflüssig vorkomme;.."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Es geht um Existenzberechtigung und Sinnfragen, nach der Gebrechlichkeit des Menschen. Dabei sei zu bemerken, der Waldspaziergang geht durch das Herbstlaub. Kertész lässt den Ton eines mißtönigen Englischhorns um unser schwaches Dasein erklingen. Diese Metapher hat mit sehr gefallen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Vielleicht ist es ja übertrieben, wenn wir lesen müssen&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"daß die bloße Existenz des Lebens eigentlich eine Unkultiviertheit sei..."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;na, ja, es steht dort &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„eigentlich“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, vielleicht ist das gar nicht so. In Kertész' Roman geht es darum, ob man nach einer Auschwitzerfahrung überhaupt weiterleben kann. B. bestreitet das.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;B. fristet eine schmachvolle Existenz als Schriftsteller und Übersetzer, wobei ja, wenn man Schriftsteller ist, aber von Übersetzungen leben muss, sich natürlich auf einen niederen Ast fühlen muss. Hat er zu anfangs sein &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„mein Dasein als Möglichkeit deines Seins&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; &lt;span style="font-style: italic;"&gt;betrachtet&lt;/span&gt;"  wird das nun ergänzt mit &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Dein Nicht-Sein als radikale Liquidierung meines Seins&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt; betrachtet&lt;/span&gt;.“ Oftmals erzählt er davon, sein Grab zu schaufeln. Einmal heißt es so schön&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"wo ich in die hell glänzende Luft aufblicke, oder in die Wolken, in die ich mein Grab mit dem Kugelschreiber schaufele."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Das ist eine Anspielung auf die &lt;a href="http://www.celan-projekt.de/"&gt;Todesfuge&lt;/a&gt;, auf die sich der Roman ausdrücklich bezieht:...&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft                                     dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die Todesfuge schwingt durch den ganzen Roman. Sehr spannend finde ich des Protagonisten Auseinandersetzung mit der unsinnigen Aussage, das es für Auschwitz keine Erklärung gibt. B. gibt sein Contra und sagt, &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Auschwitz hänge seit Jahrhundertengleich einer dunklen, von den Strahlen zahloser Schandtaten reifenden Frucht, die darauf wartet, den Menschen auf den Kopf zu fallen,.."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Darunter verstehe ich den Gipfel der Gewalt, der sich im 20. Jahrhundert auf erschreckendste Weise manifestiert hat, brodelte schon seit Jahrhunderten in der Menschheitsgeschichte und ist im 20. Jahrhundert wie ein entsetzlicher Vulkanausbruch über die Menschheit hereingebrochen. Auschwitz war immer schon dagewesen Diese durch &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Schandtaten reifende Frucht“&lt;/span&gt; ist die Geschichte des Antisemitismus, die schon in der Antike ihren Anfang genommen hat.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;An dem Hegel'schen Weltgeist wird gekratzt. H. habe gesagt, die Weltgeschichte sei das Bild und die Tat der Vernunft.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"...wer die Welt vernünftig ansieht, den sieht auch die Welt vernünftig an, beides ist in Wechselbestimmung – sagt wiederum H., nicht H., der Führer und Reichskanzler, sondern H., der gewaltige Seher, Philosoph, Hofnarr und auserwählte Leckerbissen aufwartende Mundschenk, aller Führer, Reichskanzler und sonstigen Titularusurpatoren,.."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;An dieser Stelle wird ziemlich neckisch vor den Gefahren des Missbrauchs der Wissenschaft in Diktaturen gewarnt. Ich stieß nun auf das Buch von &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Hubert Kiesewetter,&lt;/span&gt; einem Schüler von Karl Popper, der das Buch &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Von Hegel zu Hitler“&lt;/span&gt; verfasst hat, in dem er darlegt, jedenfalls wird das im Klappentext erläutert, &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„... daß nicht Rassismus, Antisemitismus und Weltwirtschaftskrise die Machtergreifung der Nationalsozialisten ermöglicht haben, sondern Hitlers Propaganda für den totalitären Zentralstaat. Hegel hatte in seiner Rechtsphilosophie die modernste und entwickelteste totalitäre Staatslehre entworfen, auf die sich Wissenschaftler und Politiker seit 1821 in ihrem Kampf gegen Individualismus, Liberalismus und Parlamentarismus über 120 Jahre lang stützen konnten. Die Etablierung eines totalitären Machtstaates war die wichtigste Ursache der deutschen Katastrophe. Sein Aufstieg und Untergang werden hier dargestellt und erklärt.“ &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Ich weiß nicht, inwieweit diese These wirklich ernstzunehmen ist und überlege, ob Kertész dieses Buch gelesen hat, allerdings, ein philosophisches Weltbild herzunehmen um eine Diktatur zu rechtfertigen, klingt an sich schon als Missbrauch, wobei ich es sowieso für problematisch halte, ein philosophisches System auf politische Verhältnisse zu übertragen. &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Kertész mag Hegel insofern kritisch gegenüberstehen, weil es für ihn natürlich nicht nachzuvollziehen ist, wie der Holocaust als irdisches Abbild eines Weltgeistes zu verstehen sei.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;In Kertész' Roman gibt es Stellen, die mich besonders emotional rühren. Die Begegnung mit dem &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Herrn Lehrer“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; im KZ zeigt deutlich, was für ein Zufall es ist, das Lager überlebt zu haben. Verständlicherweise muss darausfolgernd die Frage nach der Existenzbeechtigung auftauchen. Und dann auf den Seiten 39/40, auf denen B. von einer &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Schwarzen Messe der Menschheit“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;spricht, aus der Erinnerung heraus würde Gas sickern, der letzte Überlebende aus Warschau würde sein&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schma_Jisrael"&gt; Schm'a&lt;/a&gt; sprechen usw. Arnold Schönberg hat &lt;a href="http://www.musiktext.de/texte/schoe_warsch_txt.htm"&gt;"Ein Überlebender aus Warschau"&lt;/a&gt; in Töne gesetzt (siehe auch &lt;a href="http://www.schoenberg.at/6_archiv/music/works/op/compositions_op46.htm"&gt;hier&lt;/a&gt;). Mich hat sehr beeindruckt, wie Kertész auf diese Weise auf das Problem des Überlebens zurückkommen ist, spricht sogar, B. sei ein&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Übriggebliebener aus Budapest“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;und kommt schließlich auf die Kinder zurück, die nie gezeugt wurden. Ja, dann habe ich mich erinnert, das ich ein &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Kaddisch für ein  nicht geborenes Kind.“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; lese.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Viele Fragen bleiben offen. Vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass es sich um ein gutes Buch handelt, denn mit solch existentiellen Fragen werden Menschen wohl niemals fertig. Für mich stellt sich die Überlegung, ob die Unmöglichkeit der Existenz des Menschen nicht doch zu pessimistisch ist. Unsere folgende Generation, schon meine Nichten und Neffen, werde sich die Frage stellen müssen, ob man in Zeiten der Klimakatastrophe Menschen in die Welt setzen sollte. So werde ich mit dem Roman nicht fertig, und lasse ein wenig Luft ab, indem ich hier plaudere.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8228361399364867513?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8228361399364867513/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8228361399364867513&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8228361399364867513'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8228361399364867513'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/01/imre-kertesz-kaddisch-fur-ein-nicht.html' title='Imre Kertész: Kaddisch für ein nicht geborenes Kind'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8020242932793085557</id><published>2010-01-14T12:10:00.004Z</published><updated>2010-01-14T13:41:01.855Z</updated><title type='text'>Amélie Nothomb: Der Professor</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Amélie Nothomb hat einen wunderbaren Draht zum Skrurrilen. Und ich staune doch, was die Autorin aus dem an sich ziemlich banal scheinenden Ausgangspunkt des Romans herausholt. Es geht nämlich darum, ein Arzt, schon siebzig Jahre alt, auf dem Lande lebend, nervt ein neu hinzugezogenes älteres Ehepaar in der Nachbarschaft, indem er jeden Tag pünktlich um 16.00Uhr bei Émile  und Juliette Hazel klingelt, sich zum Kaffetrinken einladen lässt, sehr schweigsam ist, lakonisch meist nur mit „Ja und „Nein“ antwortet, dem friedlebenden Ehepaar deftig auf die Nerven geht, dass man hier schon  von einem Psychoterror sprechen kann. Um 18.00 Uhr geht er dann wieder. Der Ausgangspunkt ist also ähnlich wie in &lt;/span&gt;&lt;a style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" href="http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/01/amelie-nothomb-kosmetik-des-bosen.html"&gt;"Kosmetik des Bösen"&lt;/a&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, der Verlauf und der Grund des nachbarschaftlichen Terrors ein ganz anderer.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Die These des Romans ist nicht neu: Das Böse lauert überall. Nicht neu, richtig, aber es kommt darauf an, wie die These im Roman umgesetzt und verarbeitet wird. Ich finde, das ist hier auf skurrile und freche Weise mit einem durchaus leckerbissigen Humor gelungen, auch der Schluss enttäuscht nicht, sondern ist an sich logisch, kann, wenn ich die Lektüre rückwirkend betrachte, auch gar nicht anders sein kann. Der erste Satz des Romans sitzt wie gegossen und führt dann in einem großen Bogen zum Romanende hin. Der erste Satz heißt wie folgt:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Von sich selbst weiß man nichts".&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Émile und Juliette kennen sich seit ihrer Schulzeit und waren seither unzertrennlich gewesen, ein friedliches, unauffälliges Paar. Es gab keine Lebenskrisen, alles war schön, Émile verwirklichte sich als Griechisch – und Lateinlehrer. Man konnte gar nicht unhöflich , nicht unsittlich sein, weil man nie so war. &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Gewisse elementare Reflexe“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; hatte man in sich, und wenn Herr Bernardin, der Quälgeist, an die Tür klopft,  fühlt sich der brave Philolog' geradezu dazu verpflichtet, die Tür zu öffnen und hatte dann den klobigen Nervtöter als Belohnung in der Wohnung. Diese biedere Menschenfreundlichkeit wird hinterfragt, und als Leser denke ich mir wirklich, wie im Grunde langweilig muss doch dieses brave Leben gewesen sein. Émile und Juliette haben endlich ihr Ziel erreicht, ein ruhiges Haus auf dem Lande zu finden, in dem sie weiterhin ihre biederfriedliche Existenz fortführen wollen bis zum Tod. Und dann kommt der Quälgeist, ihre friedliche Zeit ist vorbei. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Das Ehepaar Émile und Juliette ist wie ein geschlossenes System, was nur in sich geschlossen  funktioniert.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wird aber die Außenwelt hineingetragen, hier durch den Professor verkörpert&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, so kann ein geschlossenes System, welches bis dahin funktioniert hat, brüchig werden und plötzlich   wird eine Introspektion in Gang gesetzt, dass die Betroffenen in eine ungeheuerliche Selbstoffenbarung führt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" class="quoteheader"&gt;"Je mehr Jahre hingehen, desto weniger versteht man, wer diese Person ist, in deren Namen man spricht und handelt".&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Prädikat wertvoll.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8020242932793085557?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8020242932793085557/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8020242932793085557&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8020242932793085557'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8020242932793085557'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/01/amelie-nothomb-der-professor.html' title='Amélie Nothomb: Der Professor'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-1852866748491559894</id><published>2010-01-05T13:15:00.003Z</published><updated>2010-01-05T14:31:39.341Z</updated><title type='text'>Amélie Nothomb: Kosmetik des Bösen</title><content type='html'>&lt;span class="postbody"&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Weil sein Flugzeug Verpätung hat, sitzt der Geschäftsmann Jérôme Angust auf einem Flughafen fest und nimmt ein Buch zur Hand, wird aber durch einen Holländer namens Textor Texel gestört, der mit Jérôme ein Gespräch beginnt und den Geschäftsmann kontinuierlich steigernd auf die Palme bringt und schließlich wird klar, Textor Texel lege es offenbar auf einen Psychoterror an. Jérôme ist genervt und entsetzt von diesem Holländer, der ihm von seinen grauslig morbiden Erlebnissen aus seiner Vergangenheit erzählt, entsetzt von Texels Gefühlskälte und den damit abstrusen Vorstellungen von zwischenmenschlichen Beziehungen. Textor Texel wird als verkorkster Psychopath dargestellt, der von einem unverarbeiteten Trauma ausgehend, durchs Leben getrieben wird. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der sehr kurze Roman, wenn es nicht doch eine Erzählung ist, besteht fasst ausschließlich aus dem Dialog zwischen Jérôme und Textor. Es ist der Autorin sehr geglückt mit diesem Dialog Spannung zu erzeugen und zu steigern. Besonders die Stellen, die Textor Texel als eine absolut gestörte Persönlichkeit erkennen lassen, sind herausragend gezeichnet. Gerade deshalb aber, ist die Schlusswendung des Textes, in der alles selektionsmäßig aufgeschlüsselt wird, doch eher ernüchternd. Die Autorin bedient sich eines Elements aus dem Phantastikgenre, was an sich nicht schlecht ist, ich dieses aber mit einer „Aha- schon mal so was gelesen“- Reaktion quittierte, weil es sehr plump, als plötzliche Offenbarung, aufgetischt wird. Das ist ein arger Fehler und verdirbt letztendndlich die ganze Geschichte. Das ist äußerst bedauerlich und schmerzlich, weil die Autorin bis dahin, ihre Geschichte sehr glücklich, durchaus hervorragend gestaltet hat. Am Ende des Romans habe ich mir gewünscht, ich wäre etwas im Ungewissen, im Rätselhaften geblieben. Für mich wäre das spannender gewesen. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-1852866748491559894?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/1852866748491559894/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=1852866748491559894&amp;isPopup=true' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1852866748491559894'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/1852866748491559894'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2010/01/amelie-nothomb-kosmetik-des-bosen.html' title='Amélie Nothomb: Kosmetik des Bösen'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8384292481122009995</id><published>2009-12-31T16:10:00.002Z</published><updated>2009-12-31T16:17:11.960Z</updated><title type='text'>Robert Merle: Malevil</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Name &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Malevil&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; ist aus den Wörtern Mal (frz. Böse) und evil (engl. Böse) zusammengesetzt und bezeichnet eine fiktive Burganlage in Südfrankreich, die im Hundertjährigen Krieg von Engländern erbaut worden ist, inzwischen zu einer baufälligen Ruine verwahrlost, dem Jungen Emmanuel Comte als geheimer Zufluchtsort dient, wenn er Abstand zu seinen Eltern sucht. Ein typischer Junge, der in den Nachkriegsjahren, wir schreiben das Jahr 1948, in den Gemäuern das Abenteuer sucht. Offiziell ist der Zugang zur Burg verboten, weil sich gelegentlich Steinbrocken gelöst haben. Sein Onkel, der eine besonders herzliche Beziehung zu Emmanuel entwickelt, weiß um Emmanuels geheimen Unterschlupf und lässt ihn gewähren. Der Onkel stirbt und hinterlässt ihm eine Bibel mit einem Brief, in dem der Onkel folgendes vermerkt:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Bei diesem Buch darf man sich nicht an die Gebräuche kehren, auf die Weisheit kommt es an."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Auch wenn die einleitenden Kapitel sehr ausgedehnt sind, tragen sie doch entscheidend zur Vorbereitung der kommenden Katastrophe bei. Wenn im Jahre 1977 die Bombe fällt und alles Leben auf der Erde auslöscht, befindet sich Emmanuel mit einigen Freunden zufällig im Weinkeller der Burganlage. Sie erleben den Schnitt von einem Leben davor, welches unwiederbringlich verloren ist, und es beginnt für sie ein Leben, die Zeit nach dem Tag X, und als das Mädchen  Miette, die auch überlebt hat,  in Malevil einzieht, gibt es dort  eine gebährfähige Frau, Grundvoraussetzung für das Überleben der Menschheit.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Emmanuel, der im Alter von 35 Jahren Malevil gekauft, die Burg für Touristen restauriert hat, das Leben dort sehr demokratisch führt und eine große Gabe für diplomatische Verhandlungen hat, sieht sich aber vor großen Problemen gestellt. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Da ist die Sache mit den Frauen, d.h. Es ist zu anfangs nur eine da, die gebährfähig ist. Miette. Allerdings habe ich den Eindruck, dass es eben die Männer sind, die ihre Begierden als Phallokraten befriedigen müssen, und die Frau ist das Sexobjekt. Ja, ganz banal. Mir ist ehrlich gesagt ziemlich unwohl, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es lange auf diese Art und Weise gut gehen wird, dass sich etwa sechs Männer eine Frau teilen. In unserem mitteleuropäisch Kulturkreis, in dem immer noch das christliche Moralempfinden überwiegt, oder das Moralempfinden anerzogen worden ist, da kann ich mir doch nicht vorstellen, dass sich mehrere Männer eine Frau teilen. In anderen Kulturkreisen - es wird eine indische Kaste erwähnt, bei der sich mehrer Brüder aus existentiellen Gründen eine Frau teilen - mag das üblich sein, auch ein Moslem darf mehrere Frauen haben, muss aber für sie und für die Nachkommenschaft Sorge tragen, d.h. Verantwortung. Aber in Frankreich ist es eben nicht so . Kurz und gut. Ein Unding, was dort in Malevil passiert. Es ist eine Frage von Moral und Unmoral, mit der sich die Männer von Malevil auseinanderzusetzen haben. Moral ist, wie wir gesehen haben, kulturabhängig. Natürlich können wir sagen, durch die Bombe ist auch die christliche Obrigkeit abgeschafft und die Menschen in Malevil müssen sich ihre Moralvorstellungen neu erschaffen, was allerdings nicht geht, weil diese Menschen ihre Vorstellungen vom Leben von der Zeit davor in die Zeit danach weitertragen. Warum Miette sich für alle Männer entscheidet und sie im Wechsel der Liebe pflegen lässt, blieb mir ein Rätsel, bis ich auf den Hinweis gestoßen bin, Miette sei ein wenig debil. Jetzt erkennen wir, in was für Gedankenbisse der Leser hier kommen muss. Ein geistig etwas zurückgebliebendes Mädchen wird von einer Anzahl von Männern für sexuelle Befriedigungen ausgenutzt. Das ist schamlos und  der Beginn von Barberei. Selbstverständlich habe ich gedacht, die Leute von Malevil werden in maßloser Barbarei verfallen. Dem ist aber nicht so. Auch als  menschlich verwahrloste Plünderer ohne wenn und aber mit ihren Gewehren brutal niedergemetzelt werden, bleibt die Streitfrage, ob dieser Massenmord gerechtfertigt sei. Hier unsere Maßstäbe von Moral und Unmoral anzusetzen, halte ich für nicht richtig.  Welcher Mensch möchte sich denn einfach umbringen lassen? - Keiner. Na also, dabei mir natürlich aus meiner Sicht völlig klar ist, all dieses ist völlig unmenschlich und so etwas kann nicht gutgeheißen werden. Die Maleviler leben aber in einer äußerst unmenschlichen Situation, die ums überleben kämpfen müssen, und zum Überleben brauchen sie eben das Getreidekorn, und wenn die Plünderer das Korn stehlen, müssen sie sterben, wenn diese nicht sterben, dann sterben die Menschen  von Malevil. So eine einfache Rechnung ist das.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Malevil“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; entstand im Jahre 1972, als die Bedrohung eines Atomkrieges im Bewusstsein der Menschen akut war. Die siebziger Jahre, das war die Zeit großer Demonstrationen gegen die Atombombe, gegen Atomkraftwerke, die Zeit der großen Friedensbewegung, die sich gegen den Vietnamkrieg stark machte. Bei der Bombe in unserem Roman handelt es sich allerdings um eine Lithiumbombe, die keine Kernstrahlung freisetzt. Der Roman muss ein Schlag gegen die Friedensbewegung gewesen sein, macht der Mensch nach dem Tage X doch genauso weiter wie vor dem Tage X. Der Mensch ist zum Unfrieden verdammt. Die Leute von Malevil sehen sich gezwungen, sich kriegsmäßig zu rüsten. Es wird immer so gerissene Hunde wie den falschen Priester Fulbert geben, der auf La Roque eine egobesessene Diktatur führt, und Emmanuele Comte mit der Bibel in der Hand wird als Kulturbringer der Menschheit nach dem Tage X in die Geschichte eingehen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Mein Hauptkritikpunkt an dem Roman ist, die Spannung wird nicht gehalten. Es gibt extrem spannende Stellen, so halte ich  Diskussion zwischen Emmanuel Comte und Fulbert für den literarischen Höhepunkt des Romans, in dem Comte als hervorragener Diplomat agiert und Fulbert ein gerissener Hund im Schafspelz, der seinen Gegenspieler moralisch zu erpressen versucht, trotzdem, Spannungen ebben mehrmals wieder ab, flammen irgendwann wieder auf.  Ich war auch überrascht, glaubte ich doch wegen einiger Anspielungen, der Roman ziele auf eine fürchterliche Barberei ab, in der der Mensch sich eher in Richtung Tier entwickelt, als zum Menschen. Soweit wollte Robert Merle nicht gehen, ist die Zeit vor dem Tage X doch noch präsent, schließlich haben sie noch die Heilige Schrift. Der Barbarismus ist der Krieg. Auch wenn mir&lt;a href="http://martinus-literatur.blogspot.com/2009/12/robert-merle-die-geschutzten-manner.html"&gt; „Die geschützten Männer“&lt;/a&gt; mehr gefallen haben, ist dieser Roman wegen dem Thema, welches dem Leser auch nach der Lektüre nicht loslassen mag, sehr zu empfehlen.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8384292481122009995?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8384292481122009995/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8384292481122009995&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8384292481122009995'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8384292481122009995'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2009/12/robert-merle-malevil.html' title='Robert Merle: Malevil'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-7944847024905807141</id><published>2009-12-30T11:41:00.001Z</published><updated>2009-12-30T11:43:33.343Z</updated><title type='text'>Franz Kafka: Ein Bericht für eine Akademie</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Kafka erzählt von der Wandlung eines Affen zum Menschen, dabei finde ich es entscheidend, der Wunsch des Affen, sich zum Menschen zu entfalten, wird während einer Jagdexpedition der Firma Hagenbeck, also durch Menschen selbst ausgelöst, die den Affen an der Goldküste einfangen, ihn dann auf ihrem Schiff in eine Kiste einsperren. Der Wunsch des Affen aus der Kiste herauszukommen ist groß. Ein dreiwandiger Gitterkäfig, recht unbequem sich tierisch oder menschlich darin bewegen zu können, an einer Kiste befestigt, die die vierte Käfigwand ausmacht. Die Gitterstäbe schneiden dem Tier ins Fleisch. Der Affe spürt die Unterdrückung, die Qual durch den Menschen. Aber Vorsicht, hier Rückschlüsse auf die Vater – Sohn Beziehung im Hause Kafka schließen zu wollen, halte ich für nicht statthaft, würde auch eine Kafkadeutung, die sich hauptsächlich auf den Vater-Sohn Komplex einengt, entschieden ablehnen. In weiterer Betrachtung der Geschichte ergibt sich außerdem, dass m. M. n. eine psychologische Deutung der Geschichte nichts bringen würde. Hier geht es einfach um das Verhältnis zwischen Mensch und Tier, und wie man dazu stehen solle, dass ein Affe in Varietéevorstellungen durch angelernte Verhaltensweisen vermenschlicht wird. Natürlich gibt es andere Interpretationen, die in den Darwinismus führen, und Max Brod verstand den Text „als Allegorie auf die Assimilation des Westjudentums“ (siehe &lt;/span&gt;&lt;a style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" href="http://www.geo.uni-bonn.de/cgi-bin/kafka?Rubrik=interpretationen&amp;amp;Punkt=akademie&amp;amp;Unterpunkt=allegorie" target="_blank"&gt;hier&lt;/a&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;). An dieser Stelle möchte ich aber den Text nackt betrachten, wie er vor mir liegt und daraus meine Schlüsse ziehen:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Von Hagenbecks Jägern wird der Affe in die Wange geschossen, die Wunde hinterlässt &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„eine große ausrasierte rote Narbe“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;. Damit ist er gebrandtmarkt und wird Rotpeter genannt. Die Narbe und der Name tragen unweigerlich eine Portion Spott und Hohn und drängen den Affen in eine Außenseiterrolle, aus der das Tier entkommen will, genauso wie das Tier aus dem Käfig gelangen will. Der Weg führt nur durch die Entwicklung zum Menschsein zum Ziel, d.h. durch Imitation gelingt es ihm, menschliche Verhaltensweisen zu kopieren, bis er letztlich auch ihre Sprache spricht.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Weg zum Menschen ist holprig und schwer, das zeigt die Gewohnheit des Affen, vor Besuchern seine Hose herunterzuziehen, um seine zweite Verwundung vorzuzeigen. Ein erwachsener Mensch würde das aus Scham nie machen, nur Kinder. Natürlich hat Kafka an dieser Stelle eine Portion Humor niedergelassen und seine Affennatur, wird der Affe, da er als Affe geboren ward, niemals vollständig aufgeben können. Zumindest ist davon auszugehen, weil Menschen äffische Verhaltensweisen zu Tage legen können. Ich meine die Zielsetzung unseres vermenschlichten Affen, in einem Varietétheater auftreten zu wollen, liegt niemals in der Natur des Affen, denn an der Goldküste oder an den Hängen des Kilimandscharo käme ein Gorilla niemals auf die Idee, Varietévorstellungen zu geben. Darum ist es sehr äffisch, dass sich unserer Affe zum Menschen machen will, und die Menschen, die unseren Affen menschliche Verhaltensweisen beibringen, benehmen sich wie Affen, weil sie den Affen um seine eigentliche Natur betrügen. Ein Fristen im Zoo ist für einen Affen genauso unwürdig wie ein Auftreten in einem Varieté. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Kafka macht den Affen zum Menschen, den Menschen zum Affen. Diese groteske Überspitzung macht mir die Erzählung sympathisch und beweist Kafkas Humor, katapultiert ihn aus dem drückenden Schatten seines Vaters. Der Mensch schaut in den Spiegel und sieht einen Affen. Das ist die Botschaft der Geschichte.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-7944847024905807141?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/7944847024905807141/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=7944847024905807141&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7944847024905807141'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7944847024905807141'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2009/12/franz-kafka-ein-bericht-fur-eine.html' title='Franz Kafka: Ein Bericht für eine Akademie'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-5675184895523829407</id><published>2009-12-13T09:19:00.003Z</published><updated>2009-12-21T22:16:09.485Z</updated><title type='text'>Robert Merle: Die geschützten Männer</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Das Virus Enzephalitis 16 verändert die Welt. Fast alle Männer sterben, sie verlieren das Bewusstsein und fallen ins Koma. Frauen sind immun. Eine Erhebung hat gezeigt, kein Junge im vorpubertären Alter ist von der Krankheit betroffen, es gibt nur wenige Männer über siebzig, die an Enzephalitis 16 gestorben sind. Der Neurologe Dr. Martinelli, der vor einem Ausschuss der HEW, dem Ministerium für Gesundheitswesen,  Volksbildung und Soziales in Washington über die Epidemie referiert, möchte, dass sein Bericht veröffentlicht wird. Doch auch drei Wochen nach dieser Unterredung ist nichts geschehen. Die Öffentlichkeit ist nicht alamiert. Keine prophylaktischen Maßnahmen werden durchgeführt, die Presse schweigt. Es stellt sich heraus, nicht  das HEW ist schuld an dieser desolaten Lage, sondern der US- Präsident. Nach Veröffentlichung des Berichtes wäre der Präsident nämlich in die missliche Lage gekommen, Maßnahmen zu ergreifen, die ihn unbeliebt gemacht hätten. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" class="quoteheader"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;blockquote style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Und wegen Thailand, wo er eine Art heimlichen Krieg führt, der niemand entgeht, ist er schon unpopulär genug.&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wegen solcher Seitenschlenker, Amerikakritik, die uns heute noch vertraut ist, weil sich in Amerika in mancher Beziehung nichts verändert hat und neuerdings Krieg sogar mit Moral gerechtfertigt wird, macht den Roman interessant und nachdenklich. Es geht aber nicht nur um Egoismen eines Präsidenten, der auch nur kurz auftaucht. Merle zeichnet eine herrliche Karikatur eines Juden, der überempfindlich misstrauisch ist, &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„als ob er versuchte, beim anderen den kleinen Schimmer von Antisemitismus aufzudecken, der ihm bis dahin entgangen sein könnte"&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;. In Verbindung zur Epidemie Enzephalitis 16 gelingen Robert Merle Seitenhiebe auf das amerikanische Sektenwesen und fundamentalistischen Christentums. Nach über dreißig Jahren, der Roman wurde 1974 veröffentlicht, birgt er immer noch Aktualität.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Das Hauptthema des Romans ist der Feminismus, den der Autor mit Ironien zeichnet, der in militanten Auswüchsen unerträglich wird. Die Männer sterben aus, die neue  US-Präsidentin Bedford kommt an die Macht und errichtet eine feministische Diktatur, die in ihrem Auswuchs verbrecherisch ist und jede Menschlichkeit verloren hat: &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" class="quoteheader"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;blockquote style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Eine gewählte Regierung wagt es, ihre Bürger wie eine Herde Vieh zu behandeln und auf Grund willkürlicher Entscheidungen einige wenige zu Hengsten, die Mehrheit zu Wallachen zu machen. Erneut bestätigen sich meine Befürchtungen. Bedfords männerfeindlicher Sexismus ist eine Art Rassismus, und wie jeder Rassismus wird er, machtpolitisch intregriert, zwangsläufig zu einem verbrecherischen Instrument gegen die Menschheit."&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Es ist ein  Roman, der sich gegen verbrecherische Diktaturen und gegen Rassismus richtet. Dass es hier um eine feministische Diktatur geht, ist kein Zufall, war doch in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts der Feminismus ein großes Thema, der auch mal abstruse Wege gegangen ist. &lt;/span&gt;&lt;a style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Valerie_Solanas" class="bbc_link new_win" target="_blank"&gt;Valerie Solanas&lt;/a&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, die Frau, die Andy Warhol beinahe erschossen hat, schrieb im Jahre 1967 das  &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;. Andy Warhol fand den Text brilliant geschrieben und witzig. Wer weiß denn heute, wieviel Satire und wieviel Ernst in diesem Text stecken mag. In &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die geschützten Männer“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; ist es Deborah Grimm, die die Männer abschaffen will und Dr. Martinelli, der in einem Camp in Blueville zu den geschützten Männern gehört, und ein  Gegenmittel für das Virus Enzephalitis 16 entwickeln soll, wird auch nur zu einem Opfer der Diktatur. Die Welt im Stacheldraht, die Welt außerhalb des Stacheldrahtes, in beiden Welten ist der Mann unfrei. Diktaturen werden durch einen Stacheldraht nicht aufgehalten. So ist das Lager Bestandteil der Schreckensdiktatur und wird im Roman nicht zufällig als luxuriöse Variante eines Konzentrationslagers bezeichnet. Anspielungen auf die Nationalsozialistische Diktatur gibt es mehrere.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Egal ob  Männer oder Frauen mit Sexismus belegt werden - die Wortschöpfung &lt;/span&gt;&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Phallokrat“ &lt;/i&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;bleibt hängen -, es ist immer eine Beleidigung. Robert Merle geht es um Gleichberechtigung zwischen Geschlechtern und Rassen. Nur auf Augenhöhe ist ein würdiges Zusammenleben möglich. Besonders hat mir gefallen, dass Merle dieses Thema ironisch angeht, sodass der Leser trotz ernster Thematik damit rechnen muss, dass seine Lachfalten strapaziert werden. Die Sprache ist ziemlich simpel, da der Inhalt aber tiefschürfend ist, ist der Roman  unbedingt weiterzuempfehlen und hat seinen Platz in der Reihe der großen Utopien des 20. Jahrhunderts verdient.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-5675184895523829407?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/5675184895523829407/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=5675184895523829407&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5675184895523829407'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5675184895523829407'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2009/12/robert-merle-die-geschutzten-manner.html' title='Robert Merle: Die geschützten Männer'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-5428752521083868275</id><published>2009-12-04T15:26:00.003Z</published><updated>2009-12-04T15:32:47.494Z</updated><title type='text'>Jean-Marie Gustave Le Clézio: Der Goldsucher</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Als im Jahre 2008 der Träger des Literaturnobelpreises verkündet wurde, reagierte Focus Online mit dem Artikel &lt;a href="http://www.focus.de/kultur/buecher/brands-buecher/literatur-nobelpreis-voll-daneben_aid_339707.html"&gt;"Voll daneben"&lt;/a&gt;, in dem der Redakteur Jobst-Ulrich Brand über  Preisvergaben der letzten Jahre lästerte - „Ja, dann schafft ihn doch am besten gleich ganz ab, den Literatur-Nobelpreis!“ - ohne konstruktive Literaturkritik zu leisten, obwohl schon damals Jean-Marie Gustave Le Clézio zu den am meisten gelesenen französischen Autoren auf der Welt gehörte, Deutschland ihn aber verschlafen hatte.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Mit dem Roman &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Goldsucher“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; taucht Le Clézio in die Welt des Abenteuerromans ein. Der Leser wird allerdings überrascht sein, kein actionreiches Abenteuer vorzufinden, sondern er wird in einer farbigen Sprache gemächlich durch den Roman getragen, auch wenn der Romanaufhänger andere Hoffnungen weckt. Nach den Aufzeichnungen seines Vaters ist Alexis auf der Suche nach dem legendären Goldschatz eines unbekannten Korsaren, der schon seit hundert Jahren gesucht wird, und sein Vater herausgefunden haben will, der Schatz befinde sich auf der Insel Rodriguez im Indischen Ozean gelegen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Der Roman erzählt von der Naturverbundenheit des Menschen. &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Immer, soweit ich zurückdenken kann, hab ich das Meer gehört.“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;So beginnt der Roman. Das Meeresrauschen erfüllt Alexis mit&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „einer Sehnsucht, die er nicht begreife.“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Er lauscht seinem Vater zu, wie er vom Sternenhimmel erzählt, und wenn er im Jahre 1910 von Mauritius Richtung Rodriguez aufbricht, auf dem Deck des Schoners &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Zeta“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;liegt, dann &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„schwankt der Himmel zwischen den beiden Masten, die Sternbilder drehen sich, halten einen Augenblick inne und kehren in die Ausgangsstellung zurück.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Le Clézios poetische Malerei, die Landschaft Mauritius', die Fahrt auf dem Meer, usw.  ist von eindringlicher Farbigkeit gezeichnet, die auf mich aber nicht ausufernd wirkt. So lese ich dutzende Seiten, lasse mich durch die Worte treiben wie auf einem Schiff, durchstreife Zuckerrohrplantagen, durchlebe wie ein Robinson Crusoe Alexis' Einsamkeit auf Rodriguez, die Suche nach dem Schatz. Was will ein Autor mehr, wenn er  Leser mit seiner Erzählmagie so gewaltig mitreißen kann.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Inhaltlich verdient der Roman besondere Aufmerksamkeit, weil das Abenteuer selbst, die Schatzsuche, in Frage gestellt wird. Trotzdem, ersteinmal lässt sich Alexis in den ersten Weltkrieg treiben, bevor seine Abenteuerreise zu einer Reise in seinen inneren Wesenskern führt. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Um Kritik an Kolonialmächten ins Spiel zu bringen, hat Le Clézio u.a. die Kreolin Uma in den Roman gesetzt, eine wunderbare erdgebundene, mit zarten Strichen gezeichnete Frauengestalt, die sich für das Kosarengold nicht die Bohne interessiert. Die Gier der Kolonialherren, ihr Machtmissbrauch gegenüber einheimischer Landarbeiter kommt ihm Roman zum Tragen, schwelt aber eher im Hintergrund, sodass im Roman niemals Überheblichkeiten auftauchen, wie wir sind die Guten, ihr die Bösen, sondern es wird ja gerade die  innere Wandlung des weißen Mannes Alexis aufgezeigt, der vor vielen Jahren als kleiner Junge mit seinem schwarzen Freund Denis auf Mauritius herumstreift, mit ihm Kindheitsabenteuer erlebt. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Anhand dieses Romans kann die Begründung des Nobelpreiskomitees nachvollzogen werden, Jean-Marie Gustave Le Clézio sei ein&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase, dem Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilisation« &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Bisher mein liebster Le Clézio!!&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-5428752521083868275?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/5428752521083868275/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=5428752521083868275&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5428752521083868275'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/5428752521083868275'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2009/12/jean-marie-gustave-le-clezio-der.html' title='Jean-Marie Gustave Le Clézio: Der Goldsucher'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-8116276876857039604</id><published>2009-11-27T12:46:00.005Z</published><updated>2009-11-27T14:47:02.335Z</updated><title type='text'>Per Olov Enquist: Ein anderes Leben (Autobiografie)</title><content type='html'>&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Ein anderes Leben“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; ist die Autobiografie des schwedischen Schriftstellers und Dramatikers Per Olov Enquist. Von Enquist kannte ich bisher nur  &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der fünfte Winter des Magnetiseurs“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; und &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Das Buch von Blanche und Marie“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, und ich vermute, zufällig gerade auf die Romane gestoßen zu sein, die wohl nicht zu seinen besten gehören. Enquists Autobiografie veranlasst mich zu einer weiteren Beschäftigung mit dem Autor, denn in &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Ein anderes Leben“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; habe ich literarische Glanzstücke gefunden. Die Kapitel über seinen Alkoholismus, der ganze Teil über seine Kindheit ist große Literatur, gerade hier wird, als ob es ein Roman wäre, mit literarischen Mitteln gearbeitet. Es ist  bemerkenswert, dass man am Buch äußerlich nicht ausmachen kann, dass es sich um eine Autobiografie handelt.  Vielleicht hat der Autor darauf keinen besonderen Wert gelegt.   &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Ein anderes Leben“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; - das ist das Leben nach dem Alkoholismus, als er wieder Romane schrieb, begonnen mit  &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Kapitän Nemos Bibliothek“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;. Er stand am Rande totaler Selbstvernichtung, und glaubte nicht mehr, schreiben zu können, erzählt von Jean Sibelius, er habe seine achte Symphonie  komponieren wollen, setzte sich an den Komponistentisch, wo ihm dann die Sehnsucht nach einer Branntweinflasche überkam.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Die Entscheidung des Autors, seine Autobiografie aus der Perspektive der dritten Person zu erzählen, hat sich bewährt, denn dieser Blickwinkel gewährt dem Autor einen Blick von außen auf sich selbst, und der Leser gerät niemals in den Verdacht, hier möchte sich jemand auf den Präsentierteller hieven. Die Gefahr banaler Schreiber besteht ja darin, sich autobiografisch in ihrem Leid zu suhlen, hier ein „weh“ und dort ein „ach“. Per Olov Enquist, der sich hier als vorzüglicher Schriftsteller erweist, ist über solche Banalitäten erhaben. Seine Offenheit und Ehrlichkeit, die er in seinem Werk ausbreitet ist bewundernswert, das betrifft natürlich auch die Kapitel über seine Sucht. Trotzdem, nie hatte ich das Gefühl, dem Herrn Enquist zu intim auf die Füße getreten zu sein. Das ist das Wunder der „Er“- Perspektive und die Größe des Autors.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Riecht es nicht nach Formalin in der Anlage? Man bewahrt die Leichen der Selbstmörder bestimmt im Kühlraum auf. Seine Aufnahmepromille werden ihm mitgeteilt, aber gegen seine Gewohnheit vergisst er sie und will nicht noch einmal fragen.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Obwohl Per Olov Enquist natürlich weiß, dass die Ursache seiner Sucht irgendwo in der Vergangenheit liegen muss, begibt er sich nicht auf Ursachenforschung. Er weiß nicht, woher seine Sucht kommt, lässt aber die Vokabel &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Alkohol“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; durch das Buch gleiten. Natürlich stutzte ich, als ich Per Olov Enquists Reaktion auf die überschwengliche Rezension zu&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; "Der Sekundant"&lt;/span&gt;&lt;span style="color: rgb(153, 102, 51);"&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt;von Olaf Lagercrantz las, der geschrieben hat, Enquist sei in seinem siebenundreißigsten Lebensjahr zur Meisterschaft gelangt. Enquists Reaktion:&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Das genau ist es. Siebenundreißig Jahre und auf dem Höhepunkt seiner Karriere, und was soll jetzt kommen? Leere?&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Anfang der 60er Jahre  infolge von Magnecylmissbrauch Operation wegen eines Magengeschwürs und zur Enthaltsamkeit gezwungen. Mehrere Jahre kein Tropfen. Damals fiel ihm das leicht. Per Olov Enquist, 1934 im Dorf Hjoggböhle, &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„zwanzig Kilometer von der Küste und tausend Kilometer nördlich von Stockholm, tief im Wald gelegen“&lt;/span&gt;, geboren, aufgezogen  von einer christlich sektiererischen Mutter, Bigotterie - es muss gesündigt werden, um regelmäßig beichten zu können - , sein Vater starb, da war er ein halbes Jahr alt. Seine Großmutter sprach im Sterbebett zu Per Olov:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Herzlieb Per-Ola, jetzt sterb ich und du darfst keine Dummheiten machen oder in' Alk'hol g'raten wie e Papa."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;1990 beginnt sein anderes Leben. Ein Jahr zuvor ist er in Prag und legt in dieser Autobiografie sein persönliches Zeugnis vom neunten November ab. Am 04. Mai 2001 wurde &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Der Besuch des Leibarztes“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; im "Literarischen Quartett" besprochen. Damals trat Per Olov Enquist in mein Bewusstsein ein.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-8116276876857039604?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/8116276876857039604/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=8116276876857039604&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8116276876857039604'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/8116276876857039604'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2009/11/per-olov-enquist-ein-anderes-leben.html' title='Per Olov Enquist: Ein anderes Leben (Autobiografie)'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-3764353877557051982</id><published>2009-11-25T22:48:00.006Z</published><updated>2009-11-26T20:57:03.210Z</updated><title type='text'>Leo Perutz: Wohin rollst du Äpfelchen...</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;1918. Ende des ersten Weltkrieges. Georg Vittorin und vier Kriegskameraden sind nach zweijähriger Kriegsgefangenschaft aus dem russischen Lager von Tschernawjensk entlassen und sitzen im Zug Richtung Wien. Sie schwören  Rache. Der Lagerkommandant Seljukow hat sie schlecht behandelt, Vittorin in harscher Weise gedemütigt. In Wien aber gliedern sich die vier Kameraden ohne Probleme wieder ins zivile Leben ein und denken gar nicht daran, um der Rache willen nach Russland zurückzukehren. Offenbar haben sie ihre Schmach schnell vergessen. Nur Vittorin nicht. Er ist fixiert, von Rache besessen. Er will den Kommandanten zur Strecke bringen und reist zurück nach Russland. Dort gerät der in die Unruhen des Bürgerkrieges zwischen den Rotarmisten und der Weißen Armee. Das tut Vittorins Rachegelüsten keinen Abbruch, und wenn wegen seiner Besessenheit einige Menschen sterben müssen, strebt Vittorin energisch weiter seinem Wunsch entgegen, vor Seljukow zu stehen, ihm eine Kugel durch den Leib zu jagen. Doch seine Jagd auf den Stabskapitän Michael Michajlowitsch Seljukow entpuppt sich als eine Jagd auf ein nicht fassbares Fantom. Vittorin jagd Seljukow quer durch Europa. Für Vittorin  wird er zum &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„bösen Geist einer entarteten Zeit.“&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;  &lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Eine herrliche Idee von Perutz, Seljukow zu einer Metapher mutieren zu lassen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;"In ihm haßt Vittorin alles Schändliche...Konstantinopel ist voll von diesen düsteren Gestalten, voll von Menschen, deren Fingerandrücke in den Polizeiämtern registirert sind, überall sieht man ihre gierigen und gemeinen, verschwommenen und verfetteten Gesichter. Sie verdienen am Krieg, an der Politik, an der Spionage...Mit Verbrechern aller Erdteile hab' ich mich herumgeschlagen..."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Den böse Geist der entarteten Zeit finden wir auch in Wien. Doktor Emperger, einer von Vittorins ehemaligen Lagerkameraden, sagt:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;"Sie sind wieder zu Hause, alles ist vorüber. Jetzt heißt es arbeiten, wieder von vorn beginnen, den Krieg vergessen."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Bloß, wie soll man den Krieg so schnell vergessen, wenn man gerade erst aus dem Krieg zurückgekommen ist? Vergessen kann man einen Krieg überhaupt nicht, wenn man einen erlebt hat, höchstens verdrängen. Das rächt sich aber. Doktor Emperger ist auf seine Weise genauso verrückt wie Vittorin auf seine Weise. Die (wohl reicheren) Wiener feiern Parties, und auf der Straße hört man Lieder singen wie &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„...Der Tschechoslowak/ steckt alles in Sack,/ Die Wiener werden krepieren.“&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Das Zeitkolorit hat Leo Perutz sehr schön eingefangen. Hierin liegen die Stärken des Romans. Vittorin ist in Russland. Schaurig und wahr heißt es: &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;"Ein blutiger Nebel lag über der russischen Erde."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Leo Perutz hätte den Charakter Vittorins, und seine psychische Verfassung besser ausgestalten müssen. Da reicht es eben nicht, wenn er in Visionen vor Seljukow steht und anschließend wieder zur Tagesordnung übergeht. Es hätte gestalterisch viel tiefer in die Psyche eingedrungen werden müssen, um den Leser fassbar vor Augen zu führen, warum Vittorin den Boden unter den Füßen verloren hat. Wie Perutz seinen Vittorin dargestellt hat, ist er auch nur ein Schemen, der ein  Fantom jagd. Nun kenne ich Leo Perutz in einigen anderen Romanen als höchst raffinierten Romangestalter und es ist nicht auszuschließen, dass diese Schemenhaftigkeit Vittorins beabsichtigt ist, weil &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Georg Vittorin der Welt, in der er lebte, entfremdet war.“ &lt;/span&gt;Trotzdem ist es mir lieber, wenn sich ein Protagonist griffiger hervorhebt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Warum rollst du Äpfelchen“&lt;/span&gt; (1928) ist ein Kriegsheimkehrerroman. Ein anderer bekannter Heimkehrerroman aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist &lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Die Flucht ohne Ende“&lt;/span&gt; (1927) von Joseph Roth, darin Franz Tunda aus russischer Gefangenschaft flieht und in den Bürgerkrieg hineingezogen wird. Das besondere am Perutzroman ist, das der Heimkehrer wieder zurückkehrt, und der Roman sich zu einem abenteuerlichen Spannungsroman entwickelt.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-3764353877557051982?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/3764353877557051982/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=3764353877557051982&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/3764353877557051982'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/3764353877557051982'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2009/11/leo-perutz-wohin-rollst-du-apfelchen.html' title='Leo Perutz: Wohin rollst du Äpfelchen...'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-7510913579360311144</id><published>2009-11-13T16:21:00.006Z</published><updated>2009-11-13T16:36:19.647Z</updated><title type='text'>Herta Müller: Reisende auf einem Bein</title><content type='html'>&lt;i style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;/i&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Reisende auf einem Bein“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; ist Herta Müllers erster Roman, den sie nach ihrer Ausreise in Deutschland veröffentlicht hat. Irene, die Protagonistin, reist aus &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„dem anderen Land“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;(Rumänien) aus und kommt in Deutschland aber nie so richtig an. Physisch schon, aber sonst? &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Reisende kommen zu spät“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; lesen wir, &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Reisende auf einem Bein und auf dem anderen Verlorene“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;. Was das zu bedeuten hat, muss der/die Leser/in selber zusammeninterpretieren, macht er/sie es nicht, hat er/sie ein Bein verloren und das Buch auch. Herta Müller überlässt vieles dem Leser. Also versuche ich es:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Irene, die Reisende, hat ihre Kindheit und Jugend in Rumänien verbracht. Sie hat Sehnsucht aus dem Land herauszukommen. Im ersten Kapitel spiegelt sich diese Sehnsucht in ihren nächtlichen Spaziergängen, auf denen sie einen Mann wiederholt begegnet, der bei ihrem Anblick onaniert. In diesem Land, unter dieser Diktatur, kann sie mit niemandem mehr etwas anfangen, auch nicht mit Franz, den sie zwar in Rumänien noch kennenlernt, der sich aber schon im Absprung in Richtung Deutschland befindet. Irene reist ihm nach. Sie telefonieren und Franz sagt: &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Wir haben bewiesen, daß wir, wenn es uns gäbe, nicht wären.“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Was für ein verrückter Satz, aber, und jetzt kommt es.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Der Satz ist ein Zitat“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;, heißt es, und zwar aus&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  „Die unsichtbaren Städte.“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; Es ist klar, dass das Poem von Italo Calvino gemeint ist. &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die unsichtbaren Städte“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; sind Imaginationen, können  im übertragenden Sinne unerreichbare Winkel menschlicher Identität sein. Müller zitiert Calvino:  &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Irene ist der Name für eine Stadt aus der Ferne, und nähert man sich ihr, so wird sie eine andere."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Das ist auf Irene übertragbar, die nur auf einem Bein steht, ihre Identität nicht zum Greifen nahe ist. Sie verliert sich in ihrer Einsamkeit, treibt sich, als ob sie vor sich selber fliehen wolle, in Bahnhofslandschaften herum. Sie wird sich selber Fremd. Ihr Selbst ist gebrochen. Es ist kein Zufall, dass sich dieser Roman auch noch auf Cesare Paveses Roman&lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; „Der Teufel auf den Hügeln"&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; bezieht, der Romantitel wird bei Müller zitiert. Paveses Themen sind ebenso Langeweile, Einsamkeit biss hin zum Selbstmord, wie wir es in den einsamen Frauen lesen können. Um den Identitätsverlust bildhaft vorzuführen, wählt Herta Müller in ihrem Roman ähnlich wie in Paveses Roman &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Die einsamen Frauen“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt; das Beispiel mit dem Spiegel:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Ich seh nur in den Spiegel und rechne nicht mit meinem Gesicht".&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Diese literarischen Bezüge sind interessant, reichen aber nicht aus, um den Roman gut zu finden. Warum es mit Franz und Thomas nicht geklappt hat, weiß ich nicht, so bleibt die Handlung in der Schwebe. Thomas, der homosexuell ist, mit Irene aber geschlafen hat, sagt zu ihr:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Manchmal mach ich Ausnahmen, Irene, ich mußte dich doch rasch noch lieben, bevor du welkst."&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das kann sich evtl. auf das Motto des Romans beziehen, ein Zitat von Pavese: &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„Aber ich war nicht mehr jung.“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;  Schon tragisch. Sie hat ihr Leben verpasst. In &lt;/span&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;„dem anderen Land“ &lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;konnte sie wegen der Diktatur ihr Leben nicht ausleben. In Deutschland ist ihr Leben brüchig geworden. Es sei zu spät, sie welkt bald schon. Ich weiß natürlich nicht, ob Herta Müller das auch so sieht wie ich. An sich ist das auch nicht wichtig, denn Interpretationen bleiben dem Leser überlassen. Und warum Franz und Irene nicht zusammenpassen, lässt sich warscheinlich auch erdeuteln. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Um hier irgendwie weiter zu kommen, muss ich mich zum Schluss zu einem subjektiven Urteil verleiten lassen. Die ersten Kapitel finde ich sehr schön. Sie haben Atmosphäre, besonders der Abschnitt im Kapitel 4, der in der Umgebung einer Kaserne, eines Bahndamms und der Berliner Mauer spielt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;"Auf dem Bahnsteig oben, der Wind. Darunter die Mauer. Das Licht war grell. Und der Sog war kalt."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;Wie schade, dass solche atmosphärischen Teile im Roman dann nicht mehr vorkommen. Die Tragik des Romans liegt natürlich in Irenes Schicksal, aber noch tragischer in der Umsetzung. Es fesselt nichts und irgendwann denkt man, was lese ich überhaupt, d.h. der Inhalt grumpft irgendwo dahin, und der Faden geht flöten. Cesare Pavese, der die gleiche Grundthematik hat, spricht mich da viel mehr an. Interesssanter als das Buch zu lesen, war für mich das Verfassen dieser Rezension, in der mir doch noch einiger Sinn aufgegangen ist. Besonders dankbar bin ich für den Hinweis auf Calvino.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold; color: rgb(153, 102, 51);"&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8306876169630151721-7510913579360311144?l=martinus-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/feeds/7510913579360311144/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8306876169630151721&amp;postID=7510913579360311144&amp;isPopup=true' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7510913579360311144'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8306876169630151721/posts/default/7510913579360311144'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://martinus-literatur.blogspot.com/2009/11/herta-muller-reisende-auf-einem-bein.html' title='Herta Müller: Reisende auf einem Bein'/><author><name>Martin Stauder</name><uri>https://profiles.google.com/109809841172357471837</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='//lh4.googleusercontent.com/-uJ4p_eX43Wk/AAAAAAAAAAI/AAAAAAAAAQY/dEWHdI8JWcg/s512-c/photo.jpg'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8306876169630151721.post-2823532940692561091</id><published>2009-11-09T06:27:00.005Z</published><updated>2009-11-09T10:56:45.192Z</updated><title type='text'>Imre Kertész: Roman eines Schicksallosen</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;span style="color: rgb(0, 0, 255); background-color: rgb(255, 255, 0);"&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Im "&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Galeerentagebuch"&lt;/span&gt; verrät uns Kertész über den „Roman eines Schicksallosen“:&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;„Das Autobiographischste in meiner Biographie ist, daß es in "Schicksalslosigkeit" nichts Autobiographisches gibt. Autobiographisch ist, wie ich darin um der großen Wahrhaftigkeit willen alles Autobiographische weggelassen habe“&lt;/span&gt; (Galeerentagebuch Seite 185, Rowohlt Berlin 1993), demzufolge ich den Roman als Roman zu lesen habe, auch wenn ich weiß, dass Imre Kertész in den Konzentrationslagern war.&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-weight: bold; color: rgb(153, 51, 0);"&gt;Da sein Vater zum Arbeitsdienst einberufen werden soll, hat der fünfzehnjährige Gyurka Schulfrei bekommen. Der Roman wird aus der Sicht von Gyurka erzählt, der noch keinen Einblick in die Erwachsenenwelt hat, sich nicht darüber im klaren ist, dass er womöglich den letzten Tag mit seinem Vater verbringt. Von den Gefahren, denen Juden in dieser schrecklichen Zeit ausgesetzt sind, ist der Junge ahnungslos, vielleicht auch noch zu naiv, um zu begereifen , obwohl er den Judenhass eines Bäckers zu spüren bekommen hatte. Allerdings ist der Junge ziemlich aufgeweckt, weil er die Absurdität des Rassenhasses darlegen kann. Wenn wir den Roman allerdings weiterverfolgen, erscheint mir diese Aufgewecktheit allerdings unglaubwürdig. Denn obwohl Gyurkas Vater und Onkel Lajos die Gefahren des Nationalsozialismus erahnen oder wissen, bleibt der Junge ahnungslos und hinterfragt nicht. Natürlich habe ich mich gefragt, ob diese Ahnungslosigkeit nur aus heutiger Sicht naiv ist. Das Horthy-Regime war zwar antisemitisch und erließ diskriminierende Judengesetze, man ließ die Juden aber noch am Leben (siehe &lt;a target="_blank" href="http://www1.ku-eichstaett.de/ZIMOS/forum/docs/buch1.html"&gt;hier&lt;/a&gt; ). Erst als die Nazis 1944 Ungarn besetzten, in der Zeit, in der unser Roman spielt, wurden Hund
